Bosz 2.0 – Warum Leverkusen wieder um die Champions League mitspielt

Zwei Kontakte, ein Doppelpass und ein perfekter Abschluss. Julian Brandt zeigte seine ganze Klasse beim dritten Tor des Spiels gegen Mainz 05. Die Leverkusener Offensive macht seit der Ankunft von Peter Bosz viel Spaß anzuschauen.

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Dynamik, Dribblings, Kombinationen und perfekte Pässe. Unter dem neuen Trainer Peter Bosz scheint dem Team die Spielfreude zurück gegeben zu haben. In der Bundesliga läuft alles nach Plan. Doch was änderte der Niederländer bisher und hat er aus seinen Fehlern in Dortmund gelernt?

Unter Herrlich fehlte die Leichtigkeit

Ein Schritt näher an die Spitze. Die Champions League als Ziel. Die beste Offensive hinter den Bayern und Borussia Dortmund. Die Erwartungen an Bayer Leverkusen für die aktuelle Bundesliga-Saison waren groß. Das Team von Heiko Herrlich entwickelte sich in der Vorsaison gut, den nächsten Schritt wollte man diese Saison dann machen.

Doch alles kam anders. Die Hinrunde war zum Vergessen für die Leverkusener. Zwar konnte man vor der Winterpause noch Platz 9 und damit einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, jedoch wirkte das Team von Heiko Herrlich nicht wie ein Spitzenteam.

Letztlich entschied man sich im Winter Peter Bosz anstelle von Heiko Herrlich als Chefcoach zu installieren. Mangelnde Konstanz und fehlende spielerische Entwicklung kosteten Herrlich letztlich den Job. Nun soll es also der Niederländer Peter Bosz richten. In der Vorsaison nach fantastischem Start in der Mitte der Saison bei der Borussia aus Dortmund entlassen, wagt der ehemalige Ajax-Coach die Herausforderung Bundesliga erneut.

Bisher läuft es mehr als gut für den neuen Coach. Unter seiner Regie ist man wieder voll im Kampf um die Europapokal Plätze. Einzig die Niederlage im Pokal bei Heidenheim und das Ausscheiden in der Europa League trübt den nahezu perfekten Start von Peter Bosz bei der Werkself. Dabei kann man die Philosophie des Niederländers bereits deutlich erkennen.

Exkurs: Warum scheiterte Bosz eigentlich in Dortmund?

Viel wurde damals gerätselt was mit den Dortmundern nach einem perfekten Start in die Saison passierte. Letztlich währte der Höhenflug von Peter Bosz in Dortmund nur kurz. Neben dem ein oder anderen Gerücht über Probleme der Trainingssteuerung waren es vor allem Aspekte der Absicherung, die Dortmund regelmäßig zum Verhängnis wurden.

Gerade im Gegenpressing fehlte es den Dortmundern an der Absicherung. Zwar ging man sofort nach einem Ballverlust in die aggressive Rückeroberung, ließ dabei aber die Balance und vor allem Absicherung in der Tiefe vermissen. Konnte sich ein Gegner aus der Drucksituation befreien, reichte oft ein simpler Pass hinter die Abwehr, um das Kartenhaus BVB Abwehr zum Einstürzen zu bringen.

Speziell die Viererkette fokussierte sich viel zu oft auf den Ball, verpasste es die Tiefe durch fallen lassen zu sichern und konnte so von vielen Gegnern mit simplen langen Bällen überspielt werden.

Brandt & Havertz – Bosz nutzt die Stärken seines Kaders

Wie zu erwarten änderte der Niederländer die Grundformation der Leverkusener und setzte wie schon bei Ajax und in Dortmund auf ein 4-3-3. Dabei stellte sich ein Kniff bisher als erfolgreich heraus. Denn unter Bosz agieren Kai Havertz und Julian Brandt, die wohl zwei größten Talente der Leverkusener, im Zentrum auf der Doppelacht. Dahinter werden sie durch den ebenfalls sehr offensiven Charles Aránguiz unterstützt.

Zu Beginn setzte Bosz dazu noch auf inverse Außenbahnspieler. Entsprechend kam Bailey über rechts und Bellarabi über die linke Seite. Beide Flügelspieler bringen Dribbelstärke und Tempo mit. Zusammen mit den ausweichenden Volland kann so sich bietender Raum sofort genutzt werden.

Jedoch änderte Bosz dies bereits und ließ die Beiden dann doch auf ihrer eigentlich richtigen Seite agieren. Gerade der Jamaikaner Bailey scheint sich auf der linken Seite wohler zu fühlen.

Die sehr offensive Ausrichtung der Werkself wird durch die Außenverteidiger Wendell und Lars Bender/Mitchell Weiser komplettiert. Die Außenverteidiger haben dabei eine variable Rolle inne. Mal sichern sie im Halbraum ab, mal stoßen sie nach vorne. Dann wird der Flügelspieler hinterlaufen oder es wird durch den Halbraum attackiert. Speziell der Brasilianer Wendell stellt eine gefährliche Waffe bei Sprints durch den Halbraum dar.

Jonathan Tah und Sven Bender, die gemeinsam das Innenverteidiger-Pärchen bilden, müssen mit sehr viel Risiko agieren. Oft stehen sie extrem hoch, verfolgen den Gegenspieler mannorientiert und müssen irgendwie den Spagat zwischen Sechserraum- und Tiefensicherung meistern.

Leverkusen in Ballbesitz – variabler Spaßfußball

Das Leverkusener Spiel ist geprägt durch die Phase in Ballbesitz. Die Art und Weise wie Leverkusen attackiert hat eine Menge Implikationen für die anderen Spielphasen des Teams von Peter Bosz.

Wie bereits angesprochen agieren Brandt und Havertz gemeinsam im Zentrum. Bereits unter Heiko Herrlich durften die beiden talentierten Offensivspieler zwischen den Linien agieren, damals aber noch mit einer weiteren Absicherung hinter ihnen.

Beide sind unheimlich stark unter Druck, bewegen sich intelligent ohne Ball und sorgen regelmäßig für Torgefahr. Gerade Julian Brandt genießt unter Bosz viele Freiheiten. Seit der Ankunft des Niederländers scheint der Nationalspieler geradezu aufzublühen. Im Vergleich zu Havertz agiert Brandt noch mehr als Spielmacher. Neben dem Chilenen Aránguiz kurbelt Brandt das Spiel an. Seine unheimliche Spielintelligenz ermöglicht es Bayer sich auch unter Druck zu lösen und dann den freien Raum zu attackieren.

Brandts Dribblingstärke gepaart mit dem Spielverständnis und Auge für die Pässe zwischen die Linien oder in die Tiefe machen den Nationalspieler so unfassbar wertvoll für Bosz. Auch Kai Havertz sticht mit seiner Spielintelligenz und seinen Fähigkeiten unter Druck heraus. Zwar agiert er grundsätzlich etwas höher, jedoch starten viele Angriffe über seine rechte Seite.

Die passenden Bewegungen des Achters und die konstante Möglichkeit ihn unter Druck anzuspielen, hilft seinen Mitspielern enorm weiter. Beide, Brandt und Havertz sind die tragenden Säulen im Offensivspiel, verbinden das Konstrukt und sorgen für Lösungen.

Peter Bosz

Grundsätzlich ist das Leverkusener Offensivspiel auf den beiden Dreiecken am Flügel/Halbraum ausgelegt. Gerade auf der linken Seite kann man oft erkennen, wie Wendell sich bewusst im Halbraum positioniert und von dort aus hinterläuft oder durch den Halbraum nach vorne dringt.

So ist die Absicherung und eine Anspielstation im Halbraum gewährleistet. Aufgrund der noch teilweise mangelhaften Positionierung der Leverkusener bleiben die Vorteile der absichernden Außenverteidiger zu oft ungenützt.

keine Absicherung

Denn, Leverkusen überläd grundsätzlich die letzte Linie. Das hat zur Folge, dass der Gegner viele Spieler in eine tiefere Position bringen muss, um die starke Offensive verteidigen zu können. Dies öffnet Raum eine Linie davor. Gerade die Außenverteidiger und Aránguiz können so schnell Seitenwechsel spielen.

Die Variabilität des Leverkusener Spiels

Das Dreieck am Flügel kann optional immer durch Volland oder Aránguiz unterstützt werden. Speziell die Verbindung zum Chilenen im Zentrum ist von großer Bedeutung, um den Gegner durch Verlagerungen in Bewegung zu bringen. Neben Stürmer Volland (Alario) und dem Sechser kommt es auch häufiger vor, dass einer der Achter sich weit auf die andere Seite bewegt. So ergeben sich viele Passoptionen und die individuelle Stärke der einzelnen Offensivakteure kommt zum Tragen.

Sollte man sich nicht durch die Engen spielen können, ergeben sich stets Möglichkeiten durch einen Seitenwechsel offene Räume auf der anderen Seite zu bespielen. Durch die schnelle Herstellung des Dreiecks am Flügel, die hohe Position der Innenverteidiger und die diagonale Passoption im Zentrum, kann Leverkusen den offenen Raum durch ein schnelles Kombinationsspiel nutzen.

Seitenwechsel Grafik
Aránguiz, Bellarabi und Havertz versuchten sich im Halbraum durchzuspielen. Dadurch wurde die Mainzer Defensive angelockt und es ergaben sich Räume. Die Raute der Mainzer im Zentrum öffnete Leverkusen in dieser Partie viele Optionen, Peter Bosz Team konnte diese strukturellen Lücken sofort nutzen.

Das Beeindruckende an der Leverkusener Offensive sind die verschiedenen Möglichkeiten gerade nach einem solchen Seitenwechsel. Entweder man schickt Bailey/Bellarabi außen in ein 1v1, oder Wendell vorderläuft in dieser Situation, was den Gegner vor eine neue Herausforderung stellt.

Des Weiteren können Räume für Brandt/Havertz geöffnet werden. Beide sind in der Lage mit phantastischen Pässen, oder speziell Brandt mit seinen Dribblings, die Defensive auseinanderzunehmen. Auch eine diagonale Verlagerung ins Zentrum ist kein Problem. Die Präsenz, die Boszs Team zwischen den Linien hat, erlaubt es ihnen immer wieder gefährlich durch Engenkombinationen und Pässe hinter die letzte Linie zu werden.

fünf Spieler auf einer Linie gute Staffelung

Diese Variabilität ist eine große Stärke. Die breiten Außenspieler oder nachstoßenden Außenverteidiger ziehen den Gegner auseinander und öffnen Räume im Zentrum. Auf links sieht man häufiger die Wechselbewegungen zwischen Wendell und Brandt. Der Brasilianer stößt in die Tiefe während Brandt ein paar Meter zurückfällt und so den Ball mit Platz und Sichtfeld zum Tor erhalten kann.

Alles in allem schafft es die Mannschaft seit der Amtsübernahme von Peter Bosz sehr viel Durchschlagskraft zu entwickeln. Grund dafür sind die vielen Spieler zwischen den Linien und in der letzten Linie. Diese Überladungen sind nicht ohne Risiko, weswegen ein funktionierendes Gegenpressing essenziell ist.

Das Gegenpressing von Peter Bosz – Licht und Schatten

Peter Bosz steht nicht gerade auf ängstliches Angriffsspiel. Wie wir im vorherigen Abschnitt bereits gesehen haben, wird unter dem Niederländer mit vielen Spielern im gegnerischen Defensivblock attackiert. Selbst der eigentliche Sechser Charles Aránguiz rückt regelmäßig weit nach vorne. Zusätzlich schieben die Innenverteidiger nicht nur bis zu Mittellinie, sondern bis in die gegnerische Hälfte.

Entsprechend ist die Konterabsicherung ein Thema, das den Niederländer beschäftigt. Ein schnelles und aggressives Gegenpressing ist essenziell, um nicht fortlaufend in Kontersituationen zu geraten. In seiner Dortmunder Zeit wurde ihm nicht das fehlende Gegenpressing, sondern die richtige Balance im Umschaltmoment zum Verhängnis. Bisher lassen sich ähnliche Muster bei Bayer erkennen.

Die Mannschaft schaltet bereits jetzt blitzschnell nach einem Ballverlust um. Zu Beginn fehlte die Balance noch komplett, mittlerweile sichert man die ballnahen Spieler etwas besser ab. Jedoch sind die Leverkusener noch weit vom Optimum entfernt. Aktuell leben sie vor allem von ihrer Intensität und der schnell kreierten Überzahl in der Nähe des Balles.

Gegenpressing eng ballnah
Schaut man sich diese Situation gegen Mainz 05 an, erkennt man schnell die positiven und negativen Seiten des Leverkusener Gegenpressings. Zwar schaltete man nach Ballverlust schnell um, der hochstehende Bender befindet sich direkt im Zweikampf, da er gegen den Stürmer der Mainzer absicherte.

Der ballführende Mainzer wird von drei Spielern sofort attackiert. Das Ziel des Boszen Gegenpressings ist die schnellstmögliche Rückeroberung des Balles und nicht etwa der lange Schlag des Gegners. Auch aus diesem Grund schoben Havertz und vor allem Sechser Charles Aránguiz mit in den Raum, um Bender zu unterstützen.

Auch Julian Brandt, Leon Bailey und Kevin Volland unterstützten am Flügel. Allerdings fehlte es den Leverkusenern an der Balance. Die Mitte (gelb markierter Raum) ist komplett offen. Keiner hat sofortigen Zugriff auf diesen Raum. Hätte sich Mainz aus dieser Umklammerung lösen können, wäre durch das Zentrum ein sofortiger schneller Konter möglich gewesen. Denn ballfern hatte Mainz eine 3vs2 Überzahl.
Gegenpressing offene Mitte

Auch hier schafft Leverkusen in der Nähe des Balles eine 5vs4 Überzahl und hat so wieder die Möglichkeit mit zwei Akteuren den Ballführenden zu attackieren. Auch in dieser Szene stimmt die Absicherung nicht. Zwar hat man im Zentrum noch eine 4v3 Überzahl oder zumindest eine Gleichzahl, sollte der Außenverteidiger der Mainzer weiter vorrücken. Allerdings sind die Abstände ziemlich groß. Ein Pass auf den Stürmer und Mainz könnte durch schnelle Ablagen gefährlich durchs Zentrum attackieren.

Kurzer Exkurs: Die Absicherung des Gegenpressings

Bayer Leverkusen unter Peter Bosz ist für mich ein sehr gutes Beispiel für einen Aspekt, der mir immer häufiger auffällt. Sehr viele Teams sind schlecht im Gegenpressing abgesichert. Was meine ich damit? Zwar gehen zwei bis drei Spieler auf den Ballführenden Akteur, nachdem man den Ball verlor, jedoch passen die restlichen Spieler ihre Position nicht an. Sehr oft kann man beobachten, wie sich der Gegner aus der ersten Drucksituation befreien kann und dann sofort sehr viel Raum vorfindet.

Es fehlt vielen Teams an einer zweiten Linie, Spieler, die um die attackierenden Akteure herum absichern. Diese absichernden Akteure können einen schnellen Angriff des Gegners unterbinden, sollte er sich befreien können. Gerade weil viele Spieler immer stärker unter Druck werden, ist dies langfristig eine Notwendigkeit.

Gegenpressing Salzburg 2

Die absichernde Linie dient nicht nur der direkten Ballrückeroberung, sondern ist bei einer erfolgreichen Unternehmung ebenfalls hilfreich. Wenn der Ball im Gegenpressing gewonnen wird, schaltet auch der Gegner sofort wieder um. Ohne passende Struktur entstehen viele Gegenpressingsituationen und ein chaotisches Spiel. Der Grundsatz sollte stets lauten, besser auf eine Situation vorbereitet zu sein als der Gegner. Gewinnt man den Ball kann die absichernde Linie genutzt werden, um sofort in den freien Raum zu verlagern und dem Gegner keine Chance zu geben ebenfalls sofort gegenzupressen.

Leichte Verbesserungen und die Staffelung in der Tiefe

Im Laufe der bisherigen Partien konnte Peter Bosz einige Probleme seines Teams im Gegenpressing abstellen. Das Team wirkt nun besser geordnet, findet die Balance und kann Konter des Gegners leichter verhindern.

Gegenpressing Krasnador
In dieser Situation sichert Leverkusen besser ab. Volland attackiert alleine, während Brandt und Havertz die Passwege zustellen. Entscheidend für den Erfolg in dieser Situation war außerdem das Vorrücken von Charles Aránguiz, der den Gegner zum Rückpass zwingt.

Jedoch ist das Zentrum weiterhin vereinzelt unterbesetzt. Im Vergleich zu den ersten Partien unter Bosz ist der Raum aber nicht mehr so groß. Logische Konsequenz, Leverkusen kann den Raum schneller dynamisch zulaufen.

Allerdings ist man weiterhin weit vom Optimum entfernt. Immer noch ergeben sich große Lücken für den Gegner im Umschaltmoment. Gerade wenn Charles Aránguiz nicht absichert, sondern am Offensivspiel in höherer Position teilnimmt. Dann fehlt es der Werkself an der nötigen Absicherung. Beide Innenverteidiger müssen weit in der gegnerischen Hälfte stehen, um bei einem Anspiel auf den Stürmer sofort Druck machen können.

Potenziell öffnen sich dadurch Räume hinter der Abwehr… ein Problem, dass Bosz schon in Dortmund hatte.

Bosz Probleme bei langen Bällen

Eine weitere tragende Säule des Spielmodells von Peter Bosz ist das aggressive Angriffspressing. Ziel ist es entweder den Ball bereits in der gegnerischen Hälfte zu erobern oder den langen Ball zu provozieren. Dabei presst die Bayer-Elf entweder in einem 4-3-3 oder 4-1-4-1. Je nachdem wie hoch die Achter positioniert sind bzw. wie tief sich die Flügelspieler fallen lassen.

Grundsätzlich ist Charles Aránguiz der absichernde Akteur hinter den fünf aggressiv pressenden Akteuren. Allerdings ist der Chilene ein sehr offensiv ausgerichteter Spieler. Aufgrund der mannorientierten Spielweise der Elf von Peter Bosz, schiebt auch Aránguiz immer wieder weiter nach vorne.

Auch die Achter orientieren sich an den gegnerischen Mittelfeldspielern und verfolgen diese. Allerdings steht das Halten der Position primär im Fokus, so dass weiträumige Freilaufbewegungen nicht immer verfolgt werden.

Peter Bosz Pressing

Des Weiteren agiert Leverkusen im Anlaufverhalten etwas asymmetrisch. Kevin Volland oder nach der Verletzung von Karim Bellarabi, Lucas Alario läuft den ballführenden Innenverteidiger an und versucht ihn entweder auf eine Seite oder zum Querpass zu zwingen.

Der ballferne Flügelspieler attackiert sofort den zweiten Innenverteidiger, der den Ball erhält. Dabei läuft er leicht von außen an, um den gegnerischen Außenverteidiger in seinem Deckungsschatten zu haben. Je nach Formation des Gegners sichert der Leverkusener Außenverteidiger dahinter ab.

Der ballnahe Flügelspieler sichert entsprechend etwas tiefer ab und orientiert sich am gegnerischen Außenverteidiger. Bei passender Staffelung kann er zusammen mit dem Stürmer den ballführenden Innenverteidiger pressen.

Dabei komplementiert der Flügelspieler den 2-3 Block der Leverkusener. Für den Gegner ist es enorm schwierig die ersten beiden Linien der Werkself zu überspielen. Allerdings ergeben sich Räume, die der Chilene Aránguiz nicht füllen kann. Speziell wenn auch er weiter nach vorne schiebt.

Ähnlich zu seinen Zeiten in Dortmund offenbart das System von Peter Bosz hier eine seiner Schwächen. Zwar werden Gegner regelmäßig zum langen Ball gezwungen, können sich aber bewusst auf die Eroberung des zweiten Balls konzentrieren. Bisher spielen die Leverkusener zwar mit viel Risiko, hatten aber eigentlich nur gegen Krasnodar mit Problemen bei langen Bällen zu kämpfen.

Doch auch hier machte die Werkself bereits Fortschritte. Aránguiz hält die Position besser, der Defensivblock ist kompakter und die Mittelfeldspieler arbeiten schneller nach hinten mit.

Fazit

Der Niederländer Peter Bosz konnte bisher seine Idee von Fußball sehr schnell vermitteln. Die Spieler scheinen den offensiven Stil zu genießen, blühen förmlich auf und sind auf dem besten Weg sich wieder voll im Kampf, um die Champions League Plätze zu befinden. Speziell die Mittelfeldbesetzung mit den beiden wohl hochtalentiertesten Spieler der Leverkusener, Havertz und Julian Brandt, zahlte sich aus. Unter Bosz dominiert Leverkusen die meisten Gegner und entwickelt dabei eine unfassbare Durchschlagskraft.

Allerdings gibt es immer wieder Anzeichen, dass Bosz auch in Leverkusen mit seiner Spielweise Probleme bekommen könnte. Das Spiel ist extrem riskant, Lücken hinter Aránguiz ergeben sich schnell und auch im Gegenpressing fehlt häufiger die Balance. Jedoch sieht man hier bereits eine positivere Entwicklung. Sollte Peter Bosz Zeit bekommen, kann er eine der talentiertesten Offensiven der Liga zu einem absoluten Spitzenteam formen.

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