TSG Hoffenheim – VfL Wolfsburg

Spätestens mit dem letzten Spieltag wurde der Endspurt der aktuellen Saison eröffnet. Der Abstiegskampf ist so gut wie entschieden, Bayern hat im Titelrennen die Nase vorne. Richtig spannend ist es aber noch im Kampf um die Plätze dahinter. Die Ausgangssituation vor dem Spiel ist folgende: Hoffenheim konnte mit einem Sieg an Frankfurt vorbei auf den vierten Tabellenplatz springen, Wolfsburg wäre mit dann vier Punkten Rückstand auf Platz sieben quasi raus aus dem Rennen um die internationalen Plätze. Ein Auswärtssieg der Wölfe würde die ganze Situation aber noch einmal etwas verschärfen. Zwei Punkte liegen dann nur noch zwischen Wolfsburg auf Platz acht und Gladbach auf Platz fünf.

Die Aufstellungen

Julian Nagelsmann setzte, anders als in einigen Spielen der letzten Wochen, auf eine Dreierkette mit drei klaren Innenverteidigern, flankiert vom Duo Schulz-Kaderabek. Grillitsch übernahm die Rolle des Sechsers, Kramaric und Amiri waren auf den Halbpositionen zu finden. In der Spitze des 3-1-4-2 spielten Szalai und Belfodil. Bruno Labbadia setzte auf ein 4-3-3 System, weil Rousillon nicht zur Verfügung stand, rückte William auf die linke Seite und Jung rückte hinten rechts in die Mannschaft. Tisserand ersetzte Brooks, ansonsten gab es keine Überraschungen.

Wolfsburger Pressing

Wolfsburg formierte sich gegen den Ball in einem 4-3-3 System. Dabei standen die Flügelspieler aber nicht in den Flügelzonen wie bei einem 4-1-4-1, sondern vor den Achtern. Dadurch ergab sich ein 3-3-Block, welcher Hoffenheim die Wege ins Zentrum versperren konnte. Grillitsch konnte im Deckungsschatten der Stürmer isoliert werden. Für Hoffenheim blieben durch die sehr hohe Positionierung der Achter hinter Wolfsburgs Mittelfeld nur der Pass auf einen Flügelverteidiger. Im Grunde hatte Hoffenheim für diese Situationen eine ganz gute Struktur. Die Stürmer positionierten sich in den Halbräumen, die Kramaric und Amiri im Rücken des gegnerischen Mittelfelds. Manche Mannschaften wären in dieser Konstellation wohl zurückhaltender im Herausrücken auf den Flügel, weil dadurch Raum geöffnet wird, welcher schon von einem Hoffenheimer Spieler besetzt wurde. Wolfsburg kümmerte das aber herzlich wenig.

So wurden Schulz und Kaderabek jeweils früh vom Wolfsburger Außenverteidiger gestellt, während die Mittelfeldspieler und Angreifer Pässe ins Zentrum verhindern konnten. Hinter dem herausgerückten Außenverteidiger nahm der Innenverteidiger eine sehr enge Mannorientierung gegen den ballnahen Hoffenheimer Stürmer ein. Wolfsburgs Intensität im Spiel gegen den Ball führte dazu, dass Hoffenheim kaum Zeit am Ball hatte und deshalb viele lange Bälle gespielt hat.

Trotzdem schafften die Gastgeber es, nach neun Minuten in Führung zu gehen. Nach einem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte ging Wolfsburg sofort ins Angriffspressing über, hatte aber zu große vertikale Abstände. Hoffenheim konnte mit einem Vorstoß von Kaderabek den Raum hinter William nutzen, durch das entblößte Wolfsburger Mittelfeld spielten sie sich dann nach vorne. Auch der Elfmeter entstand aus einem Wolfsburger Ballverlust in der gegnerischen Hälfte und einem anschließenden Konter der Hoffenheimer. So kam es, dass Wolfsburg eigentlich gut im Spiel war, nach 15 Minuten aber trotzdem Glück hatten, nicht schon 2:0 zurück zu liegen.

Hoffenheimer Pressingversuche

Auch Hoffenheim versuchte Wolfsburg früh unter Druck zu setzen. In höheren Pressingsituationen rückte Vogt aus der Innenverteidigung auf die Sechserposition vor, Grillitsch ging auf die Acht. Dadurch konnte Kramaric als Zehner des 4-3-1-2 Systems mannorientiert Guilavogui zustellen, während Szalai und Belfodil eher breite Positionen einnahmen. Durch ein häufiges Zurückfallen von Arnold in diesen Situationen und ein Überladen des Sechserraums gegenüber Kramaric führte aber dazu, dass Hoffenheim wenig Zugriff erhielt. Es dauerte daher auch nicht allzu lange, ehe Nagelsmann seine Mannschaft etwas tiefer aus einem 5-3-2 verteidigen lies. In den wenigen Angriffspressingszenen danach rückte Grillitsch auf Guilavogui nach vorne. Nach wie vor hatte Hoffenheim aber nur wenig Zugriff. Hatte William den Ball, konnte Hoffenheim die Verlagerungen nicht verhindern und musste sich zurückfallen lassen.  

Im Mittelfeldpressing fiel den Achtern die Aufgabe zu, die Wolfsburger Außenverteidiger anzulaufen. An den Flügeln entstanden jeweils 2-gegen-2-Situationen, mögliche Anspielstationen dahinter wurden durch ein mannorientiertes Nachschieben von Grillitsch oder Bicakcic bzw. Adams zugestellt. Zu Beginn der Partie hatte Hoffenheim noch guten Zugriff, dieser wurde aber im Laufe der ersten Halbzeit immer weniger. Grund dafür waren die vielen Verlagerungen in Wolfsburgs sehr breiter Spielweise. Den Wölfen selber fehlten aber über weite Strecken der ersten Halbzeit die spielerischen Mittelf, das zwar unkompakte, aber in ballnähe mannorientiert zuschiebende Hoffenheimer Mittelfeldpressing zu knacken, auch wenn sie gegen die Mannorientierungen am Flügel ein paar gute Abläufe mit Positionswechsel versuchten.

Ab der 30. Minute bestimmte Wolfsburg fast ausnahmslos den Ballbesitz, Hoffenheim bekam in dieser Phase fast gar keinen Zugriff mehr. Folgerichtig fiel kurz vor der Pause auch der Ausgleich durch William.

Anpassungen in der Halbzeit

Nach der Pause stellte Hoffenheim im Mittelfeldpressing auf ein 5-2-3/5-4-1 um. Szalai als Stürmer konzentrierte sich darauf Guilavogui in seinem Deckungsschatten zu halten. Konnten sich Tisserand und Knoche nach langen Ballstaffetten gegen passive Hoffenheier Platz zum Andribbeln erarbeiten, rückte Hoffenheims ballnaher Sechser heraus. Szalai blieb zunächst bei Guilavogui, konnte von dort aber ggf. auf den zweiten Innenverteidiger vorrücken, sollte Wolfsburg noch einmal verlagern. Der herausgerückte Sechser wurde vom anderen Sechser und dem ballnahen Flügelspieler abgesichert, Szalai nahm – da er Pässe auf Guilavogui versperrte – die mögliche Verbindungsoption in den nun offenen Raum in Hoffenheims Mittelfeld aus dem Spiel. In dieser Fünferkette tat sich Hoffenheim leicht, in der letzten Linie überall 1-gegen-1-Situationen herzustellen.

Um lange Passstaffetten in Wolfsburgs Aufbauspiel zu verhindern, nahm Kramaric nach ein paar Minuten in der zweiten Halbzeit eine höhere Position ein, wenn der Ball auf der rechten Seite war. Aus dieser Position könnte er Knoche nach Verlagerungen anlaufen und einen Pass auf Jung unterbinden.

Individuelle Fehler durchbrechen die Pattsituation

Weil auch Wolfsburgs Pressing sehr stark blieb, ergab sich das gleiche Spiel wie in der ersten Halbzeit. Die Partie spielte sich hauptsächlich zwischen den Strafräumen ab. Wolfsburg kam mit ihrem aggressiven Pressing zu vielen Ballgewinnen, indem sie Hoffenheim sofort unter Druck setzten und ihnen keine Zeit gaben. Hoffenheim setzte auf eine passive Spielweise, hatte die langen Bälle von Wolfsburg aber grundsätzlich unter Kontrolle, kam aber zu deutlich weniger Ballgewinnen.

Hoffenheims Torchancen entstanden fast ausschließlich aus Standardsituationen ab der 65. Minute. Zu dieser Zeit kam auch Wolfsburg zu Konterchancen. Schließlich war es ein individueller Fehler, welcher den Ausgang des Spiels Richtung Wolfsburg kippen lies.

Nagelsmann reagierte auf den Rückstand und brachte Nelson für Bicakcic. Hoffenheim spielte die letzten 20 Minuten in einem 4-3-3. Nelson besetzte den linken Flügel, sein Pendant auf der rechten Seite Belfodil war mehr im Halbraum zu finden, fand dort aber überhaupt nicht (mehr) ins Spiel. Kramaric und der eingewechselte Bittencourt spielten als Achter. Wolfsburg zog sich nach der Führung etwas weiter zurück, verteidigte aber weiterhin sehr aktiv. Hoffenheim schien sich von dieser vertikalen und hektischen Spielweise anstecken zu lassen und verlor sehr viele Bälle. So konnten sie selber keinen Druck aufbauen und kamen auch zu keinen weiteren Torchancen. Ein Konter nach einem für die Schlussphase typischen unnötigen Ballverlust von Kaderabek sorgte schließlich für die Entscheidung.

Fazit

Hoffenheim kam eigentlich ganz gut in die Partie, auch wenn Wolfsburgs Pressing von der ersten Minute an sehr gut war und ihnen Probleme bereitete. Nach dem verschossenen Elfmeter wurde der Zugriff aber immer weniger und Wolfsburg begann, das Spiel zu dominieren. In der zweiten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen, keine der beiden Mannschaften konnte das Spiel dominieren oder sich Torchancen erarbeiten. Schließlich waren es individuelle Fehler, welche die Partie entschieden.

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