Hoffenheim und die fehlende Effektivität – ein Blick auf die Daten

Wenn man an Julian Nagelsmann und sein Team denkt, verbindet man die TSG aus Hoffenheim mit einer Mannschaft, die durchaus um die oberen Ränge der Bundesliga spielen sollte. Ein Blick auf die aktuelle Tabelle der Bundesliga sorgt dann jedoch für ein wenig Ernüchterung. Nach gegenwärtig 26 Spieltagen rangiert das Team von Trainertalent Julian Nagelsmann nur auf Rang neun und hat ganze neun Punkte Rückstand auf die Champions League Ränge.

Nagelsmann, der Hoffenheim in seiner Debütsaison vor dem Abstieg gerettet und anschließend nach Europa geführt hat, steht für attraktiven und modernen Fußball. Nicht umsonst wartet RB Leipzig ein ganzes Jahr bis Julian Nagelsmann die Bullen ab Sommer 2019 als Trainer übernimmt und mit ihnen die Bundesligaspitze angreifen soll. Das Gefühl, dass Hoffenheim subjektiv mehr Punkte und Tore erzielt hat, spiegelt sich auch in den aktuellen Statistiken wider. Zur Auswertung werden hierfür die xG– und xGA-Werte herangezogen. Diese geben vereinfacht ausgedrückt an, wie viele Tore eine Mannschaft anhand der Qualität der Torchancen hätte erzielen müssen. Der xGA-Wert misst hierbei den korrespondierenden Wert an Gegentreffern. Hat ein Team also eine Reihe von guten Torchancen, nutzt diese jedoch nicht, ergibt sich folglich eine negative Abweichung zwischen den tatsächlich erzielten Treffern und dem xG-Wert.

Hoffenheim underperformt

Laut understat.com weicht die TSG in diesem Zusammenhang rund 8,4 Treffer von ihrem xG-Wert nach unten ab. Nur Schalke ist mit aufgerundet 9,3 Treffern noch weiter vom eigenen xG-Wert entfernt und ebenfalls ein Exempel für fehlende Effektivität im Angriff. In Zusammenspiel mit dem xGA-Wert und übertragen auf alle Bundesligisten müsste Hoffenheim in der „statistisch wahren“ Tabelle demnach auf Platz vier liegen – deutlich näher dran also an der subjektiven Wahrnehmung der Leistungen von 1899.

Analysiert man die Daten der TSG weiter, kommt man zum Schluss, dass insbesondere Joelinton, Szalai, Kadarabek und Bittencourt mit jeweils rund zwei Treffern underperformen. Für einen allein gesehen, ist dieser Wert noch zu verschmerzen, doch getreu nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“, summieren sich diese Negativabweichungen zu einer stattlichen Underperformance auf.

Auch die xA-Werte sprechen eine andere Sprache

Ein weiteres Maß, das die These der mangelnden Effektivität untermauert, ist der xA-Wert von Nico Schulz. Diese Kennzahl bewertet die Qualität von Torchancen, die ein Spieler vorbereitet hat, unabhängig davon, ob die Tormöglichkeit zu einem Tor geführt hat oder nicht. Es kommt somit rein darauf an, in welche Position der Vorlagengeber den eigenen Mitspieler vor des Gegners Tor gebracht hat. Schulz hat in dieser Disziplin bis dato Vorlagen und Assists erbracht, die aufgrund ihrer Qualität zu insgesamt rund acht Toren hätten führen müssen. Ein Blick auf die Statistik von Schulz verrät jedoch, dass tatsächlich nur drei Vorlagen bisher erfolgreich von seinen Mitspielern verwertet wurden. Auch hier sprechen die Daten nicht unbedingt für eine optimale Chancenverwertung der Angreifer der TSG Hoffenheim.

Doch auch andere Bundesligisten weichen mitunter extrem von ihren xG / xGA-Werten ab und liegen aus diesem Grund im Tabellenkeller. So führt beispielsweise beim 1. FC Nürnberg eine deutliche Differenz vom xGA-Wert dazu, dass 7,8 Gegentore „zu viel“ zu Buche stehen. Kombiniert mit einer ebenso mangelnden Effektivität im Sturm, fehlen dem Club satte elf Punkte im Abstiegskampf. Auch Schalke könnte ganze zehn Punkte mehr auf dem Konto haben, wäre die Offensive, wie oben beschrieben, treffsicherer (9,3 Tore zu wenig).

Ein Blick auf die Daten einer Mannschaft kann bei weitem nicht alle leistungsbezogenen Aspekte erklären. Spieltaktische und fußballerische Tatbestände müssen weiterhin analysiert und bewertet werden, um ein fundiertes Urteil über ein Team abgeben zu können. Die statistische Auswertung bestimmter Daten hilft jedoch dabei, bestimmte Thesen zu verifizieren und kann unter Umständen bisher wenig beachtete Tatbestände ans Tageslicht führen.

Autor: @footballyse 

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