3vs1 Trainingsübung

Das 3 gegen 1

Theoretische Grundsätze

Im ersten Teil der insgesamt drei Artikel umfassenden Serie, werden wesentliche theoretische Grundsätze des 3 gegen 1 erläutert. Besonders die quantitative Ausprägung und der qualitative Aspekt, der im Rahmen dieser Trainingsform stattfindenden Umschaltmomente, soll konkret observiert werden.

Unter- und Überzahl

Das 3 gegen 1 stellt eine Konstellation mit enormem Potenzial dar. Es erlaubt die Vermittlung grundlegender Spielprinzipien und kombiniert zwei wesentliche lernpsychologische Theorien. Durch die geringe Spieleranzahl werden die an der Trainingsform beteiligten Spieler permanent sowohl konditionell, koordinativ als auch kognitiv gefordert, wodurch viele Spielaktionen entstehen. Selbige sind ähnlich, aber nicht ident. Demnach kommt es nicht nur zu sehr hohen Wiederholungszahlen, sondern auch zu kontemporären Differenzen innerhalb kognitiver Prozesse und den daraus resultierenden motorischen Handlungen. Sowohl die Qualität als auch die Quantität selbiger, kann mittels Adaptionen auf unterschiedlichsten Ebenen gesteuert werden.

Statisches Verhältnis von Unter- und Überzahl

Ein statisches Verhältnis im Bereich Unter- und Überzahl besteht, wenn sich die innerhalb der Trainingsform stattfindenden Rollenverteilung im Bereich Offensive und Defensive, nicht verändert. Im 3 gegen 1 wird der Defensivspieler im Vorfeld bestimmt und füllt diese Rolle bis eine gewisse Zeit abgelaufen ist, oder ein Ziel erreicht wurde. Trainings-methodisch gilt es folgende Bereiche zu berücksichtigen:

  • Ein statisches Verhältnis von Unter- und Überzahl im Rahmen einer Übungsform schließt die vom Defensivspieler ausgehenden potenziell stattfindenden Anschlussaktionen aus. Infolge dessen ergeben von den Offensivspielern eingeleitete Aktionen im Gegenpressing auch nur bedingt Sinn. Weiters wird dem Defensivspieler jede Möglichkeit zur Entlastung genommen. Zwar kann dies dazu beitragen den konditionellen Schwerpunkt besser zu treffen bzw. die Anzahl der geführten Zweikämpfe auf ein Minimum zu reduzieren, doch muss in diesem Zusammenhang der massive Verlust technisch-taktischer Kapazitäten berücksichtigt werden.
  • Ein statisches Verhältnis von Unter- und Überzahl im Rahmen einer Spielform erhöht die in Summe stattfindenden Umschaltmomente für alle an der Trainingsform beteiligten Spieler. Für den defensiv agierenden Spieler endet die Aktion nun nicht schon bei Ballgewinn, sondern erst nach der Durchführung einer Anschlussaktion. Neben der Aufrechterhaltung einer Ballzirkulation verfolgen die Offensivspieler im Falle eines Ballverlustes nun zusätzlich das Ziel, dem Defensivspieler sämtliche Spielfortsetzungsoptionen zu nehmen.

Durch das statische Verhältnis von Über- und Unterzahl im Rahmen von Spiel- und Übungsformen werden, wie eben skizziert, unterschiedliche Verhaltensweisen provoziert. So ist ein 3 gegen 1 als reine Übungsform am Ende eines Rehabilitations-Prozesses besonders sinnvoll. Auf der einen Seite verlangt es fußballspezifische Bewegungen und stellt durch die infolge dessen auftretende Zunahme mechanischer Belastungen einen hohen physiologischen Anspruch. Auf der anderen Seite werden, je nach Spielfeldgröße, die in Summe auftretenden Fremdeinwirkungen enorm komprimiert. Das 3 gegen 1 als Spielform maximiert durch die Integration von Umschaltmomenten die Wettkampfnähe und daraus resultierend das technisch-taktische Potenzial.

Dynamisches Verhältnis von Unter- und Überzahl

Ein dynamisches Verhältnis im Bereich Unter- und Überzahl besteht, wenn sich die innerhalb der Trainingsform stattfindende Rollenverteilung im Bereich Offensive und Defensive verändern kann. Zwar wird im Vorfeld ein Defensivspieler bestimmt, selbiger ist jedoch in der Lage diese Rolle durch eine erfolgreiche Abwehraktion abzugeben. In der Regel übernimmt folglich der für den Ballverlust verantwortliche Offensivspieler die Rolle des Defensiven. Das dynamische Verhältnis ebnet dem Defensivspieler einen Weg aus seiner defensiven Funktion und erhöht dadurch den Druck auf die Offensivspieler.

  • Im Rahmen einer Übungsform finden, im Vergleich zum statischen Verhältnis, wesentlich mehr Umschaltmomente statt. Selbige beziehen sich jedoch lediglich auf den Rollentauschen zwischen Offensiv- und Defensivspieler. Die im Gegenpressing stattfindenden Aktionen sind demnach ausschließlich individuell und stellen keine gruppentaktische Bewegung dar. Folglich wird die Qualität der Umschaltmomente massiv beeinflusst.
  • Aufgrund der Tatsache, dass selbst bei Ballverlust zwei Offensivspieler in ihrer Rolle unverändert bleiben, finden auch in Spielformen mit einem dynamischen Verhältnis keine defensiv geprägten gruppentaktischen Bewegungen statt. Sämtliche Umschaltmomente beziehen sich auf den Rollentausch zwischen Offensiv- und Defensivspieler.
3 vs 1 Trainingsübung

Mischformen von statischem und dynamischen Verhältnis

Eine klassische Mischform welche in der Lage ist sowohl den statischen, als auch den dynamischen Ansatz zu verbinden ist das 1 gegen 1 + 2. Dabei wird im Rahmen einer Spiel- oder Übungsform der ballbesitzende Spieler von zwei Neutralen unterstützt sodass folglich eine 3 gegen 1 Situation entsteht. Gelingt dem Defensivspieler ein Ballgewinn, unabhängig davon wer den Ballverlust verschuldet hat, findet ein Rollentausch zwischen den beiden im Vorfeld bestimmten Spielern statt.

Bevor zwischen Spiel- und Übungsform bzw. statischem und dynamischen Verhältnis von Unter- und Überzahl entschieden wird, sollte ein konkretes Ziel definiert werden. Die durch eine Spielform gewonnene Wettkampfnähe, kann sowohl im Bereich eines statischen als auch eines dynamischen Verhältnisses intensiviert werden. Während aus einer im Vorfeld festgelegten Rollenverteilung primär gruppentaktisch geprägte Aktionen resultieren, bezieht sich der dynamische Wechsel auf stark individualisierte Formen des Umschaltspiels. Außerdem muss betont werden, dass im Rahmen von Spielformen, unabhängig von statischem und dynamischen Verhältnis, im Vergleich zur entsprechenden Übungsform immer mehr Ballwechsel stattfinden.


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