Milot Rashica Analyse

Milot Rashica – Bremens Energiebündel

Die Bundesliga schreibt in dieser Saison viele Erfolgsgeschichten. Die von Werder Bremen gehört mit Sicherheit dazu. Das Team von Florian Kohfeldt kämpft in der Bundesliga nicht nur um einen Europa-League-Platz, sondern stand auch im DFB-Pokal-Halbfinale, in dem man unglücklich an Bayern München scheiterte.

Im Bremer Team gibt es viele Garanten für den Erfolg. Innenverteidiger Niklas Moisander, der schwedische Linksverteidiger Augustinsson, Neuzugang Davy Klaassen, Maximilian Eggestein (den wir euch hier schon vorstellten) und allen voran Kapitän Max Kruse. Seit dem Pokal-Viertelfinale gegen Schalke steht noch ein weiterer Mann im Rampenlicht – Milot Rashica. Der Kosovare, der im letzten Winter 2018 für sieben Millionen Euro aus Arnheim an die Weser kam, marktierte gegen die Bayern das zwischenzeitliche 2:2.

Die ganze Rückrunde lang ist Rashica bereits ein Garant dafür, dass die Bremer vor dem letzten Spieltag im Kalenderjahr 2019 noch ungeschlagen waren. Mit wettbewerbsübergreifend 11 Toren und fünf Vorlagen hat er einen großen Anteil an der gefährlichen Bremer Offensive.

Zeit einen Blick auf den jungen Offensivspieler zu werfen.

Milot Rashica bringt die Direktheit

Rashica, der bei Vitesse Arnheim in den Niederlanden bereits für Furore sorgte, hatte nicht den einfachsten Start in Bremen. In der letztjährigen Rückrunde kämpfte er noch mit Eingewöhnungsproblemen, spielte lediglich 385 Minuten und erzielte dabei ein Tor. Auch zu Beginn dieser Saison war der Kosovare nicht unumstrittener Stammspieler bei den Bremen.

Erst zum Ende der Hinrunde stand er regelmäßig in der Startelf, seitdem zeigt der 22-jährige starke Leistungen und erzielte sieben seiner acht Bundesliga-Tore im Jahr 2019.

Milot Rashica bringt dabei eine weitere Note in das Spiel der Bremer. Während man mit Klaassen, Kruse und Eggestein intelligente, kontrollierte und kreative Spieler im Zentrum hat, ist Rashica eher das Energiebündel, das seinem Team jede Menge Durchschlagskraft und Direktheit bringt.

Bereits nach seiner ersten Partie im Trikot von Werder beschrieb ihn sein Mitspieler Maximilian Eggestein als ein „belebendes Element“, gerade seine Schnelligkeit und sein starkes Dribbling hob der Mittelfeldspieler hervor.

Sein Trainer, Florian Kohfeldt, beschreibt den Kosovaren neben dem Platz als einen „angenehmem, zurückhaltenden Typ“. Anders auf dem Platz. Hier spielt Rashica voller Energie. Seine Schnelligkeit gepaart mit der körperlichen Stärke und dem guten Dribbling ist für viele Verteidiger ein Albtraum.

Dabei besitzt der Angreifer ein vergleichsweise kleines Repertoire an Finten. Vielmehr dominiert er gegnerische Verteidiger mit seiner kräftigen Statur und seiner Schnelligkeit. Entdeckt er einen freien Raum, attackiert er diesen direkt. Um seine Explosivität auf den ersten Metern zu nutzen, lässt er beispielsweise den Ball bei der Ballannahme ein paar Meter prallen, wenn er diesen mit dem Rücken zum Tor annehmen muss.

Auch sonst ist der erste Kontakt eine der Stärken von Rashica. Regelmäßig nimmt er den Ball clever an, bewegt sich damit schon in den richtigen Raum und bringt sich so in eine bessere Position. Zwar vermisst man bei ihm gelegentlich den Schulterblick was zum Übersehen von Möglichkeiten zum Aufdrehen führt, nichtsdestotrotz hilft der erste Kontakt Rashica enorm, damit er aus dem Stand oder Lauf Tempo aufnehmen kann.

Dribbling und Abschluss – der direkte Flügelspieler

Das fehlende (nicht so breite) Repertoire an Finten gleicht Rashica mit einer unglaublichen Beweglichkeit und Wendigkeit am Ball aus. Aufgrund seiner engen Ballführung muss der Angreifer seine Tempodribblings nur selten stoppen, sondern ändert blitzschnell seine Richtung, erwischt den Verteidiger auf dem falschen Fuß und schafft sich so selbst Raum.

Milot Rashica Analyse
perfekter erster Kontakt, schnelle Drehung und sofortiger Abschluss. Die Ausführung der Aktion von Rashica war perfekt. Ein Pass auf Kruse in den freien Raum aber eventuell die passendere Alternative

Während Rashica bei Vitesse meist als rechter Flügelspieler auflief, kommt er unter Kohfeldt als Stürmer zum Einsatz. Hier hat der Angreifer die Möglichkeit immer wieder nach halblinks abzudriften oder sogar die linke Seite zu besetzen. Aufgrund der Tatsache, dass Rashicas starker Fuß der Rechte ist, sucht der Kosovare vermehrt den Abschluss.

In den Niederlanden hingegen, war sein Spiel von vielen Dribblings und vor allem Flanken geprägt. David Selini beschrieb in seiner Analyse Rashicas damaliges Spiel als das klassische Flügelspiel:

„Rashica is an old-fashioned right winger. He’s usually found hugging the touchline before receiving the ball, taking his opponent on and delivering out-swinging crosses into the box. “

David Selini

In Bremen soll Rashica sich mehr auf das Erzielen von Toren konzentrieren, Flanken sieht man im Werder-Spiel eher selten. Denn den klassischen Mittelstürmer hat man nicht, dementsprechend agiert der Kosovare eher in der typischen Arjen Robben Rolle. Wenn die diagonale Linie offen ist, dribbelt Rashica punktgenau diagonal an und macht erst im letzten Moment einen Hacken, um am Verteidiger vorbeizukommen.

Seine perfekte Ballbehandlung hilft ihm hier enorm weiter, um auch unter Druck seine Dribblings erfolgreich umsetzen zu können. Im Vergleich zu Robben, schafft er es aber auch, einfach links vorbeizugehen und präzise zu flanken.

Des Weiteren schaffte es Kohfeldt, die Flankenstärke von Rashica passend einzubauen. Wenn sich der Angreifer in einer breiten Position befindet, kann er mit einem einfachen Haken zur Mitte Platz finden, um seine scharfen Flanken vor das Tor zu bringen. Gerade die Hereingaben, die am hinteren Ende des Fünfmeterraums herunterkommen, sind brandgefährlich. Hier kommt es vielmehr auf Timing und die richtige Positionierung an, ein großer Mittelstürmer wird nicht zwingend benötigt.

„Seltsame“ Entscheidungen und Verbesserungspotential

Bei all dem Lob für die Dribblerstärke, Geschwindigkeit und Flankenpräzision, gibt es auch negative Punkte. Für einen jungen Spieler ist dies vollkommen normal. Um den nächsten Schritt machen zu können, muss er sich in diesen Bereichen jedoch verbessern.

Ein elementarer Bestandteil seine Spiels ist das nach innen ziehen und dann abzuschließen. Allerdings trifft er hier noch zu oft die falsche Entscheidung. Viele seiner Abschlüsse kommen von weit außerhalb des Strafraums, für den Torwart lange sichtbar und nur selten wirklich gefährlich. Auf ein Traumtor gegen Schalke folgen eben auch viele ungefährliche Distanzschüsse.

Aus der Distanz zu schießen ist nicht der wichtigste Kritikpunkt, vielmehr die Tatsache, dass er zu oft den Abschluss sucht, obwohl einer seiner Mitspieler besser postiert ist. Die Passauswahl und Entscheidungsfindung sind hier noch nicht perfekt.

Milot Rashica Analyse
Hier setzt sich Rashica sehenswert gegen drei Stuttgarter durch, allerdings versucht er dann noch den IV zu umkurven, statt den Pass auf den freien Klaassen zu spielen

Allgemein lässt sein Passspiel manchmal noch zu wünschen übrig. Zwar helfen seine Dribblings Räume zu öffnen, jedoch trennt er sich teils nicht schnell genug vom Ball oder übersieht den Mitspieler im offenen Raum. Zwischen den Linien ist Rashica zwar aufgrund seiner Ballbehandlung nicht verloren, seine Entscheidungsfindung macht ihm aber von Zeit zu Zeit zu schaffen.

Arbeitet Milot Rashica in diesen Bereichen intensiv und löst seinen Blick häufiger vom Ball, kann der Angreifer eine noch gefährlichere Waffe für die Werderaner werden.

Seine Freilaufbewegungen

Das auch er sich intelligent bewegen und clevere Entscheidungen treffen kann, beweist der Angreifer mit seinen Freilaufbewegungen. Zwar sind seine Freilaufbewegungen nicht außergewöhnlich, allerdings bewegt sich Rashica so, dass er seine Stärken perfekt ausspielen kann.

Gerade seine Bewegungen in die Tiefe sind enorm effektiv und ermöglichen ihm die Nutzung seiner athletischen Fähigkeiten.

Im Konter bewegt er sich beispielsweise gerne nach außen weg, um Platz zu schaffen und den perfekten Anlaufwinkel für seine Dribblings und folgenden Abschlüsse zu haben. Darüber hinaus nutzt er kurze Auftaktbewegungen, um seinen Gegenspieler aus der Balance zu bringen. Gerade bei Pässen in die Tiefe kann Milot Rashica so enorm effektiv sein.

Auch hier gibt es weiterhin viel Potential zur Verbesserung. Dabei fallen verschiedene Details ins Auge. Für totalfootballanalysis habe ich mich mit den Freilaufbewegungen von Edinson Cavani beschäftigt.

Zwar sind die beiden Spielertypen nicht zu vergleichen, allerdings gelten manche Aspekte für beide Akteure.

Beispielsweise bewegt sich Milot Rashica sehr viel ohne Ball, per se nicht schlecht, allerdings ist er in manchen Situationen am falschen Platz. In anderen Fällen schaltet er zu schnell ab, beteiligt sich nicht mehr am Spiel und die offenen Räume bleiben unbesetzt. Hier muss der Kosovare die Balance zwischen Bewegungen und Abwarten finden, um noch gefährlicher zu werden.

Des Weiteren kann man anmerken, dass sich der Angreifer noch zu oft auf den Ball konzentriert und dabei seine Position nicht immer perfekt auf die Staffelung und Positionierung der Verteidigung anpassen kann. Jedoch agiert Rashica hier bereits auf einem sehr hohen Niveau.

Fazit

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass der Text vielleicht etwas kritisch wirkt, Milot Rashica aber trotzdem ein sehr interessantes Talent ist, der immer noch genug Zeit hat sich weiterzuentwickeln.

Der Angreifer bringt alle Anlagen mit, um zu einem absoluten Top-Akteur heranzureifen. Allerdings hapert er noch an ein paar Details, die den nächsten Entwicklungsschritt hin zum Ausnahmestürmer noch verhindern. Nichtsdestotrotz ist er einer der Leistungsträger der Bremer und einen Spieler, den man im Auge behalten sollte.

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