Torwarttraining im Amateurfußball

Viele unterklassige Vereine werden wohl vor jeder Saison vor dem gleichen Problem stehen: „Wer macht denn das Torwarttraining? Haben wir einen, der das machen will?“

Meistens geht es gar nicht so sehr um das Wollen als um das Können des Torwarttrainings. Im Amateurbereich tummeln sich nämlich vielerorts gute Trainer, die ihre Schlussmänner gut ausbilden könnten. Woran es meist mangelt: Trainingsutensilien, Zeit und sogar Trainingsplätze.

Als Torwarttrainer eines Amateurvereins ist Improvisationskunst gefragt. „Flankentraining auf dem (heiligen) Rasen? Bist du wahnsinnig, ihr macht den Fünfmeterraum nur kaputt!“

„Reichen euch nicht die vier Bälle für das Training? Da müssen die sich eben anstrengen und die Bälle festhalten!“ „Bitte kein Torwarttraining auf dem Rasen – geht am besten hinter in die Ecke da.“

Sätze, die vermutlich jeder Torwarttrainer schon gehört hat. Im Folgenden will ich ein paar Gedanken dazu loswerden, wie man aus den Amateurumständen das Beste herausholen und Torwarttraining selbst auf diesem Niveau professionell gestalten kann.

Der Faktor Zeit

Bei der Planung des Trainings sollten prinzipiell drei Gruppen unterschieden werden.

Die erste Gruppe wären die „normalen“ Arbeiter, die sich nach Feierabend regelmäßig zum Training einfinden. Die Schichtarbeiter bilden die zweite Gruppe. Mit ihnen muss immer ein individuelles Belastungsprogramm eingeplant werden.

Die dritte Gruppe wären die Junioren. 

Da die meisten Spieler bis zu den B-Junioren noch zur Schule gehen und erst ab der A-Jugend ins Arbeitsleben einsteigen, hat man als (Torwart-) Trainer vergleichsweise gute Planungssicherheit.

Ich empfehle, die Nachwuchskeeper eine halbe Stunde vor Beginn des Mannschaftstrainings separat zu trainieren und sie dann im Laufe der Einheit zur Mannschaft zu schicken.

Beginnt man beispielsweise schon über eine Stunde vor dem Mannschaftstraining und schickt die Spieler dann zur Mannschaft, läuft man Gefahr, dass sie dann im Training ausgepowert sind. Hier müssen wir Torwarttrainer mit den Cheftrainern kurz Absprache halten, um das Beste für die Spieler herauszuholen.

Wie lange eine solche Einheit bei den Junioren andauern soll, hängt ganz von der Anzahl der Spieler ab. Ich handhabe es so, dass ich nie mehr als vier Kinder gleichzeitig trainiere – am besten wären sogar drei.

Dadurch läuft man nicht Gefahr, dass die Keeper zu lange Wartezeiten haben und sich wohlmöglich langweilen. Daher gestalte ich es so, dass ich bei einer so großen Gruppe immer kleinere Rundläufe mache, in denen die Keeper zu Beginn viele Wiederholungen in den Aktionen haben.

Torwarttraining

Diese Art von Übung nutze ich unabhängig von der Altersklasse gerne als Erwärmung. Der Torhüter bewegt sich zunächst durch die vier Stangen – zwischen frontalem und seitlichem Durchlaufen kann variiert werden. Im Anschluss kommt er vor den Dummy und spielt mit jedem Fuß jeweils einen direkten Pass.

Zum Abschluss dreht sich der Keeper nur leicht zur Seite und bekommt drei Volleys auf Kopfhöhe. Je nach Untergrund bekommt er dann einen scharfen abgerollten Ball auf Mann. Das wird auf jeder Seite einmal wiederholt.

Dadurch hat der Übende zum einen sofort viele Aktionen hintereinander, was vor allem zur Erwärmung wichtig ist. Die anderen drei Keeper können vorrangig ihre fußballerischen Fähigkeiten verbessern. Dies ist vor allem in Amateurvereinen ein prekäres Thema, da viele Torhüter ein unsauberes Passspiel haben.

Durch die kleine Drehung nach dem Passspiel muss der Torhüter seinen Fokus verändern, seinen Körperschwerpunkt und damit auch seine Position verändern. Dazu aber später mehr.

Zu Beginn kann es sein, dass die Schüsse noch unsauber oder zu lasch kommen – vor allem bei Junioren, die gerade erst in den Großfeldbereich wechselten. Hier sollten wir Torwarttrainer in jedem Fall Geduld zeigen und an der sauberen Ausführung feilen.

Im Hauptteil der Trainingseinheit sollten die Schüsse dann aber mit einer ordentlichen Schärfe kommen, damit sich die Fangtechnik auch bei härteren Abschlüssen verbessert. Was mich gleich zum nächsten Knackpunkt in der Ausbildung von Nachwuchstorhütern im Amateurbereich bringt.

Technik vor Kraft

Bei meinem aktuellen Verein stehe ich mit meinen Torhütern seit einem Jahr vor dem Problem, dass die Fangtechniken unsauber sind und die Bälle dadurch oft abprallen.

Dadurch ist übergeordnete Ziel einer jeden Einheit das saubere Fangen von Schüssen. Was nicht heißen soll, dass ich den Jungs einmal pro Woche eine Stunde lang nur Bälle auf Kopfhöhe um die Ohren schieße.

Konkret bedeutet das, dass wir immer Aktionen wie seitliche Schüsse neben dann Körper oder welcher Art auch immer mit Schüssen auf den Mann einleiten oder beenden. Die Spieler müssen dadurch den vermeintlich leichten Schuss auf Kopfhöhe mit einem anderen Fokus angehen und stehen unter höherem Stress.

Gerne lasse ich daher immer wieder Elemente der englischen Nationalmannschaft einfließen.

Eine Vielzahl der Übungen der Three Lions eigenen sich vor allem dann, wenn der Untergrund schwierig ist oder wenn viele Spieler am Training teilnehmen.

Gänzlich überzeugt bin ich aber nicht vom Trainingsansatz der Engländer. Wer das Training von Pickford & Co. in den letzten Monaten in den Sozialen Netzwerken verfolgt hat, sieht, dass es oftmals der gleiche Ablauf ist.

Scharfe Schüsse aus vielen verschiedenen Winkeln. Mal vom Boden, mal aus der Hand oder mal von einem Hütchen. Immer scharf, immer im höchsten Tempo. Da hat jeder natürlich seine eigene Auffassung und ich denke nicht, dass es die Engländer permanent so hart trainieren.

Jedoch ist es in meinen Augen wichtig, dass man sowohl im Senioren-, als auch im Juniorenbereich eher auf die korrekte Ausführung Wert legt. Insbesondere im Jugendbereich sollte auf ein sauberes Erlernen bzw. Wiederholen geachtet werden.

Schnellkraft in Form von Hürdensprüngen oder Übungen mit dem Medizinball lasse ich bei meinen Nachwuchstorhütern außen vor. Der Muskelaufbau findet ohnehin erst mit Übergang zur B-Jugend statt, weshalb ich die eh schon begrenzte Zeit lieber mit Techniktraining fülle.

Was nicht heißen soll, dass ohne Intensität trainiert wird oder ich im Training selbst penibel darauf achte, dass die Torhüter beim Absprung den Fuß lehrbuchmäßig aufsetzen. Es geht darum, dass sich die Spieler wohlfühlen und die Aktion für sie sicher ausführen.

Beispiel: Ich habe in meiner Gruppe einen Keeper, der nach dem seitlichen Hechten die Beine beim Aufstehen immer kreuzt. Allerdings nur auf der linken Seite, da er einmal eine Knieverletzung am linken Bein hatte.

Zunächst wollte ich ihm eine saubere Ausführung einbläuen, was sich aber als kontraproduktiv herausstellte. Der Spieler war aufgrund des veränderten Bewegungsablaufs überfordert und kam nicht nur langsamer wieder auf die Beine, sondern tat sich auch schwer mit der ersten Aktion (seitlicher Schuss neben den Mann).

Worauf ich hinaus will: Es ist völlig egal, wie sich Torhüter beim Aufstehen ihre Beine stellen – wenn sie sich dabei wohlfühlen und im höchstmöglichen Tempo auf die Beine kommen, können sie das auch gerne mit einem gesprungenen Handstand machen.

Wir Torwarttrainer sind dafür da, den Keepern Sicherheit in den Abläufen zu geben.

Der Mangel an Platz und Geräten

Dennoch ist es unabdingbar, dass man auch Abläufe anpasst, egal ob im Nachwuchs- oder Seniorenbereich. Da geht es aber nicht um die Mikroabläufe wie Fußstellung beim Aufstehen, Absprungfuß bei Flanken oder welcher Fuß bei der Ballmitnahme verwendet wird.

Gerade mit einem oder zwei Torhütern kann man Makroabläufe gut trainieren. Das betrifft etwa das saubere Abkippverhalten bei seitlichen Schüssen oder Positionierungen bei Schüssen aus verschiedenen Winkeln.

Die meisten Torwarttrainerkollegen werden mir Recht geben: In den manchen Amateurvereinen ist es nie so einfach einen ordentlichen Trainingsplatz zu finden, insbesondere in den kalten Jahreszeiten. Ganz zu schweigen von Equipment wie Plastikdummies oder stabilen Hürden.

Bei Platzmangel sollte man logischerweise seine Trainingsziele anpassen und auf Flanken oder Abschläge verzichten. Stattdessen könnte man Flanken auch mit geworfenen Bällen von der Seite simulieren.

In der obenstehenden Übung wird vor allem das Verhalten bei Flanken trainiert und kann mit gerade einmal zwei Keepern in allen Altersklassen durchgeführt werden. Hilfsmittel sind lediglich eine Stange/Hütchen und ein Rebounder in Form eines Gymnastikballs, einem Brett oder ähnlichem.

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Der Übende startet in der Tormitte und begibt sich dann schnell in die kurze Ecke. Dort erhält er einen flachen seitlichen Schuss, der einen Querpass des Angreifers simulieren soll. Nach der Parade muss der Keeper schnell seine Position finden.

Von außen wird ein Ball in die Mitte geworfen, der vom wartenden Partner mit dem Rebounder aufs Tor gebracht wird.

In dieser Form ist für den Torhüter alles dabei, wenn es um Strafraumbeherrschung geht. Alternativ kann die Übung auch mit einem hohen Wurf (hohe Flanke) begonnen werden, die er abfangen soll. Besonders gut wird dabei die Positionierung bei Hereingaben trainiert.

Es ist wichtig, dass der Torhüter frühzeitig eine gute Grundposition (hüftbreiter Stand, Hände in Fanghaltung neben dem Körper, Oberkörper leicht nach vorne) hat, schnell zum Stehen kommt und möglichst nicht spekuliert.

Das finden der Grundposition ist ein weiterer Punkt, der viel besser im Rahmen des Torwarttrainings einstudiert werden sollte. Dafür braucht es kein ausgefallenes Equipment. Es geht vor allem darum, dass die Keeper früh ihre Position einnehmen, um zu reagieren.

Fazit

Man kann jetzt noch darüber diskutieren, welche weiteren Themen man im Torwarttraining abhandeln sollte und wie das zu den unterschiedlichen äußeren Gegebenheiten passen würde.

Das würde jedoch den Rahmen sprengen. Es geht oft gar nicht darum, dass man im Torhütertraining fancy Übungen mit acht Hürden, zig Dummys und vielen Schüssen abhandelt. Oft ist das Einfache am effizientesten – gerade im Amateurbereich, wo die Möglichkeiten begrenzt sind.

Letztlich muss jeder Torwarttrainer seinen eigenen Stil finden und sich diesem auch treu bleiben, ohne sich vor neuem zu verschließen.

Gerade in solch kleinen Gruppen können wir als Trainer experimentieren und die Spieler unmittelbar um Feedback bitten.

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