Liverpools Pressing in der Analyse

Nach dem verlorenen Finale 2018 konnte Liverpool im zweiten Anlauf die Champions League gewinnen, in der Premier League landete man am Ende mit einem Vereinsrekord von 97 Punkten auf dem zweiten Platz. Beachtliche 89 Tore erzielte das Team von Jürgen Klopp in der Liga, die Stärke liegt aber (auch) in der Defensive. Kein Team der Premier League kassierte weniger Gegentreffer (22 Stück) als Liverpool. Diese defensive Stabilität ist wohl der Hauptgrund, wieso nur ein einziges Ligaspiel (Auswärts gegen Manchester City) verloren wurde.

Angriffspressing

Grundordnung und Umsetzung

Im Angriffspressing formiert sich Liverpool in einem 4-1-2-3. Der LF/Mane und der RF/Salah rücken in die Halbspuren ein, die Achter positionieren sich in den Schnittstellen der ersten Pressinglinie. Das Wichtigste und damit die Grundlage für Liverpools Pressing ist das Schließen der Passwege hinter das Mittelfeld. Der 1-2-3-Block im Mittelfeld und Angriff sorgt dabei für eine gute Struktur, die sechs Spieler stehen auf 5 verschiedenen horizontalen und drei bis vier vertikalen Linien. Die Spieler verhalten sich grundsätzlich raumorientiert, positionieren sich in ihren Räumen dann aber so, dass die Passwege geschlossen sind.

In dieser Grundordnung wartet Liverpool auf verschiedene Pressingauslöser, um den Gegner unter Druck zu setzen. Am häufigsten ist dabei in Querpass in der ersten Aufbaulinie – meistens ein Querpass zwischen den Innenverteidigern – für die Flügelstürmer das Signal, den Ballführenden bogenförmig von außen nach innen mit dem gegnerischen Außenverteidiger im Deckungsschatten anzulaufen. Auch Rückpässe von zentralen Mittelfeldspielern oder Außenverteidigern auf die Innenverteidiger sind Pressingauslöser, genau wie ein Andribbeln eines Innenverteidigers.

In der Beispielszene gegen Tottenham hat sich Lloris ins Aufbauspiel eingeschaltet, ein Querpass von ihm auf Vertonghen war der Pressingauslöser für Salah/RF. Firmino/ST verschiebt zum ballnahen Sechser, ein Anspiel auf den ballnahen Sechser ist für Tottenham jetzt sehr riskant. Sollte der Spieler dennoch den Ball bekommen – beispielsweise, weil Firmino/ST ihm etwas zu viel Platz gelassen hat, kann er ihn von innen unter Druck setzen und nach außen abdrängen. Henderson/R8 verengt den Raum von hinten, orientiert sich in der Höhe seiner Positionierung aber auch am gegnerischen Außenverteidiger. Durch seine Positionierung verhindert er einmal, dass sich der gegnerische Sechser weiter nach vorne und damit weg von Firmino/ST bewegen kann. Außerdem hat er Zugriff auf den linken Verteidiger, sollte Salah/RF sein Anlaufen schlecht timen und überspielt werden. Da die Achter die Höhe ihrer Positionierung am Außenverteidiger ausrichten, können sie nicht zu weit aus ihrer Position gelockt werden, sodass immer eine Absicherung am Flügel vorhanden ist.

Mane/LF positioniert sich in diesen Situationen in der ballfernen Halbspur und hat von dort sowohl auf den rechten Innenverteidiger, als auch auf den ballfernen Sechser Zugriff. Lässt der Gegner den Raum hinter Mane/LF unbesetzt, lässt er den Innenverteidiger trotzdem zunächst frei, um ein Anspiel auf ihn zuzulassen. Für Vertonghen bleibt in dieser Szene nur der Rückpass auf den Torwart eine Option.

Salah/RF läuft auf den Torwart – mit Vertonghen im Deckungsschatten – durch und leitet das Spiel so auf die andere Seite. Firmino/ST hat Winks nun im Deckungsschatten, Mane/LF bleibt zunächst in einer abwartenden Position, lässt den rechten Innenverteidiger Alderweireld frei und kann Pässe in den Sechserraum abfangen. Nach dem Pass auf Alderweireld läuft Mane/LF ihn auch bogenförmig an und verhindert ein Anspiel auf den Rechtsverteidiger Trippier. Firmino/ST und Wijnaldum/L8 können aus ihren Positionen den rechten Sechser Sissoko anlaufen, außerdem wird eine Spielverlagerung von Salah/RF und Firmino/ST verhindert. Auffällig ist auch hier die Positionierung von Wijnaldum/L8 – sollte Alderweireld den Ball über Sissoko auf Trippier bringen, könnte der Niederländer am Flügel rausrücken und ein schnelles Aufrücken verhindern. Für Alderweireld ist der lange Ball die sicherste Option.

Im Hinspiel gegen Barcelona führte die Orientierung der Achter zu ungewohnten Strukturen. Jordi Alba spielt bekanntermaßen sehr offensiv und rückte auch im Aufbauspiel öfter mal weit nach vorne. Um Gomez/RV nicht in einer Unterzahl gegen Coutinho und Alba zu lassen, orientierte sich Milner/R8 dementsprechend nach hinten, wodurch teilweise 5-2-3-hafte Strukturen entstanden. Weil Milner/R8 durch seine tiefe Position nicht mehr im Raum zwischen Wijnaldum/ST und Salah/RF stehen konnte, musste Fabinho von der Sechserposition auf den linken Sechser Raktic vorrücken. 

Im Rückspiel gegen Barcelona veränderte Liverpool die Pressingstrategie und spielte deutlich riskanter, was wohl durch die Ausgangslage nach dem Hinspiel zu erklären ist. Origi/ST orientierte sich in diesem Spiel nicht am ballnahen Sechser, wenn der Innenverteidiger den Ball hatte, sondern positionierte sich höher in der ersten Aufbaulinien Barcas und verhinderte damit Spielverlagerungen. Das Aufbauspiel von Barcelona wurde so häufig auf die linke Seite und Lenglet geleitet. Die Gründe dafür können verschiedene gewesen sein, im Aufbauspiel Barcelonas spielte Rakitic als linker Sechser, das Spiel wurde damit auch auf ihn und weg von Busquets geleitet. Außerdem spielt Messi eher auf der rechten Seite.

In der nächsten Szene läuft Origi/ST nach einem Rückpass auf ter Stegen, dahinter rücken die Achter schnell auf die Gegenspieler nach, um ein Aufdrehen zu verhindern und Rückpässe zu erzwingen. Derartige Szenen, in denen Barcelona den Ball auf einen Sechser spielen konnte und die Mittelfeldspieler gegen ein Aufdrehen schnell herausrückten, kamen in dieser Partie häufig vor. Auf der linken Seite ergibt sich nach dem Rückpass auf Pique die gewohnte Pressingordnung, die auch schon gegen Tottenham zu sehen war.

Origi/ST läuft anschließend auf ter Stegen durch, leitet das Spiel auf Lenglet und verhindert durch seine Positionierung auch den Rückpass auf den Torwart. Milner/L8 orientiert sich nach hinten, um dort eine absichernde Position einzunehmen. Shaqiri/RF hat den Pass auf Lenglet zunächst zugelassen und lief ihn anschließend mit Alba im Deckungsschatten an. Henderson/R8 stellt zunächst den Passweg durch die Halbspur in die Tiefe zu und lässt Rakitic frei.

Dieses ermöglichen von Anspielstationen und das anschließende Attackieren nach dem gespielten Pass ist ein wichtiger Bestandteil von Liverpools Pressing. Werden die Anspielstationen mit einer Manndeckung dauerhaft zugestellt, ist für den Gegner ein Pass auf diesen Spieler keine Option und es wird früh zum langen Ball gegriffen. Ein Ballgewinn im Angriffsdrittel ist dann nicht mehr möglich. Außerdem wird ein weiteres Prinzip an der Positionierung von Henderson deutlich: Zunächst wird der Passweg in die Tiefe (hinter das Mittelfeld) geschlossen, anschließend kann, basierend auf der Grundlage nicht überspielt werden zu können, auf den Gegenspieler herausgerückt werden.

Henderson/R8 läuft also Rakitic an, nachdem er angespielt wurde, sodass der Pass auf Alba erzwungen wird. Weil der Pass auf den Sechser in diesem Spiel zugelassen und nicht wie in anderen Spielen verhindert wurde, konnte Henderson/R8 sich nicht noch gleichzeitig am gegnerischen Außenverteidiger orientieren. Um trotzdem weiterhin Druck auszuüben und ein Aufrücken des Gegners zu verhindern, rückte Alexander-Arnold/RV in diesem Spiel am Flügel auf. Zur Absicherung ließ sich Fabinho/6 zwischen die Innenverteidiger fallen. Liverpool verteidigte damit in der letzten Linie Mann-gegen-Mann.

Absicherung

In der Szene gegen Tottenham kontrolliert Liverpool mit vier eigenen Spielern sechs Gegenspieler und erzwingt den langen Ball. Diese Szene veranschaulicht das Verteidigungsverhalten von Liverpool sehr gut. Auch am gegnerischen Strafraum gehen sie nicht in ein wildes Pressing über, sondern behalten auch dort die Ordnung. Wichtig ist, dass die aktiv pressenden Spieler immer abgesichert sind. Werden die vier Spieler am gegnerischen Strafraum überspielt, muss ein schneller Raumgewinn des Gegners verhindert werden, damit die überspielten Gegner wieder hinter den Ball kommen können.

In der nächsten Szene ist der Pressingablauf ähnlich wie zuvor, Mane/LF konnte den Passweg auf Trippier allerdings nicht schließen. Der rechte Verteidiger spielt den Ball auf Eriksen, womit vier Liverpooler überspielt wurden. Hinter diesem aktiv pressenden Block haben sich bereits Robertson/LV, Fabinho/6 und Henderson/R8 positioniert. Robertson/LV verhindert dabei zunächst ein Aufrücken am Flügel, wodurch Eriksen Winks im Zentrum anspielt. Mit einer schnellen Verlagerung hätte Tottenham das Mittelfeld überspielt und könnte auf die letzten drei Verteidiger zulaufen. Henderson rückt aber aus seiner Position auf Winks, sodass dieser den Ball in einer geschlossenen Stellung annahmen muss und weder auf den linken Innenverteidiger, noch den linken Außenverteidiger verlagern kann. Fabinho verhindert den Vertikalpass auf Alli, indem er sich in den Passweg stellt. Winks kann schließlich den Ball auf Alderweireld zurückspielen, welcher dann auf den linken Flügel verlagert. Diese Aktion wurde aber von der Absicherung entscheidend verzögert, sodass sieben Spieler hinter dem Ball sind und Rose am Flügel gestellt werden kann, als er den Ball unter Kontrolle hatte.   

Pressingfallen

In der 4-1-2-3 Formation rückt Liverpool mit allen Spielern in die drei zentralen Spuren. Im Zentrum stehen sie dadurch sehr kompakt und verhindern Pässe in den Zwischenlinienraum hinter dem Mittelfeld. Außerdem sollen Pässe auf die Flügel verhindert werden. Sollte der Gegner trotzdem den Ball auf einen Flügel bekommen, versucht Liverpool die Spieler dort zu isolieren und anschließend den Ball zu gewinnen.

Liverpool steht im Zentrum kompakt und kann den Pass auf den Sechser verhindern. Nach einer Verlagerung könnte Salah/RF Vertonghen anlaufen. Der Pass auf den Rechtsverteidiger kann aber nicht verhindert werden. Interessant ist im ersten Bild bereits, dass Robertson/LV seinen Gegenspieler bereits verfolgt und in der Halbspur mit vorrückt, was zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht nötig war, weil der Spieler nicht anspielbar war. Die Position von Robertson/LV ist aber für den weiteren Verlauf der Pressingfalle entscheidend.

Nach dem Pass auf Trippier setzt Firmino/LF ihn unter Druck, drängt ihn nach vorne und verhindert einen Rückpass. Wijnaldum/L8 verschiebt auch Richtung Flügel, steht dabei tiefer als Firmino/LF und kann Querpässe ins Zentrum abfangen. Robertson/LV hat aus seiner vorgeschobenen Position einen besseren Zugriff auf seinen Gegenspieler. Er kann Pässe in den Fuß abfangen, gleichzeitig aber auch den Raum in die Tiefe sichern. Dabei wird er von van Dijk/LIV unterstützt. Fabinho/6 schiebt aus dem Zentrum mit auf den Flügel und kann letztendlich den Pass von Trippier abfangen.

Mane/ST und Salah/RF stehen nach dem Ballgewinn direkt als Anspielstationen hinter dem gegnerischen Mittelfeld bereit für Konter. Weil Tottenham am Flügel isoliert wurde, konnten sie vom schnellen Ballgewinn ausgehen und mussten nicht mit zurückkommen, was ihnen jetzt einen Vorteil verschafft.

Im Rückspiel gegen Barcelona konnte die hohe Position Origis/ST für eine neue Pressingfalle genutzt werden. Erhielt ein gegnerischer Innenverteidiger den Ball, wurde er wie gewohnt vom Flügelstürmer mit dem Außenverteidiger im Deckungsschatten angelaufen. Origi kann aber von innen auch noch Druck machen und damit eine Verlagerung in der ersten Linie verhindern. Der Innenverteidiger wird so durch einen engen Trichter nach vorne gedrängt, das Mittelfeld stellt die Anspielstationen entweder mann- oder passwegorientiert zu.

In dieser Szene war der Querpass von Lenglet auf Pique der Pressingauslöser für Mane/LF, Origi – der zuvor Lenglet anlief – läuft auch auf Pique durch, wodurch dieser nach vorne gedrängt wird. Im Mittelfeld kann Liverpool den Raum dann verdichten, Milner/L8 versperrt den Passweg auf den Flügel, Fabinho/6 und Henderson/R8 versperren den Raum von der anderen Seite. Es öffnet sich zwar der Passweg auf Suarez, van Dijk/LIV gewinnt aber den Ball.

Mittelfeldpressing

Organisation und Umsetzung

Auch im Mittelfeldpressing formiert sich Liverpool im 4-3-3, die Flügelstürmer stehen jetzt aber etwas breiter und tiefer als im Angriffspressing, um kürzere Rückwege auf die gegnerischen Außenverteidiger zu haben, sollte der Ball auf den Flügel kommen. Die Achter sind weiterhin in den Schnittstellen der ersten Verteidigungslinie. Durch die vielen vertikalen und horizontalen Linien können die Passwege hinter das Mittelfeld relativ leicht abgedeckt werden.

Hat ein Innenverteidiger den Ball sind die Abläufe ähnlich zum Angriffspressing. Pressingauslöser sind wie schon im Angriffspressing hauptsächlich Querpässe in der ersten Linie, aber auch Rückpässe von Außenverteidigern und Mittelfeldspielern auf die Innenverteidiger. Origi/ST stellt den ballnahen Sechser zu, Salah/RF rückt aus seiner tieferen Position mit dem Außenverteidiger im Deckungsschatten auf den ballführenden Innenverteidiger, Henderson/R8 verengt den Raum von hinten und orientiert sich dabei in der Höhe seiner Positionierung am gegnerischen Außenverteidiger. Mane/LF rückt in die Halbspur ein und nimmt bereits eine höhere Position ein, aus der er den ballfernen Innenverteidiger wieder bogenförmig anlaufen kann. Sollte der Gegner mit zwei Sechsern spielen, kann Wijnaldum/L8 auf diesen Spieler – auch bogenförmig – herausrücken. Dabei kann er analog zum Anlaufen der Flügelstürmer von außen nach innen anlaufen, um einen Pass auf den Außenverteidiger zu verhindern und den Ball im Liverpooler Defensivblock zu halten.

Für den ballführenden Innenverteidiger bleibt in diesen Situationen häufig nur der Querpass auf den anderen Innenverteidiger, welcher von Mane/LF zunächst freigelassen, mit dem gespielten Pass dann bogenförmig angelaufen wird. Origi/ST läuft auch, mit dem Sechser im Deckungsschatten, auf den Innenverteidiger zu und verhindert ein mögliches umdribbeln des anlaufenden Flügelstürmers. Da der erste Innenverteidiger noch von Salah/RF zugestellt ist, bleibt oft nur der Rückpass auf den Torwart. Auch im Mittelfeldpressing achtet Liverpool stark darauf, alle Passwege nach vorne zu schließen und den Gegner zu Rück- und Querpässen zu zwingen, nach denen sie ins Angriffspressing aufrücken können.

Werden die Innenverteidiger angelaufen haben sie oft eine geschlossene Stellung, um den Ball vor dem anlaufenden Flügelstürmer zu schützen. Es kann also kein langer Ball kommen. Die Verteidiger von Liverpool nehmen deshalb eine Körperstellung ein, in der sie sich schnell nach vorne bewegen können, um Pässe in den Zwischenlinienraum abzufangen oder den Gegenspieler in einen Zweikampf zu verwickeln und am Aufdrehen zu hindern, sollte das Mittelfeld nicht alle Passwege geschlossen haben.

Sind die Flügelspieler zu tief oder haben einfach zu weite Abstände – Tottenham hat die Innenverteidiger manchmal stark auf eine Seite verschieben lassen – kann auch der Mittelstürmer das Pressing auslösen. Nach einem Querpass in der ersten Linie oder einem Andribbeln des Innenverteidigers stellt er den Passweg auf den Sechser und/oder den ballfernen Innenverteidiger zu und zwingt den Gegenspieler zum andribbeln.

Im Rückspiel gegen Barcelona wurde die veränderte Herangehensweise auch im Mittelfeldpressing genutzt. Origi positionierte sich weiterhin sehr hoch, um Spielverlagerungen zu verhindern. Anspielstationen im Sechserraum wurden durch Herausrücken der Mittelfeldspieler am Aufdrehen gehindert. Die Flügelspieler orientierten sich in diesem Spiel etwas mehr nach hinten und nahmen nicht jeden Querpass in der ersten Linie als Pressingauslöser. Sie warteten, bis der Innenverteidiger den Ball angenommen hat und stellen sich zunächst einmal in den Passweg auf den Außenverteidiger, um einen flachen Pass auf den Flügel zu verhindern. Die Mittelfeldspieler stellten die Passwege in den Zwischenlinienraum zu und können aus dieser Grundposition vorrücken. Die Rolle von Origi soll dann einen Innenverteidiger in eine Pressingfalle leiten, indem alle Anspielstationen nach vorne zugestellt und Verlagerungen in der ersten Linie verhindert werden.

Nach einem Rückpass auf Busquets läuft Origi/ST auf den Spanier durch und leitet das Spiel weiter auf Rakitic, der von Shaqiri/RF angelaufen wird. Weil weder der Pass zurück zu Busquets, noch der Ball auf Alba möglich sind und die Anspielstation(en) hinter dem Mittelfeld zugestellt wurde(n), entscheidet sich Rakitic, mit dem Ball nach vorne zu dribbeln. Henderson/R8 orientiert sich weiterhin an Coutinho und stellt den Passweg zu, Shaqiri/RF setzt seinen bogenförmigen Laufweg fort und wird durch das Herausrücken von Fabinho/6 unterstützt. Die Folge ist ein Ballgewinn.

Absicherung

Auch im Mittelfeldpressing ist eine Absicherung wichtig, um Fehler oder starke Aktionen des Gegners auffangen zu können. Wichtig ist dafür zunächst, dass der Gegner das Spiel, nachdem das Pressing ausgelöst wurde, nicht auf die ballferne Seite verlagern kann. Das leitende Pressing soll den Gegner auf eine Seite drücken. Sollte das Mittelfeld dann überspielt werden, konnte die Abwehrkette von Liverpool bereits stark auf diese Seite verschieben, wodurch die Räume sehr eng sind. Diese Kompaktheit in der Abwehrkette kann auch ein Herausrücken eines Abwehrspielers in den Zwischenlinienraum gut absichern.

Gerade gegen einen Gegner wie Barcelona ist es schwer, die individuelle Qualität über 90 Minuten zu kontrollieren. Nach einem Pass auf Busquets rückt Milner/L8 von der linken Achterposition auf ihn rüber, um ein Aufdrehen zu verhindern. Henderson/R8 verschläft die Situation aber ein wenig und lässt Rakitic innen an ihm vorbeiziehen. Außerdem sind die Abstände der vorderen fünf zu den hinteren fünf Spielern zu groß. Rakitic dribbelt im Zentrum nach vorne, wird dabei aber von Fabinho/6 und Henderson/L8 unter Druck gesetzt. Während sich die Abwehrkette fallen lässt, bleibt Matip/RIV in seiner Position und zwingt Rakitic damit zu einer Entscheidung.

Kann der Gegner das Mittelfeld am Flügel überspielen, sichern die Abwehrspieler in diesen Situationen zunächst die Räume in die Tiefe und verhindern einen schnellen Raumgewinn. Dadurch verschaffen sie den überspielten Spielern etwas mehr Zeit, um zurück hinter den Ball zu kommen. Der ballführende Gegenspieler wird in der Regel vom Flügelspieler gestellt. Auch in diesen Situationen versucht Liverpool so schnell wie möglich Druck auf den Ballführenden zu bekommen. Ein Herausrücken ist erlaubt, solange dabei keine Passwege geöffnet werden.

Stellt der Flügelspieler den Gegenspieler, versperrt er durch seine Positionierung – diagonal Richtung eigenes Tor versetzt – bereits den Pass in den Raum vor der Abwehr. Der Achter kann daraufhin bereits eine höhere Position einnehmen, weil er keinen Raum abdecken muss, den sein Mitspieler schon abdeckt. Liverpool achtet darauf, dass der Gegner nicht weiter nach vorne und auch nicht in den Zwischenlinienraum spielen kann. Verlagerungen sollen verhindert und der Gegner zu Rückpässen gezwungen werden. Die Spieler sind in diesen Situationen aber sehr variabel und halten sich dabei an bestimmte Vorgaben. Steht der Flügelspieler nicht so, dass er den Passweg in den Zwischenlinienraum abdeckt, kann sich der Achter dahinter tiefer positionieren. Der Sechser oder auch der ballferne Achter kann dann aus seiner Position vorrücken. Auch die defensive Rolle des Mittelstürmers hilft dabei, Verlagerungen zu verhindern.

Im Rückspiel gegen Barcelona wurde diese Absicherung auch wieder als Pressingfalle genutzt. Rakitic kann den Ball über Henderson/R8 und Shaqiri/RF auf den Flügel zu Alba lupfen. Die Abwehr lässt sich fallen und sichert die Räume in die Tiefe, Shaqiri/RF eilt zurück, um Alba am Flügel zu stellen. Während der Schweizer den Passweg ins Zentrum versperrt, sichert Alexander-Arnold/RV seinen Mitspieler ab, sollte der Gegenspieler ins Dribbling gehen. Außerdem kann er Pässe in die Tiefe erlaufen. Henderson/R8 kommt auch zurück, aber nur so weit wie er muss, um den Passweg ins Zentrum zu versperren. Alba bleibt nur der Rückpass auf Rakitic.

Um dem Gegner jetzt keine Zeit für Spielverlagerungen zu geben rückt Henderson/R8 wieder vor, Shaqiri/RF stellt sich vor Alba und hat ihn damit im Deckungsschatten. Weil Fabinho/6 zuvor einen Lauf in die Tiefe verfolgt hatte, rückt Milner/L8 den weiten Weg aus seiner Position vor auf Busquets. Hätte der Spanier aufdrehen können, hätte er drei verschiedene Anspielstationen im Zwischenlinienraum und die Möglichkeit, auf Sergi Roberto am rechten Flügel zu verlagern. Durch das Herausrücken von Milner/L8 wird das verhindert und der Rückpass erzwungen. Origi/ST läuft Lenglet direkt wieder bogenförmig an und hält Barca auf der Seite. Lenglet versucht unter Druck den Ball auf Alba zu spielen, er landet aber im Aus.  

Pressingfalle

Auch im Mittelfeldpressing kann die Flügelpressingfalle – welche zuvor bereits vorgestellt wurde – genutzt werden. Die Achter rücken in diesen Situationen auf den Flügel, die Verteidiger sichern die Räume in die Tiefe oder verfolgen das Zurückfallen von direkten Gegenspielern in den Zwischenlinienraum. Die nachrückenden Spieler – Sechser, Flügelstürmer und Mittelstürmer – versperren Passwege ins Zentrum. Diese Pressingfalle wird in der eigenen Hälfte aber fast ausschließlich gegen kleinere Gegner genutzt.

Der Grund ist, dass in den Spielen gegen Barcelona und Tottenham die Flügelspieler hinter den Ball zurückkamen, Rückpässe erzwangen und diese von herausrückenden Mittelfeldspielern verfolgt wurden, um Verlagerungen zu verhindern. Abgesehen vom Rückspiel gegen Barcelona positioniert sich auch der Mittelstürmer tiefer. Dadurch werden die Innenverteidiger nicht direkt unter Druck gesetzt, Liverpool steht im Zentrum aber kompakter und die Mittelfeldspieler müssen nicht so weit vorrücken. Verlagerungen werden in diesen Situationen durch bogenförmiges Anlaufen des ballfernen Flügelstürmers gegen den Innenverteidiger verhindert.

Schwächere Gegner kommen häufig mit langen Bällen nach vorne. Die Flügelspieler sind dann noch in einer höheren Position, wodurch die Achter die Wege auf den Flügel machen müssen, um den Gegenspieler zu stellen. Die Anspielstationen nach vorne und ins Zentrum werden auch in diesen Situationen zugestellt, die Rückpässe dann aber durch die Positionierungen des Flügel- und auch des Mittelstürmers verhindert.

Probleme

Im Hinspiel gegen Barcelona tat sich Liverpool schwer, das Pressing auszulösen. Busquets kippte im Spielaufbau zwischen die Innenverteidiger ab, davor war eine Doppelsechs. Wijnaldum/ST hatte nur wenig Zugriff und konnte leicht überspielt werden. Hatte einer der Innenverteidiger den Ball, wurde der Pass auf den Außenverteidiger zugestellt, der Stürmer orientierte sich zum ballnahen Sechser. Der Querpass in der ersten Linie blieb offen und ist normalerweise ein Pressinauslöser für den ballfernen Flügelstürmer. Gegen die Dreierkette hatte dieser aber einen sehr weiten Weg und blieb deshalb in einer passiveren Position. Wijnaldum/ST lief deshalb Busquets an, konnte ihn aber nicht leiten, weil noch sehr viele Passwege offen waren. Da Fabinho/6 durch die Rolle von Milner/R8 gegen Alba aus seiner Position nach halbrechts auf Rakitic vorschieben musste, war das defensive Mittelfeld nicht mehr besetzt. Wijnaldum/ST musste sich daher zentral vor Busquets stellen, um den Passweg auf die Stürmer zu schließen, dadurch waren aber beide Sechser von Barcelona anspielbar.

Liverpools Pressing war im Hinspiel gegen Barcelona deshalb aber nicht schlecht, die Sechser konnten zwar angespielt werden, weitere Optionen nach vorne wurden ihnen aber genommen. Liverpool hatte generell einfach nur wenig Zugriff und konnte Barca deshalb nicht leiten oder zu Aktionen zwingen. Weil die Passwege durchs Zentrum aber größtenteils versperrt wurden, blieb den Spaniern nur der Pass auf den Flügel, wo Liverpool guten Zugriff hatte und die Spieler isolieren konnte. Oft ist aber der Rückpass auf den Innenverteidiger offengeblieben, wodurch Liverpool viel hinterherlaufen musste. Die Qualität von Barcelona führte dann dazu, dass nach längeren Ballbesitzphasen im Spielaufbau kleinere Lücken entstanden, die sie auch ausnutzen konnten.

Auch Wolverhampton hatte eine unangenehme Spielweise für das Liverpooler Pressing. Aus dem eigentlichen 3-5-2 kippte Neves im Aufbauspiel oft zwischen Innen- und Halbverteidiger ab und es entstand eine sehr breite und flache Viererkette. Diese war für Liverpool schwer zu pressen, weil die Flügelstürmer die zentralen Spieler der Viererkette nicht mit den breiten Halbverteidigern im Deckungsschatten anlaufen konnten. Würden die Flügelspieler sich so hoch positionieren, könnte der Ballführende innen an ihnen vorbeidribbeln oder auf den Flügel zum Wing-Back spielen. In der ersten Linie bekam Liverpool deshalb nur wenig Zugriff, was Wolverhampton für viele Diagonalbälle hinter die Abwehr nutzte.

Abwehrpressing

Organisation und Umsetzung

Im Abwehrpressing lässt sich Liverpool in ein 4-5-1 fallen, bei dem die Flügelstürmer die Flügelspuren verteidigen. Die Außenverteidiger sind dahinter in einer eingerückten Position, aus der sie die Flügelstürmer unterstützen können, sollte der Gegenspieler ins Dribbling gehen. Sollte der Außenverteidiger den kürzeren Weg auf den Gegenspieler haben, bleibt er trotzdem in einer abwartenden Position und verlangsamt den Angriff nur. Er wartet auf seinen Mitspieler, damit dieser den Gegenspieler stellen kann. Der Achter unterstützt den Flügelstürmer von der anderen Seite, sodass sich ein Defensivdreieck bildet.

Für den Gegenspieler ist es schwer, mit einem Dribbling die Linie entlang für Gefahr zu sorgen, weil dieser Raum vom Außenverteidiger abgesichert wird. Pässe ins Zentrum sind aufgrund der Positionierung des Achters auch schwierig. Die Folge ist häufig ein Rückpass. Liverpools Stürmer nimmt auch eine defensive Position im Zentrum ein und verhindert so Querpässe vor dem eigenen Mittelfeld.

Möchte der Gegner das Spiel verlagern, muss er das über tiefere Spieler tun. Dass gibt dem ballfernen Flügelstürmer die Möglichkeit aufzurücken und den Innenverteidiger bogenförmig anzulaufen. Die Positionierung von Firmino/ST erlaubt den Mittelfeldspielern auch, sich bei Flügelsituationen mehr an den Strafraum zu orientieren, um nach Flanken sicherer zu stehen.

Ist der Stürmer noch in einer höheren Position und der Gegner kommt in den Raum vor dem Mittelfeld, rückt ein zentraler Mittelfeldspieler heraus. Die Passwege ins Zentrum bleiben dabei geschlossen, sodass der Gegner auf den Flügel spielen muss. Im unteren Beispiel orientiert sich Shaqiri/RF an seinem Gegenspieler Alba, der in die Tiefe läuft. Er lässt sich aber nicht auf die Höhe der Abwehrkette fallen, sondern bleibt etwas höher im Passweg stehen. Rakitic muss deshalb einen hohen Pass auf Alba spielen. Weil der Gegenspieler im Halbraum nicht anspielbar ist, kann Alexander-Arnold/RV auf den Pass auf Alba spekulieren. Der spanische Linksverteidiger muss deshalb unter Druck den Ball mit einem Kontakt Volley in den Strafraum bringen – kein einfacher Pass.

Pressingfalle

Beim Mittelfeldpressing wurde bereits erklärt, dass schwächere Gegner haupstächlich mit langen Bällen das Pressing überspielen wollen, die Achter die Außenverteidiger am Flügel unterstützen und die Flügelstürmer noch in einer höheren Position sind. Diese Staffelung kann auch im Abwehrpressing als Pressingfalle genutzt werden.

Henderson/R8 und Alexander-Arnold/RV stellen den Gegenspieler am Flügel und verhindern die Flanke. Cardiffs Sechser bietet sich für einen Rückpass ins Zentrum an, wird dabei aber von Firmino/ST angelaufen und zum Flügel geleitet. Salah/RF verengt den Raum dabei von oben und verhindert ein Abdrehen nach hinten bzw. einen Rückpass.

Strafraumverteidigung

Lässt sich Liverpool in die Strafraumverteidigung zurückfallen, spielen sie dort grundsätzlich in einer 3+3 Formation. Die drei Verteidiger im Strafraum sind strikt mannorientiert, die Mittelfeldspieler verteidigen mehr im Raum. Der ballnahe Außenverteidiger und der Flügelstürmer sind beim Flankengeber auf dem Flügel. Interessant ist in der Strafraumverteidigung die Rolle des ballfernen Flügelstürmers. Dieser orientiert sich nicht am Flügel, sondern rückt vor dem Strafraum ein, um dort zweite Bälle zu gewinnen und den Konter einzuleiten. Manchmal wird er dabei noch vom Stürmer unterstützt.

Gegen schwächere Gegner rückt häufig der ballnahe Achter auf den Flügel, um den Außenverteidiger zu unterstützen. Im Strafraum hat Liverpool damit eine 3+2 Staffelung. Huddersfield hatte in diesen Situationen in der Halbspur Läufe in die Tiefe, welche vom Sechser aufgenommen wurden. Da dieser damit aus dem zentralen Bereich vorm Tor weggezogen wurde, blieb eine 3+1 Staffelung.

Jede Verteidigungsart hat seine Vor- und Nachteile. Bei Liverpool ist es die Manndeckung der Verteidiger, welche zu Problemen führen kann. Im obigen Beispiel gegen Wolverhampton wurde van Dijk/LIV durch den Laufweg seines Gegenspielers zum ersten Pfosten gezogen. Dadurch entstand eine größere Lücke zwischen ihm und Robertson/LV. Keita/L8 verteidigt im Strafraum aber nicht mannorientiert, sondern blieb in dieser Situation in seinem Raum stehen. Der Gegenspieler konnte aus seinem Rücken in den freien Raum zwischen van Dijk/LIV und Robertson/LV einlaufen – wäre die Flanke auf ihn gekommen, hätte Alisson ein Tor kaum verhindern können.

Auch Newcastle konnte die Strafraumverteidigung gut für sich nutzen. Sie nutzten dabei einmal die mannorientierten Verteidiger, aber auch das Orientieren des ballfernen Flügelstürmers in den Rückraum aus. Dafür positionierte sich ein Angreifer beim ballfernen Außenverteidiger und startete von dort in die Mitte – zog den Außenverteidiger also mit. Der hinterste Angreifer konnte in den freien Raum einlaufen und an die Flanke kommen. Daraus entstanden ein Tor und eine Großchance für Newcastle.

Diese Probleme sind aber keinesfalls große Schwächen in Liverpools Defensive. Die Innenverteidiger gewinnen viele Kopfballduelle – viel wichtiger aber, die Gegner kommen häufig gar nicht erst zu derartigen Situationen. Selten schaffen sie es überhaupt kontrolliert an den Strafraum, am Flügel können die Flanken dann häufig verhindert und Rückpässe erzwungen werden.

Spezielle Situationen

Abstöße

Spielt der gegnerische Torwart den Abstoß lang nach vorne, positioniert sich Liverpool horizontal sehr kompakt, um die zweiten Bälle zu gewinnen. Die Formation ähnelt dabei einem 4-Raute-2. Häufig ist ein gegnerischer Stürmer der Zielspieler für diese langen Bälle, der ballnahe Innenverteidiger geht ins Kopfballduell. Die beiden Verteidiger neben ihm – Außenverteidiger und ballferner Innenverteidiger – lassen sich nach hinten fallen und sichern die Räume in die Tiefe. Vor dem Innenverteidiger versuchen die drei Mittelfeldspieler die zweiten Bälle zu gewinnen. Die Achter positionieren sich vor ihren Gegenspielern und können dadurch die Bälle aufsammeln, die vor ihnen landen. Sollte der Ball nach dem Kopfballduell über sie rüber fliegen, stehen sie näher zum Tor als ihre Gegenspieler. Für die zweiten Bälle lässt sich auch der Mittelstürmer fallen, die Flügelstürmer bleiben in höheren Positionen.

Gewinnt Liverpool den Ball, haben sie zwei Möglichkeiten, die enge Situation aufzulösen. Hat der Ballführende genügend Zeit und Raum, um einen Pass nach vorne zu spielen, werden die Flügelstürmer hinter die Abwehr geschickt. Ist ein Pass nach vorne nicht möglich, wird das Spiel auf den ballfernen Außenverteidiger verlagert.

Einwürfe

Einwürfe werden bei Liverpool ähnlich genutzt wie die Pressingfalle am Flügel. Der ballnahe Flügelstürmer rückt nach vorne auf den Innenverteidiger, der Mittelstürmer stellt den defensiven Mittelfeldspieler zu. Dadurch wird ein Einwurf nach hinten verhindert. Weil auch alle anderen ballnahen Anspielstationen zugestellt sind, wirft der Gegner den Ball häufig auf einen Stürmer. In diesen Räumen stellt Liverpool aber eine Überzahl her.

In der ersten Grafik ist es Alexander-Arnold/RV, der sich vor dem Stürmer und Lovren/RIV positioniert. Soll der Stürmer angespielt werden, ist ein Einwurf in den Fuß oder auf den Körper nicht möglich – der Spieler muss in ein Kopfballduell geschickt werden. In der zweiten Szene ist es Henderson/R8, der zwar einen direkten Gegenspieler vor sich hat, sich aber auch ein paar Meter nach hinten orientiert, um ein Anspiel in den Fuß von Alexander-Arnolds/RV Gegenspieler zu verhindern. Liverpool steht durch die vielen Mannorientierungen auch für zweite Bälle sehr gut.

Inklusive dem Einwerfer hat der Gegner oft eine nominelle Überzahl, weil der Einwerfer frei gelassen und auch nach dem Einwurf keinen direkten Gegenspieler hat. Aufgrund des kleinen Raums kann diese aber nicht genutzt werden. Um den Raum zu verkleinern, schieben auch die freien Liverpooler Spieler stark mit auf die Seite nach.

Prinzipien heben Liverpool auf ein anderes Niveau

Es gibt verschiedene Muster in den jeweiligen Pressingphasen, welche Liverpool sehr gut nutzt und für den Gegner schwer zu bespielen sind. Gute und schwer zu bespielende Pressingideen haben allerdings viele Mannschaften. Was die Mannschaft von Jürgen Klopp von diesen Mannschaften abhebt, ist das Verfolgen und Umsetzen bestimmter Prinzipien. Am wichtigsten ist dabei das Schließen der Passwege in die Räume hinter dem eigenen Mittelfeld. Aus der raumorientierten Organisation können die Spieler in ihren Räumen die Passwege schließen. Aufbauend auf dieser Grundlage soll der Gegner unter Druck gesetzt werden. Ist ein Pressing aber ohne Risiken nicht möglich – wie beispielsweise im Hinspiel gegen Barcelona – bleibt Liverpool in einer passiveren Ausrichtung, die trotzdem weiterhin schwer zu überwinden ist.

Das Verfolgen der Prinzipien ist gerade in unübersichtlichen und nicht zu planenden Situationen sehr wichtig. Landet der Ball auf dem Flügel, können die Spieler sehr variabel den Gegenspieler stellen, die Passwege in die Mitte schließen und anschließend Spielverlagerungen verhindern. Wie Liverpool auf derartige Situationen reagiert ist außergewöhnlich gut.

Müsste man Liverpools Pressingidee in einem Satz beschreiben, würde der Folgende es wohl am besten treffen: Wenn der Gegner nach vorne kommt, dann über den Flügel – wenn er auf einem Flügel ist, kommt er dort nicht mehr weg.

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