Teamanalyse FC Nantes

Der FC Nantes steht nach der Länderspielpause und somit vor dem 10. Spieltag in der Ligue 1 auf dem überraschenden zweiten Platz hinter Paris St. Germain. Kaum jemand hat vor der Saison mit dem Team von Trainer Christian Gourcuff gerechnet, da sie am Ende der letzten Spielzeit ja nur Platz 12 belegt hatten mit einem Torverhältnis von 48:48.

In den bisherigen neun Spielen erzielten sie neun Tore und kassierten aber nur vier. Zudem hat man bereits 19 Punkte auf dem Konto und ist vor dem 10. Spieltag nur zwei hinter dem Hauptstadtklub. In dieser Analyse werden wir die Spielweise des FC Nantes genauer unter die Lupe nehmen und die Gründe für ihren grandiosen Start in diese Spielzeit aufzeigen.

Aufstellung und Spieler

Gourcuff stellte sein Team bisher immer in einem 4-4-2 beziehungsweise 4-4-1-1 auf. Alban Lafont war in jedem Spiel der Torhüter der Mannschaft. Bis auf den ersten Spieltag bestand die Innenverteidigung immer aus Nicolas Pallois und Andrei Girotto. Der Brasilianer Fábio stand jede einzelne Minute in dieser Saison auf dem Platz und war entweder der linke oder rechte Außenverteidiger. Die jeweils andere Position des Außenverteidigers wurde dann von Dennis Appiah oder Charles Traoré besetzt.

Der Kapitän Abdoulaye Touré spielte in jeder Partie im zentralen Mittelfeld und bis auf eine Partie war dabei Mehdi Abeid sein Partner im Zentrum. Moses Simon war zumeist der linke Flügelspieler und der bullige Stürmer Kalifa Coulibaly verpasste in dieser Spielzeit auch noch keine Minute.

Den zweiten Stürmer neben Coulibaly beziehungsweise die hängende Spitze sowie die Position des rechten Flügelspielers wurde von unterschiedlichen Spielern besetzt. Im nachstehenden ist beispielsweise die Aufstellung vom letzten Match vor der Länderspielpause gegen Nizza zu sehen. In dieser Partie war Cristian Benavente die hängende Spitze und der 21-jährige Ludovic Blas wurde im rechten Mittelfeld aufgeboten.

Ballbesitzphasen

Nantes zeichnet sich in dieser Saison nicht gerade durch ihren spektakulären Spielstil oder durch ihre vielen Tore aus. Im Schnitt erzielten sie pro Partie genau ein Tor. In sieben der bisherigen neun Partien traf das Team von Gourcuff jeweils ein Mal, gegen Olympique Marseille spielte man 0:0, jedoch traf man dafür am dritten Spieltag gegen Amiens doppelt.

Beim Herausspielen von Torchancen sowie dem Spielaufbau setzt der derzeitige Zweitplatzierte der Ligue 1 auch nicht auf sonderlich außergewöhnliche Muster. Zwar wird versucht durch Kurzpassspiel und vertikale Schnittstellenpässe versucht die gegnerischen Ketten zu überspielen, jedoch wählt man auch häufig die Option des langen Balls.

In diesen Fällen versucht man häufig Coulibaly im Zentrum zu finden, welcher seine physische Präsenz nutzen soll, um den Ball abzulegen oder zu sichern bis seine Teamkollegen nachgerückt sind. In der zweiten Variante wird versucht mithilfe eines langen Balls den dribbelstarken Simon auf dem linken Flügel in eine eins-gegen-eins Situation zu bringen. Im nachstehenden Bild ist ein Beispiel eines solchen Diagonalpasses auf Simon zu sehen.

Jedoch wird grundsätzlich versucht, dass man den Spielaufbau ruhig und strukturiert mithilfe von kurzen Pässen gestaltet. Dabei schieben die Außenverteidiger vor und die Flügelspieler kippen nach innen in die jeweiligen Halbräume, damit der Raum am Flügel nicht von zwei Spielern besetzt wird. Einer der beiden zentralen Mittelfeldspieler oder in gewissen Situationen auch beide unterstützen die Innenverteidiger, um die Ballzirkulation zu garantieren. Coulibaly bleibt dabei zumeist vorne im Zentrum, um die Option für einen langen Ball aufrechtzuerhalten während sich der zweite Stürmer tiefer fallen lässt und versucht zwischen den Linien anspielbar zu sein. In der nachstehenden Grafik ist jene Anordnung zu sehen, die Nantes im Spiel gegen Nizza hauptsächlich gewählt hat.

Dabei versucht man variabel zu sein und sowohl durch das Zentrum als auch über die Flügel die Angriffe aufzubauen. Daher spielen die Außenverteidger häufig eine zentrale Rolle, da sie zusammen mit den Flügelspielern versuchen sollen, sich über die Außenbahnen durchzukombinieren. Bei den Vorstößen durch das Zentrum hingegen wird immer wieder der Zwischenlinienpass auf die hängende Spitze probiert. Nantes versucht durch diese Variabilität zu vermeiden, dass sich der Gegner leicht auf sie einstellen kann.  

Die drittbeste Verteidigung der Ligue 1

Das Team von Gourcuff war nur im Spiel gegen Amiens das tonangebende Team als sie 61,42%Ballbesitz hatten. In den restlichen Partien war die Ballbesitzquote ausgeglichen oder Nantes hatte sogar einen niedrigeren Wert als ihr Gegner.

Jedoch kassierte man lediglich fünf Gegentore in den ersten neun Spielen. Nur PSG und Reims haben noch weniger Gegentore erhalten. Zudem zeigen zwei weitere Werte wie gut die Defensive von Nantes ist. Lafont machte bisher in dieser Saison im Durchschnitt pro 90 Minuten 2,07 Paraden. Nur Keylor Navas musste bisher noch seltener zur Stelle sein (1,32). Des Weiteren geben die Gegner von Nantes durchschnittlich nur 8,09 Schüsse pro Spiel ab. Auch das ist in dieser Kategorie der drittbeste Wert aller Teams der ersten französischen Liga.

Gourcuff’s Mannschaft nutzt während den gegnerischen Ballbesitzphasen ihr 4-4-2 und versucht dabei, dass die Distanz zwischen den beiden Viererketten äußerst klein bleibt. Dadurch will man verhindern, dass die gegnerische Mannschaft in ebendiesen Raum gelangt. Dies hat zur Folge, dass beim Verschieben der Pressinglinie auch die Viererkette sehr weit nach vorne herausschiebt, um die Abstände beizubehalten.

Nantes verwendet nur in sehr vereinzelten Fällen ein hohes Angriffspressing und stattdessen attackieren die beiden Stürmer erst in etwa 10 Meter in der gegnerischen Hälfte. Diese Pressinghöhe kann aber auch während des Spiels variiert werden und dann verschiebt das gesamte Team geschlossen nach vorne beziehungsweise hinten. Dieses gemeinsame Verteidigen sowie das später angeführte Gegenpressing machen es für die gegnerischen Mannschaften extrem schwer in gefährliche Abschlusssituationen zu gelangen. Somit ist einer der Erfolgsfaktoren für Nantes, dass die gesamte Mannschaft permanent gemeinsam verschiebt, verteidigt und sich gegenseitig unterstützt.

Umschaltverhalten

Die offensiven sowie defensiven Umschaltmomente zählen sicherlich zu den größten Stärken der derzeitigen Zweitplatzierten. Wenn Nantes den Ball erobert, versuchen sie sofort mit vertikalen Pässen innerhalb kürzester Zeit so viel Raum wie möglich zu überbrücken, um nach vorne zu gelangen. Beispielsweise fuhr man in der Partie gegen Montpellier sechs Konter in 90 Minuten. In diesen Situationen versucht man vor allem das Tempo von Spielern wie Simon auszunutzen und den Gegner zu überraschen. Häufig lässt sich das Team zuvor tiefer fallen, um den Gegner herauszulocken und dadurch Raum für den anschließenden Konter zu erschaffen.

Auf der anderen Seite hingegen versucht man nach Ballverlust den Ball sofort zurückzuerobern, um Konter zu vermeiden. Im Durchschnitt hatten die Gegner bisher 1,89 Konter pro Spiel, wobei davon nur 5,8% mit einem Schuss abgeschlossen wurden. Also mündete nur ein gegnerischer Kontor in den bisherigen neun Spielen in einem Torabschluss.

Um solch ein Gegenpressing so effektiv durchzuführen, müssen die Spieler den Mut haben ein gewisses Risiko einzugehen und die Zweikämpfe zu suchen. Zum Beispiel muss ein Innenverteidiger in Kauf nehmen, dass er in einer Situationen nach vorne rücken muss, um den Ball zu erobern und dabei den gegnerischen Stürmer frei lässt. Dafür benötigen die Akteure Selbstvertrauen, welches die Spieler von Nantes momentan aufgrund ihrer guten Leistungen besitzen.  

Zusammenfassung

Nantes gehört sicherlich in dieser Saison zu den bisher größten Überraschungen in Europas Topligen. Zwar verwendet die Mannschaft von Gourcuff keine außergewöhnlichen Taktiken, jedoch zeigen sie, dass man mit geschlossenem Verteidigen jeden Gegner vor eine große Aufgabe stellen kann. Ihr variables Angriffsspiel macht es zudem für die gegnerische Mannschaft nicht einfach sich auf ein gewisses Muster einzustellen.

Die Kombination von einem großen, körperlich präsenten Stürmer mit einem eher kleineren und spielstarken Spieler als Doppelspitze erinnert ein wenig an das Duo Romelu Lukaku und Lautaro Martínez derzeit bei Inter Mailand oder Graziano Pellè und Éder bei Italien während der Europameisterschaft 2016.

Wenn Nantes die derzeitige Form aufrechterhalten kann, wäre eine Platzierung weit oben in der Tabelle durchaus möglich. Am 16. Spieltag trifft man auf Paris St. Germain. Wenn das Team von Gourcuff weiterhin so konstant Punkte holen kann, könnte dieses Spiel zu einem Duell zwischen den ersten beiden Teams in der Ligue 1 werden.

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