Der Saisonstart von Real Madrid: Nichts gelernt?

Die letzte Saison war für Real Madrid eine zum Vergessen. Drei Trainer, ein frühes Aus in der Champions-League und ein großer Abstand zu Barcelona und Atlético. Lopetegui musste schon früh wieder gehen, unter Solari wurde es nicht besser und dann sollte Zidane wieder an den glorreichen 3 Jahren davor anknüpfen. Das auch im Saisonendspurt bei Real nicht alles lief, war dann schon egal und es wurde auf die Transferperiode gesetzt.

Dort wurde auch stark investiert, mit Hazard aber nur ein Spieler geholt, welcher dem Team sofort weiterhelfen kann und Stammspieler sein wird. Hazard fehlt aber zu Saisonbeginn und deshalb sehen die Aufstellungen noch genauso aus wie vor 3 Jahren – abgesehen davon, dass Cristiano Ronaldo nicht mehr dabei ist.

Zidane setzt weiter auf das 4-3-3

Zidane setzt, wie schon in den vergangenen Jahren häufig zu sehen war, auf ein 4-3-3 System. Personell hat sich nicht viel verändert, die Viererkette setzte sich aus Marcelo, Sergio Ramos, Varane und Carvajal zusammen, wobei auch Odriozola im ersten Saisonspiel auf der rechten Seite zum Einsatz kam.

Im Mittelfeld spielen weiterhin Kroos, Casemiro und Modric, der am zweiten Spieltag nach seiner Rotsperre durch James ersetzt wurde. Im Sturm spielen Bale auf rechts und Benzema im Zentrum, links kamen sowohl Isco als auch Vinicius bereits zu einem Startelfeinsatz.

Was sich auch nicht verändert hat ist das flügellastige Spiel. Früh im Aufbau wird der Ball nach außen gespielt, am Ende sollen die Angriffe mit Flanken abgeschlossen werden. Aber da ergeben sich bereits die ersten Probleme.

Celta Vigo versteckte sich am ersten Spieltag nicht, sondern griff Real mit einem hohen Mittelfeldpressing an. Der Spielaufbau wurde auf die Außenverteidiger geleitet, welche von den jeweiligen Flügelspielern angelaufen wurde. Die Anspielstationen – Flügelspieler und Achter von Real – wurden mannorientiert zugeschoben, sodass Real oft einen langen Ball spielen musste. Real kam so kaum in längere Ballbesitzphasen und konnte Celta auch nicht für eine längere Zeit in die eigene Hälfte drücken.

Real Valladolid positionierte sich in einem tieferen Mittelfeldpressing und verteidigte passiver. Der Spielaufbau lief häufig über die linke Seite – Kroos lies sich in der Halbspur zurückfallen und nahm die Bälle von den Innenverteidigern auf. Ein Problem gegen Celta war, dass sowohl Vinicius, als auch Marcelo an der linken Seitenlinie klebten und dort leicht zu isolieren waren, was zu vielen Ballverlusten führte. Isco positionierte sich deutlich häufiger im Halbraum, während Marcelo am Flügel nach vorne schieben konnte. In diesem Dreieck mit Kroos waren mehr Kombinationen möglich, insgesamt waren diese aber sehr statisch und deshalb mit wenig Durchschlagskraft.

Auf rechts positionieren sich die drei Spieler etwas anders. Bale lässt sich nach Verlagerungen nahe an der Seitenlinie anspielen, sucht von dort entweder das 1-gegen-1 oder lässt auf den rechten Verteidiger klatschen und zieht anschließend ohne Ball in die Mitte. Auf der rechten Seite ist das Spiel deutlich direkter, es gibt weniger Kombinationen und mehr Läufe in die Tiefe – vor allem von Bale und Carvajal.

Auf dem Papier sind diese Staffelungen gar nicht mal so schlecht. Die Dreiecke auf den Flügel eignen sich für gutes Kombinationsspiel, werden aber unkreativ und mit wenig Bewegung umgesetzt und führen deshalb zu wenig Gefahr. Deshalb bleiben Flanken das primäre Mittel, um den Ball in den Strafraum zu bringen. Benzema ist für die Flanken der Zielspieler, auch wenn der Strafraum zusätzlich vom ballfernen Flügelspieler und situativ einem Achter besetzt wird. Von diesen Spielern eignet sich aber nur Bale noch als Flankenabnehmer.

Das Flanken ein ineffektives Angriffsmittel sind, ist statistisch bewiesen. Trotzdem können Flanken auch sinnvoll genutzt werden. Wichtig ist dafür eine gute Strafraumbesetzung und eine gute Position für die Flankengeber. Gerade zweiteres ist für Real ein Problem. Die Flanken wirken oft wie eine Notlösung und werden nicht vorbereitet, müssen deshalb unter Druck und ohne klare Strafraumbesetzung gespielt werden.

Mannorientiertes Defensivverhalten sorgt für Probleme

Gegen den Ball formiert sich Real in einem 4-5-1 Mittelfeldpressing. Das System wird dabei von sehr vielen Mannorientierungen geprägt. Die beiden Achter verfolgen die gegnerischen Sechser. Die Außenverteidiger verfolgen die gegnerischen Flügelstürmer und verlassen dadurch ihre Positionen weiträumig.

Durch diese Art des Verteidigens ergeben sich mehrere Probleme. Celta Vigo hat im eigenen Ballbesitzspiel sehr viele Positionswechsel und viel Bewegung gehabt, was ein sehr gutes Mittel gegen Mannorientierungen ist. Real hatte nur wenig Zugriff und ist viel hinterhergelaufen. Setzt Real den Gegner unter Druck, kann er sich immer noch mit Rückpässen auf die Innenverteidiger befreien.

Die Beteiligung von Benzema am Defensivverhalten ist wechselhaft. Mal läuft er die Innenverteidiger gut nach außen leitend an, in anderen Phasen steht er aber nur unbeteiligt rum, sodass die Achter aus ihrer Position auf die Innenverteidiger rausrücken müssen. Die Gegner können dieses Rausrücken ausnutzen, indem sie den Achter überspielen.

Real Madrid

Weil die Außenverteidiger sehr mannorientiert sind, müssen die Innenverteidiger seitliche Ausweichbewegungen der Stürmer verfolgen und finden sich oft auf dem Flügel wieder. Sowohl Celta Vigo als auch Real Valladolid konnten das für Spielzüge nutzen, indem ein Mittelfeldspieler die entstandene Lücke im Zentrum attackiert.

Ausblick

Bei Real ist immer noch vieles Stückwerk. Presst der Gegner sie gut – so wie Celta Vigo – haben sie Probleme das Spiel geordnet nach vorne zu bringen und den Gegner mal hinten rein zu drücken. Verteidigt der Gegner eher tiefer – wie Real Valladolid – hat Real zwar viel Ballbesitz, bleibt aber größtenteils ungefährlich. Das Positionsspiel ist ausbaufähig und das Kombinationsspiel auf den Seiten muss verbessert werden, damit Flanken nicht die einzige Option sind.

Das Defensivverhalten ist besorgniserregend. Durch die vielen Mannorientierungen werden Passwege direkt von den Innenverteidigern hinter das Mittelfeld nicht geschlossen. Spielstarke Mannschaften sollten das noch stärker ausnutzen können als Celta Vigo und Real Valladolid.

Bisher sind erst zwei Spiele gespielt und man sollte noch nicht dazu neigen, Real für diese Saison abzuschreiben. Wird aber nicht schnell an den Problemen gearbeitet, wird Real auch dieses Jahr nicht um die großen Titel mitspielen können.

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