Nur gucken, nicht anfassen! Dortmunder Inspirationslosigkeit verhindert Sprung an die Tabellenspitze – ein Kommentar zum Revierderby

Das Ruhrpott-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 bietet schon aufgrund der extremen Rivalität beider Teams genügend Potential für spannende Spiele. Doch besonders wenn Königsblau in Dortmund zu Gast ist, ist für die eine oder andere Sensation gesorgt. Jens Lehmanns Kopfballtreffer im Jahre 1997, das Ende aller Titelambitionen für Schalke in 2007 oder das legendäre 4:4 in der letzten Saison. Doch auch dieser 31. Spieltag der Spielzeit 2018 / 2019 verdient einen Platz in den Geschichtsbüchern.

Letztlich waren es die beiden absolut berechtigten roten Karten für Reus und Wolf, die dem BVB das Genick brachen. Doch auch bis dahin konnte Dortmund keineswegs überzeugen und zeigte sich in der Offensive extrem ideen- und planlos. Zu keinem Zeitpunkt machte Dortmund deutlich, dass man dieses schwierige und intensive Spiel gewillt ist zu gewinnen und die Chance auf die erste Meisterschaft seit 2012 weiter am Leben zu halten. Auch die Startformation mit der defensiv ausgerichteten Doppelsechs Witsel + Delaney war kein zumindest offensichtliches Zeichen dafür, einen angeschlagenen Gegner von Beginn an unter Druck zu setzen und früh aus der Bahn zu bringen. Dem BVB fehlte es auch aus dem defensiven Mittelfeld an Zug zum gegnerischen Tor und Vertikalität im Spiel nach vorne. Eine an vielen Strecken nahezu gleich ablaufende Spielauslösung, die früh auf die linke Seite zu Diallo getragen wurde, konnte von Schalke gut zugestellt werden und führte zu einer U-förmigen Ballzirkulation des BVB rund um den Schalker Strafraum ohne dabei in gefährliche Bereiche zu kommen.

Grundsätzlich muss eine Mannschaft, die tief steht, destabilisiert werden, um auf diese Weise Torgefahr zu erzeugen. Basis jedes Destabilisierungsansatzes ist ein hohes Spieltempo, um den Gegner stets in Bewegung halten und ihn dazu zu zwingen, Entscheidungen im (Voll-)Sprint treffen zu müssen. Schnelle Spielverlagerungen / Seitenwechsel bringen die Defensive ins Wanken und erhöhen die Chancen für Stellungs- und Konzentrationsfehler. Dieses Spielelement war jedoch auf Seiten der Dortmunder viel zu selten vorzufinden. Die arg gebeutelten Schalker hatten daher wenige Probleme die Ballbesitzphasen des BVB zu überstehen und wurden in der Abwehr kaum gefordert. Ein zweiter Aspekt ist das Zwischenlinienspiel. Gerade im Spiel gegen drei Innenverteidiger ist eine passable Alternative, dass sich der Stürmer möglichst tief und mit dem Rücken zum gegnerischen Tor positioniert und Bälle für nachrückende Spieler in die Halbräume prallen lässt. Herauslaufbewegungen zwischen die Linien, um Innenverteidiger aus den Positionen zu locken, sind insbesondere gegen Fünferketten  schwierig, da selbst bei erfolgreichem Herauslocken weiterhin zwei Innenverteidiger in der letzten Linie verbleiben.

Ob die Umstellung mit der Einwechslung von Paco Alcacer Früchte getragen hätte, lässt sich aufgrund der Platzverweise ebenso nicht verlässlich beantworten. Reus und Götze hätten sich jedoch zumindest theoretisch rein von der Anordnung auf dem Platz her häufiger in den Halbräumen aufhalten können, um von dort aus mit Dreiecken und Überladungen durchzubrechen.  Insgesamt kann man beim BVB getrost von einem gebrauchten Tag sprechen. Eigene Unzulänglichkeiten im Spielaufbau und bei Lösungssuche im letzten Drittel gepaart mit dem fehlenden Spielglück haben sich zu einem Desaster potenziert – und schreiben ein weiteres Kapitel in der Derbygeschichte zwischen Dortmund und Schalke.

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