Wie der Aufsteiger Granada oben mitspielen kann

Zur aktuellen Saison, stieg der FC Granada als Vizemeister mit 79 Punkten aus der Segunda Division in die Primera Division (LaLiga) auf. Seit dem Aufstieg 2011 sind sie in der Liga ja auch nicht mehr Unbekannte. Nach einem Abwärtstrend in der Saison 17/18 mit 3 verschiedenen Trainern in einer Saison, geht es inzwischen wieder bergauf.

Mit der Verpflichtung von Diego Martinez Penas auf der Trainerposition schaffte man den Aufstieg und steht während des 5. Spieltags am 21.09.19 um 22 Uhr als Tabellenerster da. Das nach einem 2:0 Heimsieg gegen den FC Barcelona und damit einer Siegesserie von drei Spielen. Was Granada schon sehr gut macht und woran sie noch arbeiten müssen wird im Folgenden analysiert.

Aufstellung

Die Mannschaft ist weitestgehend eingespielt. In der Sturmspitze wurde Roberto Soldado von Fenerbahce verpflichtet, der eine wichtige Rolle als Zielspieler einnimmt. Ebenso kamen Duarte als Innenverteidiger und Machis für den linken Flügel hinzu. Ein vielversprechendes kolumbianisches Talent kam mit Yangel Herrera per Leihe von Manchester City. Er als Doppelsechs zusammen mit Montoro bildet eine wichtige Achse für das Spiel mit, sowie gegen den Ball.

Die Außenverteidiger Neva und Diaz spielen grundsätzlich eine offensive Rolle, wobei Diaz noch mehr klassischer Außenverteidiger ist und der junge Neva sich öfter im Spiel nach vorne einsetzt.

Spiel mit dem Ball

Gespielt wird aus einem 4-2-3-1 beziehungsweise 4-2-1-3, wobei der Zehner eine Art freier Mann zwischen den Ketten ist. Die Doppelsechs schaltet sich situativ auch mit ein. Meist kommt Herrera entgegen und Montoro geht tief, wodurch eine Staffelung im Mittelfeldraum gegeben ist.

Der FC Granada spielt mit einem attraktiven Ansatz Fußball. Man will den Spielaufbau kurz und flach ausführen. Abstöße werden meistens auf IV oder auf entgegenkommende Sechser gespielt, welche dann versuchen, durch Kombinationen die erste Pressinglinie des Gegners zu überspielen.

Wenn der Druck zu hoch ist (oft 2.HZ gegen Barcelona), bleibt das Mittel, zurück zu Rui Silva der dann lang schlagen kann, vorwiegend auf Soldado, welcher dann als Wandspieler fungiert.

Ins letzte Drittel will man dann über den Flügel kommen. Dazu wird meist eine etwas abgewandelte Form des Steil, Klatsch, Steil gespielt. Dabei dribbelt der IV an und spielt tief auf Sechser oder Zehner, welcher über einen Dritten klatschen lässt. Dieser spielt dann diagonal flach oder hoch auf einen AV, welcher schon im Voraus gestartet ist.

Bereits letzte Saison gab es ein großes Überraschungsteam in LaLiga

Anschließend wird diese Seite überlagert, was bedeutet, dass AV, Flügelspieler und Sechser oder Zehner am Flügel kombinieren können.

Während dessen wird der Sechzehner besetzt. Meistens sah man in diesem Fall eine Aufteilung mit drei zu drei. Also die drei am Flügel und drei die sich versuchen im Strafraum Platz zu schaffen, um die Flanke zu verwerten.

Das Positionsspiel in diesen Aktionen sieht insofern immer sehr vollendet aus, als dass Lauf- und Passwege Sinn ergeben und für die Entscheidungsfindung kaum Zeit benötigt wird. Solange sich die Mannschaft in diesem Muster befindet ist alles gut auf einander abgestimmt.

Das aber ist auch eine Schwäche des Aufsteigers. Sie haben keine wirkliche Variabilität in der Offensive. Das zuvor beschriebene Flügelspiel, mit kleinsten Abwandlungen, ist der einzige Weg aus Ballbesitz vor das gegnerische Tor zu kommen.

Spiel gegen den Ball

Neben ihrem Flügelspiel ist das Spiel gegen den Ball eine weitere Stärke von Granada. Man kann bei ihnen auf jeden Fall von einer kämpferischen Mannschaft sprechen. Sie sind immer von der ersten Minute im Spiel da, sind griffig in den Zweikämpfen und laufen immer aggressiv an.

Dazu gehört ein hohes, dauerhaftes Anlaufen im Gegnerischen Drittel, um immer wieder den Gegner unter Druck zu setzten um Balleroberungen oder (wie dargestellt) schlechte Pässe zu erzwingen.

Im Schema ist ein typischer Ablauf des Mittelfeldpressings gezeigt. Der IV spielt seinen Sechser geschlossen an, weil er vom Stürmer unter Druck gesetzt wird. Mit dem Pass schieben alle umstehenden auf den Empfänger, um den Ball zu erobern.

Den Grundstein für das Pressing legt jedoch die Viererkette. Dadurch, dass sie sehr hoch stehen, verknappen sie den Raum im Mittelfeld, was einen besseren Zugriff durch kürzere Wege verspricht.

Wenn der Gegner aber die Pressinglinie überspielt, kam es nun schon öfter dazu, dass die Sechser trotzdem noch auf den Ball schieben, anstatt sich fallen zu lassen. Dadurch entstehen im Sechserraum, also zwischen Abwehr und Mittelfeld sehr große Räume, die aber bisher noch nicht genutzt werden konnten.

In der endgültigen Abwehr vor dem eigenen Sechzehner sind sie dann aber variabel. Man konnte eine systemgetreue 4-2 Verteidigung sehen, aber auch, dass die Sechser einrücken und eine breite Sechserkette bilden, dass Puertas (RM) einrückt und so kompakt mit einer Dreierkette vor der Viererkette verteidigt wird, oder das Abwehrpressing mit AV und Sechser, die aggressiv anlaufen und ballfernen AV und Sechser einrücken lassen.

Was zu guter Letzt auch noch zum Spiel gegen den Ball gehört, ist dass Granada viele kleine unbestrafte Fouls spielt. Diese sind natürlich bewusst und lassen ihre Gegner oftmals nicht emotionslos. Außerdem vereiteln sie so Torchancen oder kommen zu Ballgewinnen. Vielleicht kein schönes taktisches Element, aber trotzdem ein effektives.

Fazit

Die Spiele, die der FC Granada bisher zeigte, sind auf jeden Fall würdig für die erste Liga. Jedoch kann man im Spielsystem und Matchplan noch einige Mängel feststellen.

Wie schon angesprochen muss Penas noch an der Qualität und Variabilität der Offensive arbeiten. Ein gutes Beispiel dazu ist das Spiel gegen Celta Vigo, bei dem man ab der 29´ Minute in Doppelter Überzahl war und die zwei Tore nach Ecke und per Fernschuss aus knapp 25 Metern fallen mussten. Man kreierte gegen neun Mann nur Chancen mit xG Wert von 1,14 und diese dann über den Flügel.

Ein weiterer Punkt, der nicht unbedingt für Granada spricht, ist ihre individuelle Klasse. Es ist nicht abzustreiten, dass sie einigen Spielern ihrer Gegner immer wieder unterlegen sind und seien werden. Als Aufsteiger ist es natürlich auch nicht der Anspruch, die beste Mannschaft der Liga zu stellen aber in Sachen Passqualität, im Hinblick auf Pressingresistenz, ist die Mannschaft schwach.

Daher denke ich, dass einer der kommenden Trainer, den FC Granada übel auscoachen könnte, da ihre Probleme und Schwachstellen sehr offensichtlich sind. Grade nun da sie sich in der oberen Tabellenregion aufhalten, ist der Blick auf sie ein ganz anderer und nicht der, wie wenn man gegen den zweiten Aufsteiger spielt und diesen, wie der FC Barcelona, unterschätzt.

Ich könnte mir vorstellen, dass Granada also in den kommenden Spielen große Schwierigkeiten haben könnte. Zum einen möglicherweise wegen der Überbewertung der Tabellensituation und dem Fakt, dass die Gegner versuchen werden genannte Schwächen auszunutzen.

Das wäre beispielsweise in einem 3-4-3 denkbar, wo man mit einem Zehner jemanden im freien Sechserraum hätte und gegen den Ball mit drei Spitzen vorne pressen könnte. In der Defensive hätte man dann die Fünferkette wo der AV und ein IV rausrücken könnten und trotzdem noch alle drei Offensiven von Granada mindestens einen direkten Gegner hätten. Auf Gegenpressing sollte man verzichten, um Granada keine großen Räume im Umschaltspiel zu geben und wenn man die ersten Bälle versucht zu attackieren, könnten die zweiten weniger gefährlich sein.

Dies aber nur als theoretischer und pragmatischer Ansatz, wie man gegen den FC Granada spielen könnte. Wie die kommenden Spiele dann letztendlich ausgehen werden, wird interessant zu sehen sein.

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