Maximilian Eggestein – Nationalspieler in spe?

Der 22-jährige vom SV Werder Bremen hat sich in dieser Saison vom laufstarken Dauerbrenner zu einem der heißesten Eisen im deutschen Fußball entwickelt.
Doch was macht Maximilian Eggestein so stark und ist er schon reif genug für ein Topteam und die Nationalmannschaft?

“Die Lunge“

Der gebürtige Hannoveraner spielte bis zur U17 beim TSV Havelse und wechselte 2011 ins Nachwuchsleistungszentrum des SV Werder Bremen.
Nach einigen Aufs und Abs (auch bedingt durch die Trainerwechsel) spielte sich Eggestein unter Florian Kohfeldt endgültig in der ersten Mannschaft fest und ist seit letzter Saison unangefochtener Stammspieler.

Wie bereits erwähnt, ist Maximilian Eggestein vor allem für sein riesen Laufpensum bekannt.
Er hat nach Joshua Kimmich die meisten Kilometer abgespult in dieser Saison (287,36 – 12 pro Spiel).
Zusammen mit Davy Klaasen bildet er damit das laufstärkste Mittelfeld der Liga.
Auf dem Papier ordnet sich Eggestein zumeist im rechten Halbraum ein – hier fühlt er sich mit Blick auf seine Heatmap auch durchaus wohl.
Dennoch fällt auch hier auf, dass er sehr umtriebig ist und einen großen Radius belegt.

Diese Umtriebigkeit sorgt auch dafür, dass Eggestein bisher mit Abstand die meisten Zweikämpfe (539) für Werder in dieser Saison geführt hat und davon auch auch knapp die Hälfte (258) gewinnen konnte.
Gerade sein defensives Verantwortungsbewusstsein ist für einen so jungen Mittelfeldspieler bemerkenswert. Bei Ballverlusten setzt er sofort nach und sprintet zurück – kein Lamentieren oder Meckern.
Wenn er sich erstmal im direkten Zweikampf befindet, setzt er seinen knochigen Körper geschickt ein, um sich zwischen Ball und Gegenspieler zu schieben und kann so sehr oft den Ball fair(!) zurückgewinnen.
Denn trotz seiner “Arbeitermentalität“ und seinem Kampfgeist ist Eggestein kein grober Spieler.
Die 3 gelben Karten bei 28 begangenen Fouls bisher sind in Relation zu der Vielzahl an Zweikämpfen vollkommen im Rahmen

Mehr als nur ein (Mit)Läufer

Das alles hat Eggestein schon immer ausgezeichnet und war mit Sicherheit auch ein Hauptgrund, wieso er unter Kohfeldt eigentlich immer gespielt hat – egal wo und mit wem.
Die große Entwicklung findet aktuell allerdings woanders stand – am Ball!
Hier hat er technisch und in der Entscheidungsfindung große Schritte nach vorne gemacht.
In seinen ersten Jahren bei Werder war er offensiv noch wenig im Fokus.
Nach Ballgewinn hat er den Ball an die kreativeren Offensivspieler abgegeben und sich selber danach nur selten in die torgefährlichen Räume begeben bzw. wenn, dann hat er dort nur wenig Gefahr ausgestrahlt.
So hatte er nach seinen ersten 40 Bundesligaeinsätzen lediglich eine Torbeteiligung auf seinem Konto.

Dies hat sich drastisch verändert.
In der laufenden Saison kommt Maxi Eggestein auf bereits 5 Tore und 3 Assists – und hat dazu die drittmeisten Schüsse nach Max Kruse und Milot Rashica bei Werder abgegeben. Dies liegt vorallem an seiner nun besseren Positionierung im Angriff. Als ballferner Mittelfeldspieler “schleicht“ er sich häufig in den zentralen Rückraum und benötigt dort nach Zuspiel nur wenig Raum und Zeit, um den Ball gefährlich aufs Tor zu bringen.

Hier eine Szene aus dem Hinrunden-Spiel gegen Schalke. Bremen kombiniert sich links auf dem Flügel durch. Eggestein lauert im Rückraum. Dann geht alles ganz schnell:
Zuspiel – Schulterblick – – Annahme – Abschluss – Tor.

Doch nicht nur seine intelligente Raumfindung sorgt für Torgefahr – Eggestein besitzt zusätzlich eine hervorragende Schusstechnik!
Er ist in der Lage, beidfüßig (!) den Ball aus allen Lagen mit Tempo aufs Tor zu bringen.
Diese “neue Waffe“ hilft ihm natürlich auch in seinem restlichen Spiel.
Die Verteidiger wissen mittlerweile um seine Schussstärke und stellen ihn daher in Tornähe enger zu.
Dies öffnet Räume für seine Mitspieler, die er durch sein sehr gutes Auge zu nutzen weiß.

Unterschätzter Passer

Maxi Eggestein verfügt auch im Passpiel über eine sehr gute Technik. Neben den kurzen, druckvollen Flachpässen streut er auch immer wieder lange Diagonalbälle ein. Zusammen mit Kruse und Klaasen ist er immer wieder an Passstafetten und Überladungen beteiligt.

Doch seine größte Stärke in diesem Bereich ist seine hohe Spielintelligenz. Diese würde man ihm im ersten Moment nicht zutrauen – doch er hat ein sehr gutes Gespür für den Raum und die Läufe seiner Mitspieler. Beispiel gefällig?

Im Spiel gegen die Eintracht aus Frankfurt bekommt Eggestein den Ball im rechten Halbraum – steht indirekt unter dem Druck von 4 Gegenspielern und spielt trotzdem einen Chipball hinter die Abwehrkette in den Lauf von Osako, der daraufhin vollenden kann.

Seine Passquote liegt aktuell bei 80,5% – das ist gut – aber sicherlich noch ausbaufähig. Was vor allem daran liegt, dass Eggestein immer wieder Spiele hat, in denen wenig bis gar nichts zu gelingen scheint.

Fazit

Diese Spiele sind weniger geworden, doch es gibt sie natürlich noch.
Eggestein kommt schlecht rein ins Spiel, ihm verspringen 1-2 Bälle und dann häufen sich auch die Fehlpässe.
Das ist für einen Spieler in seinem Alter jedoch normal und durch seine neu entwickelte Torgefahr kann er auch solchen Spielen mittlerweile seinen Stempel aufdrücken (Wie zuletzt beim 4:2 Sieg gegen Schalke, als er eine schwache erste Halbzeit spielte – das entscheidende dritte Tor aber dann mustergültig per Kopf vorbereitete).
Alles in allem ist Maximilian Eggestein auf dem besten Weg, ein Topspieler der Bundesliga zu werden.
Er hat die mentalen und physischen Tugenden beibehalten und nebenbei seine Technik und seinen Abschluss entscheidend verbessert.
So ist er in den letzten Monaten unter Kohfeldt zu einem der wichtigsten Spieler bei Werder Bremen gereift – der Sprung zu Borussia Dortmund wäre zwar traurig für Werder, aber bei seinem Talent und Potential nur logisch.
Ebenso wie die Berufung in die Nationalmannschaft früher oder später.

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