Teamanalyse Spartak Moskau: Tedesco’s Start in Russland

Seit Mitte Oktober ist Domenico Tedesco Trainer bei Spartak Moskau. Nach einem guten Saisonstart mit 14 Punkten aus 7 Spielen folgten 4 Niederlagen die letztendlich zur Entlassung von Oleg Kononov geführt haben. Das anschließende Spiel wurde unter einem Interimstrainer auch verloren und so übernahm Tedesco Spartak Moskau auf Platz 9 liegend mit 14 Punkten aus 12 Spielen. Der Abstand zu den internationalen Plätzen betrug zu diesem Zeitpunkt bereits 11 Punkte und man war nur 2 Punkte vor den Relegationsplätzen.

Tedesco haftet seit seiner Zeit bei Schalke 04 das Image eines sehr defensiven Trainers an, der vor allem Wert auf das Spiel gegen den Ball legt. Dadurch ist er in seiner ersten Saison Vizemeister geworden, in der zweiten konnte Schalke die gute erste Saison nicht wiederholen und stürzte in den Abstiegskampf. Die Schalker Probleme in der letzten Saison sind aber nicht nur durch die gesunkene Qualität im Spiel gegen den Ball zu finden, sondern auch in der offensiven Harmlosigkeit. Tedesco rechtfertigte die vielen langen Bälle im Schalker Aufbauspiel mit den Eigenschaften seiner Stürmer Embolo, Burgstaller und di Santo.

Bei Spartak Moskau findet er nun ein ganz anderes Spielermaterial vor. Die Mittelfeldspieler kommen deutlich weniger über ihre Physis und die Stürmer sind nicht geeignet für ein Spiel mit langen Bällen. Der Kader ist auch noch sehr jung – das Durchschnittsalter der Startelf liegt in der Regel zwischen 23 und 25 Jahren. Diese Gründe haben Tedesco wohl dazu verleitet, die laut eigener Aussage reizvolle Aufgabe in Russland anzunehmen.

Spiel 1: Spartak Moskau – Rubin Kasan

Verbindungsprobleme im Ballbesitz

In seinem ersten Spiel entschied sich Tedesco für eine 4-3-3 Formation. Im Aufbauspiel kippten die Achter aus der Formation raus, der rechte Achter Bakaev ging dabei sogar raus auf den Flügel, sein Gegenüber Umiarov verblieb in der Halbspur. Durch das Abkippen der Achter schoben die Außenverteidiger an den Flügeln hoch und die Flügelstürmer Schürrle und Melgarejo rückten in der letzten Linie ein. Weil der nominelle Mittelfstürmer Til sich aber viel fallenlies und mehr wie eine falsche Neun spielte, agierten Schürrle und Melgarejo mehr wie breite Stürmer einer Raute denn als klassische Flügelstürmer.

Das größte Problem dieser Struktur war die fehlende Anbindung in den Zwischenlinienraum. Til war der einzige Spieler, der hinter Kasans Mittelfeld nach Lücken gesucht hat um Verbindungen herzustellen. Sehr viele Angriffe liefen deshalb über den Flügel, wo die Bälle dann verloren gingen. Auf links war ein häufiges Muster, dass der Ball bei Linksverteidiger Lucas landete. Schürrle machte in der Halbspur Läufe in die Tiefe, wurde dabei aber vom rechten Innenverteidiger nach außen abgedrängt und blieb wirkungslos.

Probleme zeigten sich auch, wenn Kasan mal ins Angriffspressing vorrückte. Kral ist nicht talentiert darin, wenn es um das Schaffen von Strukturen geht. Er hat oft Probleme in der Positionsfindung, bewegt sich meistens zu nah an den Ballführenden, ist dadurch nicht anspielbar und fehlt dann als Anspielstation nach weiteren Pässen. Dazu kommen noch seine technischen Mängel. Gegen das durch einen Achter vorschiebende 4-4-2 Angriffspressing von Kasan hatte Spartak eigentlich eine 4v2 Überzahl mit dem eigenen Torwart, den Innenverteidigern und Kral. Dabei fächerten die Innenverteidiger auch breit auf, sodass die erste Pressinglinie leicht überspielt werden konnte. Allerdings positionierten sich die Außenverteidiger und Achter sehr tief in der eigenen Hälfte, wodurch aus dem Überspielen der ersten Pressinglinie kein Raumgewinn entstand. Diese Probleme führten dazu, dass Spartak dann oft zu langen Bällen greifen musste. Das Gegenpressing war anschließend aber ordentlich und so konnten einige zweite Bälle gewonnen werden.

Unkompaktes Pressing

Zu Beginn des Spiels versuchte man, Kasans Aufbauspiel durch Angriffspressing zu unterbinden. Weil die 3 Stürmer aber alleine vorrückten und leicht überspielt wurde, konzentrierten sie sich mehr auf das Mittelfeldpressing. Auch dort nutzte Spartak ein 4-3-3 mit einem engen Mittelfeld und einer breiten ersten Linie. Die Stürmer positionierten sich im Passweg der Innenverteidiger auf die Außenverteidiger und leiteten das Aufbauspiel erst einmal durch die Mitte. Til nahm den gegnerischen Sechser in den Deckungsschatten.

Grundsätzlich war die Pressingidee nicht so schlecht, sie scheiterte aber auch weil Kasan ein gutes Aufbauspiel hatte und sich durchs Zentrum nach vorne Spielen konnte. Der Sechser nutzte die Orientierung von Til an ihm sehr gut aus und lockte Spartaks Stürmer durch seitliches Ausweichen aus dem Zentrum, schaffte so Platz für ein Zurückfallen eines Achters oder ein Andribbeln eines Innenverteidigers. Umiarov und Bakaev schafften es dann nicht, die Passwege auf die Achter zu schließen, Kasan konnte sich deshalb über sie Pässe auf den Flügel hinter Schürrle und Melgarejo auf die aufrückenden Außenverteidiger spielen.

Sobald Kasan auf den Flügel gekommen ist, wurde Spartak in ihrem Verteidigungsverhalten sehr mannorientiert. Kasan nutzte das aus, um vom Flügel mit diagonalen Kombinationen entgegen der Verschiebebewegung der Defensive sich in die Mitte zu kombinieren. Je nachdem, welcher Spieler den Ball am Flügel bekommen hat – Außenverteidiger, Achter oder Flügelspieler – fungierte dieser Spieler als freier Mann, der die Kombinationen startete.

Tedesco reagierte noch in der ersten Halbzeit auf die Probleme im Spiel gegen den Ball und stellte auf ein 4-5-1 um, Schürrle und Melgarejo positionierten sich dann tiefer neben den Achtern und wurden so seltener überspielt. Weiterhin blieben aber Probleme in der Kompaktheit. Es war nicht klar, wer wann das Pressing auslöst und wie die anderen Spieler dann nachschieben. Bakaev nutzte Querpässe vom rechten auf den linken Innenverteidiger zum Rausrücken, die anderen Spieler schoben aber nicht nach und sicherten den Achter nicht ab, wodurch die Formation horizontal wie vertikal unkompakt war. Kasan konnte dieses Rausrücken leicht überspielen.

Bakaevs schwache defensive Aufmerksamkeit wurde auch im eigenen Abwehrdrittel deutlich. Wie erwähnt wurde Spartak nach Pässen auf den Flügel sehr mannorientiert, Umiarov und Bakaev orientierten sich demnach an den gegnerischen Achtern und verfolgten auch die Läufe in die Tiefe – zumindest sollten sie das. Während Umiarov dabei recht zuverlässig war und auch läuferisch stark ist, ist Bakaev genau das Gegenteil. Er hatte Probleme darin, Passwege in die Halbräume zu schließen und die Läufe seines Gegenspielers zu verfolgen. Das führte vor allem mit einem anderen Muster in Spartaks Defensive zu Problemen. Die Außenverteidiger rückten sehr früh auf den Flügel raus, achteten dabei aber nicht auf die Abstände und das Nachschieben der restlichen Viererkette. So entstanden große Löcher zwischen Außen- und Innenverteidiger, welche Kasans Achter mit Läufen attackierten.

Das Problem der unkompakten Abwehrkette führte vor allem in der ersten Halbzeit zu Problemen, weil die Innenverteidiger in der Folge auf den Flügel rausschieben mussten. Für die Strafraumverteidigung waren dann nur noch der ballferne Innenverteidiger und der ballferne Außenverteidiger im Zentrum, Kral und der ballferne Achter waren sehr hoch positioniert und kamen nicht mit in den Strafraum zurück. So waren Innenverteidiger und Außenverteidiger im Strafraum in einer 2v3 Unterzahl gegen den gegnerischen Mittelstürmer, Flügelstürmer und Achter.

Fazit

Das erste Spiel von Tedesco war eine sehr wackelige Angelegenheit – gerade im Spiel gegen den Ball. Drei Probleme zogen sich dabei über die gesamten 90 Minuten: Zu mannorientiertes Verschieben, wenn der Ball auf dem Flügel ist und zu große (vor allem) vertikale Abstände im Spiel gegen den Ball. Im Ballbesitz mangelte es an einer passenden Struktur, die Anbindung in den Zwischenlinienraum fehlte und viele Angriffe liefen über die Flügel, wo sie den Ball verloren.  

Spiel 2: Lok Moskau – Spartak Moskau

Veränderte Pressingstrategie

Gleich im zweiten Spiel wartete mit Lokomotive Moskau ein großer Gegner und das erste Stadtderby auf Tedesco. Im Vergleich zum Spiel gegen Kasan gab es auch weitreichende Änderungen in der Pressingstrategie. Durch die Rückkehr von Innenverteidiger Dzhikiya – war gegen Kasan gesperrt – standen Tedesco drei Innenverteidiger zu Verfügung, was er auch für eine Fünferkette nutzte. Als rechter Wing-Back startete Melgarejo, der im Spiel gegen Kasan noch als Stürmer aufgelaufen war, für den im ersten Spiel schwachen Rasskazov. Die Besetzung des Mittelfelds blieb zwar nominell unverändert, Bakaev orientierte sich aber vor Umiarov und Kral zwischen bzw. hinter den beiden Stürmern als Zehner in einer 5-2-1-2 Formation.

Diese Systemumstellung war auf dem Papier eine geeignete Wahl, um die Schwächen aus dem ersten Spiel zu kaschieren. Durch die drei Innenverteidiger ist die Breite in der Abwehr besser abgesichert, wodurch das frühe Rausrücken der Außenverteidiger bzw. Wing-Backs beibehalten werden kann. Bakaev hat als Zehner nicht so einen großen Einfluss auf das Defensivspiel wie als Achter, dadurch muss sich Spartak nicht so sehr auf ihn verlassen. Und zum Schluss war die Idee des 5-2-1-2, Lokomotive Moskau im Aufbauspiel auf die Flügel zu leiten und nicht – wie im Spiel gegen Kasan – das Aufbauspiel des Gegners durchs Zentrum zu erzwingen.

Durch die simple Mannorientierung von Bakaev gegen den Sechser und die engeren Positionen von Schürrle und Ponce spielte Lokomotiv den Ball auf einen Halbverteidiger. Dieser wurde durch bogenförmiges Anlaufen des jeweiligen Stürmers zum Andribbeln gezwungen. Die hoch positionierten Wing-Backs wurden von Lucas und Melgarejo aufgenommen, während Umiarov und Kral auf die beiden ballnahen Gegenspieler in ihrer Zone mannorientiert durchschoben.

Probleme ergaben sich für Spartak in dieser Formation aber vor allem durch Verlagerungen. Weil Umiarov und Kral zunächst auf die beiden ballnahen zentralen Mittelfeldspieler schoben, war der ballferne Achter frei. Häufig rückten die Sechser durch diese Mannorientierungen bis auf den ballnahen Flügel bzw. Halbspur, der Weg nach Verlagerungen zum freien Spieler wurde dann sehr weit und konnte von Lok gezielt genutzt werden. Die Stürmer verhinderten diese Verlagerungen nicht. Der Champions-League Teilnehmer konnte in der Folge dann die Überzahl im Mittelfeld mit Verlagerungen ausnutzen, war in der Folge aber zu ideenlos gegen eine stabile Abwehrkette.

Nach Spartaks Führungstreffer kurz nach der Pause stellt Lok auf ein 4-1-4-1 System um. Durch die tiefere Einbindung der Außenverteidiger ins Aufbauspiel rückten Spartaks Wing-Backs weit auf ihre Gegenspieler vor, Umiarov und Kral konnten dadurch in den zentralen Zonen verbleiben und mussten nicht mehr so viel verschieben. Lok Moskau spielte dann viele Pässe die Linie runter, welche durch die durchschiebenden Halbverteidiger geklärt werden konnten.

Obwohl das Spiel gegen den Ball im Vergleich zum Spiel gegen Kasan verbessert war, zeigten sich weiterhin einige Probleme. Sie haben insgesamt nur sehr wenig Zugriff im Spiel gegen den Ball, die Spieler bleiben auch von ihren direkten Gegenspielern häufig ein bis zwei Meter entfernt und gehen nicht in den Zweikampf. So konnte sich Lok auch aus eigentlich isolierten Situationen befreien. Des Weiteren fehlte ein klarer Pressingplan. Es gab immer wieder Situationen, in denen das Aufbauspiel auf den Flügel geleitet wurde, dort aber dann nicht klar war, wer was zu tun hat. So entstanden unkoordinierte Situationen. Nach Pässen auf den Flügel ist das Verhalten der Spieler weiterhin sehr mannorientiert und die vertikale Kompaktheit ausbaufähig.

Gute Ansätze im Ballbesitzspiel

Spartak hatte in diesem Spiel deutlich weniger Ballbesitz als im Heimspiel gegen Kasan. Gerade zu Beginn der Partie zeigten sie aber deutlich verbesserte Ansätze. Im Aufbauspiel wurde aus dem 5-2-1-2 mehr ein 5-3-2, indem Umiarov links und Bakaev rechts die Achterpositionen besetzten – auch wenn Bakaev seine Rolle sehr frei interpretierte. Die Wing-Backs Lucas und Melgarejo positionierten sich sehr hoch um ihre Gegenüber bei Lok Moskau in der letzten Linie zu binden, wobei Lucas sich auf der linken Seite auch mal tiefer einschaltete. Wurde der Ball auf die linke Seite zu Dzhikiya gespielt, bewegte sich auch Umiarov in die letzte Linie auf den rechten Innenverteidiger und schaffte so Platz für Dzhikiya zum Andribbeln.

Nach drei Minuten hatte Spartak die erste gute Szene im Aufbauspiel. Dzhikiya dribbelte mit dem Ball an, Ponce und Umiarov machten Läufe in die Tiefe, der Innenverteidiger entschied sich aber für den kurzen Pass auf Lucas, der die Situation mit einem Rückpass auf Gigot auflöste. Das Spiel wurde in die rechte Halbspur verlagert, wo Bakaev Platz hinter dem unpassend rausrückenden Gegenspieler fand. Die gegnerischen Verteidiger wurden von Ponce, Schürrle und Melgarejo gebunden, wodurch Bakaev bis zum Strafraum vordribbeln konnte.

Weiterhin war Spartak aber noch sehr inkonstant in ihrem Spiel. Unter Druck, aber vor allem auch ohne Druck wurde zu oft und zu schnell der lange Ball gespielt. Die langen Bälle waren dann nicht vorbereitet und wurden in Räume gespielt, in denen die Stürmer in Unterzahl waren – Ballverluste waren die Folge.

In der zweiten Halbzeit lag der Fokus dann auf Kontern, was auch durch Lokomotives Spielweise ermöglicht wurde. Zu Beginn hatten sie noch Probleme, diese Situationen richtig auszuspielen, später wurden sie dann aber immer besser und effizienter. In den Umschaltsituationen zeigten die Stürmer gute Bewegungen, um Gegenspieler wegzuziehen und Räume für nachrückende Spieler zu öffnen – so erzielte Spartak alle drei Tore nach Kontern.

Fazit

Tedesco reagierte auf die Defensivprobleme aus dem ersten Spiel und wählte eine Formation, die einige Schwächen auffangen konnte. Aber auch im 5-2-1-2 waren weiterhin zu große vertikale Abstände, zu viele Mannorientierungen beim Verschieben zum Flügel zu sehen, die zu fehlendem Zugriff führten. Im Ballbesitzspiel konnten durch Verlagerungen oder Kombinationen auf einem Flügel ein paar Chancen kreiert werden, insgesamt war das Spiel aber noch zu inkonstant. Den ersten Sieg in Russland konnte Tedesco dank sehr schwacher Konterabsicherung von Lokomotive Moskau in der zweiten Halbzeit und guten Kontern seiner Mannschaft einfahren.

Spiel 3: Spartak Moskau vs Arsenal Tula

Verbessertes Ballbesitzspiel

Im dritten Ligaspiel entschied sich Tedesco für eine 3-5-2 Formation. Die drei Innenverteidiger sowie die Wing-Backs blieben unverändert zum letzten Spiel, auf den fünf Positionen davor kamen aber fünf neue Spieler zum Einsatz. Im Sturm fehlten Schürrle und Ponce, sie wurden durch Mirzov – der in den Spielen zuvor nach Einwechslungen positiv aufgefallen war – und Larsson ersetzt. Die Achterpositionen wurden von Til und Zobnin besetzt, letzterer spielte zum ersten Mal unter Tedesco. Die wichtigste Änderung gab es aber auf der Sechserposition – der Georgier Jano Ananidze, der in dieser Saison nur sehr unregelmäßig zum Einsatz kam, ersetzte den bislang enttäuschenden Kral.

Dieser Tausch im defensiven Mittelfeld hatte eine sehr positive Auswirkung auf Spartaks Aufbauspiel, weil Ananidze talentierter darin ist, Verbindungen herzustellen. Dies half vor allem nach Pässen auf den Flügel, nach denen er sich gut bewegte und verhinderte, dass seine Mitspieler isoliert wurden. Ananidze ist nicht nur in seinem Positionsspiel stärker als Kral, er ist dazu auch noch technisch nicht so stümperhaft, sondern sauberer, kann dadurch auch mal einen Gegner ausdribbeln oder sich geschickt aus ungünstigen Situationen drehen.

Gegen das 5-2-3 System von Arsenal Tula fand Tedesco auch einen passenden Matchplan. Die Wing-Backs und Achter positionierten sich im Aufbauspiel sehr hoch, fast in der letzten Linie. Dadurch schafften sie Platz im Aufbauspiel, sodass die drei Innenverteidiger mit Ananidze davor eine 4v3 Überzahl gegen die drei Stürmer von Tula hatten. Auf den Flügeln konnten sich die Wing-Backs dann situativ zurückfallen lassen, um Verbindungen herzustellen. Die Angriffe wurden dann meistens mit Pässen auf den Flügel ausgelöst. Das Ziel war, Tula auf eine Seite zu locken und dann auf die ballferne Seite zu verlagern, um dort mit dem Innenverteidiger andribbeln zu können. Das geschah meistens über die linke Seite.

Der linke Innenverteidiger Dzhikiya hatte mit Lucas, Til und Mirzov drei Spieler vor sich. In der Halbspur versuchten Mirzov und Til sich mit entgegengesetzten Bewegungen von den Manndeckungen ihrer Gegenspieler zu lösen. Til macht dafür einen Lauf in die Tiefe, während sich Mirzov fallenlies. Außerdem suchten sie die Kombinationen auf dem Flügel, versuchten dort einen Spieler freizuspielen und dann in den Strafraum zu kommen. 

In dieser Szene entstand auf dem Flügel eine 4v4 Situation, mit vielen Positionswechseln untereinander und Läufen in die Tiefe, um die Gegenspieler weg- und Raum freizuziehen, wurde schließlich Raum für Dzhikiya geschaffen. Der Innenverteidiger spielte einen Chip-Ball hinter die Abwehrkette auf den einlaufenden Larsson, Lucas scheiterte nach der folgenden Ablage am Torwart.

Spartak baute aber nicht nur über die Flügel – hauptsächlich den linken – das Spiel auf, sondern auch durchs Zentrum. In diesen Szenen wurde das mannorientierte Verhalten der gegnerischen Sechser ausgenutzt, indem sich die Achter sehr breit positionierten und so das Zentrum freizogen. Hilfreich war auch die Aufmerksamkeit von Ananidze in diesen Situationen, der den Passweg des Innenverteidigers auf den Stürmer offenhielt und sich so positionierte, dass er anschließend die Ablage vom Stürmer in offener Stellung erhalten konnte.

Da durch den zurückfallenden Stürmer auch ein Innenverteidiger rausgezogen wurde, konnte das Loch der Abwehrkette attackiert werden. In dieser Szene liefen Zobnin und Melgarejo allerdings in den gleichen Raum und beraubten sich so einer potentiell guten Chance. Außerdem war die sehr breite Positionierung von Mirzov nicht hilfreich. Hätte er sich zwischen den beiden noch in der Kette befindlichen Innenverteidigern positioniert, hätte er den zentralen Innenverteidiger binden können. So konnte dieser Spieler sich bereits frühzeitig in das Loch hinter dem freien Spieler bewegen. Insofern war diese Szene ein bisschen sinnbildlich für Spartaks Leistung in der ersten Halbzeit – gute Ansätze, aber nicht immer genau genug oder abgestimmt in der Umsetzung.

Aufgrund einer Verletzung Kutepov’s stellte Tedesco zur zweiten Halbzeit auf ein 4-3-3 um. Zobnin spielte von da an als Rechtsverteidiger, Umiarov wurde für Kutepov eingewechselt und spielte im zentralen Mittelfeld. Die Rolle der Achter blieb auch nach der Umstellung ähnlich. Die Flügelstürmer positionierten sich sehr breit und konnten so die Wing-Backs binden, was Platz für die eigenen Außenverteidiger neben Tula’s Formation schaffte. Diese wurden im Aufbauspiel dann auch konstant gesucht. Spartak hatte dabei sehr gute Momente, um die Flügel frei zu spielen. Konnte Tula bereits auf die Seite verschieben und ein Aufrücken der Außenverteidiger verhindern, spielten sie Pässe zurück auf die Innenverteidiger. Tula wurde zurück ins Zentrum gelockt, was die Möglichkeit für Diagonalbälle zurück auf die Flügel ergab.

Bekamen die Außenverteidiger den Ball und konnten aufrücken, sollte über die Flügel Druck gemacht werden. Durch die hohe und freie Rolle der Achter gab es dabei aber immer wieder Anbindungsprobleme, viele Angriffe endeten dadurch in Flanken. Ananidze war oft die einzige Verbindungsoption im Zentrum, baute selber aber sowohl im Positionsspiel als auch in der technischen Umsetzung seiner Aktionen ab und wurde durch zurückverteidigende Stürmer auch mehr unter Druck gesetzt. Gelang die Anbindung ans Zentrum aber zeigte Spartak sehr gute Dynamiken auf der ballfernen Seite, wo der Außenverteidiger hinter die Abwehr startete, nachdem der Flügelstürmer für ihn durch ein Einrücken und Binden des Gegenspielers Platz geschaffen hatte.

Nach Tula’s Umstellung auf 5-4-1, wodurch sie die Flügelangriffe besser unterbinden konnten, forcierte Spartak vermehrt das Aufbauspiel durchs Zentrum. Dort versuchten sie mit Steil-KlatschKombinationen hinter sich durch zu kombinieren, hatten aber Probleme in der Staffelung. Weil sich die Achter sehr hoch positionierten konnte der Stürmer nur schwer den Ball auf sie ablegen. Außerdem wurde Spartak im Laufe des Spiels zu hektisch im Ballbesitz, spielte zu oft lange Bälle, die dann auch direkt verloren gingen.

Insgesamt war es aber trotzdem die beste Leistung im eigenen Ballbesitz. Mit Spielverlagerungen scheint gezielt versucht zu werden, die gegnerische Formation auseinanderzuziehen und Freiräume auf den Flügeln zu schaffen. Mit entgegengesetzten Bewegungen und Steil-Klatsch Kombinationen versuchen sie sich dann Torchancen rauszuspielen. 

Verbessert, aber mit den gleichen Problemen im Pressing

Wie schon im letzten Spiel gegen Lokomotive Moskau leitete Spartak auch gegen Tula das Aufbauspiel aus einer 5-3-2 Formation auf die gegnerischen Halbverteidiger, die dann von den Stürmern bogenförmig angelaufen wurden. Dadurch soll der Halbverteidiger zum Andribbeln gezwungen werden, der Achter soll den Passweg in den Halbraum zustellen, während der ballnahe Innenverteidiger und Wing-Back ihre Gegenspieler zustellen. 

Auch wenn das Defensivspiel schon klar verbessert zu den letzten beiden Spielen war, hatte Spartak weiterhin mit den gleichen Problemen zu kämpfen. In der Abbildung war bereits zu sehen, dass sich die ballfernen Mittelfeldspieler sehr mannorientiert verhalten haben. Dadurch können sie zum einen nur schwer ihre Mitspieler absichern, sie können aber auch aus ihren Räumen gezogen werden, worunter dann insgesamt die Kompaktheit leidet. Dieses zu mannorientierte Nachschieben war auch nach der Umstellung auf 4-1-4-1 zu sehen.

Trotz der Mannorientierungen fehlt es Spartak paradoxerweise weiterhin am Zugriff in vielen Situationen. Die Spieler gehen selten direkt in den Zweikampf und versuchen den Ball zu gewinnen, sondern stellen ihre Gegenspieler zunächst und halten dabei ein bis zwei Meter Abstand. Dieses Problem zeigte sich dann auch zusammen mit den bekannten zu großen vertikalen Abständen vorm Gegentor. Der Ansatz eines Konters führte schnell zu einem Ballverlust, Spartak hatte aber noch acht Spieler hinter dem Ball. Im Zentrum waren sie in einer klaren Überzahl, durch den fehlenden Zugriff konnte sich der Gegenspieler aber durch das Mittelfeld dribbeln. Weil die Abwehr sich vorher aber unnötigerweise fallen ließ und deshalb zu tief stand, konnte der Spieler dann mit Tempo auf die Abwehr zu dribbeln und das Tor einleiten. 

Fazit

Auch im dritten Spiel ist eine Verbesserung der Mannschaft zu sehen, die Probleme sind aber noch nicht komplett behoben. Das Ballbesitzspiel hat gute Momente, die aber noch zu inkonstant genutzt werden. Im Pressing scheint sich mit dem Leiten des gegnerischen Aufbauspiels auf den Flügel bereits ein klarer Plan zu etablieren. Die anhaltenden Probleme vermeiden aber eine konstant gute Umsetzung. 

Spiel 4: Spartak Moskau vs KS Samara

Verlagerungen und Flügelfokus im Ballbesitz

Nachdem Bakaev seine Gelbsperre im letzten Spiel abgesessen hatte, kehrte er gegen Samara wieder in die Startelf zurück. Im Ballbesitz spielte er nominell als rechter Achter, bewegt sich dabei aber sehr frei und ist deshalb auch viel im Zentrum oder auch mal in der linken Halbspur zu finden. Gerne kippt er aber auch auf der rechten Seite raus.

Wie schon im vergangenen Spiel positionierten sich die Wing-Backs Zobnin und Lucas bei eigenem Ballbesitz wieder sehr hoch auf den Flügeln, um die Wing-Backs von Samara’s 5-4-1 Formation nach hinten zu drücken. Durch Samara’s sehr passiven Stürmer im Spiel gegen den Ball hatte Spartak die Möglichkeit, den Ball viel vor der gegnerischen Mittelfeldkette zu verlagern. Auf der rechten Seite gab es dann Situationen, in denen Bakaev hinter dem Mittelfeld nach außen auswich und den von Zobnin geöffneten Raum nutzte, um von dort die Angriffe nach vorne zu tragen. Gleich in der ersten Minute entstand durch so eine Szene auch eine ansehnliche Kombination am rechten Flügel. Larsson wich als rechter Stürmer aus und konnte den Pass von Bakaev auf Zobnin ablegen, der vom rechten Flügel aus vor Larsson in die Mitte zog.

Auf der linken Seite sahen die Angriffe etwas anders aus. Umiarov verblieb, genau wie Lucas, in einer höheren Position und schaffte damit Platz für ein Andribbeln des Innenverteidigers Dzhikiya. Der eher stämmig gebaute Russe, der auf den ersten Blick nicht wie ein andribbelnder Innenverteidiger mit teilweise starken linienbrechenden Pässen aussieht, war auf der linken Seite dann auch sehr aktiv, hatte aber insgesamt Probleme, den Ball in den Zwischenlinienraum zu bekommen. Ponce und Larsson bewegten sich in der letzten Line viel, hatten aber insgesamt Probleme Verbindungen herzustellen. So war Spartak auf den Flügeln dann oft isoliert und kam nicht zurück ins Zentrum. Die Folge waren viele Flanken und frühe lange Bälle in die Spitze.

Etwas symbolisch für diese Anbindungsprobleme war dann auch das Führungstor von Spartak. Nach einer ungenau gespielten Verlagerung von Kral brachte Dzhikiya den Ball am linken Flügel unter Kontrolle, wurde aber direkt vom Gegenspieler unter Druck gesetzt. Weil der einzige Raum, den Dzhikiya hätte bespielen können, nicht besetzt war, spielte er einfach auf gut Glück einen Pass durch die Beine des Gegenspielers Richtung Zentrum. Nach einer missglückten Klärungsaktion von Samara kam Ponce an den Ball und traf schließlich nach einem Doppelpass und sehenswerten Schnittstellenpass von Bakaev.

Zur zweiten Halbzeit reagierte Tedesco und passte die Staffelung der eigenen Mannschaft im Ballbesitz etwas an. Bakaev positionierte sich nun mehr im Zentrum und bewegte sich nicht mehr auf die rechte Seite, sondern suchte hinter dem Mittelfeld nach Räumen. Ponce und Larsson positionierten sich in der letzten Linie so, dass sie zu zweit die drei Innenverteidiger binden und somit Platz für Bakaev im Zwischenlinienraum schaffen konnten. Um Samaras Mittelfeld weiter raus zu locken positionierten sich die Wing-Backs im Aufbauspiel tiefer und auch Umiarov war nicht mehr konstant hinter dem Mittelfeld positioniert.

Zwei Probleme verhinderten aber den Erfolg dieser Strategie. Die Abstimmung zwischen Bakaev und den Stürmern passte nicht immer, manchmal ließen sich zwei Spieler in denselben Raum fallen und nahmen sich dadurch selbst den Platz weg, zusätzlich wurde auch noch ein gegnerischer Innenverteidiger in den Raum gezogen. Das zweite Problem war Kral, der wieder in der Startelf stand. Ananidze fehlte gegen Samara im Kader. Der Tscheche hat Probleme darin, sich richtig zu positionieren und findet daher nur selten Pässe nach vorne. Ein häufiger Fehler ist, dass er sich zu nah an den Gegenspielern und nicht „auf Lücke“ anbietet. So kann er nach der Ballannahme schnell unter Druck gesetzt und die Passwege nach vorne einfach abgeschnitten werden.

Gefährlich wurde Spartak gegen Samara vor allem nach Kontern – und zwar dann, wenn sie das Gegenpressing auflösen konnten und den Ball zu Bakaev gebracht haben. Der russische Nationalspieler ist quasi die Ein-Mann-Kreativabteilung im Kader von Tedesco. Seine defensiven Schwächen kaschiert er vor allem mit seinen Fähigkeiten am Ball. Aus diesem Grund ist er in der Aufstellung von Spartak unersetzbar. Bekam er in Kontersituationen den Ball vor der Abwehr, hatte er immer zwei oder drei Spieler vor sich, die Läufe in die Tiefe machten. Mit präzisen Schnittstellenpässen oder Chip-Bällen hinter die Abwehr konnte er so einige Chancen kreieren.

Anhaltende Probleme im Pressing

Durch die Rückkehr von Bakaev wechselte Tedesco vom 5-3-2 wieder zur 5-2-1-2/5-2-3 Formation, bei der sich Bakaev gegen den Ball zwischen den Stürmern orientiert. Auch Samaras Aufbauspiel soll aus dieser Formation durch das kompakte Zentrum auf die Halbverteidiger geleitet werden. Diese werden dann durch bogenförmiges Anlaufen der Stürmer zum Andribbeln gezwungen. Dahinter verschieben die Sechser im Idealfall auf die Seite und erobern den Ball.

Spartak hatte auch einige gute Pressingszenen, wenn sie auf einer Seite Überzahl schaffen konnten und Samara so isoliert war. Allerdings waren, wie im Spiel gegen Lokomotive Moskau, die großen Räume und das weite Verschieben für die Sechser ein Problem. Weil die Stürmer Spielverlagerungen nicht verhindern, findet Samara nach Verlagerungen Platz zum Aufrücken.

Ein weiteres Problem ist das Auslösen des Pressings. Die Stürmer haben quasi jeden Querpass auf einen Halbverteidiger als Pressingauslöser verstanden und den Halbverteidiger demzufolge auch direkt zum Andribbeln gezwungen – auch, wenn die restliche Mannschaft noch gar nicht auf diese Seite verschoben hat. Man wollte Samara in eine Falle locken, die noch gar nicht aufgebaut war und dementsprechend auch nicht funktioniert hat. In diesen Szenen wäre es sinnvoller, wenn die Stürmer zunächst auf das Verschieben ihrer Mitspieler achten würden und ihr Anlaufverhalten danach ausrichten. Ein leichtes Fallenlassen und Verhindern des Andribbelns würde dem Team helfen.

Kam Samara aber über die seitlichen Zonen nach vorne, konnte Spartak die Angriffe noch gut verteidigen. Durch die Fünferkette war der ballnahe Halbverteidiger in der Lage, rauszurücken und mit dem Wing-Back am Flügel zu verteidigen, während sich die anderen drei Verteidiger im Strafraum orientierten. Dieser wurde von Samara oft nur mit einem Stürmer besetzt – Flanken waren daher leicht zu verteidigen und brachten keine Gefahr.

Fazit

Nachdem die Leistung in den ersten drei Ligaspielen von Woche zu Woche besser wurde, war das Spiel wieder ein kleiner Rückschritt. Gegen einen schwachen Gegner reichten aber ein frühes Tor in der ersten Halbzeit und gefährliche Konter. Im Pressing waren weiterhin die gleichen Probleme wie in den vergangenen Spielen zu sehen: zu wenig Zugriff, zu mannorientiert und zu unkompakt. Da Samara aber mehr durch peinliche Platzverweise als durch guten Offensivfußball auffiel, blieb das Tor größtenteils ungefährdet.

Ausblick

Tedesco scheint mittlerweile mit dem 3-5-2/5-2-1-2 eine feste Formation gefunden zu haben, die personelle Fluktuation ist aber noch sehr hoch – gerade im Mittelfeld und im Angriff. Das Ballbesitzspiel scheint auf Spielverlagerungen ausgelegt zu sein, durch die auf den Flügeln Platz geschaffen werden soll, um dort dann mit Kombinationen nach vorne zu kommen. Hohe Positionierungen der Achter und Wing-Backs, um die Gegenspieler nach hinten zu drücken, entgegengesetzte Bewegungen von Achter und Stürmer sowie das Spiel über den Dritten sind weitere Merkmale des Spiels. Gerade in den letzten beiden Spielen waren schon häufiger gute Aktionen zu sehen, an der Konstanz muss aber noch gearbeitet werden.

Gegen den Ball scheint sich nach Problemen im ersten Spiel das 5-2-1-2 als Defensivformation gefunden zu haben. Der Gegner soll auf die Flügel geleitet und dann isoliert werden. Um defensiv aber konstanter kompakt zu stehen und so regelmäßig zu Ballgewinnen zu kommen, nach denen die eigene Konterstärke auch häufiger ausgenutzt werden kann, ist noch viel zu tun. Dafür muss an den bereits häufiger genannten Problemen im Spiel gegen den Ball gearbeitet werden. Gelingt Tedesco das in den nächsten Wochen und dann vor allem in der langen Winterpause, ist Spartak durchaus eine Aufholjagd in der Liga – derzeit 9 Punkte Rückstand auf die internationalen Plätze – zuzutrauen.

Bleibt Tedesco bei der 3-5-2 Formation, wäre die erste Aufstellung die wohl beste Wahl. Auf der linken Seite könnten sowohl Linksverteidiger Lucas als auch Flügelstürmer Mirzov die Rolle erfüllen, je nachdem welche Rolle den Wing-Backs zugeteilt wird. Da Kutepov aber erst einmal verletzt ausfällt, ist auch eine Viererkette denkbar. Bisher hat Tedesco 4-1-4-1 Formationen genutzt, denkbar wäre aber auch eine Raute, möglicherweise mit breiten Stürmern wie im ersten Spiel.

Um zu erkennen, was sich seit der Übernahme von Tedesco verändert hat, lohnt sich ein Blick auf die Statistiken. In den ersten Spielen der Saison konnte Spartak offensiv einen Durchschnittswert von 1,23 non-penalty expected Goals (NPxG, Quelle: understat.com) pro Spiel erreichen, defensiv ließen sie 1,26 NPxG zu, was eine leicht negative Differenz ergibt. Seitdem Tedesco in Moskau Trainer ist, konnten beide Werte deutlich verbessert werden. In den vier Spielen wurde offensiv ein Wert von 1,86 NPxG erreicht, was eine Differenz von 0,63 ist. In der Defensive war die Verbesserung ähnlich – pro Spiel lässt Spartak 0,6 NPxG zu, wodurch der vorherige Wert mehr als halbiert wurde. Die daraus auch deutlich verbesserte Differenz von 1,26 ist der zweitbeste Wert in der russischen Liga in dem Zeitraum, in dem Tedesco dort Trainer ist.

Diese Werte sind aber immer mit Vorsicht zu betrachten. Einige von Spartaks Großchancen entstanden aus eher zufälligen Situationen, dazu ist die Datenmenge mit vier Spielen noch sehr gering und nicht aussagekräftig genug, um Spartak als zweitbeste Mannschaft Russlands zu bezeichnen. Außerdem ist auch ein Blick auf die bisherigen Gegner und deren erbrachten Leistungen in diesem Zeitraum wertvoll. Mit Lok Moskau, Rubin Kazan, Arsenal Tula und KS Samara weisen alle Mannschaften eine negative NPxG-Differenz auf. Der zwischenzeitliche Pokalsieg gegen den Tabellendritten Rostov wirkt nach einem Blick auf die Grafik auch nicht mehr so sensationell.

Die Werte der Deep Completions zeigen die angekommenen Pässe im Umkreis von etwa 18,29 Metern (20 Yards), wobei Flanken nicht einberechnet werden. Keine Mannschaft lässt seit der Übernahme von Tedesco weniger angekommene Pässe vor dem eigenen Tor zu als Spartak Moskau, auch offensiv konnten sie sich etwas verbessern. Diese Werte unterstützen die Erkenntnisse der xG-Werte, dass sich die Mannschaft sowohl offensiv als auch defensiv verbessert hat.

Im Hinblick auf den Opp. Deep Completions-Wert (Deep Completions der Gegner) ist auch ein Blick auf den PPDA-Wert und wie dieser sich seit dem Trainerwechsel verändert hat interessant. Der PPDA-Wert gibt an, wie viele Pässe eine Mannschaft in der gegnerischen Hälfte erlaubt, bevor sie selbst eine Defensivaktion ausführt (also Zweikampf, abgefangener Ball). Dadurch kann aus dem Wert abgeleitet werden, wie viel und gut eine Mannschaft in der gegnerischen Hälfte presst. Während Spartak zum Beginn der Saison noch deutlich häufiger den Gegner in dessen eigener Hälfte störte, ging dieser Wert unter Tedesco deutlich nach oben – bedeutet weniger Pressing. Bedeutet zusammengefasst: Weniger Pressing, stabilere Defensive.  

Nach vier Spielen sind die Werte nicht mehr unbedeutsam, große Rückschlüsse lassen sich daraus aber noch nicht ziehen. Bis zur Winterpause stehen für Spartak noch drei weitere Spiele an, mit den Auswärtsspielen bei Ural Jekaterinburg und Zenit St. Petersburg warten gleich nach der Länderspielpause die ersten beiden Gegner mit einer positiven NPxG-Differenz, die damit auch ein erster Gradmesser für Spartak Moskau sein werden.

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