Der BVB blüht im neuen System auf

Borussia Dortmund gelang am vorletzten Spieltag in Berlin gegen die Hertha in der Bundesliga der Turnaround. Die Schwarz-Gelben konnten nach einem Ausschluss von Mats Hummels die 2:1-Führung verteidigen und holten den ersten Sieg nach vier Bundesliga-Auswärtspartien ohne Sieg. Lucien Favre änderte wie schon im Champions-League-Spiel bei Inter Mailand das System und stellte auf ein 3-4-1-2/3-4-3 um, das bis zum Ausschluss des Abwehrchefs sehr gut funktionierte, vor allem im eigenen Ballbesitz zeigte man sich gegenüber den vorherigen Spielen stark verbessert.

Nun traf man am vergangenen Wochenende im Bundesliga-Heimspiel auf die Fortuna aus Düsseldorf und wollte mit einem Sieg nachlegen, um im Meisterrennen noch ein Wörtchen mitreden zu können. Dabei setzte BVB-Trainer Lucien Favre erneut auf das 3-4-1-2-System. Personell änderte sich beim Gastgeber nur auf einer Position etwas, so wurde der gesperrte Hummels durch Piszczek ersetzt, der allerdings nicht wie Hummels als linker, sondern als rechter Verteidiger der Dreierkette auflief. Akanji agierte als zentraler und somit tiefensichernder Verteidiger, während der zuletzt stark aufspielende Zagadou den linken Verteidiger gab. Unterstützt wurden diese von den dynamischen Flügelverteidigern Guerreiro auf der linken und Hakimi auf der rechten Seite. Das Tor bewachte der sich zurzeit in guter Form befindende Roman Bürki. Die Doppelsechs bestand aus dem sehr weiträumig und spielmachend agierenden Brandt und dem eher absichernden Witsel, der sehr aktiv im Spielaufbau war. Die Zehnerposition besetzte Reus, der sehr unterstützend agierte und viel horizontal rochierte. Vor ihm in der Spitze stürmten der flinke und dribbelstarke Sancho sowie der schnelle und geradlinige Hazard. Die beiden tauschten immer mal wieder die Seite, großteils hielt sich Hazard jedenfalls auf rechts auf, während Sancho die linke Seite forcierte und seine insgesamt ballfordernder interpretierte.

Die Gäste agierten in einer 4-1-4-1-Formation. Vor Torhüter Steffen besetzten Linksverteidiger Gießelmann, die beiden Innenverteidiger Adams (links) und Hoffmann (rechts) sowie Rechtsverteidiger Zimmermann die Abwehrlinie, wobei der gelernte Rechtsverteidiger Zimmer zwar nominell als rechter Mittelfeldspieler spielte, sich jedoch gegen den Ball immer wieder in die Abwehrkette zurückfallen ließ, um die letzte Linie zu verstärken. Alleiniger Sechser war Kapitän Bodzek. Auf den Achterpositionen kamen Morales (links) und Baker (rechts) zum Einsatz, während der dynamische Thommy links außen auflief. Die einzige Spitze stellte wie gewohnt der Düsseldorfer Topscorer Hennings.

Stark verbessertes Positionsspiel bei Borussia Dortmund im 3-4-1-2/3-4-3

Der BVB agierte bei eigenem Ballbesitz wie schon in Berlin in einer 3-4-1-2/3-4-3-Struktur, ließ den Ball gut zirkulieren und hatte viel Ballbesitz (73%), weshalb sich diese Analyse vorwiegend auf das Ballbesitzspiel von Borussia Dortmund fokussieren wird. Die Dreierkette fächerte im Spielaufbau wie schon in Berlin auf, wobei Innenverteidiger Akanji etwas tiefer blieb. Gemeinsam mit einem der Sechser wurde eine Rauten-Struktur hergestellt, um den Ball sauber und schnell im ersten Drittel zirkulieren zu lassen. Allerdings war es aufgrund des passiven und sehr reaktiven Düsseldorfer Verteidigens kein schweres Unterfangen, in die Übergangszone zu kommen. In dieser tat man sich vor allem in der ersten Halbzeit manchmal schwer, in das letzte Drittel durchzubrechen. Dies lag natürlich auch am tief-positionierten 4-5-1-Düsseldorfer-Block.

Die Raumaufteilung der Borussia bei eigenem Ballbesitz war jedoch grundsätzlich gut. Für die Breite waren die beiden Flügelverteidiger zuständig. Es machte den Anschein, dass die Position neben der Düsseldorfer Mittelfeldkette, sprich die beiden Außenverteidigerräume unbedingt besetzt sein sollten. Denn die beiden Flügelverteidiger positionierten sich in etwa auf Höhe der gegnerischen Mittelfeldkette, um bei einem Anspiel mit dem ersten Kontakt die Mittelfeldlinie des Gegners zu überwinden. In der Dreier- bzw. Fünferkettenformation besetzt der BVB grundsätzlich die Flügelzonen nicht mehr so oft mit zwei Spielern wie das im 4-2-3-1 der Fall war, was für bessere Verbindungen bei eigenem Ballbesitz sorgt.

Dadurch, dass sich die Düsseldorfer Außenspieler jedoch sehr früh an den Flügelverteidiger orientierten und den Pass antizipierten, konnten sie ein Aufdrehen an ihnen vorbei mit Ball häufig verhindern. Dazu kam, dass Guerreiro und Hakimi den Ball meist in den Fuß bekamen und meist prallen lassen mussten.

Kapitän Marco Reus, der großteils die Zehnerposition einnahm, fungierte als Verbindungsgeber, wechselte immer wieder die Seite und positionierte sich ballseitig häufig in der äußeren Schnittstelle des Düsseldorfer Mittelfeldes (zwischen Außenspieler und Achter), während die beiden Spitzen, vor allem aber Hazard auf rechts, meist eine Position zwischen dem Außen- und Innenverteidiger der Gäste einnahmen, um sie am Herausrücken zu hindern und dadurch zu binden. Sancho interpretierte seine Rolle etwas ballfordernder und somit hängender als sein Pendant.

Der Düsseldorfer Achter und äußere Mittelfeldspieler zogen sich bei einem Anspiel in deren Schnittstelle jedoch meist direkt zusammen, so dass Reus oft nur prallen lassen konnte. Die BVB-Sechser teilten sich die Raumbesetzung bei Angriffen über den Flügel gut auf, so verblieb der ballferne Sechser im Zentrum, während der ballnahe die Halbspur besetzte und somit auch im Halbraum bzw. auf außen eine rautenförmige Struktur herstellte. Die drei vorderen Akteure agierten insgesamt sehr fluide, wechselten oft die Positionen und versuchten sich immer wieder hinter dem Mittelfeld der Fortuna anzubieten.

Vertikalüberladungen des Düsseldorf-Sechsers und Spiel über den Dritten

Ein Muster, um sich durch den Düsseldorfer Block bis in das letzte Drittel durchzuspielen, war, den gegnerischen Sechser Bodzek vertikal zu überladen. Dabei positionierte sich Brandt vor ihm und Reus hinter ihm. Zu sehen war dieses Mittel bereits in der ersten Spielminute, als Piszczek andribbelte, den Düsseldorfer Achter Morales rauslockte. Dieser lief unter Abdeckung des inneren diagonalen Passweges Piszczek an. Fortuna Düsseldorf wurde durch das Andribbeln des Halbverteidigers immer wieder vor Entscheidungsprobleme gestellt. Einerseits wollte man Balldruck auf den Verteidiger erzeugen, andererseits öffnete man durch Herausrückbewegungen des Achters immer wieder den Halbraum, der aufgrund des werfenden Deckungsschattens zwar nicht immer direkt, aber über die Einbindung des dritten Mannes bespielt werden konnte. Diese sogenannten Steil-Klatsch-Kombinationen sind für den Favre-Fußball typisch. Durch diese bringt man Mitspieler immer wieder in spieloffene Stellungen (mit Blick auf das gegnerische Tor).

Wie in der obigen Szene zu sehen ist, nahm Hazard eine Position in der äußeren Schnittstelle neben Thommy ein und wurde durch das Rausrücken des Achters im Halbfeld offen, konnte angespielt werden und schließlich auf Brand ablegen. Sechser Bodzek konnte keinen Zugriff auf Brandt herstellen, da er zu spät dran war, weil er durch Reus in seinem Rücken gebunden war. Bodzek befand sich in einer Eins-gegen-zwei-Unterzahl-Situation. Obwohl Reus an der Aktion zwar nicht aktiv teilnahm, war seine Positionierung wichtig, weil sie eben einen Gegner-bindenden Effekt hatte. Außerdem war der äußere Mittelfeldspieler ebenfalls in einer Eins-gegen-zwei-Situation, da links von ihm der Dortmunder Flügelverteidiger an der Seitenoutlinie lauerte und rechts von ihm wie gesagt Hazard in der Schnittstelle. Dadurch stellte man Düsseldorf vor sogenannte „Entscheidungskrisen“. Thommy musste durch den sehr breiten Hakimi seine Position anpassen und ihn stets im Auge behalten, um bei einem Anspiel nach außen Zugriff herstellen zu können. Somit konnte er sich nicht alleine auf Hazard fokussieren – die Düsseldorfer Mittelfeldlinie wurde vom BVB horizontal gestreckt.

Auf diese Art und Weise konnte man sich auch in der 33. Spielminute sehenswert durchkombinieren und Hakimi auf dem rechten Flügel freispielen. Durch die Mannorientierungen der Düsseldorfer Flügelspieler an den Dortmunder Flügelverteidigern konnte Hakimi durch sein Aufrücken Thommy mitziehen und nach hinten drücken. Bei Düsseldorf entstand eine unkompakte 6-3-1-Anordnung. Der rechte Halbverteidiger Piszczek fand nach einer Verlagerung über den Innenverteidiger Raum vor und dribbelte diesen an. Entscheidend war dann wieder die Reaktion, die man damit beim Gegner auslöste.

Düsseldorfs linker Achter Morales attackierte erneut unter Abdeckung des Passweges in den Zehnerraum, der in dieser Situation von Sancho besetzt wurde, raus. Piszczek spielte einen Vertikalpass auf den entgegenkommenden Hazard, der vom Fortuna-Außenverteidiger Gießelmann verfolgt wurde. Er ließ den Ball auf Piszczek zurück prallen, der direkt auf den vor Bodzek positionierten Brandt weiterleitete. Bodzek war nun wieder in einer Eins-gegen-zwei-Situation und somit in Unterzahl. Der Düsseldorfer verlor seinen Gegenspieler Sancho im Rücken aus den Augen, dieser bewegte sich aus dem Deckungsschatten und stand nun für einen Doppelpass mit Brand zur Verfügung. Sancho legte dann wiederum auf den durchlaufenden Brandt ab. So wurde der starke Brandt immer wieder in eine spieloffene Stellung (mit Blick auf das gegnerische Tor) gebracht. Über Hazard und Hakimi ging der gut vorgetragene BVB-Angriff dann weiter.

Der BVB besetzte die Räume jedoch nicht immer optimal, manchmal war beispielsweise der so wichtige ballnahe Halbraum nur unzureichend oder gar nicht besetzt. Manchmal konnte Reus hinter dem herausrückenden Achter von Düsseldorf direkt angespielt werden, vor allem dann, wenn sich Morales (linker Achter) gleich an Witsel orientierte, weil er mit einem Pass auf diesen rechnete und somit seinen Deckungsschatten nicht so effektiv anpasste.

BVB bespielte die Düsseldorfer Mannorientierungen auf außen

Düsseldorf agierte grundsätzlich im Mittelfeld-Pressing in einer 4-5-1-Ordnung. Die Mittelfeldkette positionierte sich dabei meist sehr flach, die Absicherungsmechanismen funktionierten trotz der flachen Kette nicht schlecht, jedoch nicht immer. Die Achter rückten gelegentlich aus der Ordnung raus und wurden vom Außenspieler und Sechser abgesichert, man bildete in diesen Situationen ein sogenanntes Abwehrdreieck. Vor allem in der ersten Halbzeit war Düsseldorf darauf bedacht, die eigene Kompaktheit im Block zu erhalten, man wollte enge horizontale sowie vertikale Abstände halten. Außerdem ließ sich Rechtsaußen Zimmer häufig auf Höhe der Abwehrkette zurückfallen, um die letzte Kette zu verstärken, sowie eine potenzielle Verlagerung abzusichern. Unkompaktheiten und Lücken in der Formation erzeugten jedoch vor allem die Mannorientierungen der Außenverteidiger sowie auch der Außenspieler.

Der BVB nutzte vor allem in der zweiten Halbzeit das mannorientierte Rausrücken des Düsseldorfer Außenverteidigers aus. So kam beispielsweise auf der linken Angriffsseite Sancho verstärkt dem ballbesitzenden Guerreiro entgegen. Zimmermann wurde dadurch mitgezogen, der Raum zwischen dem Außen- und Innenverteidiger geöffnet. In der unten abgebildeten Grafik sieht man, wie Brandt hier den freien Raum erkannte und in diese Lücke rein stoß.

Gut organisiertes BVB-Pressing im 3-4-1-2/5-2-3

Im Spiel gegen den Ball ergaben sich für Borussia Dortmund im 3-4-1-2 gegen das 4-1-4-1 von Fortuna Düsseldorf grundsätzlich klare Zuteilungen. Diese nutzte man vor allem im Angriffspressing. Die zwei vordersten Akteure liefen die beiden Düsseldorfer Innenverteidiger an, während sich Reus auf den alleinigen Fortuna-Sechser Bodzek fokussierte und diesen zustellte. Bei einem Rückpass eines Innenverteidigers auf Torhüter Steffen presste Reus oftmals durch und warf seinen Deckungsschatten auf den Sechser, der dadurch immer wieder aus dem Spiel genommen wurde. Die beiden BVB-Sechser Witsel und Brandt suchten den Zugriff bei den Achtern der Fortuna. Man verteidigte jedoch, bis auf kurze Mannorientierungen im Angriffspressing vornehmlich im Raum und positionsorientiert. Ziel des Pressings war, den Düsseldorfer Spielaufbau auf deren Außenverteidiger nach außen zu lenken und dort den Zugriff zu suchen. Die beiden Spitzen liefen die Innenverteidiger meistens frontal an, diese spielten dann meist zum Außenverteidiger, der wiederum bereits während der Ball unterwegs war, vom herausrückenden Flügelverteidiger unter Abdeckung des vertikalen Passweges unter Druck gesetzt wurde.

Der ballferne Wingback rückte während dessen ins Mittelfeld ein, in der zweiten Halbzeit ließ sich der ballentfernte allerdings fast immer in die Abwehrreihe fallen, um tiefer mit abzusichern. Der ballnahe Stürmer stellte den Rückpassweg auf den Innenverteidiger zu, während Zehner Reus in Richtung des Düsseldorf-Sechsers Bodzek nachschob. Der ballseitige Sechser hatte die Aufgabe, aufzurücken und den diagonalen Passweg nach innen zu versperren. Ließ sich bei Düsseldorf zusätzlich ein Achter neben den Sechser fallen, um eine situative Doppelsechs zu bilden, versuchte einerseits der ballnahe BVB-Stürmer diesen beim Anlaufen des Innenverteidigers in seinen Deckungsschatten zu stellen und andererseits schob der BVB-Sechser enger in dessen Umkreis, um bei einem Anspiel Zugriff herstellen zu können.

Der andere Stürmer stellte die Verlagerung auf den ballfernen Innenverteidiger zu und lief bei einem Pass auf den Torhüter diesen gleich an. Konnte sich die Fortuna aus diesem isolierenden und zugriffsorientiertem hohen Angriffspressing trotzdem noch rausspielen – in den meisten Fällen wurde der Ball lang weggeschlagen – war es meistens ein Longline-Pass auf den Außenstürmer, der jedoch dann vom durchsichernden Dortmunder Halbverteidiger unter Druck gesetzt wurde, um sich nicht in Richtung des gegnerisches Tores aufdrehen zu können. Die verbliebende restliche Abwehrkette sicherte ebenfalls durch und der Halbverteidiger richtete sich bereits vor dem Anspiel antizipativ nach vorne aus, um den Gegenspieler direkt per Ballannahme unter Druck zu setzen. Die Absicherung dieser herausrückenden Bewegungen im Pressing wurden außerdem dadurch erleichtert, dass Düsseldorf die BVB-Dreierkette meist nur mit einem Spieler, großteils mit Hennings, besetzte. Somit hatte die verbliebene Abwehr immer noch Überzahl.

In tieferen Zonen ließen sich Sancho und Hazard auf Höhe von Reus fallen, um eine kompakte und engmaschige 5-2-3-Staffelung herzustellen.

Düsseldorf versuchte es mit simplen Flügeldurchbrüchen

Die auf Konter lauernden Fortunen spielten bei eigenem Ballbesitz schnell und direkt nach vorne. Gelegentlich stellte man im Aufbauspiel dynamisch eine Doppelsechs her, indem sich der rechte Achter etwas fallen ließ. Somit waren die beiden Schnittstellen hinter den drei vorderen Dortmundern besetzt. Konnte man die erste Dortmunder Presslinglinie überwinden und schaffte es somit ins Übergangsspiel, versuchte man mit einem Anspiel auf einen der Außenverteidiger den BVB-Flügelverteidiger rauszuziehen. Die schnellen Flügelspieler Düsseldorfs beliefen dann die Schnittstelle zwischen dem herausschiebenden Wingback und dem Halbverteidiger. In weiterer Folge wurden sie vom Außenverteidiger die Linie entlang geschickt. Über das Zusammenspiel mit dem vorderlaufenden Außenverteidiger sollte dann der Durchbruch im letzten Drittel gelingen. Ungenauigkeiten im Passspiel und das gute Durchschieben der Dortmunder Abwehrkette sowie der anderen Mannschaftsteile machten jedoch einige Aktionen zunichte.

Düsseldorf tat sich jedoch insgesamt sehr schwer, Gegenangriffe zu starten und für Entlastung zu sorgen. Dies lag an der Grundordnung mit nur einem Stürmer und der Art der Deckung auf außen. Die Flügelspieler ließen sich aufgrund der Mannorientierung meist von den BVB-Wingbacks nach hinten drücken, die Achter verfolgten ebenfalls immer wieder Läufe ihrer Gegenspieler nach hinten und somit fand man bei Balleroberung suboptimale Staffelungen für offensive Umschaltmomente vor, da ein Loch zwischen Stürmer Hennings und dem Rest des Teams klaffte. Wenn beide Außenspieler ihre Gegenspieler nach hinten verfolgten, entstanden teilweise sogar 6-3-1-Anordnungen.

Herausrückende Achter im Spiel gegen den Ball bei der Fortuna

Selten presste Düsseldorf etwas höher an, vor allem in der zweiten Hälfte lief man aber hin und wieder auch die Dreierkette des BVB an. Das Anlaufen war dabei nun von Herausrückbewegungen des ballnahen Achters, der den sich hinter ihm öffnenden Raum über seinen Deckungsschatten verteidigen sollte. Der ballnahe Achter nutzte dabei die Passlaufdauer eines Wechselpasses auf den Halbverteidiger aus, um diesen direkt bei der Ballannahme unter Druck zu setzen, während Stürmer Hennings den Innenverteidiger zustellte und diese Verbindung abkappte. Die Herausrückbewegungen von den Achtern waren ein entscheidendes Charakteristikum der Düsseldorfer Defensiv-Organisation im Angriffs- und Mittelfeldpressing. Der BVB spielte sich jedoch immer wieder raus, indem die Doppelsechs clever den nachschiebenden ballfernen Achter Düsseldorfs überlud, der sich dadurch in einer Unterzahl-Situation vorfand. Brandt bewegte sich in diesen Situationen immer wieder intelligent aus dem Deckungsschatten des Achters und konnte nicht am Aufdrehen gehindert werden.

Düsseldorf agierte im hohen Anlaufen sehr unverbunden, schob nicht kollektiv nach, so dass der BVB sich immer wieder relativ simpel rausspielen und die Anschlussräume attackieren konnte.

2:0 durch einen BVB-Konter nach Düsseldorfer Aufbauversuch

In der 58. Spielminute fiel dann das vorentscheidende 2:0 für Borussia Dortmund. Dem Tor ging ein Bild voraus, dass bis dahin in diesem Bundesligaspiel kaum zu sehen war: Das Heimteam verteidigte weit zurückgezogen mit Sancho auf Höhe der beiden Sechser, einzig die ballferne Spitze Hazard sowie Zehner Reus lauerten vorne im Bereich des Mittelkreises auf Konter. Es entstand eine 5-3-2-artige Anordnung. Die Fortuna baute das Spiel in aufgefächerter Staffelung über den andribbelten rechten Innenverteidiger Hoffmann auf. Die beiden Außenverteidiger gaben Breite, während sich die Außenspieler in die Schnittstellen der Flügel- und Halbverteidiger bewegten. Hennings beschäftigte den Innenverteidiger und der ballnahe Achter Baker nahm eine Position hinter dem Sechser Brandt ein, wodurch er zwar im Deckungsschatten des Dortmunders verschwand, jedoch für eine Ablage von Zimmer bereitstand. Doch zu dieser Ablage kam es nicht. Guerreiro war aufmerksam, antizipierte den Pass, bewegte sich vor seinen Gegenspieler und eroberte den Ball, woraufhin der Ball über Brand und Sancho auf den schnellen Hazard in die Tiefe befördert wurde, der den Konter im eigenen Stadion mit dem hochverdientem 2:0 abschloss. Auch das ist Favre-Fußball: Den Gegner, in diesem Fall, den Underdog kommen lassen, und dann den sich öffnenden Raum mit Tempo und Direktheit bespielen.

Wobei der Ansatz von Düsseldorf im Ballbesitzspiel in dieser Situation nicht schlecht war. Man schaffte eine positionelle Überzahl, indem man den Gegner vor Entscheidungsprobleme stellte. Sancho musste den Passweg auf den aufrückenden Zimmermann zustellen, während der ballnahe Achter Brand band und die Positionierung Zimmers den Flügel- sowie Halbverteidiger eng hielten. Potenziell war Zimmer im Halbraum frei. Wie wichtig jedoch Antizipation, Handlungsschnelligkeit und Timing im Fußball sind, zeigte Guerreiro eindrucksvoll. Und Ballverluste im Zentrum bzw. Halbraum sind naturgemäß schwerer gegenzupressen, als auf außen, wo die Seitenoutlinie als begrenzender Faktor hinzu kommt. Auswärts in Dortmund den hochschiebenden Außenverteidiger nur mit dem Innenverteidiger abzusichern, ist außerdem ziemlich riskant und wird nicht selten eiskalt ausgenutzt von einer derartigen Tempo-Offensive wie jener des BVB.

Fazit

Lucien Favre scheint mit dem 3-4-3 das passende System für diese BVB-Mannschaft gefunden zu haben. Brandt ist in dieser Grundordnung besser eingebunden, kommt öfters in eine spieloffene Stellung und kann somit seine Stärken im Dribbling mit Blick auf das gegnerische Tor ausspielen.

Im Spiel gegen den Ball fühlt sich das Team sichtlich wohl, kommt häufiger zu hohen Balleroberungen und tut sich leichter in der Zugriffsfindung.

Fortuna Düsseldorf verteidigte zwar energisch, hatte jedoch mit den Vertikalüberladungen des Sechsers und dem sicher immer wieder etwas öffnenden Halbraum aufgrund der Achter-Rausrückbewegungen zu kämpfen. Hinzu kam das mannorientierte Verfolgen auf außen, das zu Unkompaktheiten und schlechten Ausgangsstaffelungen für eigene Konter führte.

Im Spielaufbau zeigte die Gastmannschaft interessante Ansätze, jedoch blieb es dabei – nur selten kam man in das Übergangs- sowie Angriffsdrittel.

Borussia Dortmund schaffte die Trendwende und gewann – aufgrund dieser dominanten Vorstellung in allen Spielphasen – hochverdient.

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