Eintracht belohnt sich für zwei dominante Auftritte

Hinspiel: 80 Minuten Überzahl reicht am Ende nicht

Ohne Stürmerstar Haller, aber dafür mit 80 Minuten in Überzahl konnte sich Eintracht Frankfurt am vergangenen Donnerstagabend im Gastspiel beim ukrainischen Serienmeister Shakhtar Donetsk mit einem 2:2 Unentschieden eine gute Ausgangslage für das Rückspiel in Frankfurt erarbeiten. Nichtsdestotrotz überwiegen am Ende aufgrund des starken Auftritts und der zweimaligen Führung gemischte Gefühle bei Spieler und Verantwortlichen.

Hektische Anfangsphase und Wechselbad der Gefühle

Die Anfangsphase war von Hektik und aggressivem Gegenpressing der Mannen von Adi Hütter geprägt. Die Frankfurter präsentierten sich im Defensivverhalten in einem 5-2-3, bei dem Hasebe wie gewohnt die zentrale Verteidigerposition bekleidete. Als Halbverteidiger setzte Hütter auf den jungen Franzosen N’Dicka und den Winterneuzugang Martin Hinteregger, der den weiterhin verletzten Kapitän Abraham ersetzen sollte. Auf den Außenverteidiger Positionen spielten wie gewohnt Filip Kostic und Danny da Costa, die sowohl beim Gegen- und Angriffspressing, als auch bei eigenem Ballbesitz, oftmals sehr weit aufrückten, was nahezu in einem 3-4-3 mündete. Vor der Abwehr spielten Gelson Fernandes, der die Adler als Kapitän aufs Feld führte, und Rückkehrer Sebastian Rode. Das Offensiv Dreieck um Gacinovic, Rebic und Jovic komplettierten die Frankfurter Truppe. Gacinovic positionierte sich hierbei meist zentral hinter den zwei Spitzen, wobei bei eigenem Ballbesitz oft ein fluider Wechsel zwischen den Dreien entstand.

Schon nach sieben Minuten musste Pyatov das erste Mal hinter sich greifen und gab dabei eine schlechte Figur ab. Nach einem Freistoß von Rode stieg Hinteregger am langen Pfosten am höchsten und nickte ein. Doch im direkten Gegenzug gab es einen strittigen Elfmeter gegen die Eintracht, als N’Dicka im Sechzehner etwas unbeholfen zur Sache ging. Kevin Trapp im Tor der Eintracht hatte zwar die richtige Ecke geahnt, konnte den Strafstoß von Routinier Marlos aber nicht entscheidend ablenken.

Das Frankfurter Wechselbad der Gefühle nahm seinen vorläufigen Höhepunkt als der ukrainischer Sechser Stepanenko nach einer rüden Attacke im Mittelfeld schon nach 11 Minuten seine zweite gelbe Karte sah.

Frühe Rote Karte spielte Frankfurt in die Karten – oder auch nicht?

Nach der Gelb-Roten Karte für Stepanenko stellte der Trainer des ukrainischen Serienmeisters Paulo Fonseca auf ein in Unterzahl eher untypisches 4-2-3, später ein 4-4-1 um.

Die Osteuropäer standen nun tief (an die 25 Meter vor dem Tor) und waren nun hauptsächlich darauf bedacht das Zentrum zu verdichten. So wurde es zu einem Geduldsspiel für die Frankfurter Eintracht, die fortan versuchte überwiegend per Flanken zum Torerfolg zu kommen (allein 12 Flanken bis zur Pause).

An die 60% Ballbesitz sollten die Mannen von Adi Hütter bis zum Ende des Spiels sammeln. Wirklich Kapital konnten sie daraus, vor allem in der ersten Hälfte, nicht schlagen. Wenn die SGE den Ball im letzten Drittel verloren, gingen sie sofort ins Gegenpressing über aus dem sich Donetsk (durch einen Mangel an Anspielstationen) nur schwer befreien konnten. Teilweise wirkte das Gegenpressing jedoch zu unkoordiniert und es offenbarten sich einige Freiräume für Shakhtar. (Diese rückten aber meist nie konsequent nach und ließen ihre offensiven Einzelkünstler oft alleine. Das dies aber trotzdem für ein Tor reichen kann, sollte der Ausgleich zum 2:2 zeigen).

Kluges Positionsspiel ermöglicht der Eintracht einige Chancen

Im Anschluss an den Platzverweis hatte die Eintracht nun mehr Kontrolle über das Spielgeschehen (60% Ballbesitz). Den Spielaufbau übernahm meist Hasebe. Rode und Fernandes fungierten dann als erste Anspielstation im Zentrum. Hier rückten die AV zusätzlich auf die letzte Linie vor und gaben dem Spiel mehr Breite. Die drei Offensiven positionierten sich derweil zwischen den Verteidigern und versuchten so für Unordnung zu sorgen.

Adi Hütter

Die 5 vs. 4 Überzahlsituation in der letzten Linie ist eigentlich ein bewährtes Mittel um Überladungssituationen zu schaffen. Gepaart mit Läufen in die Tiefe kreierte die SGE eine Mehrzahl an Chancen im weiteren Verlauf der ersten Hälfte. Diese blieben jedoch ohne Erfolg, da meist der letzte Pass nicht ankam.

Kurz nachdem Seitenwechsel findet eine der vielen Frankfurter Hereingaben das Ziel und der Ex-Hamburger Filip Kostic kann auf 2:1 erhöhen. Die SGE drängte weiter und hatte in Person von Jovic, Rebic und Kostic weitere gute Einschussmöglichkeiten, welche jedoch ohne Erfolg blieben. In der 67. Minute kam es dann wie es kommen musste. Die Eintracht bekommt erst im Zentrum keinen Zugriff, Hinteregger kann nicht entscheidend klären und der Ball landet über Umwege bei Stürmer Moraes der Spielmacher Taison im Strafraum geschickt in Szene setzt. Dieser bleibt vor Trapp eiskalt und markiert den Ausgleich.

Die SGE bleibt zwar am Drücker, schafft es aber in der Schlussphase nicht mehr entscheidend vor das gegnerische Tor. Donetsk zieht sich derweil noch weiter zurück und kann das Remis über die Zeit retten.

Fazit Hinspiel

Die knapp 3000 mitgereisten Eintracht Fans sahen einen engagierten, mutigen und über weite Strecken dominanten Auftritt ihres Teams. Auch wenn die eben angesprochene Dominanz dem frühen Platzverweis für Stepanenko geschuldet war, wussten die Frankfurter doch damit umzugehen, auch wenn sie schlussendlich nur ein Unentschieden mit nach Hause nehmen konnten. Shakhtar Donetsk hat einmal mehr gezeigt, warum schon einige Champions League Teams ihre Probleme in der Ukraine hatten. Gerade die Offensivspieler sind jederzeit gefährlich und können das Spiel aus dem Nichts mit Einzelaktionen entscheiden.

An den Aussagen der Spieler und Verantwortlichen lässt sich erkennen, dass ein gewisser Grad an Frustration durchaus vorhanden ist, was retrospektiv verständlich ist, wenn man bedenkt, dass die Eintracht über 80 Minuten in Überzahl gespielt haben. Vor heimischer Kulisse und mit einem 2:2 im Rücken sollte man sich in der Mainstadt trotzdem gute Chancen auf ein Weiterkommen ausrechnen dürfen…

Eintracht kann sich im Rückspiel endlich belohnen

Vor heimischer Kulisse und mit einem komfortablen 2:2 Unentschieden aus dem Hinspiel im Rücken versuchte die Eintracht gleich von Beginn an die überzeugende Leistung in der Ukraine anzuknüpfen. Aus personeller Hinsicht wechselte SGE-Coach Adi Hütter im Vergleich zum Hinspiel auf zwei Positionen. Der wiedergenesene Kapitän David Abraham ersetzte den verletzten Gelson Fernandes (Oberschenkelverletzung), dafür rückte Defensivallrounder Hasebe ins zentrale defensive Mittelfeld. Im Angriff kam anstatt Rebic Haller zum Einsatz.

Durch den Wechsel von Hasebe gab es eine leichte taktische Veränderung im Spiel der Hausherren. Statt im üblichen 3-4-1-2 agierten die Hessen nun gegen den Ball mannorientierter im Zentrum, was in einem 3-1-4-2 resultierte.

Die Defensive von Adi Hütter steht

Was aber gleich bleibt, ist die Anzahl der Spieler im Zentrum der Hessen. Im Hinspiel bekleideten diese Positionen noch Gelson Fernandes und Sebastian Rode. Diese positionierten sich meist beide zentral vor der Abwehr (siehe Abb. 2), konnten so Überzahlen schaffen und waren stets anspielbar, was der Eintracht über weite Strecken die Kontrolle über das Spielgeschehen bescherte. Hierbei darf nicht außer acht gelassen werden, dass der frühe Platzverweis für Stepanenko einen maßgeblichen Anteil daran hatte.

Im Rückspiel wiederum war eine exakte Spiegelung des Donetsker Zentrums im Eintrachter Defensiv- wie Offensivspiel zu erkennen. Rode rückte meist neben Gacinovic, welcher im Hinspiel noch fast auf einer Höhe mit den beiden Stürmern (Jovic und Rebic) agierte, sich im Rückspiel jedoch eher als Achter im linken Halbraum wiederfand. Defensiv zahlte sich dies in der Anfangsphase aus. Rode und Gacinovic liefen die ukrainische Doppelsechs früh aggressiv an und zwangen diese so zu Ballverlusten. Da auch der Rest der Frankfurter Mannschaft aggressiv und engagiert verteidigte wurde das Aufbauspiel der Ukrainer meist im Keim erstickt.

Wurde der Ball zu den Außenverteidigern des ukrainischen Serienmeisters gespielt, attacktierten die Hessen sofort. Vorallem Rechtsverteidiger Butko wurde als Pressingauslöser ausgemacht. Kostic beziehungsweise Da Costa auf der anderen Seite liefen ihren Gegenspieler dann sofort an. Der Stürmer der sich gerade auf dieser Seite befand stellte den Passweg zum Innenverteidiger zu. Der ballnahe Achter nahm den Sechser als Anspielstation aus dem Spiel und der Halbverteidiger schob nach vorne um den offensiven Außenspieler zu decken. Dies führte meist zu Ballverlusten auf Seiten der Ukrainer.

Teilweise enstanden sogar Überzahlsituation in Ballnähe für die SGE, da Butko ö.ä. den Ball jedoch lieber ins Aus schlug, konnten die Hessen kein großes Kapital daraus schlagen.

Wurde das Frankfurter Pressing auf den Außen überspielt, was sehr selten vorkam, versuchten die Mannen von Adi Hütter sofort wieder 8 Spieler hinter den Ball zu bekommen, was oft schnell gelang. Vorallem Gacinovic und Rode wussten hierbei zu überzeugen und sorgten mit großem Laufpensum und einigen Balleroberungen für große Freude in der Commerzbankarena. Taktisch gesehen agierte die SGE defensiv in einem 3-5-2, wobei Haller und Jovic oft vorne blieben, um auf Konter zu lauern. Haller orientierte sich dabei meist zentral und war der Fixpunkt für lange Bälle, während Shootingstar Jovic gewohnt überall um ihn herum zu finden war.

Adi Hütter

Hier sieht man die Spiegelung im Zentrum. Hasebe als alleiniger Sechser mit Gacinovic und Rode als Achter in den Halbräumen stehen diametral zum Zentrum des Donetsker 4-2-3-1. Diese Anpassung hilft nicht nur der SGE im Spiel gegen den Ball, sondern kommt auch den Ukrainern in der Defensive zu Gute.

Mannorientierung im Zentrum bringt keinem einen Vorteil

Die defensive Spiegelung des Gegners bei der Arbeit gegen den Ball hat man zuletzt auch in der Bundesliga häufig gesehen.

Hierbei ist vorallem Hannover unter Breitenreiter zu nennen. Behält man diese Positionierung jedoch offensiv bei, fällt es den Mannschaften oft schwer ein funktionierendes Ballbesitzspiel aufzuziehen. Dies war auch hier zu sehen. Shakhtar stellte das Frankfurter Zentrum ebenfalls geschickt zu. Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass Rode und Gacinovic zu zentral standen. Dadurch fiel es Shakhtar leicht, die Mitte zu verdichten und kompakt zu stehen, weil die beiden zentralen defensiven Mittelfeldspieler gleichzeitig die Achter der SGE zustellen konnten, und trotzdem nicht zu weit nach außen rücken mussten.

Deshalb fehlte es im Frankfurter Aufbauspiel an Breite und Anspielstationen, was oft in langen Bällen der Innenverteidiger (meistens Hinteregger) auf Haller, die Außen oder gar ins Seitenaus resultierte. Die eben angesprochene Mannorientierung im Zentrum kombiniert mit einem ansprechenden defensiven Einsatz beider Mannschaften führt in den ersten 20 Minuten zur totalen Neutralisation. Strafraumszenen? Mangelware.

Der Führungstreffer für die Eintracht kam folglicherweise wie aus dem Nichts. Da Costa wurde auf der rechten Außenbahn schön geschickt, dribbelte bis zur Grundlinie und fand in der Mitte Jovic, der sich von den beiden Innenverteidigern lösen konnte und trocken einschob. In den folgenden Minuten erkannten Rode und Gacinovic die Notwendigkeit der Breite in ihrem Spiel und positionierten sich fortan zwischen ZDM und dem jeweiligen Außenspieler. Ähnlich der Positionierung der beiden Achter im 4-3-3 der Gladbacher unter Hecking. Dies half der Eintracht im Aufbauspiel und gab ihnen mehr Spielkontrolle. Nach Hallers Treffer zum 2:0 konzentrierten sie sich darauf hinten sicher zu stehen und auf mögliche Konter zu lauern.

Donetzk geht volles Risiko und wird fast belohnt

Dies gelang den Frankfurten auch bis zur 63. Minute. In den folgenden 15 Minuten drohte die Partie zu kippen, denn den Gästen gelang nicht nur der Anschlustreffer über einen feinen Spielzug von Marlos, Moraes und Ismaily, sondern auch zwei Aluminiumtreffer.

Donetzk ging infolge des Anschlusstreffers noch mehr ins Risiko. Die Außenspieler Taison und Marlos rückten nun mehr ins Zentrum und versuchten Überzahlsituationen zu schaffen. Die dribbelstarken und wendigen Brasilianer waren nun überall zu finden und sorgten für reichlich Verwirrung in der Frankfurter Hintermannschaft. Zudem schoben die beiden Außenverteidiger extrem weit vor. Shakhtar hatte nun nur noch ihre zwei Innenverteidiger und teilweise die Sechser, je nach Spielsituation, als Konterabsicherung.

Hallers Treffer zum 3:1 stellte schließlich den Knackpunkt der Partie da. Rebics konnte schließlich noch auf 4:1 erhöhen, was aber kaum mehr als Schönheitskosmetik war. Das Donetzker Offensivspektakel war beendet.

Fazit

Mit einem beeindruckenden 4:1 konnte die Eintracht im Rückspiel das Ticket für die nächste Runde lösen. Frankfurt dominierte Donezk über weite Strecken in beiden Begegnungen und stand vor allem defensiv weitestgehend stabil. Shakhtar zeigte warum sie schon vielen Teams Probleme bereiten und waren gerade durch Einzelaktionen ihrer Offensivkünstler aus dem Nichts brandgefährlich. Ihnen genügten zusammenfassend gerade einmal 30 Minuten, um Frankfurts Europa Reise ein jähes Ende zu setzen. Das Ergebnis sollte daher nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Frankfurter Sieg im Rückspiel, keineswegs ungefährdet war. Das Weiterkommen ist schlussendlich verdient. Die Art und Weise sollte den Verantwortlichen in Frankfurt Mut machen, aber auch zu denken geben.

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