Holländische Jugendspiele

Im nächsten Artikel meiner Serie zum holländische Fußball werfe ich einen Blick auf zwei Jugendspiele. Dabei werde ich hauptsächlich Auffälligkeiten beschreiben! Es soll nicht vergleichend oder wertend werden. Im Zusammenhang mit den Jugendspielen des FC Groningen hatte ich die Möglichkeit mit dem U13 Trainer zu sprechen, davon werde ich einige Punkte einbringen. Doch zu verschiedenen Ansätzen in der Jugendarbeit kommt später noch ein längerer und ausführlicherer Artikel aus verschiedenen Perspektiven. Das erste Spiel war ein Spiel der U12, 9 gegen 9 von 16er zu 16er. Der SC Heerenveen war zu Gast in Groningen. Das zweite Spiel war das Topspiel der U19 Eredivisie, Tabellenführer Groningen empfing Ajax Amsterdam und gewann 2:0.

Ich möchte in dieser Analyse nicht die Taktik in seiner Tiefe beleuchten, sondern eher ein Auge auf kleinere Besonderheiten und Auffälligkeiten werfen. Dennoch gebe ich den notwendigen mannschaftstaktischen Kontext um das Spiel einordnen zu können. Jugend sollte meiner Meinung nach keine perfekt auf den Sieg ausgerichtete Taktik haben, sondern die Entwicklung jedes einzelnen betonen. Dazu gehört zweifelsohne auch Taktik, gerade im gruppen- und individualtaktischen Bereich. Wie sind die Abstände zwischen den Spielern, wie ist die Entscheidungsfindung und welche Kniffe hat sich diese Mannschaft entwickelt die sie von anderen unterscheiden? Aber mannschaftstaktische Elemente müssen immer wieder neu erlernt werden, zusammen mit den Mitspielern, und können nicht alleine auf Abruf erlernt werden. Ich werde hier im Folgenden versuchen besondere gruppen- und individualtaktische Bewegungen aufzuzeigen und dem Leser einen Eindruck zu geben wie ein Jugendspiel in den Niederlanden aussehen kann.

U12 gegen Heerenveen

Bevor ich auf Beobachtungen zu der U12 Partie komme, möchte ich euch ein wenig Kontext bieten. Für den FC Groningen ist die U12 die erste Mannschaft die sie stellen. Das variiert von Verein zu Verein. Ajax Amsterdam oder auch der FC Utrecht stellen bereits eine U8. Groningen hingegen, hat einmal wöchentlich ein Training für die talentiertesten Spieler zwischen U8 und U12. Die U12 Mannschaft ist der Start für die Spieler in einer professionellen Jugendakademie und gleichzeitig das letzte Jahr in dem noch nicht 11 gegen 11 über das ganze Feld gespielt wird. Bereits in der U13 spielen sie im Wettkampfform der Erwachsenen.

Interessanterweise gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten wie sie in der U12 spielen, ich sah ein 9 gegen 9 von 16er zu 16er, doch regelmäßig spielen sie quer auf einem halben Feld. Dann aber gleichzeitig auf beiden Hälften so das alle Spieler dabei sind. Auf dem halben Feld spielen sie mit sieben Feldspielern und einem Torwart. Dabei ist es wohl keine Seltenheit das ein Spiel 20:18 ausgeht. Beim 9 gegen 9 werden drei Drittel á 25 Minuten gespielt, und die spielen haben eher ein „normales“ Ergebnis.

Im Vorgespräch stellte der U13 Cheftrainer, Jeroen Scholma, heraus das Groningen und Heerenveen Rivalen sind und erklärte mir den fußballerischen Ansatz des FC Groningen. Die Jugendakademie von Groningen arbeitet vor allem implizit. Mit dieser Vorbereitung und diesem Wissen lies sich das tatsächlich auch auf dem Platz sehen. Groningen agierte sehr frei und wollte nach vorne spielen, hatte dabei immer wieder unterschiedliche situationsangepasste Ansätze. Man spielte kreativ und schnell, immer mit dem Ziel Tore zu erzielen. Im Vergleich dazu sah man bei der U12 des SC Heerenveen kleine Muster. Gerade im Spielaufbau wurde eher über die Seite gespielt und anschließend entweder longline weiter oder ein zentraler Spieler gesucht.

Tricks und Skills

Ein Motto unter dem die U12 spielt und trainiert ist „if you use a skill, use it with 100%“. Jeroen Scholma erzählte mir davon einige Stunden vor dem Spiel, und nach Anpfiff des Spiels dauerte es nicht lange bis ich es beobachten konnte. Es wurden regelmäßig, zahlreiche 1 gegen 1 Situationen gesucht, gewonnen und auch verloren. Als ganz normaler Bestandteil des Spiels. Auf die unterschiedlichsten Situationen wurde entsprechend reagiert. Bekomme ich den Ball unter Druck? Versuche ich den Gegner ins Leere laufen zu lassen. Den Ball aus einer engen Situation lösen und mit Tempo herausspielen? Mit dem Roulette zwischen zwei Gegnern hindurch. Ich laufe mit Tempo in ein 2 gegen 2 oder 1 gegen 1 auf das Tor? Kein Problem, ich versuche ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn zu passieren. Und wenn es nicht klappt, hat sich keiner aufgeregt oder wurde laut.

Sehr beeindruckend war die Intensität des Spiels. Alle neun Spielern waren meist zugleich in Bewegung und halfen sich gegenseitig, ohne den berühmten „Hühnerhaufen“ zu bilden. Es gelang das die Spieler ihre Rollen behielten und dennoch immer bemüht waren anspielbar zu sein. Auch defensiv hat sich keiner ausgeruht.

U19 gegen Ajax Amsterdam

Anschließend war das gut besuchte Topspiel der U19. Die Mannschaft des FC Groningen, letztes Jahr Sieger der U17 Staffel, hatte 22 Punkten nach zehn Spielen, während Ajax auf 17 Zähler nach zehn Partien kommt. Beide Mannschaften liefen in einem 4-3-3 auf. Nach ca. 70 Minuten entschied der Schiedsrichter der Partie neuen Schwung zu verleihen und stellte zwei Ajax Spieler vom Platz, wegen Meckern und/oder Beleidigung. Damit nicht genug der Co-Trainer wurde auch des Feldes verwiesen und auch der Trainer der U19 Mannschaft von Ajax, John Heitinga, wurde verwarnt. Kurioserweise hatte im Anschluss Ajax sogar die beste Chance. Acht Minuten vor Schluss musste der dritte Spieler von Ajax den Platz mit Rot verlassen. So das am Ende Groningen doppelt traf und das Spiel mit 2:0 gewann. Bis zu diesem kuriosen Ereignis war es aber ein interessantes und spannendes Spiel, mit besseren Chancen für den FC Groningen.

Aufstellungen beider Mannschaften, Jugendspiele, Ajax Amsterdam, Groningen

Taktische Grundidee

Ajax erwartete den Groninger Ballbesitz in einem 4-1-4-1. Zur zweiten Halbzeit wurde daraus ein 4-4-2. Man versuchte immer wieder den kurzen Spielaufbau der Heimelf zu stören und hoch Ballgewinne zu generieren. Spannend war der Versuch in der zweiten Hälfte, mit einer sehr hoch stehenden Mannschaft lies man den ersten Pass zu. Doch bereits auf diesen hatte man viel Einfluss. Der rechte Stürmer wartete im Strafraum und stellte seinen Innenverteidiger zu. Während die zweite Spitze tiefer stand und großzügig Raum anbot um den Ball zum zweiten Innenverteidiger zu provozieren. Meistens war er aber zu weit weg um anschließend genug Druck auf diesen Spieler auszuüben.

Groningen ihrerseits spielte eine Mittelfeldpressing und hatte zwei klare Pressingopfer ausgemacht. Man stand in der Tiefer sehr eng gestaffelt, wodurch die Mitte nahezu unbespielbar war für Ajax. Kam der Ball zu den Außenverteidigern ging das Pressing los. Dabei auch gerne mal bis an den Sechzehner. Man versuchte immer sich aktiv gegen den Ball zu bewegen. Und so keinen Pass ohne Gegnerdruck nach vorne spielen zu können.

Im Spielaufbau war die generelle Struktur beider Teams sehr ähnlich. Die Außenverteidiger schoben auf Mittelfeldhöhe und besetzten die Flügel alleine, währenddessen schiebten die Flügel in die Halbräume. Die Innenverteidiger wurden von einem abkippendem Zentralen Mittelfeldspieler unterstützt, so das am Ende ein 3-2-4-1 entstand. Situationsbedingt auch ohne abkippenden Sechser und mit mehr Präsenz in vorderer Linie, 2-2-5-1.

Gruppentaktische Überraschungen

Gerade im Spielaufbau zeigten beide Mannschaften die ein oder andere spannende Idee. Im Spielaufbau lies sich Kenneth Taylor fallen und unterstützende die beiden Innenverteidiger. Normalerweise lag das eher im Aufgabenbereich von Enric Liansana. Nachdem der Ball zum linken Außenverteiger auf der Höhe der Mittelfeldlinie gespielt wurde, zog diese in die Mitte und öffnete den Flügel. Taylor nutze die Lücke, hinterlief den eingerückten Außenbahnspieler, wurde steil geschickt und war bereits bis zum Sechzehner durchgebrochen. Ajax hatte es durch diesen Spielzug geschafft ihren eigenen Aufbaurhythmus zu verändern und so die gut gestaffelte Defensive Groningens zu knacken. Normalerweise erwartet man den abgekippten Sechser eher stabilisierend und defensiv.

Der Spielaufbau des FC Groningen war meist kurz. Es war spannend zu beobachten das sie unterschiedliche Varianten nutzten und sich so nicht ausrechnen ließen. Mal rutschte die Mannschaft hoch und es kam ein langer Ball, mal stand man im eigenen Sechzehner und kombinierte sich aus dem Druck. Auch wurde hin und wieder kurz abgespielt und anschließend direkt der Ball auf den Zielspieler, Giovanni Zwikstra, weitergeleitet. Und die Gegenvariante dazu gab es auch, schiebte der FC Groningen mit seiner ganzen Mannschaft raus stellte sich Ajax auf den langen Ball ein. Meist verschob man dazu noch auf eine Seite um die Aufmerksamkeit von Ajax Amsterdam auf diese Seite zu lenken. Der von dieser Seite ferne Außenverteidiger lies sich dann schnell fallen um doch wieder kurz aufbauen zu können.

Groningen’s offensiver Spielstil

Das Chancenplus Groningens zeigte ein klares Muster, auch hier wurde mir das durch Jeroen Scholma bestätigt. Die Groninger Jugendakademie versucht die Spieler zu sensibilisieren, wenn möglich durch die Mitte in die Tiefe zu spielen. Erst wenn diese Option nicht möglich ist wird der Flügel gesucht. So schaffte es Groningen allein in der ersten Halbzeit drei, handgezählte, „through“-Bälle zu spielen. Also Schnittstellenpässe die den Angreifer alleine auf das Tor zulaufen lassen, zwei davon zentral. Gerade nach Balleroberung wurde versucht das Spiel zu beschleunigen und aus einem eng gestaffelten Mittelfeld den Ball tief zu spielen. Diese Chancen konnten zwar nicht genutzt werden (zweimal Latte), waren aber die gefährlichsten, herausgespielten Möglichkeiten.

Auffälligste Spieler

Darüber hinaus haben sich beide Mannschaften weitestgehend neutralisiert. Es gab wenige individuelle Aktionen die in Torchancen mündeten. Und im Laufe der Partie nahm auch die Intensität in den Zweikämpfen und in der Bewegung ab. Spannende Spieler auf die man ein Auge werfen sollte, sind auf Seiten des FC Groningen, der Innenverteidiger und Kapitän Leonel Miguel und der Linksaußen Remco Balk. Einen weiteren Spieler möchte ich hier noch erwähnen, auch wenn er nicht mitwirken konnte, Romano Postema. Der Stürmer trainiert bereits bei der ersten Mannschaft mit und kommt immer wieder auf Kurzeinsätze. Auf Seiten von Ajax waren insbesondere Linksaußen Naci Unavar, Stürmer Max de Waal und Achter Kenneth Taylor auffällig.

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