Dribblings und das richtige Aufdrehen im Spielaufbau

Wir sprachen bereits häufiger über den Spielaufbau und wie man diesen mit Spielformen unter Gegnerdruck trainieren kann. Einer der Aspekte, der dabei selten im Vordergrund steht, ist das Dribbling. Denn, der Ball kann nicht nur durch ein gutes Passspiel nach vorne getragen werden, sondern auch durch ein Dribbling.

In diesem Fall wird einer der Sechser oft mit dem Rücken zum gegnerischen Tor positioniert sein. Hier gilt es, durch gute Freilaufbewegungen und ständigem Schulterblick in eine vorteilhafte Position zu kommen, um im richtigen Moment aufdrehen zu können.

Dieses Video von Martin Ødegaard zeigt sehr schön, wie wichtig das Dribbling im Spielaufbau ist. Zwar befindet sich Real Sociedad hier bereits im zweiten Drittel, nichtsdestotrotz kann diese Situation als gutes Beispiel für die wichtigsten Punkte des Aufdrehens nach einem Pass des Innenverteidiger sein.

Ødegaard zeigt hier sehr deutlich die wichtigsten Punkte, die ein Sechser/Achter in dieser Situation beachten muss.

  • Der regelmäßige Schulterblick

Der Norweger schaut sich immer wieder kurz um, damit er die Situation einschätzen kann, die Position seiner Mit- und Gegenspieler kennt und offene Räume frühzeitig identifizieren kann.Die

  • richtige Positionierung

Diese Szene unterstreicht noch einmal, dass es manchmal besser ist, nicht dem Mitspieler entgegen, sondern von ihm wegzulaufen. Ødegaard erkennt, dass durch seine derzeitige Positionierung Diego Costa und Saúl die Möglichkeit haben ihn zu pressen. Insbesondere der Winkel, indem ihn Saúl in dieser Situation anlaufen könnte, ist gefährlich.

Atléticos Mittelfeldspieler kann nämlich diagonal anlaufen und so am effektivsten pressen. Aus diesem Grund bewegt sich der Norweger wenige Meter weiter nach vorne, um mehr Raum zwischen ihm und seinem Mitspieler zu erzeugen und leicht hinter der ersten Pressinglinie des Gegners positioniert zu sein. Auch Saúl muss nun horizontaler anlaufen – ein Vorteil für Ødegaard, wie sich später zeigt.

  • Die richtige Ballannahme und Körpertäuschung

In dieser Situation ist es erst die Ballannahme, die Ødegaard den Vorteil gibt. Er lässt den Ball förmlich abprallen, bewegt sich aber mit seinem Oberkörper nach hinten, so als würde er über seine rechte Schulter aufdrehen. Das bringt Saúl aus dem Gleichgewicht und schickt ihn erstmal in die falsche Richtung. Die clevere Ballkontrolle gab dem Norweger erst die Möglichkeit mit kurzen, schnellen Schritten aufzudrehen. Ødegaard erkannte, dass sich der rechte Halbraum als vorteilhafter herausstellte. Dies war nur durch das scannen der Spielsituation zuvor möglich.

Die meisten Akteure hätten sich wohl über ihre rechte Schulter gedreht, jedoch wäre es dem Norweger hier schwerer gefallen den Ball zu beschützen und sich dem Pressing Atléticos zu entziehen.

Das Aufdrehen im Spielaufbau

Folgende Spielform habe ich entworfen, um das Aufdrehen des Sechser und den Ballvortrag durch ein Dribbling zu provozieren.

Aufdrehen im Spielaufbau

Aufbau:

  • Es wird 7vs8 auf ein Feld mit drei Zonen gespielt. Die Maße sollten auf Basis des technischen Niveaus der Spieler festgelegt werden.
  • Rot greift auf ein richtiges Tor an. Der Spieler zwischen den beiden Mini-Toren darf dabei nicht angegriffen werden.
  • Blau kontert auf die beiden Mini-Tore
  • Rot darf den Ball entweder durch ein Dribbling oder nach 10 erfolgreichen Pässen ins Mitteldrittel befördern.
  • Dabei muss die gelbe Zone stets von einem Spieler besetzt werden. Von Blau dürfen zu Beginn nur zwei Spieler in die erste Zone des roten Teams, dementsprechend entsteht eine 4vs2 Situation im Aufbau
  • Wenn der Ball im Mitteldrittel angekommen ist, dürfen alle Spieler nachrücken
  • Das Angriffsdrittel darf nur mittels eines Schnittstellenpasses inklusive Sprint in die Tiefe eines roten Angreifers betreten werden.

Variation:

  • Die Anzahl der Spieler in den jeweiligen Zonen darf verändert werden
  • Es können Sonderegeln wie Ballkontaktanzahl oder Doppelpass-Verbot eingeführt werden
  • Die blaue Mannschaft kann zwei Punkte erhalten, wenn sie den Ball im ersten Drittel mittels Angriffspressing erobern

Ziele:

  • Im Vordergrund steht zum einen das Andribbeln der Innenverteidiger, zum anderen das Aufdrehen des Sechsers mit anschließendem Dribbling, um eine gegnerische Linie zu überspielen
  • Entscheidend ist das Schaffen von Anspielstationen im Mittelfeld, um nach den 10 Pässen oder einem erfolgreichen Dribbling, verschiedene Optionen für den Ballführenden zu schaffen
  • Des Weiteren die Ballzirkulation im Aufbauspiel. Hier geht es darum den Gegner geschickt zu manipulieren, auf eine Seite zu locken und dann durch einen cleveren Wechsel auf die andere Seite oder ins Zentrum, den offenen Raum zu bespielen,

Coaching:

  • Schulterblick, richtiges Anbieten, intelligentes Freilaufen und richtiges Positionieren coachen
    • Offene Stellung zum Spielfeld
    • Raus aus dem Deckungsschatten
    • Stets zwischen bzw. hinter einer gegnerischen Linie positionieren
  • Aggressives Nutzen des offenen Raums durch Dribblings, wenn sich die Möglichkeit bietet
  • Die saubere Ballzirkulation, um Räume zu öffnen

Fazit

Die Idee zu dieser Spielform kam mir spontan, nachdem ich die Aktion von Martin Ødegaard oder das Spiel von Frenkie de Jong sah. Dribblings im Aufbauspiel werden in der Trainingsarbeit oft vernachlässigt, weil sie sehr riskant sind. Allerdings können sie einer Mannschaft im Aufbauspiel enorm weiterhelfen. Hier sollten junge Akteure einfach bestärkt werden und Fehler machen dürfen. Für den Coach ist es entscheidend, seinen Spielern die wichtigsten Grundlagen wie Schulterblick, Freilaufverhalten und Ballannahme an die Hand zu geben.

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