Tunesien beendet Madagaskars Sommermärchen

Im letzten Viertelfinale des diesjährigen Afrika-Cups traf Tunesien in Kairo auf die Überraschungsmannschaft aus Madagaskar. Entgegen aller Erwartungen schaffte es die madagassische Mannschaft von Trainer Nicolas Dupuis, welcher parallel als Technischer Direktor in der vierten französischen Liga tätig ist, sich als Gruppenerster in ihrer Gruppe durchzusetzen und erreichte nach dem Elfmeterdrama gegen die Demokratische Republik Kongo das Viertelfinale. Durch das frühzeitige Ausscheiden von Gastgeber Ägypten und Turnierfavorit Marokko rückte nun vermehrt die Elf von AS St.-Étienne-Spieler Wahbi Khazri in den Fokus.

Beide Teams starteten zunächst in einem 4-3-3, wobei dabei Unterschiede im jeweiligen Defensivverhalten zu erkennen waren. Madagaskar formierte sich gegen den Ball in einem 4-1-4-1, welches besonders zu Beginn viele Ballrückeroberungen ermöglichte. Tunesien agierte wesentlich flacher im Defensivverhalten. Aus dem ursprünglichen 4-5-1 wurde je nach Verhalten des jeweiligen Achters ein 4-4-2.

Kontrollfokus ohne nötige Tiefe

Zu Beginn der Partie bot Madagaskar einige ansehnliche Dreiecksbildungen, die immer wieder dafür sorgten, dass die Ballkontrolle in der eigenen Hälfte stabilisiert werden konnte. Anicent war mit einer Passquote von 96% ein weiterer Fixpunkt für das anfängliche kollektive Zusammenspiel des Inselstaates. Hilfreich war unterdessen auch, dass Jѐrome Mombris eine leichte Asymmetrie im Spielaufbau herstellte und im Ballbesitz tendenziell höher Stand als der andere Außenverteidiger Romain Mѐtaniere. Dieses Szenario wurde aber leider nicht nachhaltig und konsequent durchgezogen, was im weiteren Spielgeschehen durchaus spannend zu verfolgen gewesen wäre.

Beiden Mannschaften gelang es zunächst selten, im eigenen Ballbesitz die nötige Dynamik und Schnelligkeit zu erzeugen. Zumeist wurde im ersten Drittel sehr viel mit Querpässen agiert, was die Vierschiebebewegung vereinfachte. Dadurch gelang es weder dem einstigen Afrikameister noch dem Turnierneuling regelmäßig tiefe Anspielpunkte zu finden. Vorstöße gab es sonst nur über die Außenspuren zu betrachten.

Neutralisation durch tiefe Presssingebenen

Der vielzitierte erste Abschluss, gelang Tunesien in der 13. Minute durch Chaaleli. Aus dieser Situation heraus hätte die Annahme entstehen können, Tunesien würde nun das Spiel umfassend bestimmen. Dies trat jedoch nur zum Teil ein. Madagaskar und Tunesien neutralisierten sich gegenseitig durch ihr tiefes Mittelfeldpressing. Ein kollektives Vorwärtsverteidigen missfiel beiden Teams, da die hinteren Ketten unsauber nachschoben.

Die Positionsrochaden zwischen dem tunesischen Star Khazri und Kechrida sorgten situativ für Übergabeprobleme bei den Madagassen, allerdings führte verpuffte durch die unsaubere Spielfortsetzung der Effekt. Khazri stand zu Beginn der Ballzirkulation häufig breiter aufgestellt. Bewegte sich aber bei zunehmender Tiefe mehr in den rechten Halbraum und wirkte so als hängender Neuner.

Für Madagaskar bot dies im Umkehrschluss jedoch die Chance durch gute Umschaltmomente die linke Außenspur in Überzahl zu bespielen. Doch durch den Mangel an klaren Ballgewinnen wurde dies nicht gezielt ausgenutzt. Bis zum Halbzeitpfiff gelang es Tunesien nur noch durch vereinzelte Standards und Distanzschüsse gefährlich vor das Tor zu kommen.

Individuelle Klasse überwindet Kämpfernatur

Personell wurden nach der Halbzeit keine neuen Impulse gesetzt. Im madagassischen Spielaufbau bekam Anicent nun verstärkter Unterstützung durch die beiden zentralen Mittelfeldspieler Amada und Ilaimaharita. Einer fiel kurz auf die Höhe Anicents zurück währenddessen bewegte sich der andere Achter deutlich in der Tiefe der tunesischen Mittelfeldreihe. Die Flügelstürmer rückten indes weiter ein, um die Außenspuren für die Außenverteidiger zu öffnen.

In der 51. Minute provozierte ein langer Diagonalball von Bronn ein kurzweiliges 2vs2 am linken Flügel. Tunesiens Kapitän Msakni wurde von seinem Flügelverteidiger Haddadi überlaufen, welcher seinen direkten Gegenspieler durch diesen tiefen Laufweg mitzog. Durch das diagonale Dribbling Msaknis entstanden Zuordnungsdefizite im Zentrum. In der Folge entstand der Führungstreffer für Tunesien. Nur wenige Minuten später, griff erstmalig das nun wesentlich mannorientiertere Pressing Tunesiens. Nach einer kreierten Überzahlsituation in Ballnähe erzielte Msakni nach einem präzisen vertikalen Umschaltmoment das 2:0.

Das verbleibende Spielgeschehen ist dahingehend schnell zusammengefasst. Die Madagassen stellten nach dem zweiten Gegentreffer auf ein 4-2-4 um. Präzise Abschlussaktionen sprangen dabei jedoch nicht raus. Tunesien verbarrikadierte sich zum Ende mit einer Fünferkette. Nachdem eine Ecke Madagaskars abgefangen wurde markierte ein Konter zum 3:0 den Endstand der Begegnung.

Fazit

Für Tunesien ist es das beste Turnier seit dem Titelgewinn im Jahr 2004. Ein Teil der Medien verglich die Mannschaft mit dem Auftreten der portugiesischen Europameistermannschaft von 2016. Nicht sonderlich spektakulär aber sehr effizient. Madagaskar hat es zweifelsohne geschafft nun auch auch fernab eines Animationsfilmes bekannt zu sein. Sollten die Strukturen im Land reifen und an Kontinuität gewinnen, dann wäre dieser Viertelfinaleinzug kein „Won-Hit-Wonder“.

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Ein Kommentar

  1. Hallo, wäre super wenn ihr eure Spielanalysen mit Videos vervollständigen könntet, dann wäre es noch Verständlicher und Übersichtlicher, z.B. bei den Artikel Räume schaffen hat es super funktioniert !
    lg aus Südtirol

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