Ausgeglichenes Spiel, klares Ergebnis

Im Rahmen meiner Serie zur Eredivise versuche ich einige unbekanntere Mannschaften vorzustellen. Am vergangenen Sonntag standen sich am 8.Spieltag PSV Eindhoven und PEC Zwolle gegenüber. Während der PEC gegen den Abstieg kämpft und versucht eine ruhige Saison zu haben, will sich Eindhoven nach einem zweiten Platz in der letzten Saison, zum Meister küren. In dieser Spielanalyse lege ich den Fokus auf die Mannschaft aus Zwolle. Dennoch werfe ich einen Blick auf Eindhovens spannenden Wandel und ihre tolle Offensive.

Die Ausgangssituation

Die Mannschaft von Mark van Bommel liegt zurzeit auf dem zweiten Platz, punktgleich mit Ajax Amsterdam. In der Transferphase musste man sich von drei Säulen verabschieden. Angelino (Man City), Hirving Lozano (Neapel) und Luuk de Jong (FC Sevilla) verließen den Verein, spülten aber auch Geld in die Kasse. Ansonsten trennte man sich von kaum einem Stammspieler. Daniel Schwaab’s Vertrag lief erst aus, um ihn anschließend doch noch zu verlängern. Diese kleinen Baustellen löste man teilweise durch Jugendspieler und teilweise durch clevere Transfers. So nahm man am Ende über 28 Millionen Euro ein.

Schwaab wurde durch Timo Baumgartl ersetzt, damit schaffte man es einen jungen Spieler mit viel Potential in seine Stammelf einzubauen. Luuk de Jong’s Platz wurde von Donyell Malen eingenommen. Um Lozano’s Erbe streiten der Ex-Leipziger Bruma und der Japaner Ritsu Doan (vom FC Groningen). Die größten Fragezeichen hinterlässt die Position des Linksverteidigers. Für diese Position verpflichtete man Olivier Boscagli und lieh Toni Lato aus. Die meisten Einsätze auf dieser Position hatte bisher Michael Sadilek. Der Tscheche wurde aus der eigenen Jugend hochgezogen. Er ist gelernter Zentraler Mittelfeldspieler und gilt als defensivere Option für die Position des Linken Verteidigers. So gibt es zwar einige Änderungen im Vergleich zur letzten Saison, jedoch steht das Konstrukt auch dank toller Jugendarbeit, wie Malen, Ihattaren oder eben Sadilek.

Zwolles Umbruch

Bei der PEC Zwolle, hat sich deutlich mehr bewegt. Am Ende konnte man zwar ein kleines Transferplus erwirtschaften, der Umbruch spiegelt sich aber in der Ersten Elf wieder. Am Sonntag standen sieben Neue in der Startelf, plus ein weiterer Einwechselspieler. Der Torwart, zwei Verteidiger, ein Mittelfeldspieler und die  komplette offensive Dreierreihe. Zwei Spieler wurden ausgeliehen, vier ablösefrei verpflichtet, keine Ablöse übersteigt die Millionengrenze. Das zeigt die Realität für  die meisten Eredivisie Vereine.

Einen Spieler möchte ich nochmal besonders hervorheben. Lennart Thy, der auch noch dem ein oder anderen bekannt sein dürfte, spielt erst seit dem Winter für die PEC, führt die Mannschaft mittlerweile aber als Kapitän an und hat auf dem Feld eine sehr spannende Rolle. Am Anfang der Saison durfte er noch als alleinige Neun auflaufen, mittlerweile spielt er aber einen hybriden Zehner, zweite Spitze. Er vervollständigt das Dreier Mittelfeld, agiert höher und sorgt als Schattenstürmer für die passende Strafraumbesetzung. Gerade diese Flexibilität zeichnet ihn aus und macht ihn so wichtig.

Bei dem Spiel, ist Eindhoven selbstverständlich klarer Favorit. Doch die Spielanteile und auch die Wertigkeit der Chancen, waren über große Teile ausgeglichen. Beide schlosen über die Hälfte ihrer Torschussversuche außerhalb des 16er ab.  So kam es das die individuelle Klasse und der Spielverlauf zu einem zu  deutlichen Ergebnis führten.

In Rot die Schusszone von Zwolle, in Blau von Eindhoven (Quelle: whoscored)

Zwolle stemmt sich gegen den Favoriten

Gegen den Ball stellte sich Zwolle in einem 4-4-1-1, Thy übernahm die Rolle des hängenden Stürmers. Dabei ließ er sich immer wieder tiefer fallen um die Bewegungen der Sechser aufzunehmen. Man stellte sich in einem Mittelfeldpressing auf und begann ca. zehn Meter hinter der Mittellinie das Tempo aus den Angriffen Eindhovens zu nehmen. Man verschob dabei stark um gerade den bespielten Flügel zuzumachen. Eindhoven kam dann nur zu Chancen nach sauber ausgespielten Seitenwechseln. Während das Mittelfeld verschob und versuchte Überzahl am Flügel herzustellen, schloss Thy entstehende Lücken im Zentrum.  Ghoochannejhad wartete hoch, verhinderte flache Seitenverlagerungen über die Abwehrspieler und wartete als Wandspieler auf Balleroberungen. So zwang er die Innenverteidiger sich immer tiefer fallen zu lassen, und teilweise die Verbindung zum Zentrum zu verlieren.

Zwolle erwartet PSV im Mittelfeldpressing, während Eindhoven die Spielverlagerung vorbereitet

Kompaktes Mittelfeldpressing

Das Mittelfeldpressing wurde immer wieder durch situatives Angriffspressing ausgelöst. Dabei gab es verschiedene Pressingtrigger. Regelmässig wurde bei Abstößen die Formation nach vorne geschoben. Man versuchte den ersten Pass zuzulassen um anschließend PSV auf einer Seite zu isolieren und Balleroberungen zu generieren. Der zweite Auslöser war, wenn man selber unter Druck geriet und den Ball lang nach vorne spielte. Dann rutschte man schnell nach um den Gegenspieler bei der Annahme und Ballverarbeitung zu stören. Auffällig war es wie Zwolle innerhalb der gegnerische Hälfte verschob. Man bewegte sich mit den offensiven vier plus den ballnahen Außenverteidiger auf der Hälfte der Breite des Spielfelds, und machte das Spiel somit extrem schmal. Ein Problem war das man nur bis zum gegnerischen Sechzehner Druck ausübte. Daher konnte sich PSV regelmäßig über den Torwart auf die andere Seite befreien.

Zwolle gelang es gut Druck aufzubauen und auch immer wieder nachzuschieben um nicht zu tief zu fallen. Auch das Spielfeld zu verengen hat gut funktioniert und die Angriffe von Eindhoven stark zu verzögern. Noch fehlt es an der perfekten Abstimmung um aus dem aktiven Verteidigen Torchancen zu kreieren. Es kam zu wenig heraus, für den Aufwand den man betrieben hat.

Gelungene Umschaltaktionen

Gefährlicher wurde man aus Umschaltaktionen nach zweiten Bällen. Das spannende hier war das zwar die gesamte Mannschaft nachrückt aber immer nur drei bis vier Spieler wirklich Druck ausgeübt haben. PSV stand insbesondere in der ersten Hälfte sehr hoch, die Innenverteidiger ließen sich regelmäßig fallen um anspielbar zu sein oder einen langen ball von Zwolle abzufangen. Auf diese beiden wurde dann immer Druck ausgeübt von einem Fluegelspieler und den Stürmern. Weder die Eindhovener Außenverteidiger noch die Sechser kamen schnell genug zur Hilfe so das die Innenverteidiger in diesen Situation den größten Druck verspürten. Zwolle sicherte mit der restlichen Mannschaft im Mittelfeldpressing ab. Falls die erste Reihe überspielt wurde stand man hoch und kompakt genug um seinen Mitspieler die Chance zu geben wieder in das defensive Konstrukt zu kommen. So wurde die Restverteidigung nicht getestet, auch weil Eindhoven selten schnell nach vorne gespielt hat.

Bei Balleroberungen aus dem Mittelfeldpressing heraus, oder auf Höhe des eigenen Sechzehners, hatte man einen klaren Plan. Meistens agierte Ghoochannejhad als Wandspieler, kam einige Meter entgegen und legte den Ball auf den nachrückenden Thy ab. Dieser schickte entweder den Neuner in die Lücke oder suchte einen der nachschiebenden Außenbahnspieler. Dabei fokussierte er die von der Balleroberung ferne Seite, so kam es u.a. zu einem 1 gegen 1 zwischen Johnsen und Baumgartl. Je nach Situation ließ sich nicht immer der Stürmers finden, so dass auch mal ein tiefer Bel Hassani die Verlagerung über Thy spielt um in ein 2 gegen 2 zu kommen.

Zwolles Spielaufbau

Mit dem Ball wollte man in erster Linie kein Risiko eingehen. Sobald man in der defensiven Viererkette unter Druck geriet, suchte man einen der vorderen drei Spieler mithilfe eines langen Balls. Gerade in der zweiten Halbzeit, stand Eindhoven aber tiefer und ermöglichte so Zwolle einen ruhigeren Spielaufbau. In diesen Situationen versuchte man durch Dreiecksspiel am Flügel die erste Pressinglinie zu überspielen um anschließend ins Zentrum zu kommen. Das Muster war es abwechselnd vom Halbraum an den Flügel und wieder in den Halbraum zu spielen und dabei Raum zu gewinnen. Der Außenverteidiger kombinierte häufig mit dem Fluegelspieler oder Thy, der immer wieder versuchte ballnah Überzahl zu schaffen, und dem ballnahen Sechser. Schaffte man es so die erste Pressinglinie zu überspielen, suchte man die Verlagerung um ein 1 gegen 1 zu erzeugen.

Überzahl durch Rautenbildung am Flügel und Seitenwechsel

Van Bommels offensive vier

Bei Eindhoven sticht vor allem das Offensivspiel im letzten Drittel hervor. Wie die Realtaktische Aufstellung zeigt, gibt es hierbei einen klaren Zentrumsfokus. Die Außenbahnspieler bewegen sich oft in den Halbräumen und wechseln auch gelegentlich die Seiten. Allgemein ist die Besetzung der Positionen sehr fluide. Insbesondere sticht hier der 17-jährige Ihattaren hervor. Er schafft es sowohl ballnah Überzahl zu schaffen, als auch die verlassenen Positionen seiner Mitspieler zu besetzen und diese fluiden Bewegungen auszugleichen. Sehr beeindruckend für ein Spieler in seinem Alter. Dazu kommen fünf von sechs erfolgreiche Dribblings, zwei Schluesselpässe und eine Passquote von 75% und das bei einem Spieler der sich in den verhältnismäßig engen Räumen bewegt.

Auch Bergwijn und Bruma hatten abgestimmte Bewegungen. Beide sind häufig in die Mitte gezogen um auf den Außenbahnen Platz zu machen für die Außenverteidiger. Insbesondere Dumfries wusste den Platz zu nutzen. Immer wieder wenn sich PSV im linken Halbraum festgespielt hatte, war er eine freie Option auf der rechte Seite. Auch zog er häufig in den Sechzehner und wurde per Flanke gesucht. Durch Zwolles starkes verschieben, wurde er häufig nicht gedeckt, dadruch konnte er im Sechzehner für Überzahl sorgen und die defensive Abstimmung durcheinander bringen. Das Hauptstilmittel Eindhoven’s war dieser Zentrumsfokus, um anschließend die offensiven Außenverteidiger freizuspielen. Zwolle musste dann schnell verschieben und so fanden sich entweder Lücken zwischen den Verteidigern für eine Flanke oder Platz im Rückraum für den Abschluss.

Realtaktische Aufstellung; Zwolle in Rot, Eindhoven in Blau (Quelle: whoscored)

Fazit

In der Realtaktischen Aufstellung erkennt man beide Herangehensweisen. Auf der einen Seite Eindhovens Zentrumsfokus, die offensiven, variablen vier die immer wieder in die Mitte ziehen und auch den offensiveren Dumfries (22) im Vergleich zu Sadilek (32). Auch die vergleichsweise tiefen Innenverteidiger lassen sich hier wiederfinden. Zwolle passt sich dem an. Johnsen (17) versucht hinter Dumfries zu kommen und wird vom deutlich defensiveren van Warmeskeren abgesichert. Während auf der rechten Seite der Verteidiger (Hamer, 38) immer wieder mit nach vorne marschiert, und im Spielaufbau eine wichtigere Rolle übernimmt.

Eindhoven spielt weiterhin einen tollen, offensiven Fußball. Insbesondere die jungen Talente machen viel Spaß. Positionswechsel, fluide Bewegungen, Tempo und Dribblings können nahezu jede Abwehr vor Probleme stellen. Man darf gespannt sein, wie sich PSV in der Euro League schlägt, doch traue ich diesem Team, insbesondere unter van Bommel eine tolle Entwicklung zu. Individuell wird sich die Mannschaft weiterentwickeln, viele allein aufgrund ihres Alters. Darüber hinaus hat van Bommel diese Fähigkeiten auch schon letztes Jahr bewiesen. Auch der Kampf um den Titel wird hoffentlich genauso spannend wie letztes Jahr. Beim ersten aufeinandertreffen mit Ajax, letzte Woche, gab es ein 1:1.

Zwolle gefällt mir persönlich besser als andere Mannschaften, die unten drin stehen. Wenige Individuelle Fehler, ein klares Konzept insbesondere gegen den Ball und eine gute Mischung aus Talenten und Erfahrung. Schafft man es mit den Ball den nächsten Schritt zu gehen, im Pressing klarer zu werden und den Kopf oben zu halten, sollte dieses Jahr die Klasse gehalten werden. Die entscheidenden Spiele werden die gegen Mitkonkurrenten. Dort muss man die Topleistungen abliefern.

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