Balldominantes Twente gegen abgezocktes Willem Il

Am 10. Spieltag standen sich der FC Twente Entschede und Willem Il Tilburg gegenüber. Willem Il verbesserte sich mit dem 1:0 Sieg auf den siebten Tabellenplatz und konnte Anschluss an die internationalen Plätze halten. Während Twente auf den zwölften Platz fällt. Die 90 min lieferten ein spannendes Spiel, Twente mit mehr Ballbesitz und dem Versuch aktiv zu Chancen zu kommen, gegen ein tiefes und kompaktes Tilburg. Das ganze verstärkte sich durch das frühe Führungstor von Vrushai nach sechs Minuten. Erst in den letzten 15 Minuten der Partie erzeugte Twente wesentlich mehr Druck im letzten Drittel. Willem Il ließ sich einige Meter fallen, kam zu keinen Befreiungen mehr und wenn, schafften sie es nicht rechtzeitig rauszuschieben. So ließ man einige gute Torchancen zu, die einen anderen Ausgang der Partie erlaubt hätten. Welchen Matchplan die beiden Mannschaften hatten beleuchte ich in dem dritten Teil der Eredivisie Serie.

Die Anfangsphase begann hektisch. Willem Il suchte schnelle, steile Pässe auf die außen. Gerade der U21 Debütant Mats Köhlert wird häufig auf links gesucht. Zu Beginn wurden diese Pässe zu ungenau umgesetzt, so dass Twente seinerseits versuchte die Lücken hinter den nachrückenden Spielern zu finden. Es dauerte einige Minuten bis sich Willem Il tiefer fallen ließ, Twente den Ball erstmals sicherte und so in das Schema des Spiels verfiel. Doch abrupt darauf fiel das entscheidende Tor.

Asymmetrie im Spielaufbau

Twente baute in einem 4-1-4-1 auf. Die Flügel werden leicht asymmetrisch besetzt, insbesondere Cantalapiedra sorgt für Breite und ist stetig auf der Suche nach einem 1v1. Die Außenverteidiger sind ein wichtiger Teil der Absicherung, maximal einer schiebt nach vorne. Haufig ist das Calvin Verdonk auf links, während Nakamura eher den Halbraum besetzt. So bleiben stets drei Spieler auf der letzten Linie und schaffen es auch meist die Konter ausbremsen. Der einfache Sechser Godfried Roemeratoe ist essentiell für das Ballbesitzspiel Twentes. Er sorgte für Überzahl in Ballnähe und schaffte Dreiecke zwischen den Aussen- und Innenverteidigern. So gelang es Twente immer wieder die erste Pressingphase zu überstehen und zu umspielen.

Ein spannendes Muster im Spielaufbau zeigte eine Asymmetrie auf. Rechtsverteidiger Latibeaudiere schiebte nach innen, so dass Twente in einer Dreierkette den Spielaufbau startet. Cantalapiedra hatte dadurch Platz auf rechts. Verdonk schiebte links hoch, Nakamura rückte in den Halbraum ein und Espinosa war halblinks zentral ein bisschen tiefer als der Japaner. Durch die Überzahl auf links versuchte man einen Durchbruch zu schaffen. Da der Gegner nachschob hatte man auf rechts Cantalapiedra isoliert und konnte ihn, durch schnelle Seitenverlagerungen, ins Dribbling schicken. So versuchte man das Offensivspiel variabel zu gestalten.

Suche nach Tiefe

Willem Il benötige bis zum ersten ruhigen Spielaufbau ohne planlosen, langen Ball über 20 Minuten. Doch auch dieser zeigte die Ideenlosigkeit im Zentrum und die Bewegungslosigkeit der Mitspieler im Zentrum. Am Ende von einer Passstafette im Abwehrverbund wurde ein gezielter Ball hinter die Kette von Twente gespielt. Das spiegelt die Idee von Willem Il am besten wieder, die ständige Suche nach Tiefe. Bei Balleroberungen zeigte sich auch gerne die Effektivität der Idee. Meistens wurde bei dieser Tiefe Köhlert, Pavlidis oder Vrushai gesucht, während der Rechtsaußen Nunnely einschob oder mit Ball am Fuß das 1v1 suchte.

Nach Balleroberung geht es schnell, Option 1 ist der steilgehende  Köhlert, Option 2 Nunnely der das das Dribbling sucht um Überzahl herzustellen

Gegen den Ball agierte Willem Il in einem 4-4-1-1 / 4-2-3-1. Auch hier findet man die Asymmetrische Positionierung von Nunnely und Köhlert wieder.Während Nunnely ein bisschen weiter einschob und sich tiefer fallen lässt um bei Balleroberungen das Spiel zu entwickeln, lauert Köhlert höher, für Bälle hinter die Kette. Teilweise sorgt er so für Probleme im Defensivverbund, da Latibeaudiere hin und wieder nachrückt und für Überzahl sorgt. Nunelly unterstützt so auch die beiden Sechser in der Defensivarbeit. Situativ pressen die vorderen Spieler die Innenverteidiger, doch meistens lassen sie den Pass auf Roemeratoe noch zu und pressen erst fünf bis zehn Meter hinter der Mittellinie (eigene Hälfte).

Der moderne Fußball

Die Geschichte des Spiels lässt sich mit einer Statistik nach 30 Minuten gut erklären. Beim Spielstand von 0:1 für Willem Il, steht es bei Schüssen 1:6, von denen null bzw. zwei auf das Tor kamen. Twente dominierte den Ball, aber Willem Il war abgezockter, obwohl Twentes Matchplan zu großen Teilen aufging. Man verhinderte viele Angriffe früh, ließ auch von den sechs Schüssen die meisten aus ungefährlichen Situationen zu, dennoch waren zwei Hochkaräter dabei. Das Hauptproblem war jedoch die Offensive, diese wurde aber in der zweiten Hälfte, insbesonderen zum Schluss durchschlagskräftiger.

Twentes aktives Spiel gegen den Ball sorgte für einige Ballgewinne, spielte Willem Il aber auch in die Karten da man es nicht schaffte früh genug am Mann zu sein. So konnte Willem Il immer wieder saubere Bälle in die Tiefe spielen. Auch Nunnely sollte man hier hervorheben, da er eine Variabilität in das Spiel von Tilburg bringen konnte. So das nicht jeder Ball lang gespielt wurde. Interessant wäre es gewesen zu sehen, wie sich Tilburg verhält gegen einen tieferen Gegner. Willem Il dient hier als Abbild des vermeintlichen modernen Fußballs.

Twentes Powerplay

In der Schlussphase merkte man immer mehr welchen Aufwand Willem Il betrieben hat. So das sich zwangsläufig einige Räume öffneten. Gerade nachdem Aktivposten Aitor Cantalapiedra verletzungsbedingt ausgewechselt wurde, drehten Verdonk und Nakamura auf und es wurden mehr Abschlüsse aus schwierigen Positionen genommen. Doch das wichtigste Element für Twente war es im Mittelfeld schnell den Ball wieder züruckzzugewinnen. Nach Flanken, geblockten Schüssen und Pressschlägen Überzahl in Ballnähe zu haben. Diese zweiten Bälle zu sichern und durch Präsenz Tilburg immer weiter nach hinten zu drücken.

2v1 Überzahl auf links, Twente findet die Lücken im Tilburger Abwehrverbund

Fazit

Am Ende fährt Tilburg glücklich nach Hause. Der Matchplan ging auf gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Die Offensiven zeigen ihr Potential und passen gut auf die präferierte Taktik. Man muss abwarten wie sie sich gegen vermeintlich kleinere Gegner anstellen, doch nach zehn Spieltagen kann man zufrieden sein. Twente wird sich fragen müssen weshalb die Absicherung mit drei Mann plus Sechser nicht ausgereicht hat um die Konter zu stoppen. Doch gab es auch positive Aspekte im Spiel. Der junge Rechtsverteidiger Latibeaudiere lieferte ein tolle Debüt und es gelang sehr gut in das zweite und dritte Drittel zu gelangen. Trainer Gonzalo Garcia darf sich nun Elemente für mehr und hochwertigere Abschlüsse einfallen lassen.

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