Clevere Bremer entführen drei Punkte aus Leverkusen

Am Sonntag kam es zum Aufeinandertreffen zwischen den interessanten Bremern und der Offensivmaschine aus Leverkusen. Seit der Amtsübernahme von Bosz spielt die Bayer-Elf einen attraktiven und offensiven Fußball. Allerdings ist dies mit hohem Risiko verbunden. Werder Bremen zauberte an diesem Sonntag eine perfekte Defensivvorstellung gepaart mit schnellen Kontern auf den Platz. Florian Kohfeldts Anpassungen spielten dabei eine maßgebliche Rolle.

Die Art und Weise wie die Mannschaft von Florian Kohfeldt die Schwächen der Leverkusener nutzte, kann zum „Blueprint“ für viele Teams gegen Peter Boszs Werkself werden. Wie die Bremer Leverkusens Offensive aufhielten und die Schwächen in der Absicherung nutzten, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Kruse und Rashica bringen Leverkusen ins Schwitzen

Peter Bosz wählte wie immer ein 4-3-3 und vertraute auch dieses Mal auf die etwas defensivere Besetzung mit Baumgartlinger als klarer Sechser vor der Abwehr. Der Österreicher wurde durch Julian Brandt und Charles Aránguiz unterstützt, während Volland, Bellarabi und Bailey die vordere Dreierreihe bildeten.

Dahinter vertraute der Niederländer Dragovic neben Tah und setzte mit Wendell und Lars Bender auf zwei unterschiedliche Außenverteidiger-Typen, die im Plan der Bremer eine tragende Rolle spielten.

Werder auf der anderen Seite agierte nominell auch im 4-3-3. Vor Torhüter Pavlenka startete Marco Friedl neben Niklas Moisander. Unterstützt wurden die beiden von Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson. Im Dreiermittelfeld agierten Davy Klaassen, Nuri Sahin und Neu-Nationalspieler Maximilian Eggestein. Gerade der Niederländer Klaassen hatte gegen den Ball eine interessante Rolle.

In der Offensive vertraute Coach Florian Kohfeldt auf Johannes Eggestein, Max Kruse und Milot Rashica, der etwas überraschend im Zentrum begann. Die Formation der Werderaner ließt sich auf dem Papier wie ein 4-3-3, und wirkte auch in Ballbesitz so. Gegen den Ball hingegen konnte man einen Mix aus 4-4-2, 4-Raute-2 und 4-2-3-1 erkennen.

Asymmetrie und clevere Anpassungen von Kohfeldt

Florian Kohfeldt gilt als einer der talentiertesten Trainer, fliegt allerdings häufiger unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit. Neben Trainern wie Domenico Tedesco und Julian Nagelsmann wirkt Kohfeldt ruhiger und weniger wie ein Laptoptrainer. Das Werder einen der interessantesten Stile der Liga pflegt und dies ihrem Trainer zu verdanken hat, bleibt des Öfteren unausgesprochen.

Auch gegen Peter Boszs 4-3-3 mit den Ausgangsdreiecken im Halbraum, passte Kohfeldt sein Team perfekt an die Aufstellung der Leverkusener und deren Eigenarten an.

Grundsätzlich verteidigte man in einem 4-4-2/4-2-3-1/4-Raute-2. Allerdings wurde dies asymmetrisch gespielt. Dabei agierteJohannes Eggestein oft höher als Davy Klaassen und füllte seine Rolle wie ein echter Flügelspieler/Stürmer in einem 4-4-2 aus. Seine Aufgabe war es, den aufbaustarken Wendell zuzustellen und nach einem Seitenwechsel den linken Innenverteidiger Dragovic anzulaufen, damit die Leverkusener den Seitenwechsel nicht ungestört ausführen konnten.

Davy Klaassen auf der anderen Seite agierte situativ wie ein halblinker Achter. Der Niederländer orientierte sich wesentlich zentraler und positionierte sich tiefer, um die diagonalen Passwege ins Zentrum zu schließen und den Bremern eine Überzahl gegen Brandt, Aránguiz und Baumgartlinger herzustellen.

Lars Bender wurde von Werder Bremen über die gesamte Zeit freigelassen und erst bei einem Vorstoß von Klaassen auf dem Flügel attackiert. Das Ziel der Bremer war es, Bayer auf die spielschwächere rechte Seite zu lenken, um sie dort zu isolieren. Klaassens Rolle hatte noch einen anderen Effekt. Man konnte die Bewegungen der Leverkusener Achter einfacher verfolgen, ohne in der Mitte die Präsenz komplett zu verlieren.

Die Achter der Werkself versucht regelmäßig mit beiden Achtern in der Nähe des Balles den Raum zu überladen und sich so zwischen die Linien zu kombinieren. Auf der ballfernen Seite öffnen diese Bewegungen Räume, die man durch den breiten Flügelspieler nutzen möchte.

Leverkusen Bremen Spielanalyse Bosz Kohfeldt

Bremen verfolgte die Achter Brandt und Aránguiz allerdings mannorientiert, stellten mit Kruse und Rashica ballnah eine Überzahl her und konnten das Leverkusener Offensivspiel häufig im Keim ersticken. Klaassen sicherte dabei die Mitte ab.

Zwar versuchte Kohfeldts Team durch kluge Positionierung den Leverkusener die Anspielstationen zum Seitenwechsel nehmen, jedoch hat Bayer zu viel Qualität, und konnte sich entsprechend auch aus engen Situationen lösen.

Allerdings konnten die Leverkusener aufgrund des Achters in der Nähe des Balles nur auf die Außenbahn verlagern. Klaassen konnte so die Mitte alleine sichern, ermöglichte es seinen Mitspielern ballnah Druck auszuüben und letztlich schaffte es der Niederländer immer noch auf der Außenbahn eine Gleichzahl herzustellen.

Bremens Diagonalität isoliert Leverkusen

Wie bereits angesprochen, agierten die Sechser der Bremer recht mannorientiert und verfolgten die Leverkusener Achter. Gerade wenn Bayer mit beiden Achtern am Flügel überladen wollte, schoben beide Bremer Sechser nach und stellten so die Passwege ins Zentrum zu.

Die Mannorientierungen waren allenfalls lose. Stießen die Achter weiter nach vorne übergaben Eggestein und Sahin den jeweiligen Gegenspieler an die Abwehrspieler, um die Kompaktheit in der Mitte nicht zu verlieren.

Max Kruse hatte außerdem eine interessante Rolle. Der Kapitän agierte gegen den Ball im Zentrum, meistens leicht hinter Rashica und nahm Sechser Baumgartlinger in Manndeckung. Auch diese Mannorientierung war nur situativ und erlaubte es dem Offensivspieler auch höher zu pressen. Der österreichische Sechser wurde im Deckungsschatten gelassen.

Leverkusen Bremen Spielanalyse Bosz Kohfeldt

Die Werderaner waren regelmäßig in der Lage, nachdem man durch das Freilassen von Bender und das kluge Anlaufen der ersten Linie Leverkusen auf die Seite lenkte, die Werkself auch dort zu isolieren. Hier spielte Kruses tiefere Position eine wichtige Rolle, um den Sechser als Verlagerungsoption auszuschalten. Darüber hinaus positionierte sich Rashica so, dass er ohne Probleme den ballnahen IV anlaufen konnte, aber durch seinen Deckungsschatten einen Seitenwechsel verhindern konnte.

Johannes Eggesteins hohe Position sicherte Bremen bei einem Seitenwechsel ab. Sein Anlaufen könnte notfalls das Passspiel der Bosz-Elf verlangsamen und Bremen mehr Zeit zum Verschieben geben.

Entscheidender für den Erfolg der Bremer Verteidigungsstrategie war allerdings ihre diagonale Staffelung. Durch die höhere Position der Außen und die tiefere Position von Kruse erschien vor Lars Bender eine Wand aus Bremern, die dahinter durch Sahin und Eggestein abgesichert wurde. Zwar ergab sich gelegentlich Raum hinter Kruse, jedoch konnte jener nicht genutzt werden, da alle diagonalen Passwege ins Zentrum verschlossen waren.

Außerdem wurden die einzigen Anspielstationen mannorientiert verfolgt. Julian Brandt und Charles Aránguiz erhielten entsprechend wenig Bälle zwischen den Linien.

Leverkusen Bremen Spielanalyse Bosz Kohfeldt

In dieser Situation kann man sehr schön erkennen, wie Bremen ballnah eine Überzahl herstellt, die Leverkusener Anspielstationen abkapselt und durch das konstante Halten der hohen Position das Mittelfeld von Bayer auseinanderzog.

Dies war ein weiterer wichtiger Aspekt. Im Gegensatz zu vielen anderen Teams, fielen die Bremer selten in eine tiefe, flache Staffelung, die die Mannschaft von Peter Bosz mit ihrer Klasse einfach bespielen kann. Ganz im Gegenteil. Durch ihre Diagonalität entstanden mehr Linien und die Leverkusener hatten Probleme Verbindungen zwischen ihren Akteuren aufzubauen.

Leverkusen findet nur selten einen Weg

Gegen die kompakte Defensive der Werderaner hatten die Mannen von Peter Bosz sehr lange ihre Probleme. Durch die gestaffelte Defensive am Flügel gelangten sie nur selten zwischen die Linien. Der Hauptausgangspunkt für ihr weiteres Offensivspiel.

Besonders Isolierung am Flügel machte Leverkusen zu schaffen. Durch die cleveren Positionierungen gelangen Seitenwechsel nur selten. Wenn, dann konnte Leverkusen die höhere Position des Flügelspielers bei Bremen nutzen. Gerade wenn Kruse das Zentrum nicht kompakt hielt, waren die Bremer zu passiv und Leverkusen konnte sich mit seiner ganzen Qualität durch die Engen kombinieren.

Speziell wenn man die erste Pressinglinie der Bremer überspielen konnte, herrschte mehr Gefahr. Denn dann ergab sich eine Gleichzahl oder vereinzelt Überzahl im Zentrum. Die höhere individuelle Qualität am Ball machte dann den Unterschied und Leverkusen konnte Tempo aufnehmen. Einer, war dafür wieder maßgeblich verantwortlich. Gerade am Flügel/Halbraum entstanden 3vs2 Überzahlsituationen für Leverkusen aufgrund der Rolle von Klaassen.

Leverkusen Bremen Spielanalyse Bosz Kohfeldt

Julian Brandt zeigte mal wieder seine Klasse und löste viele Drucksituationen durch seine hervorragende Spielintelligenz auf. Gerade wenn er sich höher positionierte, stellte er Kohfeldts Team vor Herausforderungen. In der Folge war es einfacher für Leverkusen zwischen die Linien zu gelangen. Allerdings bekamen sie über weite Strecken der Partie ihre starke linke Seite nicht so richtig ins Spiel.

Er durch die Einwechslung von Kai Havertz und durch das höhere Pressing der Bremer gelang es Leverkusen zwischen die Linien zu kommen. Lars Bender wurde in der zweiten Hälfte oft höher eingesetzt, sollte die Bremer nach hinten drücken und so dem spielstarken Havertz Räume öffnen. Auch mit der Hereinnahme von Paulinho entwickelte Leverkusen in einem offeneren Spiel mehr Tempo und Zug zum Tor. Jedoch waren die Probleme in der Absicherung maßgeblich für das Scheitern der Werkself und die Effektivität der Bremer Konter verantwortlich. Denn Kohfeldt stellte sein Team perfekt auf die Schwächen von Bayer Leverkusen ein.

Leverkusen hat Lücken – das ist nichts Neues

Bereits in Dortmund offenbarte Peter Boszs System Schwächen. Auch in Leverkusen pflegt er einen sehr offensiven Stil, die Kehrseite der Medaille. Im Umschaltmoment aber auch aus einer geordneten Defensive heraus, ergeben sich Lücken neben dem Sechser.

Werder Bremen hatte verschiedene Wege diese Lücken zu bespielen. Aus dem geordneten Spielaufbau heraus forcierten sie häufiger lange Bälle, die auf den hohen Außenverteidiger geschlagen wurde. Jener versuchte den Ball in den Halbraum auf den eingerückten Flügelspieler abzulegen.

Auch hier passte Kohfeldt sehr clever an. Dadurch, dass der lange Ball auf den Außenverteidiger geschlagen wurde, war die Verteidigungslinie der Leverkusener gebunden und konnte dementsprechend nicht herausrücken. Im Anschluss nutzten die Bremer die Lücken neben Baumgartlinger. Blitzschnell versuchte man über Rashica zu verlagern oder einen Pass hinter die Abwehrlinie zu spielen. Bis zum Schluss hatten die Leverkusener größere Probleme mit den schnellen Angriffen der Werderaner.

Leverkusen Bremen Spielanalyse Bosz Kohfeldt

Auch im Umschaltmoment bespielten die Bremer geschickt die Leverkusener Löcher. Für gewöhnlich rücken die Achter weit nach vorne, während in dieser Partie die Außenverteidiger breiter positioniert waren. Im Moment eines Ballverlustes schieben die Achter nach vorne, um Druck auszuüben. Allerdings schiebt der Rest der Leverkusener Verteidigung nicht immer konsequent nach. Mit schnellen Pässen in den Raum neben Baumgartlinger konnte sich Bremen befreien. Im Anschluss gab es sehr oft eine einfache Ablagestation und man bespielte die diagonal offenen Räume neben dem österreichischen Sechser der Leverkusener.

Fazit

In einer sehr interessanten Partie lieferten Werder Bremen eine starke Leistung in Leverkusen ab. Coach Florian Kohfeldt passte seine Mannschaft perfekt an die Eigenarten des Systems von Peter Bosz an. Insbesondere die Herausragende Defensivarbeit der Bremer war der Garant für den Sieg. Durch die clevere Nutzung von Mannorientierungen und die diagonalen Positionierungen gegen den Ball, gelang es, die Leverkusener auseinanderzuziehen und selten wirklich in ihr schnelles Kombinationsspiel kommen zu lassen.

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