Nagelsmann trifft mit Gegenwart auf Zukunft

Keinen Sieger gab es im sogenannten “El Plastico”, wie das Duell zwischen der TSG aus Hoffenheim und den Leipziger Bullen gerne von Gegnern der Clubs verhöhnt wird, zwischen Julian Nagelsmann und seinem zukünftigen Arbeitgeber Ralf Rangnick. Dabei bewiesen die beiden Taktik-Fanatiker warum man sich vor einer zukünftigen Kooperation fürchten sollte: Beide wechselten ihre Grundformationen dreimal während der Begegnung und passten sich so geschickt den Gegebenheiten an, was in einem leistungsgerechten 1:1 endete.

Hohe Intensität sorgt für hektische Anfangsphase

Von Beginn an war den Kraichgauern anzumerken, dass sie dieses Spiel gewinnen wollen. Nagelsmann musste dabei auf Kapitän Vogt verzichten, was in einer Systemumstellung resultierte. Statt dem üblichen 3-4-1-2 setzte Julian Nagelsmann in Leipzig auf ein 4-1-2-1-2 mit Raute im Mittelfeld. Vor Baumann verteidigten die jungen Posch und Adams zentral. Grillitsch gab den defensiven Mittelfeldspieler während Kaderabek und Schulz wie gewohnt die Außenpositionen bekleideten. Amiri und Demirbay fanden sich in den Halbpositionen wieder und versuchten Joelinton, Kramaric und Belfodil zu unterstützen. Wobei sich Joelinton dabei in den Zehnerraum fallen ließ und Kramaric und Belfodil mehr als klassische Stoßstürmer agierten.

Julian Nagelsmann

Bei eigenem Spielaufbau ließ sich Grillitsch zwischen die beiden Innenverteidiger fallen und Amiri und Demirbay versuchten als Anspielstationen im Zentrum zu fungieren. War der Ball bei einem der spielschwächeren Halbverteidiger (in diesem Fall Adams) presste Leipzig konsequent. In dieser Situation schiebt der ballnahe Achter (Laimer) auf Adams. Meistens ließ sich dann einer der Stürmer auf den ballnahen Achter der Hoffenheimer fallen. Der andere St ürmer lief aus dem Deckungschatten Grillitschs langsam Richtung Adams, was diesen zusätzlich unter Druck setzte. Der ballferne Achter der TSG (hier Amiri) wurde dann von Sabitzer gedeckt und somit aus dem Spiel genommen. Ein Seitenwechsel schien durch die Präsenz von Klostermann und Sabitzer oft zu riskant, was in hohen, langen Bällen entlang der Seitenlinie resultierte.

Beide Teams versuchten teilweise extrem früh zu stören, was dem Spielfluss nicht unbedingt zugute kam. War der Ball dann von einem der Teams gewonnen, versuchten sie die Unordnung im gegnerischen Spiel mit schnellem, direkten Pässen und Läufen in die Tiefe auszunutzen. Das dies nicht immer gelang war an den jeweiligen Passquoten (68 beziehungsweise 69% in der ersten Halbzeit. Leipzig stand im 3-5-2 gerade im Zentrum sehr kompakt, was der TSG im Spielaufbau einige Probleme bereitete. Die Hoffenheimer Hintermannschaft versuchte sich dann mit Chipbällen auf Joelinton, der Dreh- und Angelpunkt im Hoffenheimer Spiel war, zu helfen. Der Brasilianer fand sich meistens im direkten Duell mit Demme wieder. Durch seine enorme körperliche Präsenz und technischen Fertigkeiten konnte er den Ball meistens gekonnt abschirmen und auf seine nachrückenden Mitspieler warten.

Starkes Verschieben der TSG-Stürmer und uninspiriertes Aufbauspiel der Bullen

Julian Nagelsmann

Versuchte Leipzig dann mal geordnet hinten raus zu spielen fand das meist ein jähes Ende. Belfodil und Kramaric positionierten sich geschickt im Raum und setzten durch ihr geordnetes Verschieben die Leipziger Innenverteidiger auf der einen Seite gezielt unter Druck, ohne auf der anderen Seite zu viel Raum und Passmöglichkeiten hinter ihrem Rücken auf Demme oder die Achter zu zulassen. Daraus ergaben sich für Ilsanker & Co kaum Anspielstationen, da auch Demme, Laimer und Sabitzer vom Hoffenheimer Zentrum eng gedeckt wurden. Lange Bälle auf die Stürmer oder die aufgerückten Außenspieler waren die Folge.

Systemumstellung auf 4-1-2-1-2 bringt Leipzig mehr Zugriff; Nagelsmann reagiert

Nach circa 35 Minuten und einem 0:1 Rückstand hatte Noch-Leipzig-Trainer Rangnick dann genug gesehen. Aus dem 3-5-2 wurde ein symmetrisches 4-1-2-1-2. Ilsanker schob nach vorne ins zentrale defensive Mittelfeld, Demme und Sabitzer auf die Acht und Laimer beackerte den Zehnerraum. Wobei festgehalten werden muss, dass Sabitzer, Laimer und Demme ihre Positionen nach Belieben wechselten. Julian Nagelsmann ändert seine Grundformation daraufhin, per beliebtem Zettel, auf ein 4-3-3 mit Joelinton zentral, flankiert von Kramaric und Belfodil. Diese Umstellung gab Hoffenheim mehr Breite gegen das zentrale Anlaufen von RB. Kramaric holte sich daraufhin den Ball oft tief in der eigenen Hälfte und überlud die linke Seite zusammen mit Schulz. Die kopfballstarken Belfodil, Joelinton und Amiri besetzten dann den Strafraum. Im Hoffenheimer 4-3-3 bleibt Grillitsch jedoch meist tief und hilft beim Aufbauspiel, während sich Amiri und Demirbay teils höher und weiter positionieren.

Leipzig mit Kampl deutlich druckvoller

Spätestens mit der Hereinnahme von Kampl und der Umstellung auf das gewohnte 4-2-2-2 verbesserte sich Leipzig deutlich. Julian Nagelsmann reagierte und brachte mit Bičakčić einen weiteren Innenverteidiger fuer Amiri. Kramaric ging zurück auf die Acht und Hoffenheim formierte sich in einem 3-5-2 mit Joelinton und Szalai (für Belfodil). Leipzig schob extrem weit nach vorne und fing an bessere Chancen zu kreieren. Hoffenheims einzige Entlastung erfolgte durch hohe Bälle auf die hochgewachsenen Stürmer die diese versuchten fest zu machen.

Fazit

Das mit Spannung erwartete Duell zwischen Hoffenheim und Leipzig hielt nicht unbedingt, was sich der neutrale Fussballfan erhofft hatte. Die Partie war von hoher Intensität und giftigem Gegenpressing geprägt, was die Passquote und das Spielgeschehen deutlich prägte. Beide Teams zeigten einmal mehr ihre taktische Flexibilität: Rangnick wechselte die Grundformation von einem 3-5-2 über 4-1-2-1-2 auf ein 4-2-2-2; Hoffenheim von einem 4-1-2-1-2 über ein 4-3-3 auf ein schlussendliches 3-5-2. Hoffenheim hatte zwar in der ersten Halbzeit die besseren Chancen, durch Kampls Hereinnahme konnte Leipzig jedoch gegen Ende der Partie die Oberhand gewinnen und verdient ausgleichen.

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