Inter vs Borussia Dortmund – wie lief das Hinspiel?

Am dritten Spieltag der UEFA Champions League traf der deutsche Vizemeister Borussia Dortmund auswärts auf den italienischen Traditionsklub Inter Mailand, der im Sommer auf dem Transfermarkt in größerem Umfang einkaufte. Es wurden unter anderem der bullige Top-Stürmer Romelu Lukaku und Alexis Sanchez von Manchester United sowie Innenverteidiger Diego Godin von Atletico Madrid geholt. Der wichtigste Neuzugang der Mailänder ist allerdings der neue Trainer Antonio Conte. Aktuell stehen sie auf dem zweiten Tabellenplatz der Serie A und sind damit erster Verfolger des Serienmeisters Juventus Turin.

Inter Mailand lief mit seiner üblichen 3-1-4-2-Grundordnung auf. Vor dem Tormann Handanovic besetzten der linke Halbverteidiger Skriniar, Innenverteidiger de Vrij und der rechte Halbverteidiger Godin die drei zentralen Verteidigerpositionen, während Asamoah als linker und Candreva als rechter Flügelverteidiger aufliefen. Vor dem alleinigen Sechser Brozovic besetzten links Barella sowie Gagliardini rechts die beiden Achterpositionen. Der Durchstarter dieser Saison, Achter Stefano Sensi, fehlte verletzungsbedingt und wird im Rückspiel wohl wieder dabei sein. Martinez (links) und Lukaku (rechts) bildeten die Doppelspitze der Heimmannschaft.

BVB-Trainer Lucien Favre entschied sich erstmals in seiner Zeit als BVB-Trainer für eine Systemänderung. Er setzte auf ein 3-4-3/5-2-3 und stärkte damit die letzte Linie seiner Mannschaft. Vor Bürki bildeten Hummels, Weigl und Akanji das zentrale Verteidigungstrio in der Fünferkette. Unterstützt wurden sie von den schnellen und dynamischen Flügelverteidigern Schulz auf der linken und Hakimi auf der rechten Seite. Die Doppelsechs bestand aus Witsel und Delaney. An vorderster Front liefen die zwei Außenstürmer Hazard und Sancho auf, die vor allem im Ballbesitz in die Halbräume einrückten und somit zu Halbzehnern wurden. Aufgrund des Ausfalls von Stürmer Paco Alcacér spielte Julian Brandt im Sturmzentrum. Er agierte allerdings als falsche Neun und ließ sicher immer wieder fallen.

Der Grund für die Änderung der Grundordnung war wohl das Schaffen von Überzahl mit der Dreierkette im Zentrum gegen die beiden Inter-Stürmer Lukaku und Martínez, das im Großen und Ganzen auch gut funktionierte. Bei eigenem Ballbesitz hatte die Borussia jedoch in der neuen Grundordnung Schwierigkeiten.

Dortmund lenkte im 5-2-3 den Inter-Spielaufbau nach außen

Der BVB agierte gegen den Ball in einem engmaschigen und raumorientierten 5-2-3/5-4-1-Block, fokussierte sich dabei auf die Sicherung des Zentrums und versuchte nach dem Anspiel auf den Flügelverteidiger diesen zu doppeln, was aufgrund des guten Positionsspiels der Flügelläufer von Inter zwar nicht immer funktionierte, da die Flügelverteidiger Schulz und Hakimi häufig durch ihre Pendants Asamoah und Candreva gebunden waren (dazu später mehr), aber hin und wieder hielten sich die beiden tiefer und dann schnappte die Pressing-Falle zu.

Der Pressing-Mechanismus der Favre-Elf kam in Gange, wenn der Pass auf den scheinbar „freien“ Flügelverteidiger gespielt wurde. Grundsätzlich formierte man sich kompakt im moderaten 5-2-3/5-4-1-Mittelfeldpressing. Das Ziel war vor allem, die Kompaktheit in der eigenen Hälfte zu bewahren. Die beiden äußeren Stürmer des Dreiersturms, Sancho und Hazard versperrten zunächst die Passwege auf die Achter Barella und Gagliardini, während Brandt den Sechserraum abdeckte und dabei meist den Passweg auf Inters Ankersechser Brozovic zustellte. Der Pass des Innenverteidigers auf einen der Halbverteidiger war der Trigger für Sancho oder Hazard, um die Inter-Halbverteidiger diagonal von innen nach außen anzulaufen. Wobei sie dabei versuchten, den Achter in den Deckungsschatten zu nehmen.

Erfolgte dann der provozierte Pass auf den Flügelverteidiger, wurde dieser vom aufrückenden BVB-Pendant unter Druck gesetzt. Da die Inter-Achter häufig auf den Flügel auswichen, versuchten Schulz und Hakimi diese während des Rausrückens in den Deckungsschatten zu stellen.

Es kam der Mechanismus der sogenannten pendelten Viererkette zum Einsatz, der Flügelverteidiger presste auf Höhe des Mittelfelds, die verbleibende Viererkette sicherte durch. Die vorwärtsverteidigenden Flügelverteidiger hatten demzufolge natürlich weite Wege im Pressing.

Die Außenstürmer/Halbzehner hatten die Aufgabe, den Rückpassweg auf den Halbverteidiger Inters zuzumachen, während Mittelstürmer Brand in Richtung des alleinigen Inter-Sechsers Brozovic rückte und diesen zustellte. Der BVB versuchte den Gegner mithilfe der Seitenout-Linie, die natürlich als begrenzender Faktor hinzu kommt, auf außen zu isolieren, um dort Balleroberungen zu erzielen. Da der ballnahe Sechser des BVB, in diesem Fall Witsel jedoch nicht wirklich in Richtung des ballbesitzenden Inter-Flügelverteidigers rausrückte, um den diagonalen Passweg zu versperren, sondern sich zunächst darauf fokussierte, die Staffelung beizubehalten und die Tiefe zu sichern, blieb der diagonale Passweg nach innen häufig offen. Außerdem wurde durch die ausweichende Bewegung des ballnahen Inter Achters Barella BVB-Halbverteidiger Akanji weggezogen und dadurch noch mehr Raum im Halbraum geöffnet. Man wollte mit dem Ball am Fuß dynamisch in diesen zuvor geöffneten Raum reinstoßen, um mit dem entgegen kommenden Stürmer Doppelpässe zu initiieren. Vor allem Asamoah nutzte diese Räume mit seiner Dynamik hin und wieder für ein Dribbling nach innen. (10:20)

Dortmund hatte massive Probleme im eigenen Ballbesitz

Bei eigenem Ballbesitz fächerten die Schwarz-Gelben in ihrer 3-4-2-1-Struktur weit auf. Der Spielaufbau lief meist über Axel Witsel, der den Anker in der Dortmunder Angriffs-Formation gab, während Delaney etwas aufrückte und als Balancegeber fungierte. Die beiden BVB-Sechser positionierten sich grundsätzlich diagonal gestaffelt. Witsel hielt die Anbindung an die drei Verteidiger und stellte gemeinsam mit diesen eine Rauten-Struktur her. Durch das Auffächern der Dreierkette versuchte man die beiden Inter-Stürmer auseinander zu ziehen, da diese im höheren Anlaufen häufig bereits auf das Anspiel des Halbverteidigers spekulierten – öffnete sich dann der Passweg auf einen neben den Inter-Achtern entgegenkommenden Halbzehner, wurden selbige im tiefen Halbraum gesucht und konnten mit dem Ball aufdrehen.

Grundsätzlich positionierte sich Witsel im Spielaufbau meist hinter den beiden Stürmern Lukaku und Martinez. In diesem Raum konnte Dortmund seinen Strategen Witsel häufig anspielen. Allerdings fehlten ihm dann die Anspieloptionen nach vorne. Der Zehnerraum war oft unbesetzt und die zwei Dortmunder Sechser gegen das Dreiermittelfeld von Inter Mailand in Unterzahl. Der Ball landete großteils bereits frühzeitig auf der Außenbahn, wo man von Inter leicht zugeschoben und isoliert werden konnte.

Ein Problem war außerdem vor allem in der ersten Halbzeit die fehlende Strafraumbesetzung, denn Brand war in der ersten Hälfte oftmals der einzige Spieler, der die Box besetzte. Die Fünferabwehrkette von Inter wurde somit kaum gebunden. Daher konnten die Verteidiger immer wieder aus der Kette rausrücken und die Halbzehner des BVB stellen, um sie nicht aufdrehen zu lassen.

Was die Positionierungen betraf, wechselten sich die jeweiligen Flügelverteidiger und Halbzehner in der Besetzung des Halbraums und Flügels ab. Einmal gab der Flügelverteidiger Breite, während der Halbzehner einrückte und sich im Halbraum vor dem gegnerischen Halbverteidiger und Wingback positionierte, dann wiederum war es genau umgekehrt. Außerdem tauschten die Außenstürmer Hazard und Sancho in der zweiten Halbzeit die Seiten, Sancho spielte dann auf links, während Hazard über rechts kam. Ergab sich im Spielaufbau Raum für die Halbverteidiger von Dortmund, dribbelten sie häufig mit dem Ball am Fuß an. Dann folgte entweder der Pass auf Witsel, auf einen der Halbzehner oder eben früh das Anspiel auf die Wingbacks, die vor allem in Dreiecks-Staffelungen gemeinsam mit dem ballnahen Sechser und dem Halbzehner versuchten, sich durch zu kombinieren – meist jedoch ohne Erfolg.

kompaktes Inter verteidigte im 5-3-2

Inter Mailand verteidigte in einer dichten 5-3-2-Grundordnung. Die Pressing-Höhe variierte dabei. Das Ziel von Inter gegen den Ball, war ähnlich wie das des BVB, das gegnerische Ballbesitzspiel auf den Flügel zu lenken und dort Zugriff herzustellen, allerdings pendelte die Kette auf Seiten von Inter nicht so häufig durch. Verteidigte man im höheren Mittelfeldpressing, lief das Pressing meist folgendermaßen ab: Der ballführende BVB-Halbverteidiger wurde vom ballnahen Inter-Stürmer in einem Bogen von innen nach außen angelaufen, um ihn nach außen zu lenken. Dabei stellte er den Innenverteidiger in seinen Deckungsschatten. Somit war der Passweg auf den Innenverteidiger zugestellt.

Die Verbindung zwischen dem äußeren Verteidiger und dem zentralen Verteidiger der Dreierkette war gekappt und das Spiel des BVB wurde auf den Flügelverteidiger geleitet, der dann von allen Seiten zugeschoben wurde. Die Inter-Wingbacks stachen bei einem Anspiel auf Hakimi oder Schulz aus der Abwehrkette heraus und schoben auf ihr schwarz-gelbes Pendant. Der ballseitige Achter von Inter verschob ebenfalls mit zur Seite und versuchte gemeinsam mit dem Flügelverteidiger zu doppeln. Man verengte im Dreieck mit dem ballnahen Stürmer den Raum des Ballbesitzers. Hin und wieder deckte der Achter von Inter Mailand aber auch den ballnahen BVB-Sechser enger, um eine Verlagerung über ihn zu verhindern – dies tat er vor allem dann, wenn einer der Dortmunder Sechser unterstützend weit mit zur Seite schob.

Das hatte zur Folge, dass sich der ballnahe Stürmer enger am Halbverteidiger halten konnte, um eine Verlagerung über ihn zu verhindern. Meistens orientierte sich der Achter allerdings jedoch nur lose am Sechser, um ihn anzulaufen, wenn dieser angespielt wurde. Der ballferne Angreifer positionierte sich meist zwischen dem ballfernen Halbverteidiger und dem ballfernen Sechser, um bei einer Verlagerung potenziell Zugriff herstellen zu können.

Die restlichen beiden Mittelfeldspieler im Mittelfeld von Inter Mailand verschoben ebenfalls ballorientiert und sicherten dahinter ab. Baute die Borussia das Spiel über das Zentrum auf und spielte einen der beiden Sechser Witsel oder Delaney an, rückte häufig einer der Achter auf den Gegenspieler heraus. Die beiden Achter besetzten jedoch grundsätzlich die Halbräume neben Sechser Brozovic und ließen sich nicht zu früh und auch nicht zu mannorientiert von den Dortmunder Sechsern herauslocken, wodurch natürlich freie Räume entstanden wären. Somit blieb dem BVB neben dem Rückpass häufig nur der Pass auf den Außenverteidiger, der dann wiederum von allen Seiten angelaufen, zugeschoben und isoliert wurde.

Inter mit gutem Positionsspiel in den Flügelzonen

Inter Mailand agierte bei eigenem Ballbesitz in einer 3-1-4-2-Ordnung, Brozovic interpretiert seine Rolle als alleiniger Sechser sehr ballfordernd und kippte auch in diesem Spiel manchmal zwischen Innenverteidiger und Halbverteidiger ab. Demzufolge entstand hin und wieder sogar eine Viererkette im Spielaufbau auf Seiten der Conte-Mannschaft, die dann aber etwas isoliert vom restlichen Teil der Mannschaft war. Grundsätzlich versuchte Sechser Brozovic jedoch den alleinigen BVB-Stürmer Julian Brandt zu binden, während die drei Verteidiger in der ersten Linie den Ball geduldig zirkulieren ließen.

Das entscheidende Charakteristikum von Inter Mailands Ballbesitzspiel waren in die Flügelzonen ausweichende Achter. In der ersten Phase der Spielauslösung versuchten sich die beiden Achter Gagliardini und Barella zwar manchmal auf Lücke in den Halbräumen zwischen dem BVB-Sechser und Außenstürmer anzubieten. Da sich der Sechser und Außenstürmer von Borussia Dortmund jedoch bei einem Anspiel auf diese sofort zusammenzogen und den Raum verengten, mussten die Achter häufig prallen lassen.

Man spielte sie hin und wieder trotzdem an und versuchte dadurch auch die Sechser des BVB rauszuziehen, um den Zwischenlinienraum zu öffnen, den man nach einem ganz bestimmten Muster bespielte. Zuerst verlagerte das Conte-Team die Seite, um den Außenstürmer des BVB rauszuziehen, für den der Pass auf einen der Halbverteidiger von Inter der Trigger für ein aggressives Anlaufen war.

In weiterer Folge wich der ballnahe Achter Inters – am Bild Gagliardini, der auf der rechten Achterposition spielte – dann auf den Flügel raus. Gleichzeitig positionierte sich der ballnahe Flügelverteidiger vor seinem Dortmunder Pendant.

Diese Positionierung hatte zur Folge, dass der Dortmunder Flügelverteidiger Schulz am Rausrücken gehindert wurde, wodurch der Achter etwas mehr Zeit am Ball hatte und Raum vorfand, der immer wieder für einen scharfen Pass in den Zwischenlinienraum auf einen der beiden Inter-Angreifer (hier auf Martinez) genutzt wurde. Dieser legte wiederum auf einen seiner Mitspieler ab. Der ballnahe Wingback belief die Schnittstelle, sobald einer der entgegenkommenden Inter-Stürmer angespielt wurde.

Durch diese Gegenbewegung konnte man in der Dortmunder Abwehrreihe für Zuordnungsprobleme sorgen und Räume öffnen. Mit dem Spiel über den Dritten wurde außerdem immer wieder ein Inter-Angreifer mit Blick auf das gegnerische Tor freigespielt und war dadurch in einer spieloffenen Stellung. Wichtig waren auch die Positionierungen der beiden Stürmer Lukaku sowie Martinez vor dem ballseitigen Halb- und Innenverteidiger der Dortmunder.

Diese zwei Spieler wurden damit ebenfalls am Rausattackieren gehindert. Auf diese Art und Weise kam Inter Mailand immer wieder in den Zwischenraum des BVB. Da der ballferne Mailand-Wingback auch in die letzte Linie aufrückte, konnte man häufig ein 5-gegen-5 und somit Gleichzahl herstellen.

Der BVB reagierte auf dieses Muster von Inter Mailand wiederum mit einer passiveren Herangehensweise – Hazard und Sancho blieben nun konsequent tiefer neben den beiden Sechsern im 5-4-1, ließen die Halbverteidiger der Italiener somit zunächst ungestört, um die ausweichenden Achter früher stören zu können und dabei einen besseren diagonaleren Anlaufwinkel zu haben, da Hazard und Sancho nun nicht mehr rückwärts pressen mussten. Schulz und Hakimi konnten sich dann um die hohen Flügelverteidiger von Inter kümmern und waren nicht mehr so oft in Unterzahlsituationen.

Dem BVB gelang es durch das tiefere Verteidigen dann außerdem besser, die Passwege in den Zwischenlinienraum zu versperren. Spielten die Achter einen Rückpass auf den Halbverteidiger, schob vereinzelt der ballnahe Dortmunder Sechser heraus, um ihn anzulaufen. Da die Nerazzurri den Halbraum in diesen Situation ohnehin meist unbesetzt ließ, bestand keine große Gefahr, überspielt zu werden. Außerdem konnte dieser Raum über den Deckungsschatten des herausrückenden Sechsers kontrolliert werden.

Wenn Asamoah oder Candreva dem ballführenden Halbverteidiger allerdings entgegen kamen und angespielt wurden und den BVB-Flügelverteidiger rauszogen, nahmen die Achter Gagliardini oder Barella häufig die Position des hohen Breitengebers ein und beliefen den Raum hinter den rausschiebenden Dortmunder Wingbacks. Die restliche BVB-Abwehrkette sicher in diesen Situationen allerdings gut durch. Spielten die Inter-Flügelverteidiger auf die Halbverteidiger der Dreierkette zurück, presste Borussia Dortmund hin und wieder auch bis zum gegnerischen Strafraum durch.

Dabei lief man die gegnerische Dreierkette in Gleichzahl mit einer klaren Zuteilung an. Der linke Außenstürmer presste den rechten Inter-Halbverteidiger, der mittlere Stürmer den Innenverteidiger und der rechte Außenstürmer den linken Halbverteidiger. Spielte Inter Mailand dann zum Torwart zurück, kehrte man meistens wieder in die dicht gestaffelte 5-2-3-Grundordnung zurück und versuchte, die Zuspielwege in das Zentrum zu versperren.

Durch die im Laufe der ersten Halbzeit tiefer werdende Dortmunder Mannschaft, hatten die drei Mailand-Verteidiger allerdings mehr Zeit und Raum mit dem Ball und konnten immer wieder mit der Kugel am Fuß in die gegnerische Hälfte vorstoßen. So fiel in der 22. Minute auch das 1:0 von Inter Mailand, als de Vrij nach einer langen Ballzirkulation angespielt wurde und den Ball über die Dortmunder Defensiv-Formation auf Martinez, der sein zweites Champions-League-Tor erzielte, lupfte. Wichtig waren hier immer wieder auch die Positionierungen der Inter-Achter Barella und Gagliardini, die sich jeweils klug etwas hinter dem Außenstürmer und Sechser positionierten und sie damit am Herausrücken hinderten. Dortmunds linker Flügelverteidiger Schulz spekulierte bereits auf den langen Ball zum freien Inter-Wingback Candreva, der sich an der Seitenlinie positionierte und orientierte sich demzufolge in seine Richtung, was zur Folge hatte, dass er das Rausrücken der restlichen Abwehrkette übersah und somit das Abseits aufhob.

Inter Mailand versuchte es zwischendurch immer wieder mit einem langen Ball auf einen der schnellen Stürmer, um so hinter die BVB-Abwehr zu kommen. Dem langen Pass ging meist eine Gegenbewegung voraus, ein Stürmer kam entgegen, während der andere in die Tiefe hinter die Abwehr sprintete.

In der zweiten Halbzeit positionierte sich BVB-Sechser Witsel nun häufiger links neben dem Dreiermittelfeld der Italiener, da deren Flügelverteidiger nicht mehr so häufig nach vorne pressten, während sich der für Delaney eingewechselte Dahoud tief die Bälle abholte. Linksverteidiger Schulz vorderlief vermehrt, während Sancho an der linken Außenlinie für Doppelpässe bereitstand. Gleichzeitig rückte Hazard ballfern öfters in die letzte Linie zu Brandt auf, um sich dann für eine Halbraumverlagerung fallen zu lassen. Inter verteidigte im massiven 5-3-2-Abwehrpressing.

In der 74. Minute nahm BVB-Trainer Lucien Favre Akanji vom Feld und brachte stattdessen Bruun Larsen, der fortan in das Sturmzentrum rückte, während Brandt die Zehnerposition besetzte. Man agierte nun im altbekannten 4-2-3-1-System. Hakimi und Schulz besetzten die Außenverteidiger-Positionen in der Viererkette, rückten jedoch gegen den Ball weiterhin aggressiv nach vorne. Man brachte nun im eigenen Ballbesitz deutlich mehr Personal in den gegnerischen Strafraum und überlud oftmals den linken Halbraum für gegneranlockende Kombinationen, um dann auf den schnellen Hakimi zu verlagern.

In der Schlussphase der Partie kassierte man dann aus einem Inter-Konter das 0:2 durch Candreva.

Fazit

Bei Borussia Dortmund lag der Schwachpunkt im Gruppen-Hinspiel dieser beiden Klubs eindeutig im Ballbesitz. Im Zehnerraum klaffte häufig ein Loch. Die Strafraumbesetzung war in ersten Halbzeit nicht gut. Zudem konnte man von Inter Mailand leicht auf außen isoliert werden. Die System-Umstellung erwies sich dennoch, was das Spiel gegen den Ball betrifft, als richtig. Man verengte die Räume, stand kompakt und hielt die Italiener großteils aus dem Zentrum fern. Die drei zentralen Verteidiger der Fünferkette garantierten im Zentrum eine 3-gegen-2-Überzahl gegen die beiden Mailänder Stürmer.

Inter Mailand hatte sowohl mit als auch gegen den Ball einen guten Plan. Um das dicht gestaffelte 5-4-1 der Borussen auszuhebeln, forcierte man das Spiel über die Flügeln, um dann in weiterer Folge von außen ins Zentrum zu gelangen. Dafür hatte man einen klaren Plan, man positionierte sich in gewissen Räumen bewusst, um BVB-Spieler zu binden und sich damit Lücken zu schaffen. Defensiv ließ man kaum etwas zu, stand solide im kompakten 5-3-2 und glänzte durch saubere Verschiebebewegungen.

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