Die verschiedenen Arten das Pressing auszulösen

In unserem heutigen Beitrag beschäftigen wir uns erneut mit dem Thema Pressing. Nachdem wir bereits den Versuch unternommen haben, Pressing durch Statistiken und Kennzahlen messbar und bewertbar zu machen, widmen wir uns dieses Mal einem praktischeren Aspekt. Welche Pressing-Auslöser (englisch pressing trigger) gibt es und warum sind sie für eine saubere und intensive Ausführung des Pressings so wichtig?

Pressing-Auslöser

Der Begriff „Trigger“ hat weniger etwas mit dem besten Freund von Winnie Puuh zu tun, vielmehr liegt seine Herkunft im Englischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt: Auslöser. Ein Trigger ist somit ein Impuls, der eine weitere (Re-)Aktion auslöst. Man kann einen Auslöser somit als Bedingung in einer „Wenn-Dann“-Verknüpfung ansehen, die eine entsprechende Aktion auslöst, wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt ist. Sie stellt eine im Prinzip klare und eindeutige Regelung auf und macht sie daher einfach in der Handhabung.

Übertragen wir diese theoretischen Ansätze auf den Fußball, so muss bedacht werden, dass die Kommunikation auf dem Fußballfeld einmal bedingt durch dessen Größe und andererseits durch äußere Einflüsse wie Zuschauerlärm etc. durchaus schwierig sein kann. Daher sind hier klare Regeln sehr wichtig, die auch ohne direkte Kommunikation zwischen den Spielern befolgt werden können.

Gerade beim Pressing ist es nämlich von äußerster Bedeutung, dass alle Mannschaftsteile simultan und geschlossen in die aktive Balleroberung gehen. Rücken beispielsweise nur Angriff und Mittelfeld nach vorne, die Abwehrreihe jedoch nicht, ergeben sich eklatante Räume, in die der Gegner stoßen kann. Gelingt es dem Gegner, sich aus dem Pressing zu befreien und diese Räume gezielt anzuspielen, droht in der Regel Gefahr für das eigene Tor. Dabei ist es unwichtig, ob das Team ins Angriffs-, Mittelfeld- oder Abwehrpressing geht. Doch gerade im Falle des Angriffspressings können rund um die Mittellinie große Areale entstehen, in denen der Gegner Fahrt aufnehmen kann.

Daher ist wichtig, dass auch die Abwehrspieler wissen, wann es ins Pressing geht und die Vorderleute nach vorne gehen. Denn nur so können die Abwehrleute die entstehenden Räume ebenfalls durch Aufrücken schließen und Kontakt zu den gegnerischen Stürmern herstellen. Wir greifen nochmal auf die einleitenden Worte dieses Beitrags zurück und stellen fest, dass bestimmte Auslöser vorliegen, die bei Bedingungseintritt das Pressingverhalten der Mannschaft auslösen. Diese Pressing-Auslöser werden in der Spieltaktik des Teams verankert und müssen allen Spielern geläufig sein. Sie können jedoch auch an die konkreten Gegebenheiten des Gegners angepasst werden (s. spielerbezogener Auslöser).

Um die unterschiedlichen Trigger näher zu klassifizieren, teilen wir diese in spielerbezogene, raumbezogene und rein ballbezogene Auslöser/Trigger ein. Überscheidungen zwischen den Begriffsdefinitionen sind gewiss möglich. Nichtsdestotrotz definieren alle Trigger den Zeitpunkt (Wann) des Pressings bzw. der Pressingauslösung. Wie im Anschluss gepresst wird, muss dann separat in einem weiteren Schritt festgelegt werden.

Spielerbezogene Trigger

Ist die Linksverteidigerposition des Gegners zum Beispiel durch einen spiel- oder formschwachen bzw. positionsfremden Spieler besetzt, kann der Spielaufbau des Gegners durch Zustellen und Anlaufbewegungen zu diesem Spieler geleitet werden. Gelangt er an den Ball, wird konsequent auf ihn geschoben und gepresst. Der Moment, in dem der definierte Spieler in Ballbesitz gelangt, ist dann der Auslösemoment für das Preissing (spielerbezogener Trigger).

Raumbezogene Trigger

Spielt die Mannschaft im Mittelfeldpressing, so ist ein konkreter Spielfeldbereich abgesteckt, in dem der Gegner angegriffen bzw. nicht angegriffen wird. Verlässt der Gegner diesen Raum und dribbelt beispielsweise in die Zone, in der das Mittelfeldpressing ausgeübt werden soll, ist die Pressingbedingung bei Überschreiten der Linie erfüllt und das Team führt sein Pressingverhalten aus. Gleiches gilt, wenn ein Pass in den Bereich gespielt wird. Dann werden ebenso Aktionen gegen den Ball / Gegenspieler ausgeübt. Der raumbezogene Trigger ist somit vom aktuellen Ballbesitzbereich des Gegners abhängig.

Rein ballbezogene Trigger

Diese Auslöser hängen von der Position des Balls ab. Wird beispielsweise ein hoher und langer Ball auf die gegnerische Abwehr gespielt, der dazu führt, dass der gegnerische Abwehrspieler diesem (mit dem Blick zum eigenen Tor) nachlaufen muss, können auch Nachrück- und Pressingbewegungen ausgelöst werden. Auch hier müssen alle Spieler Kenntnis darüber haben, dass bei derartigen Spielsituationen Pressingbemühungen initiiert werden. Sind also die Bedingungen (langer Ball + Gegner läuft dem Ball zu seinem Tor hinterher) erfüllt, ist der ballbezogene Trigger aktiv.

Pressing-Auslöser sind somit teamintern verbindlich festgelegte Auslöser, die bei Eintritt Pressingbewegungen zur Folge haben. Sie werden individuell abhängig von der verfolgten Taktik definiert und müssen vom ganzen Team verinnerlicht werden. Nur so kann das Trainerteam sicherstellen, dass im Falle von Pressingbemühungen keine Löcher zwischen den Mannschaftsteilen entstehen. Die oben dargestellte Einteilung der verschiedenen Trigger ist in Bezug auf den (ballführenden) Gegenspieler bzw.  raum- und ballabhängig erfolgt. Abwandlungen hiervon sind natürlich möglich.

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