Spielintelligenz und die Idee von Horst Wein

„Wir benötigen intelligente und kreative Spieler!“.

Einen Satz, den man immer häufiger von vielen verschiedenen Trainern hört. Stellt sich nur die Frage: „Wie können wir dazugehörige Spieler ausbilden, die zum richtigen Zeitpunkt das Richtige tun?“

Genau jene Sorte von Spielern – die Spiele erfolgreich gestalten – in jeder Spielsituation die richtige Entscheidung treffen und einen passenden Lösungsweg finden. Hierfür bedarf es einer systematischen Entwicklung aller fußballerischen Fähigkeiten vom Grundlagentraining bis hin zum Leistungstraining.

Bedauerlicherweise findet das Thema Spielintelligenz in der Trainingsplanung leider immer noch viel zu wenig Beachtung. Um die Spielintelligenz bei jungen Spielern zu entwickeln, muss ich als Trainer erst einmal wissen was „die Spielintelligenz“ überhaupt ist.

Die Spielintelligenz eines Fußballers kann als bewusstes Suchen nach optimalen Lösungen für alle im Spiel auftretenden Problemen definiert werden. Während er die Aktionen seiner Mitspieler und Gegner assimiliert, sieht und kennt, beherrscht er die verschiedenen Möglichkeiten zur Lösung dieser Probleme und zeichnet sich dadurch aus, dass er häufig richtig handelt. (Anonelli & Salvini, 1982)

Auf den Punkt gebracht: „Die Intelligenz eines Spielers ist bildlich gesprochen der Motor seines sportlichen Handelns und ein wesentliches und entscheidendes Kriterium für den Erfolg. Ein hochklassiger Fußballer ohne ausgeprägter Spielintelligenz ist undenkbar!“

Die Mehrzahl der Fußballtrainer hat beschränktes Wissen bzw. Kenntnisse über die Entwicklung der Spielintelligenz. Um in Zukunft mehr intelligente Spieler auf dem Feld zu haben, müssen die Trainer lernen, mehr zu stimulieren und weniger zu instruieren.

Frei nach dem Motto von Johann Wolfgang von Goethe: „Die Jugend zieht es vor, mehr stimulieren und weniger instruiert zu werden!“

Funino – Horst Wein und die optimale Entwicklung der Spielintelligenz

Host Wein beschäftigte sich viele Jahren intensiv mit der optimalen Entwicklung der Spielintelligenz bei jungen Fußballspielern. Er zeigte in Spiel- und Übungsformen auf, wie Trainer Schritt für Schritt methodisch und sinnvoll das Potenzial von Kindern und Jugendlichen stimulieren können.

Dabei nutzte er bewusst einen Wechsel zwischen deduktiven und induktiven Trainervorgaben. Genauer gesagt nutzte er das freie und unangeleitete Spiel, damit die Kinder Erfahrungen sammeln und Lösungen selbst entdecken. Darüber hinaus nutzte er auch Übungsformen, bei denen ein Ablauf präzise vorgegeben wurde.

Horst Wein war ein wahrer Meister darin, Kinder gezielt und aktiv durch Fragestellungen zu selbständigem Handeln und Denken in Bezug auf das Fußballspiel aufzufordern.

Das Fußballentwicklungsmodell mit seinen 5 Stufen

Die traditionelle Lehrweise des Fußballs ist überholt. Immer noch wissen die meisten Trainer nicht, wie ein Fußballspieler am besten lernt. Das stupide Einüben von technischen Fertigkeiten als Voraussetzung eines jeden Spiels dominiert noch immer in vielen Klubs und Institutionen, in denen Fußball gelehrt wird. Die Trainer wollen meistens alles kontrollieren, anstatt die jungen Kicker wiederholt Freiheiten zu gewähren, um ihre Fantasie, Kreativität und Vorstellungskraft anzuregen.

Das Entwicklungsmodell von Horst Wein geht hier einen anderen Weg. Es wird in 5 Stufen unterteilt, die sich dem natürlichen Entwicklungsprozess des Kindes anpassen. Bevor tatsächlich 11vs11 gespielt wird, gibt es vier Entwicklungsstufen, um die Kinder bestens auf das Spiel vorzubereiten, dass wir fast täglich im TV beobachten können.

(Abbildung: © Spielinteligenz im Fußball, Horst Wein; Erste Entwicklungsstufe ab 7Jahren)
(Abbildung: © Spielinteligenz im Fußball, Horst Wein; Zweite Entwicklungsstufe ab 8Jahren)
(Abbildung: © Spielinteligenz im Fußball, Horst Wein; Dritte  Entwicklungsstufe ab 10Jahren)
(Abbildung: © Spielinteligenz im Fußball, Horst Wein; Vierte Entwicklungsstufe ab 13 Jahren)
(Abbildung: © Spielinteligenz im Fußball, Horst Wein; Fünfte Entwicklungsstufe ab 14 Jahren)

Das Fortschreiten von einer zur anderen Entwicklungsstufe geschieht durch stufenweise Zunahme der Schwierigkeit und der Komplexität der Spielsituationen. Jedes Mal gibt es mehr Spieler und weniger Spielraum. Dadurch werden die Spieler dazu gebracht, Spielsituationen schneller lesen und verstehen zu müssen, um nicht nur die richtigen Entscheidungen treffen, sondern auch richtig ausführen zu können.  

Jede der fünf Entwicklungselemente beinhaltet eine Zusammenstellung von verschiedenen, aufeinander abgestimmte Lerninhalte, mit denen die Intelligenz und Spielfähigkeit der jungen Spieler schrittweise entwickelt wird und die dabei immer an bereits bekannte und schon beherrschte technische und taktische Fertigkeiten der vorhergehenden Stufenelemente anschließen. In jeder Stufe lernt der junge Kicker meist durch seine Fehler, die ihm durch die Einfachheit der Spielaufgaben fast immer selbst bewusst werden.

Da die Herausforderungen die im Spiel auftreten vom Coach an den physischen und psychischen Leistungsstandard angepasst wurden, findet der Spieler oft selbständig die richtigen Lösungen, anstatt diese vom Coach gelöst zu bekommen. Dies führt dazu, dass der junge Spieler in seinem Wesen gestärkt und sein Lernen beschleunigt wird.

Der erste Schlüssel zum Erfolg ist eine optimale Wettkampfstruktur im Fußball für Kinder unter 14 Jahren. Sie sollte ein Gleichgewicht herstellen zwischen den Anforderungen des Wettspiels und den aktuellen geistigen und körperlichen Fähigkeiten eines jungen Spielers in einer bestimmten Entwicklungsphase.“

Im Folgenden möchte ich einen kurzen Streifzug durch das Buch © Spielintelligenz im Fußball: kindgemäß trainieren von Horst Wein im Meyer & Meyer Verlag vornehmen:

…Vorteile, durch Anwendung von vereinfachten Spielen

  • In einem vereinfachten Spiel wird das Kind zum Hauptdarsteller des Spiels
  •  Alle jungen Spieler haben viel häufiger Ballkontakte, das heißt mehr Pässe, mehr Dribbling, mehr Möglichkeiten Tore zu erzielen (etwas, das Kinder begeistert) und außerdem Möglichkeiten, Erfahrungen im Defensivverhalten sammeln. Unübersichtliche Spielertrauben in Ballnähe, die chaotischen Situationen hervorrufen, gibt es nicht mehr.
  • Es kommt zu einer intensiveren Einbeziehung der wenig am Spiel beteiligten Kinder und Ihrer reduzierten Anzahl bedingt, dass sie viel weniger Zeit auf der Ersatzbank verbringen.
  • Die wenigen Regeln erlauben, dass sie von allen Spielern ohne Probleme verstanden und auch angewandt werden können.
  • Alle Kinder spielen auf jeder Position, lernen sowohl zu verteidigen als auch anzugreifen bzw. Den Ball in ihrem Besitz zu halten. Sie werden also komplettere Fußballspieler.
  • Alle Kinder Spieler beteiligen sich physisch und kognitiv, um das zahlreiche Problem des vereinfachten Spiels in Angriff und Verteidigung zu lösen.

…..usw.

…Vorteile, die durch Funino-Spiele entstehen

  • Kinder können sich frei ausdrücken, ohne Instruktionen des Trainers zu erhalten.
  • Das Aufstellen von zwei Toren auf der Grundlinie zwingt die jungen Spieler dazu, Fußball zuerst im Kopf zu spielen, bevor Sies mit den Füßen tun. So lernen sie immer mit erhobenem Kopf zu spielen, um das Spiel zu jeder Zeit richtig „lesen“ zu können.
  • Die große Vielfalt der Funino-Spiele erweckt, stimuliert und entwickelt die Spielintelligenz der jungen Spieler und darüber hinaus lehrt sie, Problem zu lösen, und formt ihren Charakter.
  • Funino ähnelt dem Straßenfußball, ist aber attraktiver, vom Standpunkt des Lernens aus betrachtet, effizienter und viel variabler. In vielen Ländern wird es als Renaissance des Straßenfußballs im 21. Jahrhundert bezeichnet.
  • Die drei auf dem Feld befindlichen Spielern lernen immer im Dreieck anzugreifen oder zu verteidigen und wenn möglich nie auf gleicher Höhe mit den Mitspielern zu stehen.

….usw.

Horst Wein war ein Visionär, der mit neuen Ansätzen und Ideen in der Trainingslehre weltweiten Ruf zu seinem Lieblingsthema Entwicklung der Spielintelligenz erlangte. Der Gewinner der olympischen Silbermedaille 1980 veröffentlichte mehr als 35 Fachbücher und erhielt vom Welthockeyverband FIH als erster Deutscher, das Prädikat „Master Coach“ verliehen.

„Die Ausbildung, junger Fußballspieler kann man mit einer Reise vergleichen. Bevor sie beginnt, sollte zunächst eine Karte oder ein Programm konsultiert werden, um zu wissen, wohin es geht, damit man sich nicht verläuft und auf nicht unnötige Zeit und Energie verliert“ (Horst Wein)

Dieser Artikel entstammt in Anlehnung an das Buch © Spielintelligenz im Fußball: kindgemäß trainieren von Horst Wein im Meyer & Meyer Verlag

Anhang:

Literaturverzeichnis

Spielintelligenz im Fußball: kindgemäß trainieren von Horst Wein im Meyer & Meyer Verlag 4.Auflage

Antonelli, F. & Salvini, A. (1982). Psicologia del deporte. Valladolid, Miñon.

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