FC Barcelona – FC Liverpool

Im zweiten Halbfinale der Champions League kam es zum Duell zwischen dem spanischen Meister FC Barcelona und dem Vorjahresfinalisten FC Liverpool. Seit knapp 10 Jahren ist Klopp mit dem BVB oder Liverpool fast dauerhaft in der Champions League vertreten gewesen, auch Barca war ein Dauergast in den späteren Runden. Trotzdem ist es das erste Mal, dass Klopp mit einer Mannschaft gegen den FC Barcelona und Lionel Messi spielt. Alleine deswegen konnte das Spiel schon mit Spannung erwartet werden.

Die Aufstellungen

Bei beiden Mannschaften war vieles so wie üblich. Auf Barcelonas Seite war die Berücksichtigung von Vidal anstatt Arthur die einzige Überraschung, bei Liverpool verteidigte Gomez hinten rechts anstatt Trent Alexander-Arnold. Der angeschlagene Firmino wurde von Wijnaldum ersetzt.

Angriffspressing auf beiden Seiten

In den ersten 5 Minuten hatte Liverpool viel Ballbesitz und sah sich dem Angriffspressing von Barcelona gegenüber. Van Dijk und Matip positionierten sich sehr breit, die Außenverteidiger schoben am Flügel nach vorne, dadurch konnte Alisson mit in das Aufbauspiel eingebunden werden. Fabinho war der tiefste Mittelfeldspieler, wurde aber situativ von Keita unterstützt. Milner nahm halbrechts eine höhere Position ein. Bei Barca orientierten sich Messi und Suarez an den breiten Innenverteidigern, um Fabinho nicht zu viel Platz zu gewähren, rückte Rakitic von der linken Sechserposition auf vor. Lies sich auch Keita fallen, wurde er von Busquets verfolgt. Barcas Sechser nahmen dabei aber keine enge Manndeckung ein, sodass ein Spielen über Fabinho und Keita durchaus möglich war, allerdings lies Barca nur die Pässe auf die Flügel – häufig den linken – zu. Coutinho nahm durch das Aufrücken von Rakitic eine Position im Halbraum ein, damit er sowohl auf Milner als auch auf Gomez rücken konnte. Vidal orientierte sich auf der rechten Seite an Robertson.

Liverpool baute das Spiel mit Flachpässen auf Fabinho oder Keita von hinten auf und spielte den Ball von dort häufig auf Robertson. Der Linksverteidiger wurde von Vidal angelaufen und Barca versuchte in diesen Situationen den Ball zu gewinnen. Weil Busquets aber sehr weit auf Keita vorschob, war der Zwischenlinienraum bei Barca sehr groß. Diesen Raum konnte Liverpool nutzen, um mit Milner oder Wijnaldum das Angriffspressign Barcas zu überspielen. Mane rückte dafür bei eigenem Ballbesitz in den linken Halbraum, um Pique und Roberto zu binden.

Nach etwa 5 Minuten hatte Barcelona dann mehr Ballbesitz und auch Liverpool setzte den Gegner schon am Strafraum unter Druck. Liverpool setzte auf ein 4-3-3-Pressing, bei dem die sechs vorderen Spieler klare Aufgaben hatten. Durch das Abkippen von Busquets entstand bei Barca ein 3-4-3 System. Mane und Salah positionierten sich in den Halbräumen und liefen den Pique und Lenglet mit den Außenverteidigern im Deckungsschatten an. Milner erhielt eine Sonderrole im Pressing und orientierte sich am offensivstarken Alba. Damit wollte Klopp wohl verhindern, dass Alba mit seinen Offensivläufen am Flügel durchbrechen kann, während Coutinho Gomez bindet. Milner stand in der Anfangsphase sogar einmal neben Gomez und es ergab sich ein 5-2-3 System. Während Coutinho bei Barcelona in die letzte Linie aufrückte nahm Vidal auf der anderen Seite eine tiefere Position ein und spielte zusammen mit Rakitic im zentralen Mittelfeld. Fabinho und Keita hatten damit klare Gegenspieler, die sie anlaufen mussten. Sergi Roberto war auf der rechten Seite der einzige Spieler, für den es keine klare Zuordnung gab. Schaffte Barcelona es, auf den rechten Flügel zu spielen, rückte entweder Robertson oder Keita heraus, während die Passwege Richtung Zentrum geschlossen wurden.

Die Ideen im eigenen Ballbesitz

In der Anfangsphase dominierten die Defensiven das Spielgeschehen und beide Mannschaften taten sich im eigenen Ballbesitz schwer. Bei Barcelona war der Plan, Messi in den zentralen Zonen den Ball zu geben, damit er dort mit Tempo auf die Abwehr zulaufen kann.

Liverpool setzte viel auf lange Diagonalbälle auf den rechten Flügel, wo Salah eine breite Position einnahm. Die hohe Position von Milner im rechten Halbraum sollte dabei helfen, Alba noch etwas zu binden, damit der Ägypter mehr Platz bekommt. Gomez blieb dafür bei eigenem Ballbesitz tiefer. Auf der linken Seite sah die Positionierung etwas anders aus. Keita hielt sich mehr vor Barcas Mittelfeld auf und unterstützte Fabinho im Sechserraum, Mane besetzte den linken Halbraum in der letzten Linie, meistens in der Schnittstelle zwischen Pique und Roberto. Damit öffnete er den linken Flügel für Vorstöße von Robertson. Die Rollen von Mane, Milner und Salah erlaubten es Wjnaldum, sich freier im Zwischenlinienraum zu bewegen. Auch die linke Seite von Liverpool war offensiv sehr aktiv.

Nach dem Wechsel von Henderson für Keita übernahm Milner die Keita-Rolle und Henderson die Milner-Rolle. In der ersten Angriffspressingszene nach dem Wechsel konnte Alba Henderson umspielen und Barcelona aufrücken. Barca konnte den Ball dann nach einem Einwurf in Liverpools Hälfte erobern, bei den Gästen gab es etwas Unordnung, wodurch Barca leicht das Spiel verlagern konnte. Nach der Spielverlagerung gab es im rechten Halbraum keinen Zugriff auf Vidal, der einen Diagonalball auf Coutinho spielte. Ein überragender Ball von Alba und ein starker Lauf von Suarez ermöglichten Barca den Führungstreffer.

Beide Mannschaften etwas tiefer

In der Phase, in der das Tor gefallen ist, zogen sich auch beide Mannschaften im Spiel gegen den ball etwas zurück und agierten aus einem Mittelfeldpressing heraus. Messi und Suarez beteiligten sich dabei solange, bis die erste Linie überspielt wurde. Liverpool hatte nach dem Führungstreffer wieder mehr Ballbesitz, tat sich aber schwer, Chancen zu erspielen oder Barcelona ins eigene Drittel zu drücken. Auch Liverpool agierte aus einem Mittelfeldpressing heraus und ging nur noch vereinzelt – nach Rückpässen oder Abstößen) ins Angriffspressing über. Dabei waren sie zum Ende der ersten Halbzeit bei weitem nicht mehr so stabil wie noch zu Beginn des Spiels. Entweder rückte ein Spieler zu spät heraus oder es wurde falsch angelaufen. Die dadurch entstandenen Lücken konnte Barca nutzen.

Barca in der zweiten Halbzeit überlegen

In der zweiten Halbzeit tat sich Liverpool im Spielaufbau schwerer, was auch an Barcas starker Defensivleistung lag. Aus dem 4-4-2 heraus rückte Busquets – wenn der Ball auf Liverpools rechter Seite war – auf Fabinho vor, behielt dabei aber Milner in seinem Deckungsschatten. Rakitic spielte halblinks etwas tiefer und konnte dadurch den Raum von Henderson verkleinern. Für Liverpool war es so von der rechten Seite aus schwer, sich in Barcelonas Formation zu spielen. Hinzu kommt, dass Gomez nicht seinen besten Tag erwischte.

Barcelona passte in der zweiten Halbzeit den Spielaufbau etwas an. Busquets kippte nicht mehr ab, sondern spielte nun konstant hinter Liverpools erster Pressinglinie. Vor allem Wijnaldum hatte damit ein Problem und irrte oft etwas im Raum herum, konnte dabei weder den Passweg auf Busquets schließen noch andere Spieler unter Druck setzen. Dazu kam das Problem, dass Liverpool in der zweiten Halbzeit auch nicht mehr so kompakt war wie noch zu Beginn des Spiels. Barcelona konnte häufiger die Lücken hinter dem Mittelfeld finden und kam zu gefährlichen Situationen.

Barcelonas Überlegenheit erhielt noch einmal einen Schub, als Semedo für Coutinho eingewechselt wurde. Vidal rückte ins linke, Sergie Roberto ins rechte Mittelfeld und Semedo übernahm hinten rechts. Vidal interpretierte seine Rolle auf der linken Seite deutlich tiefer als es Coutinho zuvor tat. Er rückte ins Zentrum und konnte von dort nach Lücken hinter Liverpools Mittelfeld suchen. Die Gäste taten sich ab dann sehr schwer, konstant Zugriff zu erhalten. Zusammen mit der einrückenden Rolle von Sergi Roberto kann Barcas Formation nach dem Wechsel als 4-2-2-2, 4-3-1-2 oder 4-1-3-2 bezeichnet. Die Überzahl im Zentrum – teilweise noch verstärkt durch ein Zurückfallen von Messi – konnte Barca nutzen, um Liverpool zu locken und dann das Spiel auf die Außen verlagern.

Liverpool mit viel Risiko

Auch wenn Liverpool Probleme hatte, konnten sie doch regelmäßig ins letzte Drittel aufrücken. Dort spielten sie mit viel Risiko aus einer 2-3-5 Formation gegen das Abwehrpressing Barcas. Robertson und Gomez spielten auf einer Höhe mit Fabinho und rückten in die Halbräume ein, Henderson und Milner rückten in die letzte Linie auf. Bei Angriffen über die linke Seite schaltete sich Robertson mit ein und konnte Mane hinterlaufen. Auf der rechten Seite rückte Salah in der zweiten Halbzeit häufiger in den Halbraum und öffnete den Flügel für Vorstöße von Henderson. Liverpool versuchte es mit vielen Flanken, kam zum Ende des Spiels aber kaum noch zu Abschlüssen. Durch die sehr offensive Herangehensweise kam Barca gegen Ende des Spiels immer mehr zu Kontern. Nach dem 3:0 stellte Klopp mit der Einwechslung von Origi noch auf ein 4-2-3-1 um.

Fazit

Liverpool lieferte eine richtig starke Partie ab und sie können sich kaum Vorwürfe machen. Allerdings war die Kompaktheit in der Defensive in der zweiten Halbzeit nicht mehr auf dem allerhöchsten Niveau und Barca kam zu mehr Angriffen als noch in der ersten Halbzeit. Auf der anderen Seite war gerade das Mittelfeldpressing von Barca sehr stark und Liverpool schaffte es nicht, sich konstant Chancen zu erarbeiten. Ein Auswärtstor wäre aber allemal drin gewesen und die 3 Gegentreffer sind mindestens einer zu viel. So benötigt Liverpool schon ein Wunder im Rückspiel, um das zweite Finale nacheinander zu erreichen.  

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