Keine Chancen im Borussia-Park

Am Samstag kam es in Gladbach zum Spiel zweier Teams, die sich in dieser Saison berechtigte Hoffnungen auf die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb machen können. Gerade bei Wolfsburg ist das ungewohnt, der gute Lauf zum Ende der Hinrunde und ein gelungener Rückrundenstart brachte sie aber auf den sechsten Tabellenplatz.

Beide Trainer schickten ihre Mannschaften in einem 4-3-3 aufs Feld. Bei Gladbach startete Herrmann für den angeschlagenen Plea auf dem rechten Flügel. Bei Wolfsburg gab es keine größeren Überraschungen.

Aufstellungen

Ausgeglichene erste Halbzeit

Anders als beispielsweise im Spiel gegen Leverkusen interpretierten die Gladbacher ihr 4-3-3 sehr breit. Hazard und Herrmann besetzten die Flügelzonen, die dadurch mit den Außenverteidigern jeweils doppelt besetzt wurden. Die Achter waren wie gewohnt sehr hoch positioniert, wodurch sich für die Innenverteidiger im Aufbau nur wenige Anspielstationen ergaben. Kramer wurde über weite Teile von Weghorst in den Deckungsschatten genommen. Elvedi und Ginter hatten somit nur die Außenverteidiger als sichere Anspielstation.

Gladbach kam nur selten zu guten Chancen, was auch an der guten Defensivleistung der Wölfe lag. Gleich in der ersten Minute starteten sie mit einem mustergültigem Anlaufverhalten, wodurch Gladbach bis zu Sommer zurückgedrängt wurde und schließlich ein Einwurf für die Gäste heraussprang.

Die Pässe auf die hohen Achter oder Stindl in den Zwischenlinienraum wurden konsequent zugestellt, dazu nutzten sie ein gutes Anlaufen, um Gladbach zu Rückpässen oder Ballverlusten zu zwingen.

Elvedi und Ginter wurden häufig von einem hervorstoßenden Achter angelaufen. Weghorst schloss den Passweg auf Kramer, der Flügelspieler sicherte das Herausrücken auf der anderen Seite ab. Der dahinter geöffnete Raum für den Achter – welcher mit Pässen über den Flügel theoretisch anspielbar war – wurde durch ein schnelles Rückwärtspressing des herausgerückten Achters oder von Guilavogui bzw. dem ballnahen Innenverteidiger geschlossen.

Verlagerte Gladbach das Spiel im Aufbau, wurde der Innenverteidiger nicht vom Achter, sondern vom Flügelspieler angelaufen. Dadurch sollte Gladbach auf der einen Seite gehalten und ein ständiges Verlagern um die Wolfsburger Formation verhindert werden.

Die Gastgeber kamen in der ersten Halbzeit nur zu sehr wenigen Torchancen. Die beiden größten Chancen entstanden, als Wolfsburg die Gladbacher nach hinten drängen konnte und ins Angriffspressing überging, dabei aber den Passweg auf Stindl nicht schließen konnte, der sich hinter dem Mittelfeld angeboten hat, während Hazard und Neuhaus durch ihre einrückenden bzw. vorstoßenden Läufe die Verteidiger binden konnten.

Allerdings war auch Wolfsburg vor dem gegnerischen Tor harmlos und tat sich im Spielaufbau schwer, zeigte sich aber insgesamt variabler als Gladbach. Die Mittelfeldspieler waren nicht (alle) so hoch positioniert, Guilavogui kippte teilweise seitlich ab und auch Arnold lies sich öfter fallen. Im Spielaufbau konnte Wolfsburg so zwischen langen Bällen auf Weghorst, hohen Diagonalbällen auf den Flügel oder Flachpässen in den Zwischenlinienraum variieren. Dazu verlagerte Wolfsburg das Aufbauspiel öfter und schneller und es gab mehr Läufe in die Tiefe, wodurch Räume entstanden. Gegen das passive Gladbacher Mittelfeldpressing tat sich Wolfsburg aber auch schwer, den Ball konstant ins Angriffsdrittel zu bringen.

Chancen ergaben sich für die Wolfsburger aber, wenn die Gastgeber ins Angriffspressing übergingen. Das taten sie nur in sehr wenigen Situationen (Abstöße, weite Rückpässe von Wolfsburg) und hatten dort auch Probleme. Das Anlaufen der Mittelfeldspieler und Angreifer war sehr mannorientiert, wodurch ein Wolfsburger Spieler frei war. Dies konnte entweder ein Offensivspieler sein, der sich hinter dem Gladbacher Mittelfeld freigelaufen hat, während die anderen Stürmer die Viererkette binden konnten. Eine andere Möglichkeit war, dass Willian oder Rousillon der freie Spieler war. Ein Gladbacher Flügelspieler lief im Angriffspressing den Innenverteidiger mit dem Außenverteidiger im Deckungsschatten an. Über Guilavogui – der zwar von Kramer angelaufen wurde, aber trotzdem für den Innenverteidiger risikolos anspielbar war – konnte dieses Anlaufen leicht überspielt werden.

Die erste Halbzeit entwickelte sich zu einer sehr chancenarmen Partie, bei dem beide Mannschaften aus dem Spielaufbau nur selten den Weg ins letzte Drittel finden konnten. Wolfsburg zeigte sich zwar im Spielaufbau und im Mittelfeldpressing etwas besser und variabler, was aber nicht zu Torchancen führte. Das 1:0 kurz vor der Pause war demnach auch etwas glücklich.

Einseitige 2. Halbzeit

Die zweite Halbzeit entwickelte sich recht schnell zu einem Spiel auf ein Tor. Gladbach hatte sehr viel Ballbesitz und konnte Wolfsburg in die eigene Hälfte drücken. Mit vielen Flügelangriffen versuchten sie in den Strafraum zu kommen. Insgesamt fehlter aber – abgesehen von wenigen Augenblicken – die Druchschlagskraft. Wolfsburg verteidigte auch im Abwehrpressing gut, kam aber kaum zu klaren Ballgewinnen, um zu kontern und das Spiel etwas aus dem eigenen Drittel fernzuhalten.

In der 66. Minute brachte Hecking Plea für Herrmann. Hofmann ging dafür auf den rechten Flügel, Stindl auf die linke Acht und Plea ins Sturmzentrum. Direkt im nächsten Angriff führte ein langer Ball von Casteels tief in die Gladbacher Hälfte aber zum 2:0. Auch danach war Gladbach weiterhin die dominante Mannschaft, kam mit Hazard auch zu einer Großchance, konnte aber kein Tor erzielen und abgesehen von dieser Chance auch kaum klare Situationen im Strafraum erarbeiten.

In der 82. Minute kam dann Drmic für Neuhaus, Gladbach stellte auf ein 4-4-2 mit Stindl als Sechser und Drmic als zweitem Stürmer um. Wiederum in der nächsten Aktion kam Wolfsburg nach einem Freistoß aber zum schließlich entscheidenden 3:0.

Fazit

In einem Spiel mit sehr wenigen Torchancen war die erste Halbzeit noch ausgeglichen, auch wenn sich Wolfsburg mit und gegen den Ball variabler zeigte. Es war ein typisches Spiel, bei dem die Mannschaft, die das erste Tor erzielt, wohl auch als Sieger vom Platz geht. Dieses Tor gelang Wolfsburg kurz vor der Pause. Die zweite Halbzeit wurde von Gladbach dominiert, Wolfsburg kam nur noch zu 2 Abschlüssen, aus denen die beiden Tore resultierten.

Für Gladbach war es die zweite deutliche Heimniederlage in Folge, trotzdem sind sie noch auf einem Champions-League-Platz und haben gute Chancen, diesen auch bis zum Ende der Saison zu halten. Wolfsburg kann hingegen zurecht von einer Rückkehr in den internationalen Wettbewerb träumen.

 

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