Peps seltsames Positionsspiel

Champions-League-Viertelfinale. Neues Stadion. Prächtige Stimmung in London. Alles war angerichtet für ein spannendes und hochklassiges Hinspiel zwischen den Tottenham Hotspur und Manchester City. Für Pep Guardiola war es mal wieder ein Champions-League-Auswärtsspiel gegen einen hochklassigen Gegner. Und mal wieder enttäuschte sein Team im Hinspiel. Manchester City Positionsspiel war dabei zahnlos, unsauberem und teilweise ohne Plan. So präsentierten sich die Citizens an diesem Dienstagabend.

Zwar hätte man durch den Elfmeter von Sergio Agüero früh in Führung gehen können, allerdings fanden die Citizens nach dem Fehlversuch des Argentiniers nie wirklich ins Spiel. Immer wieder blieben sie im ausgezeichneten Pressing der Spurs hängen. Das Team von Mauricio Pochettino verteidigte kompakt und konzentriert, allerdings hatte Manchester City auch mit ungewohnten Problemen im Positionsspiel zu kämpfen.

Zeit, einen Blick auf das Positionsspieö der Citizens gegen das Pressing der Spurs zu werfen.

City mit dem einrückenden Außenverteidiger

Während Tottenham im Pressing sehr mannorientiert agierte und grundsätzlich auf ein 4-2-3-1, das abhängig von den Bewegungen der City-Akteure auch zu einem 4-1-4-1 oder 4-4-2 werden konnte, setzte, vertraute Guardiola mal wieder auf die asymmetrische Variante im Aufbauspiel. Offenbar war der Plan, durch Delphs Einrücken eine Überzahl im Zentrum zu schaffen und durch eine 3-2 Staffelung sicher aufzubauen.

Davor sollten dann wohl Ilkay Gündogan und David Silva die Halbräume besetzen, während der bewegliche Agüero immer wieder in die Lücken im Zentrum hätte fallen können. Mit Mahrez und Sterling hatte man darüber hinaus zwei breit agierende Flügelspieler, die immer wieder in 1vs1 Duelle gebracht werden sollten.

Tottenham Hotspur vs Manchester City Positionsspiel Taktikanalyse

Bei den Spurs war Harry Kane dafür zuständig die Pässe ins Zentrum zu erschweren, während Dele Alli Fernandinho bewachte. Mauricio Pochettino entschied sich den einrückenden Delph durch ein Verfolgen von Christian Eriksen zu stoppen, um den Citizens das Spiel durch das Zentrum zu erschweren.

Heung-min Son hingegen agierte etwas breiter und fokussierte sich darauf Passwege auf David Silva zu schließen. Etwas überraschend verfolgten auch die beiden Sechser Sissoko und Winks Citys Achter recht weit, öffneten so zwar häufiger die Mitte, konnten allerdings sofort Druck ausüben.

Nichtsdestotrotz hatte die Mannschaft von Pep Guardiola durch Sergio Agüero eigentlich eine Überzahl im Zentrum, gerade wenn die Flügelspieler immer wieder die Tiefe attackiert hätten. Durch Edersons Passqualitäten, ein immer noch unterschätztes Mittel mit langen Bällen hinter die Abwehrkette zu kommen, hätte man die Spurs vor große Herausforderungen stellen können. Des Weiteren hätte man auch offene Passwege auf die Flügel gehabt und so schnellen und einfachen Raumgewinn.

So weit die Theorie, allerdings entwickelte sich das Spiel komplett anders. City positionierte sich unsauber, die Bewegungen von Delph waren nicht gut eingebunden und die Rolle von Gündogan passte nicht zum englischen Linksverteidiger.

Walker und Gündogans Position werfen Fragen auf

Die oben beschriebene Vorgehensweise hätte eine Option sein können, die sich Guardiola vor dem Spiel überlegte. Tatsächlich gestaltete sich das Ganze etwas anders. Kyle Walker blieb deutlich breiter, bildete seltener eine Dreierkette im Spielaufbau und schob etwas weiter vor. Entsprechend positionierte sich auch Aymeric Laporte nicht so breit. Folglich waren die Passwege auf Raheem Sterling des Öfteren nicht ideal und man konnte die Vorteile des Einrückenden Außenverteidigers seltener nutzen.

Entsprechend hatten die Citizens Probleme den Ball schnell zirkulieren zu lassen, Kane war in der Lage, mit der Unterstützung von Dele Alli, den Spielaufbau zu stören und die Verlagerungen zu verlangsamen.

Da Kyle Walker bei der Ballannahme normalerweise nur Riyad Mahrez als Anspielstation hatte, konnten sich die Spurs auf die Schließung des Zentrums konzentrieren. Dementsprechend machte Walker das Spiel nicht breiter, da ein Pass auf ihn häufiger zur kniffligen Situation statt einer Lösung gegen das Pressing der Spurs wurde.

Auch die Positionierung von Ilkay Gündogan war seltsam. Der ehemalige Dortmunder ließ sich gerne aus dem linken Halbraum fallen, um im Zentrum Fernandinho zu unterstützen. Allerdings besetzen dann Delph und er denselben Raum, schlossen die Passwege nach vorne für Laporte und ermöglichten dem Team von Pochettino durch cleveres Anlaufen zwei Spieler der Citizens aus dem Spiel zu nehmen.

Tottenham Hotspur vs Manchester City Positionsspiel Taktikanalyse

Diese Situation blieb die Ausnahme. City nutzte ein einziges Mal die freien Räume durch den einrückenden Außenverteidiger. Auch hier war es suboptimal, Otamendi musste einen langen Ball spielen und Gündogan erhielt den Ball ohne eine Möglichkeit zu haben direkt ins Zentrum zu spielen.

Die mannorientierte Spielweise der Spurs funktionierte gut und versperrte den Citizens das Zentrum. Allerdings wird auch deutlich, dass eine Verlagerung nicht nur schwierig, sondern auch lange dauern würde. Kane kann Laporte clever pressen und die doppelte Besetzung der rechten Außenbahn bringt keine Vorteile für das Team von Pep Guardiola.

Nach 10-15 Minuten beendete Guardiola diese Vorgehensweise und Delph blieb konstant breiter. Allerdings waren die Positionierungen nach der Umstellung nicht besser. Denn die gepredigten Prinzipien Guardiolas wurden kaum bis gar nicht umgesetzt.

Ein 4-2-4 – Pep und die Erinnerung an 2014

Die 0:4 Niederlage gegen Real Madrid im Rückspiel des Champions-League-Halbfinales mit den Bayern ist wohl immer noch eine der härtesten Niederlagen in der Karriere von Pep Guardiola. Damals setzte er auf ein 4-2-3-1/4-2-4, da sich seine Spieler in diesem System wohlfühlten. Wie er rückblickend mitteilte, ein Fehler.

Denn im 4-2-4 bilden sich wenig Dreiecke und suboptimale Passwinkel, etwas das es in der Welt des Pep Guardiolas nicht geben sollte. Umso überraschender war deshalb der Auftritt von Manchester City bei Tottenham. Ab der 10 Minute agierten sie recht deutlich in einem 4-2-4/2-4-4 durch die doppelte Besetzung der Außenbahnen. Das machte es dem Team von Mauricio Pochettino recht einfach den Spielaufbau von City zu behindern und die Offensivmaschine aus Manchester ins Stocken zu bringen.

Tottenham Hotspur vs Manchester City Positionsspiel Taktikanalyse

Grundsatz: es sollten maximal zwei Spieler auf derselben vertikalen Linie und maximal drei auf derselben horizontalen Linie positioniert sein.

Normalerweise ist das ein prägender Grundsatz für die Teams von Pep Guardiola. Allerdings wurde diese Regel sehr oft missachtet oder Pep wollte diese Feldaufteilung. So oder so, die Staffelung war unvorteilhaft und machte den Citizens das Leben selbst schwer.

Zum einen, war die Zirkulation zwischen den Innenverteidigern und den beiden Sechsern stark beeinträchtigt. Warum? Die vier positionierten sich in einem Quadrat, dementsprechend ergeben sich nur horizontale und vertikale Passlinien. Eines der Hauptprobleme beim klassischen 4-4-2. Zwar kennen wohl viele das System aus der Bundesliga oder von den eigenen Erfahrungen als Spieler.

Jedoch ergibt diese 2-2 Staffelung im Aufbau enorme Probleme. Die Innenverteidiger und Sechser standen recht eng zueinander. Dementsprechend konnte Harry Kane die einzige diagonale Passlinie auf den ballfernen Sechser mit seinem Deckungsschatten zustellen und gleichzeitig den ballfernen Innenverteidiger anlaufen.

Auch wenn der Pass auf den Sechser kommt, ist der Passwinkel ungeschickt. Die einzigen Passoptionen sind der Innenverteidiger und Außenverteidiger. Jedoch kann der Sechser der Citizens von Winks oder Sissoko bzw. einem der Flügelspieler gepresst werden. Bei der Ablage auf einen IV oder AV konnten die Spurs durchpressen und die Passoptionen nach vorne zustellen.

Zum anderen ergaben sich keine Anspielstationen nach vorne. Da der Sechser, IV und einer der beiden Offensivspieler auf einer Linie positioniert sind, ergeben sich auch nach einer kurzen Verlagerung keine Passoptionen hinter der Mittelfeldlinie, diese werden durch die zentralen Mittelfeldspieler versperrt.

Die Position von David Silva war ein gutes Beispiel für die Probleme der Citizens. Durch die Position von Fernandinho musste der Spanier weit nach außen ausweichen, um einen Pass zu erhalten. Allerdings konnte er stets vom Dreieck Alli, Son und Sissoko bewacht werden und bei der Ballannahme hatte er oftmals eine Körperposition zur Seite, konnte den Ball also nur auf Mahrez prallen lassen. Letztlich befanden sich die Citizens so immer noch außerhalb des gegnerischen Blocks.

Spurs wechseln auf 4-4-2 – City mit Problemen

Im Laufe der Partie presste die Mannschaft von Mauricio Pochettino höher, formierte sich häufiger in einem 4-4-2, da Dele Alli Fernandinho auch durch seinen Deckungsschatten abdecken konnte und jagten City häufiger an deren Sechzehner. Besonders Harry Kane zeigte seinen Wert gegen den Ball. Der englische Nationalspieler positionierte sich geschickt und verhinderte zusammen mit Dele Alli die gefährlichen Pässe ins Zentrum.

Auch Heung-min Son und Christian Eriksen konzentrierten sich vermehrt auf die Schließung des Zentrums, David Silva und Sergio Agüero, der oft von Alderweireld verfolgt wurde, erhielten deshalb nur selten den Ball zwischen den Linien.

Tottenham Hotspur vs Manchester City Positionsspiel Taktikanalyse

Durch die doppelte Besetzung der Außenbahn hatte das Team von Pep Guardiola zwar Stabilität auf im Falle eines Ballverlustes, jedoch fehlte im Spiel mit dem Ball der Zugriff auf den Zwischenlinienraum. Das Anlaufen von Dele Alli und Harry Kane bewirkte zusammen mit dem suboptimalen Positionsspiel bei City zu vielen Pässen nach außen.

In diesem Beispiel konnte Eriksen Walker sofort anlaufen, und mit seinem Deckungsschatten einen Pass auf David Silva verhindern. Zusammen mit Rose und Winks bildet er ein Dreieck, dass dafür sorgt, dass es für City keine Möglichkeit gibt, zwischen die Linien zu spielen.

Fazit – Manchester City Positionsspiel scheitert

Was bleibt von dieser Partie? Manchester City enttäuschte. Die sehr konservative, fast schon ängstliche Herangehensweise kostete sie eine bessere Ausgangsposition fürs Rückspiel. Das Positionsspiel war an diesem Abend sehr unsauber umgesetzt, die Positionierungen stimmten nicht und so fand das Team nie eine Lösung gegen das ausgezeichnete Pressing der Spurs.

Fragezeichen dürfte die Umstellung von Guardiola auf ein 2-4-4 und die unpassenden Positionierungen von Kyle Walker und Ilkay Gündogan aufwerfen. Denn alles in allem war nicht wirklich ersichtlich wie diese Umstellungen das Pressing von Tottenham knacken sollten. Eventuell wollte Guardiola auch einfach sicher stehen und opferte dafür die offensive Durschlagskraft.

Für das Rückspiel ist weiterhin alles offen. Die Citizens müssen nun deutlich offensiver agieren, die grundsätzliche Idee mit dem einrückenden Delph könnte auch wieder für das Rückspiel eine Option sein. Auch Kevin de Bruyne und Leroy Sané in der Startelf wären eine Verstärkung im letzten Drittel. Mauricio Pochettino wird wahrscheinlich auf Harry Kane verzichten müssen, ein schmerzlicher Ausfall, allerdings kann man mit Son und eventuell Lucas Moura natürlich voll auf Konter setzen. Spannung ist definitiv garantiert.

Peps Positionsspiel auf dem Höhepunkt

Mehr zum Positionsspiel findet man in dieser Retroanalyse des Spiels der Bayern gegen Arsenal aus dem Jahre 2015

Toranalyse Kevin de Bruyne

In dieser kurzen Analyse zeigen wir dir, wie das Positionsspiel Kevin de Bruyne half den Treffer zu erzielen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.