Die spannendsten Talente der Eredivisie

Nicht nur seit dem letzten Jahr ist die Eredivisie in aller Munde. Seit Jahren ist die Liga dafür bekannt jungen Spielern Einsatzzeiten zu verschaffen und diese individuell weiterzuentwickeln. Nun schaffen Vereine wie Ajax oder PSV diese langfristige und mutige Planung mit internationalem Erfolg zu vereinen. Diese Vereine definieren nicht nur Titel als Erfolg, auch die Entwicklung von Spielern, große Transfererlöse und der Weg zu möglichen Titeln wird deutlich positiver bewertet als in anderen Ligen. So wie z.B. der Verkauf von Frenkie de Jong an Barcelona, wie er sich dort einfindet findet ihr hier (https://thefalsefullback.de/2019/09/06/wie-nutzt-barca-frenkie-de-jong/ ). Doch auch andere Vereine leisten gute Jugendarbeit oder helfen Spielern ihre Karrieren wieder Schwung zu verschaffen. Zum Beispiel Mark Uth beim SC Heerenven oder letztes Jahr Martin Odegaard bei Vitesse Arnheim. In diesem Artikel möchte ich euch 11 Spielern näherbringen, die man in dieser Saison verfolgen sollte.

Maarten Paes (1998/ FC Utrecht)

Paes kommt aus der Jugend von NEC Nijmegen.  Während er dort in der Jugend und in der Zweiten Mannschaft zu Einsätzen kam, wurde ihm sein Debüt für die erste Mannschaft verwehrt. Letzte Saison wechselte er ablösefrei zum FC Utrecht, und über Einsätze in der zweiten Mannschaft und einer guten Saisonvorbereitung wurde er in dieser Saison Stammspieler. Als jüngster Stammtorhüter der Liga. Sein Debüt feiert er kurioserweise bereits in der letzten Saison am 4. Spieltag gegen PEC Zwolle (https://www.youtube.com/watch?v=FqoQ-MT_CXY). Das war aber auch sein einziger Einsatz in der ersten Mannschaft, letzte Saison. Der letztjährige Stammhüter, David Jensen, bekam noch die Einsätze in der Europa-League Quali, doch sitzt seit dem 1.Spieltag der Eredivise auf der Bank.

Der unbestritten talentierte Torwart hat noch einige spannende Aufgaben vor sich. Nachdem er nun das Vertrauen des Trainerteams hat, muss er dieses auch bestätigen. Das wichtigste in meinen Augen ist das er nun eine Konstanz in seine Leistungen bringt. Einen Torwart der zwischen Genie und Wahnsinn wandelt, ist einfach anfällig für Kritik und benötigt ständig Rückendeckung aus der Mannschaft. Man merkt ihm auch noch an das er recht unerfahren im Profifußball ist. Es kommt immer mal wieder zu Aktionen wo er sich nicht komplett entschlossen präsentiert. Insbesondere fällt hier sein Verhalten auf wenn er das Tor verlässt. Man kann nur hoffen das er weiter auf seine Minuten kommt, den nur so kann er sich entwickeln und die notwendige Konstanz aufbauen.

Edson Alvarez (1999/ Ajax Amsterdam)

Das schwere Erbe des Mathijs de Ligt, wurde auf mehrere Schultern verteilt. Edson Alvarez, Per Schuurs, Lisandro Martinez und Kik Pierie. Alle vier jung und (in Europa) unerfahren. Auch der zweite Platz in der Innenverteidigung wurde frei, da Daley Blind nach vorne geschoben wurde um den Part des Lasse Schöne zu übernehmen. Alle vier sind interessante Spieler und werden hoffentlich auch noch ins Rampenlicht kommen. Alvarez hat allerdings die spannendste Vita und sich in den letzten Spielen einen Platz gesichert. Der Mexikaner wurde für 15 Millionen Euro von CF America verpflichtet und musste anfangs noch auf seine Spielgenehmigung warten. So startete Ajax mit dem Duo Schuurs, Martinez in die Saison. Doch dauerte es nicht lange bis Alvarez Genehmigung da war und er seine Rolle gefunden hatte.

Edson Alvarez kann auch als Sechser eingesetzt werden. Durch diese Flexibilität ist er es gewöhnt unter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck zu agieren und behält so meist seine Abgeklärtheit und Übersicht. Besonderes beeindruckend aufgrund seines jungen Alters. Das zeigt sich auch in seinem Spielaufbau, er spielt zwar selten den Ball über mehrere Linien doch lässt in sicher in den eigenen Reihen zirkulieren. Seine defensiven Skills konnte er im Nationaldress bereits gegen Weltklasse Spieler unter Beweis stellen (gegen Deutschland, Brasilien und Belgien z.B.). Sein Timing beim Tackling ist sehr gut für sein Alter, doch manchmal geht er zu hart in die Zweikämpfe. Neben einem besseren Gefühl für die erlaubte Härte kann er noch seinen Spielaufbau verbessert, man sieht ihn selten andribbeln oder saubere Diagonalbälle spielen. Er muss noch seine Stammposition bei Ajax finden, doch mit Alvarez haben sie sich einen der talentiertesten Innenverteidiger aktuell gesichert. Abgerundet wird sein Talent durch seine Ausstrahlung bei offensiven Standardsituationen. Sowohl in Mexico als auch bei Ajax hat er das bereits unter Beweis gestellt.

Justin Hoogma (1998/ FC Utrecht)

Vielen wird er noch aus der Bundesliga bekannt sein. Nach sechs Spielen für die erste Mannschaft der TSG Hoffenheim, wurde er in der letzten Rückrunde zum FC St.Pauli ausgeliehen (14 Spiele). Bereits im Norden der Republik konnte er mehr und mehr Verantwortung übernehmen und anfangen als Spieler zu reifen. Diesen Kurs fahren die Verantwortlichen der TSG weiter. Verantwortung übernehmen, viel Spielzeit und das ohne Anpassungsschwierigkeiten. Das bietet der FC Utrecht dem Holländer und damit sind sie die ideale Leihstation für Hoogma. Der 1,90m große Innenverteidiger steht seit dem 2.Spieltag in der Startelf und konnte sich seinen Platz vorerst sichern.

Seine Stärken liegen für mich im Spielaufbau, in diesem zeigt er sich sehr flexibel (kurz, lang, andribbeln) und dennoch sicher. Er wird auch einiges von Julian Nagelsmann mitgenommen haben. Ich bin gespannt wie sich das über eine gesamte Saison auf 1.Liga Niveau wiederspiegelt. Seine Erfahrungen bei der TSG und dem FC St.Pauli haben ihm sowohl eine Dreier- als auch eine Viererkette näher gebracht. Diese Flexibilität tut einem Innenverteidiger sehr gut und helfen ihm sich an den neuen Spielstil anzupassen. Durch seine Größe und sein Stellungsspiel ist er darüber hinaus auch enorm kopfballstark.

Sven Botman (2000/ SC Heerenven)

Der 19-jährige Niederländer spielt diese Saison für den SC Heerenven. In allen fünf Spieltagen der Eredevisie stand er in der Startelf und konnte dabei bereits ein Tor auflegen. Letztes Jahr spielte er sowohl für die U19 in der Liga und in der Youth League, als auch in der Keuken Kampioen Divisie (2. Liga NL) für Ajax Amsterdam, bzw. deren 2.Mannschaft.

Der sportliche Leiter des SC Heerenven freut sich über einen linksfuß, mit Kopfballqualitäten und Qualität in der Restverteidigung bzw. Das Spiel zu verlangsamen um es seinen Kollegen zu ermöglichen hinter den Ball zu kommen (https://www.sc-heerenveen.nl/nieuws/sc-heerenveen-haalt-sven-botman-van-ajax/10).

Teun Koopmeiners (1998/ AZ Alkmaar)

Einer der spannendsten Spieler dieser Liste, meiner Meinung nach. Mit 21 Jahren ist das Eigengewächs der AZ (seit 2009 im Verein) bereits Kapitän und unangefochtener Leistungsträger im defensiven Mittelfeld. Sowohl in den sechs Europa League Quali Spielen, als auch in den bereits stattgefundenen Ligaspielen hat er durchgespielt und dabei auch bereits zwei Tore erzielt. Mit bereits 78 Pflichtspielen für Alkmaar ist er natürlich kein Newcomer, dennoch ein spannendes Talent. Es wird interessant sein zu beobachten wie lange er als Identifikationsfigur dem Verein erhalten bleibt oder den Sprung in eine renommierte Liga wagt.

Koopmeiners Spiel ist in seiner Entwicklung schon sehr weit. Im Aufbau hält er seine tiefe Position und holt den Ball immer wieder gut ab. Seine präferierten Anspielstationen sind auf außen. Dabei trifft er gute Entscheidungen wann er den Ball schnell spielen sollte und wann er sich durch kleine Wendungen oder einen kurzen Antritt aus einer Drucksituation befreien muss. Im offensiven Drittel zeigt er hervorragende Qualitäten beim Abschluss aus der zweiten Reihe und auch seine Standards sind sehr gefährlich, sowohl direkt als auch auf einen Mitspieler.

Dani de Wit (1998/ AZ Alkmaar)

Wechselte diesen Sommer für 2 Millionen Euro von Ajax zur AZ. Nach einem späten Wechsel und kaum Einsätze für Ajax am Anfang dieser Saison, spielte er direkt im ersten Spiel für Alkmaar an der Seite von Koopmeiners durch. Als linker Achter im 4-3-3 bekam er von Anfang an das Vertrauen des Trainers.

Der Achter/Zehner agiert sehr offensiv und konnte in den letzten Jahren (Jugend und zweite Mannschaft) durch Läufe in die Box einige Tore erzielen. Teilweise agiert er so im letzten Drittel gar als zweite Spitze und unterstützt den vordersten Mann. Die notwendigen technischen Fähigkeiten für seine Position bringt er selbstverständlich auch mit. Von der Athletik her, erinnert er stark an Donny van de Beek. Durch diesen Körper kann er gut den Ball behaupten und auch gegen ältere und erfahrenere Spieler sich durchsetzen.

Oriol Busquets (1999/ Twente Enschede)

Der Mann mit dem berühmten Nachnamen, hat noch mehr mit seinem Namensvetter Sergio gemeinsam. Dieselbe Position, dieselbe Ausbildung, eine ähnliche Spielweise und dennoch nicht verwandt. Letzte Saison kam er auf 30 Einsätze für Barcelona B. Die Verantwortlichen von Twente betonnten stets das sie bereits lange an dieser Leihverpflichtung arbeiteten. Man kann davon ausgehen das mit Busquets als Säule geplant wird. Er ist allerdings der letzte Neuzugang der zu der Mannschaft gestoßen ist und muss sich somit erstmal an die Eredivise und das Land gewöhnen. Er ist erst seit einem Spieltag bei seinem neuen Verein, gegen den FC Utrecht kam er direkt auf einen Einsatz (eingewechselt).

Ihn zeichnen die typischen Fähigkeiten eines „La Masia“ Mittelfeldspielers aus. Gute Übersicht, extrem saubere Technik und Passspiel, wendige Bewegungen um aus Drucksituationen herauszukommen. Das spannende ist das er diese bisher nur in der Jugend, Barca B und zwei Copa del Rey (unterklassige Gegner) Spielen zeigen durfte. Schafft er es seine Fähigkeiten auch konstant in einer 1.Liga abzurufen? Barca vertraut darauf und hat keine Kaufoption zugelassen und erst kürzlich seine festgeschriebene Ablösesumme auf 200 Millionen Euro erhöht.

Orkan Kökcü (2000/ Feyenoord Rotterdam)

Kökcü pendelte letzte Saison zwischen der U19 und der ersten Mannschaft. Konnte in 11 Spielen in der Eredivisie sieben Scorer sammeln und somit bereits auf sich aufmerksam machen. Diese Saison kommt er bereits auf 566 Einsatzminuten, verteilt auf die Europa League Quali und drei Ligaspiele. Noch hat er sich seinen Stammplatz nicht gesichert, doch ist er eine der offensiven Optionen Rotterdams die der Gegner immer auf dem Schirm haben muss. 

Auffällig natürlich seine Toraktionen, diese zeigen einen guten Abschluss. Bisher findet er sich auch gut in das Passspiel seiner Mannschaft ein und zeigt dabei ein gutes Gespür für Räume. Hierbei findet er oft den Raum wo ein halb geklärter Ball landet und schafft es so die Offensive am Leben zu erhalten. Unter Druck bekommt er zwar noch Probleme doch zeigt er auch hier bereits eine gute Entwicklung.

Mats Köhlert (1998/ Willem Il Tillburg)

Hat der HSV-Effekt wieder zugeschlagen? Köhlert, der aus der Hamburger Jugend (St.Pauli und HSV) im Sommer ablösefrei zu Willem Il gewechselt ist, schlug sofort ein. In fünf Spielen kommt er auf zwei Tore, entscheidet so das Spiel gegen den FC Emmen und schoss sich in den Fokus von U21 Nationaltrainer Kuntz. Für diese debütierte er am 5.9. gegen Griechenland und kam auf einen 45 Minuten Einsatz. Nach wechselhaften Jahren muss er nun versuchen seine Leistungen konstant zu bestätigen, am besten kombiniert mit Scorern.

Durch seine Spielweise, technisch, schnell und wendig, passt er sehr gut in die Eredivisie. In seiner ersten Profistation, bei der er auf regelmäßige Einsätze kommt, zeigt er, dass er körperlich nicht unterlegen ist und dagegen halten kann. Seine athletisches Gesamtpaket passt in die 1.Liga. Zweikampfverhalten, Sprungkraft und Schnelligkeit. Er muss es noch schaffen seine Aktionen effektiver zu gestalten, doch ist der Start in die Saison sehr vielversprechend.

Mohammed Ihattaren (2002/ PSV Eindhoven)

Der jüngste Spieler meiner ersten Liste. Mit 17 Jahren kommt er bereits auf 18 Einsätze für PSV Eindhoven (3 Tore, 1 Vorlage). Allein diese nackten Zahlen sind bereits beeindruckend. Umso spannender ihn dieses Jahr weiter verfolgen zu dürfen.  Gegen hochkarätige Konkurrenz sich durchzusetzen und auf Spielminuten zu kommen, ist zwar schwierig doch steigt er stetig auf in der internen Hierarchie.

Ihatttaren fällt insbesondere durch sein Dribbling auf. Extrem kleine, sehr schnelle Schritte ermöglichen es ihm wendig und beweglich zu sein. Gepaart mit einer guten Ballführung kann er sich so immer wieder aus engen Situationen befreien. Es fällt auf das er sich gerne fallenlässt um zum einen seinen direkten Gegenspieler aus der Kette zu locken und den Ball mit dem Rücken zum gegnerischen Tor zu behalten, gerne auch auf Höhe der Mittellinie. Ich persönlich finde seine Entscheidungsfindung in Ordnung, oft findet er die richtige Wahl zwischen Dribbling und Passspiel. Doch ist das definitiv eine seiner Baustellen. Das sollte man einem 17 Jährigen aber zugestehen. Es wird interessant sein seine Entwicklung weiter zu verfolgen. Wo er und das Trainerteam von PSV die nächsten Schwerpunkten in seiner Entwicklung setzen.

Donyell Malen (1999/ PSV Eindhoven)

Spätestens nach dem Länderspieleinsatz gegen Deutschland sollten ihn mehr deutsche Fußballfans kennen. Für den Verein überzeugt er diese Saison bereits, in zehn Spielen (Liga, EL-Quali, CL-Quali) kommt er bereits auf acht Scorer (4 Tore, 4 Vorlagen). Für mich wäre er im Sommer einer der Spieler gewesen, die für den FC Bayern in Frage gekommen wären. Als talentierter Lewandowski Ersatz, der im Zweifel auch auf dem Flügel spielen kann, Torgefahr ausstrahlt und auch bereits Erfahrung im Profifußball sammeln konnte. Da nahezu jeder Spieler der Eredivisie mit Bayern in Verbindung gebracht wurde, war da wahrscheinlich nichts dran, doch halte ich ihn immer noch für einen Top Transfer für diese Rolle.

Malen ist ein Spieler der schon recht weit in seiner Entwicklung ist. Gute Entscheidungsfindung für sein Alter un ein variables Spiel. Er kann sowohl die Räume hinter der Abwehr mit einem guten Antritt angreifen, als auch im letzten Drittel mitspielen. Sehr beweglich auf dem Feld und häufig ballnah als Anspielstation. Mir gefällt sehr wie er im Spiel eingebunden ist. Bei so flexiblen Spielern ist das häufig gar nicht so einfach, doch bei PSV wird das zur klaren Stärke. Häufig ist es für Trainer und Spieler einfacher Spieler mit einer klaren Stärke zu integrieren, da man bei diesen immer weiß was sie tun und wo sie sich aufhalten.

Photo by Pim Ras Fotografie

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