Ein schweres Stück Arbeit

In einer hart umkämpften und unter widrigen Wetterbedingungen stattfindenden Partie konnte sich der BVB letztlich verdient gegen den VfB Stuttgart durchsetzen und ist weiterhin punktgleich mit dem FC Bayern München. Die späteren Tore von Paco Alcacer und Christian Pulisic brachten Dortmund auf die Siegerstraße und versetzten den tapfer kämpfenden Stuttgartern den K.o.-Schlag. Wir analysieren den Spielverlauf und legen den Fokus insbesondere auf die Offensive der Dortmunder, die sich lange Zeit inspirations- und ideenlos vor dem Abwehrbollwerk des VfB präsentierte.

Borussia Dortmund setzte wie schon in der Partie gegen Tottenham auf eine 4-1-4-1 / 4-3-3 Formation, mit Witsel als einzigem Sechser und dem Duo Reus/Götze im offensiven Mittelfeld. Stuttgart begegnete dem BVB in einer 5-3-2 Aufstellung, mit Gonzalez und Esswein in vorderster Front und dem Ex-Dortmunder Castro im zentralen Mittelfeld.

Die Spielrollen waren von Anfang klar verteilt. Der BVB hatte deutlich mehr Ballbesitz, während sich die Gäste aus Schwaben situativ im Abwehr- bzw. Mittelfeldpressing am eigenen Strafraum verbarrikadierten. Die Doppelspitze des VfB platzierte sich dabei grundsätzlich zentral im Bereich des Mittelkreises und sorgte dafür, dass die Innenverteidiger des BVB den Spielaufbau mit einem Pass auf die Außenbahnen auslösen mussten. Der ballnahe zentrale Mittelfeldspieler konnte im Anschluss direkt aufschieben und den BVB so unter Druck setzen.

Insgesamt konnte das Team von Markus Weinzierl mit seinen zwei Stürmern verhindern, dass die Innenverteidiger des BVB weit in die eigene Hälfte andribbeln und vor dort aus Pässe in die Zwischenräume spielen. Axel Witsel wurde zudem ebenfalls besser kontrolliert, so dass dieser sich immer wieder zwischen die Innenverteidiger von Borussia Dortmund fallen lassen musste, um sich von dort aus dem Zugriff der ersten Pressinglinie der Stuttgarter zu entziehen. In der Folge zog sich Mario Götze häufiger aus dem offensiven Mittelfeld zurück und unterstützte den Spielaufbau des BVB aus dem (rechten) Sechserraum heraus. Aus dieser Position initiierte Götze auch die erste nennenswerte Torchance der Dortmunder, als er nach Zuspiel von Sancho rechts auf Höhe der Mittellinie aufdrehen und Alcacer per Steilpass bedienen konnte. Derartige schnelle Aktionen blieben bei der Borussia aus Dortmund jedoch Mangelware. Stuttgart verfolgte das eigene Defensivsystem auf allen Positionen sehr konsequent und bot dem Gegner nur vereinzelt Freiräume.

Hier zeigte sich erneut, dass Dortmund gegenwärtig große Probleme hat, einen tief stehenden Gegner zu bespielen und Torchancen zu kreieren. Insbesondere im Spiel zwischen den Linien schafft der BVB es zu selten Überzahlsituationen zu schaffen, die dazu führen, dass die Defensive des Gegners gebunden oder auseinandergezogen wird, um auf diese Weise für Freiräume für nachrückende oder überladende Angreifer zu sorgen. Aktionen aus dem Halbfeld (Dribblings, Flanke zum Tor, Querpass, Pass auf Außen) kommen ebenso zu selten zustande und machen das Spiel des BVB in vielen Phasen ausrechenbar und mit konsequentem Verschieben und Zulaufen insgesamt einfach zu verteidigen.

So war es fast folgerichtig, dass ein ruhender Ball zum ersten Treffer der Partie geführt hat. Ein Foul an Jadon Sancho wurde nach Konsultierung des Videoschiedsrichters mit einem Elfmeter geahndet, den Marco Reus mit einem platzierten Schuss in die linke Torecke versenkte. Nach der Führung wurde der VfB Stuttgart offensiver und platzierte das eigene Pressing gegen den Ball eine Spur höher. Der Ausgleichstreffer offenbarte eine weitere Schwäche der Dortmunder: das Verteidigen von Standardsituationen. Marc Oliver Kempf fand ein Schlupfloch in der Raumdeckung des BVB und konnte unbedrängt zum 1:1 einköpfen. Auch wie schon beispielsweise in der Partie gegen Bayer Leverkusen machten die Dortmunder Fehler in der Strafraumbesetzung, sodass die Gegner vergleichsweise ohne viel Gegendruck zu Toraktionen gekommen sind.

Der BVB, der in dieser Saison schon oft zurückgekommen ist, bewies einmal mehr Moral und erzwang förmlich die erneute Führung in dieser Partie. Ein Schuss von Marco Reus von der Strafraumkante wurde von der VfB-Abwehr unglücklich abgeblockt, sodass Paco Alcacer am Ende des Flipperspiels im Strafraum der Stuttgarter an den Ball kam und hoch zur 2:1 Führung traf. Der Wille vom VfB war gebrochen, Axel Witsel brach schließlich noch in der Nachspielzeit auf der linken Seite durch, bediente Mario Götze, der den Ball direkt auf Pulisic weiterleitete. Der US-Amerikaner ließ sich nicht zweimal bitten und setzte den Schlusspunkt in einer intensiven und spannenden, aber spielerisch dürftigen Bundesligapartie.

Stuttgart hat sich über das gesamte Spiel teuer verkauft und dürfte trotz der Niederlage mit einigen positiven Ansätzen in die nächsten Partien gehen. Der BVB konnte fußballerisch über weite Strecken nicht überzeugen, konnte die wichtigen drei Punkte jedoch durch eine gute kämpferische Leistung im Signal Iduna Park behalten.

Autor: @footballyse 

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