Drei interessante Aspekte von Frankfurt vs Gladbach

1.    Gladbacher Mittelfeldprobleme

Gegen die Eintracht aus Frankfurt wählte Dieter Hecking eine etwas ungewöhnlichere Mittelfeldbesetzung. Normalerweise läuft bei den Gladbachern mindestens ein spielstarker Achter auf. Meistens ist es Jonas Hofmann. Gegen Frankfurt hingegen setzte Hecking auf die Kombination aus Christoph Kramer als alleiniger Sechser vor der Abwehr, während Florian Neuhaus und Dennis Zakaria die Doppelacht bildeten.

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Alle drei Mittelfeldakteure sind mit Sicherheit nicht technisch schwächsten Akteure, jedoch kann sich keiner von ihnen auf wenigen Metern unter Druck behaupten. Florian Neuhaus zeigte zwar kluge Aktionen unter Druck, ihm fehlt allerdings die Kreativität. Dennis Zakaria hingegen bringt sehr viel Dynamik und Vertikalität mit ins Spiel. Der Schweizer ist im Allgemeinen ein sehr kompletter Spieler, mit guter Übersicht und sauberen Dribblings, jedoch kann er mit seinem Fähigkeitenprofil Jonas Hofmann, der aktuell verletzt ist, ersetzen.

Christoph Kramer hingegen zeigte eine gute Leistung, spielte einige clevere Pässe und Verlagerungen. Allerdings ist der Weltmeister kein Spieler, der sich dauerhaft perfekt positioniert oder Pässe zwischen die Linien des Gegners spielen kann.

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Im Laufe der Partie passte Dieter Hecking die Mittelfeldbesetzung an. Lars Stindl wurde aus dem Sturmzentrum zurückgezogen und kurbelte das Spiel der Gladbacher aus tieferen Zonen an. Zwar gelang auch dem Kapitän nicht alles, in manchen Situationen wirkte er gar zu präsent und forderte permanent den Ball. Jedoch ermöglichte er es seiner Mannschaft vermehrt durch das Zentrum zu spielen. In ein paar Situationen löste er sich sehr schön aus einer Drucksituation, beim Ausgleichstor öffnete sein kurzes Dribbling den Raum für Strobls Pass zwischen die Linien.

Auch die Einwechselung von Tobias Strobl für den angeschlagenen Christoph Kramer stellte sich als guter Wechsel heraus. Der ehemalige Hoffenheimer ist spielerisch einen ticken stärker einzuschätzen als Kramer. Er stellte dabei einen Ruhepol in der Gladbacher Ballzirkulation dar, auch wenn er ähnlich wie das gesamte Mittelfeld der Gladbacher kaum wirklich ins Spiel fand. Der Vertikalpass vor dem Ausgleich war natürlich perfekt. In diesem Punkt wird Strobl vielleicht hin und wieder unterschätzt.

2.    Frankfurter Pressing

Der Grund für die Gladbacher Probleme im Mittelfeld konnte man besonders in der zweiten Hälfte beobachten. Neben der etwas unpassenden Besetzung war es auch das starke Frankfurter Pressing, dass es der Mannschaft von Dieter Hecking schwer machte in den Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld vorzustoßen.

In der ersten Hälfte wirkte das Pressing der Eintracht manches Mal noch unkoordiniert, in der zweiten Hälfte hingegen pressten sie das Gladbacher Aufbauspiel äußerst effektiv.

Gegen den Ball formierten sich die Frankfurter in einem 3-5-2, das recht selten zu einem 5-3-2 wurde, da Kostic und Da Costa sich eher an den gegnerischen Außenverteidigern orientierten.

Die beiden Stürmer stellten geschickt das Aufbauspiel der Gladbacher zu, ohne die Innenverteidiger stets aggressiv anzulaufen. Allerdings waren Haller und Rebic in der Lage die Passwege zum einzigen Sechser zuzustellen, den ballfernen IV sofort anzulaufen und auch den ballführenden Innenverteidiger nach außen zu lenken. So schafften es Ginter und Elvedi nur äußerst selten Kramer ins Spiel zu bringen.

Darüber hinaus hatte die Eintracht auch Gladbachs Achter gut im Griff. In der Regel verfolgten Gacinovic und de Guzman die beiden Achter mannorientiert, während Fernandes der freie Spieler zwischen den beiden war. Zusammen mit den höheren Flügelverteidigern waren die Frankfurter horizontal enorm kompakt, hatten Zugriff auf den Ballführenden und konnten jederzeit herausrücken, um den Sechser zu stören. So hatte Gladbach enorme Probleme durch die Mitte zu attackieren.

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Gerade in der zweiten Hälfte ging sehr viel über die Flügel. Hier hatten die Gladbacher den Vorteil, dass Frankfurt zu oft in 1v1 Situationen gezwungen wurde. Durch die Dreierkette in letzter Linie und die breiteren Flügelspieler der Borussia wurde die Kette weit auseinandergezogen. Beim Gegentor konnte man das Problem der riskanten Spielweise erkennen. Hasebe orientierte sich an Plea, statt Zakaria zu attackieren. Der Schweizer hatte entsprechend genug Platz abzuschließen.

3.    Frankfurter Eckballvariante

Die Frankfurter führten in dieser Partie viele ihrer Ecken kurz aus. Auch das Tor von Danny da Costa entstand aus einer kurzen Ecke. Meistens kam ein Spieler entgegen und wurde von einem Gladbacher verfolgt. Der Eckenschütze hinterlief und erhielt den Ball direkt wieder. Entsprechend hatte er viel Platz und konnte die Flanke aus einem unangenehmeren Winkel in den Sechzehner schlagen.

Der Vorteil bei dieser Variante? Die Zuordnungen werden hin und wieder aufgelöst, da der Gegner aus dem Sechzehner schieben möchte. In diesen Situationen verliert der ein oder andere Verteidiger seinen Gegenspieler. Darüber hinaus ergeben sich Lücken hinter den herausschiebenden Akteuren, in die eine Flanke geschlagen werden kann.

Auch wenn die Verteidigung nicht sofort herausschiebt, können Flanken vom Sechzehnereck sehr gefährlich sein. Oft reicht eine leichte Berührung und der Ball landet im langen Eck. Alles in allem eine Variante, die unangenehm zu verteidigen ist.

Fazit

In einer interessanten Partie war zunächst Gladbach das dominantere Team und hätte bereits in der ersten Hälfte durch Zakaria in Führung gehen können/müssen. Nach der Pause war zunächst die Eintracht aktiver, die gerade von ihrem guten Pressing profitierte. Die Wechsel von Dieter Hecking ließen das Spiel wieder ein wenig zu Gunsten von Gladbach kippen, die letztlich zum verdienten Ausgleich kamen und durch Drimic sogar noch die Chance zum Sieg vergaben.

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