Freiburgs starkes Pressing zerlegt Augsburg

Die Freiburger überzeugen mit ihrem starken 4-4-2 Pressing und sichern sich verdient einen vielleicht etwas zu deutlichen 5:1 Sieg gegen den FC Augsburg. Die Mannschaft von Christian Streich setzte ihr typisches Spiel sehr gut um, während Augsburg zwar in der zweiten Hälfte besser auftrat, jedoch eine schwache Leistung in der ersten Hälfte zeigte.

Augsburg mit Problemen im Pressing

Von Beginn an waren die Gastgeber aus dem Breisgau die tonangebende Mannschaft. Christian Streich setzte wie immer auf ein 4-4-2 mit den beweglichen Haberer und Grifo außen, Waldschmidt und Petersen im Zentrum und den beiden Sechsern Frantz und Abrashi. Vor Torhüter Alexander Schwolow verteidigten Kübler, Lienhart, Heintz und Okoroji.

Beim FCA setzte man hingegen auf ein 4-2-3-1, mit der spielstarken Doppelsechs bestehend aus Koo und Kapitän Baier. Die Viererkette vor Torhüter Kobel wurde von ex-Freiburger Schmid, Khedira, Oxford und Stafylidis gebildet. In der Offensive setzte Trainer Markus Baum auf Ji, Gregoritsch und Max hinter der einzigen Spitze Cordova.

Zwar versuchte der FCA bereits früh das Spiel zu kontrollieren und durch ein geordnetes Aufbauspiel zu Torchancen zu kommen, allerdings fehlte es den Augsburgern an den richtigen Mitteln das gut koordinierte Pressing der Freiburger zu überspielen. Die Innenverteidiger der Fuggerstädter fächerten auf und banden Torhüter Kobel immer wieder in das Aufbauspiel ein.

Die Außenverteidiger schoben nicht so weit nach vorne und hielten Kontakt zu den Innenverteidigern, während sich Koo und Baier hinter der ersten Pressinglinie der Freiburger positionierten.

Das Problem des Teams von Manuel Baum war die fehlende Anbindung nach vorne. In der ersten Halbzeit waren die Offensivspieler zu oft vom Rest des Teams abgeschnitten. Für Oxford, Khedira war es selten möglich einen Pass direkt zu den Offensivspielern zu spielen. Dafür waren die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen zu groß.

Des Weiteren passte die Abstimmung auf der Doppelsechs zu selten. Baier und Koo agierten häufiger auf einer Linie, konnten keine Ablageoptionen schaffen und waren letztlich im starken Pressing des Sport-Clubs gefangen.

Aus den beiden genannten Gründen musste Augsburg immer wieder zum langen Ball greifen oder sie spielten vertikal die Linie entlang. Beiden Varianten sind grundsätzlich nicht immer erfolgsversprechend. Neben den Augsburger Problemen mit ihren Positionierungen, spielte aber auch das starke Pressing der Freiburger eine große Rolle.

Freiburgs 4-4-2 – immer noch unangenehm

Bereits seit Jahren praktizieren die Badener ein aggressives Pressing aus einer 4-4-2 Grundformation heraus. Dabei schaffen es die Freiburger geschickt die Intensität und Pressinghöhe zu variieren. Dies macht es für den Gegner enorm schwierig sich auf die Abläufe einzustellen und Lösungen zu finden. Auch die Augsburger hatten hiermit zu kämpfen.

rausschieben und Räume Grafik

Grundsätzlich starten die Abläufe mit den beiden Stürmern in einer etwas tieferen Position. Das primäre Ziel ist es, einen Pass in den Sechserraum zu verhindern. Hierfür nutzen Waldschmidt und Petersen ihren Deckungsschatten und laufen den ballführenden Innenverteidiger aus dieser Position heraus an.

Frantz und Abrashi orientieren sich dahinter mannorientiert an den Sechsern. Entsprechend waren Baier und Koo in einem Rechteck aus vier Freiburger Akteuren gefangen. Hinten agierte die Viererkette ebenfalls mannorientiert, während sich die Flügelspieler im Halbraum positionierten. Ihre Aufgabe war es Pässe durch den Halbraum zu verhindern und die Außenverteidiger anzulaufen.

Die verschiedenen Anlaufmuster

Bei den Freiburgern konnte man verschiedene Varianten im Anlaufen erkennen. Grundsätzlich attackierten die Stürmer aus der zentralen Position leicht diagonal die Innenverteidiger, um die gegnerischen Sechser im Deckungsschatten zu behalten. Durch ihr Anlaufverhalten leiteten sie die Augsburger des Öfteren zu Seite.

Die Stärke der Freiburger liegt darin, dass der Rest des Teams sofort auf die Gegebenheiten reagiert. Die Flügelspieler schieben antizipativ auf die gegnerischen Außenverteidiger, während die Sechser einige Meter nach vorne stoßen, um die Sechser des Gegners enger zu bewachen.

So wurden die Augsburger recht schnell in enge Situationen gezwungen und verloren häufiger mal den Ball im Spielaufbau. Aus diesen Situationen schaltete Freiburg dann schnell um und konnte so gefährlich werden.

Anlaufen Freiburg Grafik

Grundsätzlich schiebt der Flügelspieler auf den Außenverteidiger und setzt jenen sofort unter Druck. Dadurch, dass die Freiburger bereits früh und dynamisch herausschieben, schließen sie dynamisch die Passwege nach vorne. Ähnlich wie bei Atlético geht es sehr oft um Antizipation.

Am Beispiel der oberen Szene kann man dies gut erkennen. Zuerst spielt Oxford auf Stafylidis. Haberer läuft bereits früh los, da er den Pass erwartete. Der Grieche spielt den Ball zurück zu Oxford, der sofort von Petersen angelaufen wurde. Aus diesem Grund hat der Innenverteidiger keine Zeit, da Petersen ihn sofort unter Druck setzte.

Da der Passweg in den Sechserraum durch Petersens Anlaufen verschlossen ist, muss Oxford auf seinen Innenverteidiger-Kollegen verlagern. Die Freiburger realisieren auch dies wieder früh und können kollektiv nachschieben.

So wurden die Fuggerstädter stets unter Druck gesetzt und hatten kaum Zeit sich einen Plan zu überlegen.

Anlaufen Wechsel Grafik

Hin und wieder variierte man das Pressing. Wenn der Gegner auf einer Seite isoliert werden konnte, dann lief der zweite Stürmer eben nicht den ballfernen IV an, sondern so wie hier in einem Bogen den Torhüter. So wurde das Aufbauspiel der Augsburger sofort wieder in den engen Raum gedrängt oder man zwang sie zum langen Schlag.

Lücken bei Freiburg – Probleme beim FCA

Allerdings ergaben sich für die Augsburger bei diesen Bällen immer wieder Räume. Dadurch, dass Frantz und Abrashi sehr mannorientiert agierten und weit nach vorne schoben, fanden die Augsburger Raum in ihrem Rücken vor. Die langen Bälle konnten so hin und wieder in gefährlicheren Situationen enden.

Jedoch waren viele der langen Bälle aufgrund des Freiburger Pressings unkontrolliert und die Mannen von Christian Streich waren aggressiv in der Rückzugsbewegung. So konnten die Lücken immer wieder dynamisch geschlossen werden.

Augsburg zu eng Grafik

Wenn es die Augsburger mal in die gegnerische Hälfte schafften, wirkte das Offensivspiel in der ersten Hälfte einfallslos. Zwar schoben die Außenverteidiger weit nach vorne und versuchten die letzte Linie zu überladen, jedoch war es aufgrund der fehlenden ballnahen Unterstützung ein leichtes für die Breisgauer diese Situationen zu verteidigen.

Im Zentrum hingegen stand die Mannschaft von Manuel Baum zu eng. Neben den beiden zentralen Offensivakteuren zogen auch Ji und Max weit ins Zentrum. Allerdings fehlte es an der nötigen Bewegung ohne Ball und einer schnellen Zirkulation, um den engen Freiburger Block überspielen zu können. So blieb der FCA in der ersten Hälfte ungefährlich.

Freiburg dynamischer

Im Gegensatz zu den Augsburgern waren die Freiburger wesentlich dynamischer in der ersten Hälfte. Viele ihrer Chancen resultierten aus Ballgewinnen im Pressing und schnellem Umschalten oder durch das Überladen des Halbraumes oder der Mitte. Durch die eingerückten Flügelspieler und einen der Stürmer, der sich fallen ließ, hatte die Mannschaft von Christian Streich eine hohe Präsenz zwischen den Linien.

Im Aufbauspiel kippte einer der Sechser gegen das 4-4-2 des FCA zwischen die Innenverteidiger ab. Meist wurde er von Koo verfolgt, jedoch schafften es die Freiburger gerade über den eingerückten Haberer hin und wieder sich aus dem Pressing zu befreien.

Allerdings eben nicht die kompletten 90 Minuten. So kamen auch lange Bälle von den Freiburgern vor. Im Gegensatz zum FCA waren sie hier aber besser vorbereitet. Ihre Staffelung ermöglichte es den zweiten Ball zu gewinnen.

langer Ball Grafik

Die meisten langen Bälle gingen in Richtung Nils Petersen auf die halbrechte Seite. Waldschmidt, Haberer, Kübler und einer der Sechser waren danach in der Lage sich den zweiten Ball zu sichern. Durch die hohe Positionierung von Grifo waren dann schnelle Verlagerungen in den freien Raum möglich. Die Augsburger, die durch das höhere Pressing weiter auseinandergezogen waren, hatten große Probleme die schnellen Angriffe der Freiburger zu stoppen.

Wechsel in Halbzeit zwei

Zur zweiten Halbzeit veränderte Baum sein Team auf einer Position. Baier blieb in der Kabine, dafür kam Danso in die Partie. Das hatte zur Folge, dass Rani Khedira neben Koo auf der Sechs auflief. Nachdem die Augsburger durch einen Fehler in der Freiburger Hintermannschaft auf 3:1 verkürzen konnten, war das Spiel ein offener Schlagabtausch.

Augsburg spielte mit mehr Dynamik und hatte ein bessere Offensivstruktur. Koo war nun der spielmachende Sechser, während Khedira weiter nach vorne schob. Zusätzlich zu den Bewegungen von Stürmer Cordova, der sich häufiger fallen ließ, schafften es die Augsburger den Raum hinter den Freiburger Sechsern zu nutzen.

Augsburg zweite Hälfte

Allerdings waren die Breisgauer weiterhin gefährlich über Konter. Zwar hatten sie nun mehr Probleme gegen das Pressing des FCA, konnten sich aber auch hier gelegentlich durch die einrückenden Flügelspieler durch den Halbraum nach vorne kombinieren. Durch das 4:1 von Waldschmidt war die Partie dann gelaufen und Freiburg konnte sich am Ende einen 5:1 Sieg sichern.

Fazit

Die Freiburger zeigten speziell in der ersten Hälfte eine sehr starke Vorstellung. Das Pressing war gut organisiert, die Aggressivität und Entschlossenheit beeindruckend und auch nach vorne spielte das Team von Christian Streich schnell und attraktiv. Augsburg auf der anderen Seite befinden sich nun immer mehr im Abstiegskampf. Zwar zeigte man in der zweiten Hälfte eine couragierte Vorstellung, allerdings fehlte es in der ersten Hälfte an so vielen Aspekten in Offensive und Defensive, dass man sich langsam große Sorgen in Augsburg machen sollte.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.