João Félix – Portugals großes Versprechen

Manchester City, FC Liverpool, Bayern München, Real Madrid, Juventus Turin, Manchester United, Borussia Dortmund, Paris St. Germain.

Das sind nicht die Teilnehmer von irgendeiner Superliga – das ist ein Teil der Interessentenliste von João Félix.
Der portugiesische Offensivspieler von Benfica Lissabon gehört aktuell zu den heißtesten Eisen in Europa – und hat dafür nur eine halbe Saison Herrenfußball benötigt!

Doch warum ist der erst 19-jährige Zahnspangenträger so begehrt, dass einige Clubs sogar bereit sind, über 100 Millionen € für ihn auf den Tisch zu legen? Ist der Hype berechtigt oder läuft hier ein weiteres hochveranlagtes Talent in die Gefahr, bereits vor dem richtigen Durchbruch verheizt zu werden?

The next Kaká?

Ausgebildet vom FC Porto, führte ihn sein Weg über Padroense FC 2015 schließlich zu Benfica Lissabon.
Dort zunächst für die zweite Mannschaft aktiv, feierte er diese Saison am 18.08.2018 sein Debüt in der Primeira Liga. Die Tatsache, dass dieses Spiel gleich das Derby gegen Sporting Lissabon war und er kurz nach seiner Einwechslung direkt zum 1:1 Ausgleich traf, hat seinen Hype natürlich nicht gerade verringert.

Am wohlsten fühlt sich Félix hinter den Spitzen.
Von dort aus strahlt er bisher eine unglaubliche Torgefahr aus -> in bis dato 1322 Minuten in der heimischen Liga verzeichnete er 10 Tore und 4 Assists.
Er liefert im Schnitt knapp eine Torbeteiligung pro Spiel!
Er bewegt sich sehr leichtfüßig und elegant – seine enge Ballführung ist eine Augenweide.
Hier werden zurecht Vergleiche zu Kaká gezogen, der passend dazu auch äußerliche Ähnlichkeiten aufweist.

Auffällig ist, dass sich Félix stets sehr intelligent im Raum bewegt. Er hat den Kopf immer oben und weiß genau, wo sich der nächste Gegenspieler befindet und in welche Richtung er sich drehen kann. Er orientiert sich immer wieder vor und spielt daher auch sehr viele Pässe mit dem ersten Kontakt, weil er genau weiß, wo sich seine Mitspieler befinden.

Hier eine exemplarische Szene aus dem Derby gegen Sporting Lissabon. João Félix bewegt sich bei einem Konter clever zwischen den Ketten, bekommt den Ball – kurzer Schulterblick – dreht sich, tritt kurz an und spielt dann einen Chipball in die Gasse.

Kein Zirkus

João Félix‘ Spiel wirkt für sein Alter bereits sehr reif.
Er verfügt über eine hervorragende Technik und starke Fähigkeiten im offensiven 1 gegen 1 – er dosiert dies aber bereits jetzt sehr gut. Dadurch wirkt sein Spiel lange nicht so spektakulär wie das von beispielweise Vinícius Júnior, jedoch besitzt er in seinen jungen Jahren bereits eine starke Entscheidungsfindung, die sich letztlich dann auch in seinen Torbeteiligungen widerspiegelt.

Oftmals fehlt es jungen Spieler noch an der Übersicht – Dribbeln, Passen, Schießen – zu oft wird sich für die falsche Option entschieden, weil die bessere einfach nicht wahrgenommen wurde.
Félix ist hier sehr weit und mischt diese Fähigkeit mit seiner jugendlichen Spielfreude, wodurch man immer wieder Lupfer über die Abwehrkette oder geniale Schnittstellenpässe von ihm sieht.

Ohne Ball zählt’s

Sein gutes Raumgefühl hilft ihm nicht nur, sich im 10er-Raum zwischen den Ketten zu bewegen, sondern sorgt auch für viele tiefe Läufe hinter die Kette, die ihn letztlich auch als vordersten Stürmer gefährlich machen.
Er versteht es, sich im Rücken der Verteidigung langsam anzunähern, die Höhe zu halten und dann im richtigen Moment explosiv in die Tiefe zu starten. Sein Timing hierbei ist super.

Das macht Félix so gefährlich: Er ist nicht NUR der ballfordernde Spielmacher, der sich permanent fallen lässt und das Spiel vor sich braucht, um agieren zu können. Er besitzt eben auch diese Stürmerfähigkeit, zur richtigen Zeit in die richtigen Räume zu starten. Das macht ihn für jede Verteidigung schwer zu greifen.

Auch defensiv weiß Joao Félix schon durchaus zu gefallen. Zwar fehlt ihm hier natürlich noch einiges an defensiver, taktischer Erfahrung, aber vor allem seine Aggresivität und Bissigkeit im 1 gegen 1 machen Hoffnung, dass er sich auch in diesem Punkt von anderen, offensiv ähnlich talentierten Jungs in seinem Alter absetzen kann. Trotz seines schmächtigen Körpers verhält er sich zudem äußerst clever im direkten Zweikampf und kann da durch seine schnellen Beine auch mal einen Ballgewinn verzeichnen.

Hier ein schönes Beispiel aus dem Auswärtsspiel bei Moreirense. Abermals nach einem gegnerischen Ballverlust macht Benfica das Spiel schnell, der LV dribbelt in hohem Tempo an, Félix lauert bereits am Mittelkreis, hält zunächst die Höhe der Innenverteidiger, setzt sich dann leicht im Rücken ab und sprintet dann genau im richtigen Moment in den langen Schnittstellenpass des LV.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Bei allen Fähigkeiten, die er mitbringt, kommt Félix natürlich trotzdem ein wenig wie ein Schuljunge unter Erwachsenen daher. Sein Körper ist noch sehr jugendlich und kann im direkten Zweikampf aktuell nur wenig ausrichten. Das wissen natürlich auch die Gegner, die ihn mittlerweile sehr eng und hart verteidigen. Aktuell weiß er diese direkten Zweikämpfe noch clever zu umgehen, aber die Gegenspieler stellen sich natürlich immer besser darauf ein.

Da er mit 1,80 m aber dennoch für seinen Spielertypus relativ groß gewachsen ist, reden wir hier nur von einem kurzzeitigen Manko. Er hat sich körperlich im letzten halben Jahr bereits entwickelt und wird dies auch weiterhin tun.

Spätestens dann wird man sehen, wo die Reise von Joao Félix hingeht. Fußballerisch bringt er jedenfalls sämtliche Fähigkeiten für eine große Karriere bei einem Topklub mit. Sofern er seine spielerische Leichtigkeit weiterhin mit dieser Übersicht und Effizienz paart, haben wir hier wirklich einen Spieler, der sehr nah an das Profil vom großen Kaká heranreicht.

Und dann wird die Interessentenliste ähnlich wie sein Marktwert noch weiter in die Höhe schießen.

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