Kognition im Fußball

Einleitung

Kognition spielt im Fußball eine große Rolle, wie wir es bereits im Artikel Entscheidung – Kognition – Chaos aufgezeigt haben. Im Sport und speziell im Fußball wurden bereits viele Bereiche ausgereizt oder gelangen langsam an das Ende der Entwicklung.

Die Taktik hat sich in den letzten 20 Jahren stark weiterentwickelt, die Gegneranalyse kommt in einen Bereich, der sich als nicht mehr informativ herausstellt (siehe Bielsa´s „Skandal“), athletisch sind die Spieler auf einem noch nie dagewesen Niveau.

Die größten Sprünge lassen sich wahrscheinlich im kognitiven Bereich erzielen. Die Aktion muss man und kann man teilweise nicht mehr schneller ausführen. Doch man kann sie schneller und früher starten. Die Umgebung und die Möglichkeiten früher wahrnehmen. Dabei hilft die Kognition.

Theoretische Grundlagen

„Prozesse, die mit dem Wahrnehmen, dem Sich-Konzentrieren und Sich-Erinnern, dem Planen und Überlegen, dem Sich- Entscheiden und Problemlösen zusammenhängen, werden mit dem Begriff Kognition zusammengefasst“ (Gabler, 2000, S.165).

Das heißt die Kognition setzt sich aus mehreren Teilaspekten zusammen, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Konzentration, Gedächtnis, Denken, Entscheidung und Sprache sind alles wichtige Bestandteile. Man kann erkennen das sich die einzelnen Teilaspekte auch stark gegenseitig beeinflussen.

Man kann keine Entscheidung treffen ohne eine gute Wahrnehmung und hoher Konzentration. All diese Informationen müssen zusammengeführt werden, Wissen aus der Gegneranalyse abrufbar sein und die Kommunikation (Sprache) auf dem Feld stimmen, um eine gute Entscheidung treffen zu können.

Unser Wahrnehmungsorgan ist sehr speziell und besonders leistungsstark. Denn neben der eigentlichen Sehstärke ist es, gemeinsam mit dem Gehirn, in der Lage zu selektieren und so die wesentlichen Dinge zu erkennen und sich konzentrieren zu können. Die Gefahr dabei ist jedoch das man in einen Tunnelblick verfällt.
Das zeigt auch sehr gut das Beispiel der „Monkey-Business Illusion“ (Video 1) und des Colour Changing Card Tricks (Video 2).

Tests zur Kognition

Um ein besseres Gefühl für die Bedeutung und Aufgabe der Kognition zu bekommen gibt es verschiedene Tests und Aufgaben die man sich stellen kann. In dem folgenden Video bekommt man 2 unterschiedliche Handlungen vorgegeben für die Hände bzw. Arme, je nachdem welche Bilder angezeigt werden. Unter hohem Tempo und steigender Komplexität wird dies nahezu unmöglich, ohne Training, mitzukommen. Probiert es aus!

Kognition im Fußball

Am Beispiel eines einzelnen Aspektes wird es deutlich wie wichtig die Kognition ist. Entscheidungen müssen im Fußball ständig getroffen werden, hier am Beispiel eine Flügelspielers.

Die erste Entscheidung, findet bereits vor der Ballaktion statt. Wo stehe ich? Positioniere ich mich möglichst breit, oder stehe ich im Halbraum? Um das zu entscheiden muss man genug wahrnehmen, wo ist der Ball, wo die Gegner und wo meine Mitspieler? Nach der ersten Entscheidung ohne Ball, wird der Ball gefordert; auch hier stellt sich wieder die Frage, wann forder ich den Ball? Schalte ich eine Auftaktbewegung vor? Richtige gute Fußballer überlegen sich bereits die Folgehandlung und treffen auch da eine Entscheidung.

Dann endlich haben wir den Ball bekommen und die Entscheidungen von davor können umgesetzt werden, aber nur zum teil. Man muss sich wieder fragen muss ich eventuell stärker entgegengehen? Wird meine Anschlussaktion verhindert weil sich einer von den 21 anderen Spielern zu einem unorthodoxen Laufweg entschieden hat? Und wie gehe ich in das folgende Dribbling? Viele schnelle Konakte? Raumgreifende schnelle vertikale Bewegung? Suche ich den Doppelpass? Und wenn ich per Finte an meinem Gegner vorbeiziehen will, mit welchem Trick ? Oder einfach nur per Sprint.

Falls ich für all diese  Entscheidungen zu lange brauche, habe ich auch schon den Ball verloren und das ganze Spiel beginnt von vorne.

Das war nur ein einzelner Teilaspekt der Kognition, darüber hinaus muss man als Fußballer erst einmal wahrnehmen was vor einem und hinter einem passiert. Wie sich alle Verhalten, und das teilweise unter tosendem Lärm und Trainern die versuchen Anweisungen zu geben.

Unter anderem dafür benötigt man eine hohe Konzentrationsfähigkeit. Auch die Kommunikation mit den Kollegen und dem Schiedsrichter muss passen und wird immer wieder gefordert.

Das muss zusammengeführt werden, mit gemerkten Informationen kombiniert werden, um am Ende eine Entscheidung zu treffen oder zu selektieren welche weiteren Informationen man benötigt.

Kognitionstraining

Wichtig für Fußballer, Trainer aber auch allgemein Sportlern ist, das diese Fähigkeiten trainiert werden können. Erst einmal ist es wichtig sich bewusst zu machen, was Kognition bewirken kann (siehe Videobeispiele). Welche Bausteine es gibt an denen man ansetzen kann und die man verbessern möchte. Generell gilt hierbei, je abstrakter und abwechslungsreicher die Übungen sind, desto höher ist der kognitive Aufwand.

Julian Nagelsmann versucht keine Übung zu wiederholen, sondern in jeder Trainingseinheit die Spieler auf ein neues zu fordern aktiv dabei zu sein. Ein häufiges Stilmittel bei diesen Übungen ist es, die Spieler aktiv zu überfordern um Anpassungserscheinungen hervorzurufen. Hier muss man schauen, wie viel man seinen Spielern zutraut. Interessant dazu, wie es sich mit Routinen verhält und wie man diese beide Dinge miteinander koppeln kann.

Man kann im allgemeinen (athletischen, ohne Ball) Bereich kognitive Aufgaben einbauen, z.B. durch unterschiedliche Startsignale (akustisch, optisch, taktil), durch wechselnde Laufprogramme die kurz vorher angesagt werden oder am Computer mit Reaktionsaufgaben.

Mit Ball landet man schnell in hochmodernen und komplexen Bereichen wie den Footbonauten oder FitLight. Doch es gibt auch Möglichkeiten ohne besonders viel Ausrüstung.

Life Kinetik ist eine davon und wurde bereits zu den Dortmunder Meisterjahren bekannt und gehört mittlerweile auch bei einigen Profivereinen zum Repertoire. Es ist möglich dieses Training alleine, in Gruppen oder für die ganze Mannschaft zu gestalten. Dabei gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, von den Basis Übungen (Jonglieren + x) bis hin zu komplexeren Passreihenfolgen und Spielen mit wechselnden Teammitgliedern.

Individuelles Training

Die Basisübung ist es, normal zu jonglieren und dabei weitere Aufgaben zu bewältigen, z.B. ein Zweier- oder Dreier Einmaleins zu rechnen, also bei jedem Kontakt eine weitere Zahl zu nennen (am besten laut), im Wechsel Zahlen und Buchstaben zu nennen (1-a-2-b-3-c usw.) oder dabei mit den Händen einen Ball hochzuwerfen, zu jonglieren und ähnliche Übungen zu absolvieren.

Es geht hauptsächlich um Überforderung, wir müssen solche Aufgaben nie in einem Spiel hinbekommen aber wir müssen kognitiv hellwach und bereit sein. In einer Passübung kann es eingebaut werden, mit Jonglieren währenddessen oder einfach nur einen zweiten Ball hochwerfen.

Man kann auch mit Kommandos arbeiten, Ansagen mit welchen Fuß angenommen und/oder gespielt wird. Erst sagt man recht/links zum Zeitpunkt des eigenen Passes, später erschwert man dies und ersetzt rechts durch gerade und links mit ungeraden Zahlen, oder mit Rechenaufgaben. Man kann natürlichen auch Farben oder Obstsorten nehmen (z.B. Banane= links, Apfel =rechts). Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Auch Dribbling kann man so kombinieren (Zählreihen bei Ballkontakt, Jonglieren, und Kommandos für Finte oder dominanten Fuß).

Gruppentraining

Das sind alles Übungen für Einzelne oder Paare und kleine Gruppen. Die Kognitiven Aspekte werden so gemeinsam mit der Grundlagen Technik geschult. Es wird deutlich dass, die Überforderung ein probates und nützliches Mittel ist. Es ist auch möglich normale Übungen, durch kleine zusätzliche Erschwerungen zu einem kognitiven Training umzugestalten.

Das bekannteste Mittel hierzu ist die Kontaktbegrenzungen oder mehrere Pflichtkontakte, die Spieler sollen dadurch gezwungen werden sich frühzeitig Gedanken zu machen was passieren könnte und wo freie Räume sind. Auch Augenklappen haben hierbei einen positiven Effekt auf die Wahrnehmung, das Gehirn wird gezwungen sich anzupassen und schafft es so auch im Spiel leichter. Auch wenn man niemals mit nur einem Auge spielen werden. 

Schattendribbling kann man auch zu einem leichten kognitiven Training modifizieren, da man hier auch schnell reagieren muss und Entscheidungen treffen muss. Man wird überfordert da man seine eigenen Aktionen nicht vorbereiten kann.

Generell gilt, das Kognitives Training unter voller Konzentration durchgeführt werden muss. Sind die Spieler ermüdet oder nicht bereit mitzuziehen nehmen die Effekte stark ab. Da die Überforderung die Motivation noch weiter senkt!

Kategorie Training, Trainingstheorie

Interessiere mich für Jugendentwicklung, Athletik und Taktik. Dominantes Spiel heißt mit und ohne Ball das Tempo zu bestimmen. Sport und Fußball spielt man mit dem ganzen Körper.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.