Fitnesstraining in Spielformen

Kaum steht die Saisonvorbereitung an, werden wieder auf vielen Sportplätzen in Deutschland Runden gedreht, Kraftzirkel aufgebaut, aber sehr wenig Fußball gespielt. Dabei kann man fußballspezifische Fitness wunderbar in Spielformen trainieren und gleichzeitig taktisch und technisch Fortschritte machen. Robin Schüßler zeigt euch in diesem Artikel wie es gehen kann.

Es ist ein heißer Augustabend in der nordhessischen Dorflandschaft und ich bin, wie so oft, mit meinem Mountainbike unterwegs. Fluss, Hügel und das eine oder andere Ortsschild werden passiert, inmitten der Abenddämmerung hört man lautes Geschrei.

Tritt für Tritt komme ich diesem Geschrei näher, wissentlich, dass es vom in der Nähe gelegenen Sportplatz kommen muss. C – Jugend, 13 – 14 Jahre alt, es ist Sommervorbereitung und die Sonne knallt mit all ihrer Energie auf die Köpfe der jungen Fußballer. Die Erschöpfung ist ihnen anzusehen, der Blick qualvoll und der Schweiß strömt über ihren angestrengten Körper. Auf dem Platz akkurat platziert sind Hütchen, Koordinationsleiter, Kegel und Medizinbälle. Eine Laufrunde mit unterschiedlichsten Aufgaben.

„Noch 20min, dann habt ihr es geschafft. Zieht durch. Das sind die wichtigen Körner, die uns zur Meisterschaft bringen werden“, so schallt es in die Gegend. Das dieser Sport tatsächlich Fußball heißt, lässt sich im besten Fall nur erahnen.

Ein runder Ball, welcher nicht unbedingt 3Kg wiegt, ist nur am Rande zu erkennen, umhüllt von einem Ballsack. Die Kinder wirken sehr angestrengt, 16 an der Zahl, und werden spürbar müder und langsamer. Spaß scheint dies nur dem langen, schlaksigen Jungen zu machen, welcher Runde um Runde läuft und überrundet.

Ich bleibe weiter an der Barriere stehen und warte gespannt auf die nächsten Trainingsübungen. „Ihr seht hier die Passübung, welche im höchstmöglichen Tempo durchgeführt werden soll! Pausen sind nicht gestattet, absoluter Wille und Konzentration, Jungs. Das muss laufen wie am Fließband. Station A passt zunächst zu B, dann zurück zu A, dieser passt zu D, welcher auf B klatschen lässt, während C hinterläuft etc…“.

Hier musste ich leider aussteigen, zu kompliziert um weiter aufmerksam folgen zu können, wohlgemerkt ohne 25minütigen Dauerlauf mit Hindernissen und Medizinbällen. Die Übung verläuft nicht wie gewünscht, der Trainer muss mehrfach intervenieren und zurechtweisen, die Konzentration ist auf ein Minimum gesunken, der Spaß, falls vorhanden, wohl auch.

Eine fiktive Geschichte, welche aber immer noch harte Realität auf vielen Sportplätzen in der Bundesrepublik ist. Mal mehr oder auch mal weniger extrem wie die oben beschriebene. Selbst beim Schreiben verlor ich allmählich immer mehr die Lust am Fußball, allein durch den Gedanken durch solch eine Tortur getrieben werden zu müssen. Halbwissen, weitergegebene Trainingsroutinen oder auch falsche Vorbilder sind Vorlagen solcher Trainingseinheiten.

Hierbei hat sich seit den 80er Jahren nicht viel geändert, selbst der DFB fördert dies durch Trainingsartikel u.a. in der Rubrik „Training online“. Das es auch anders geht, haben mehre ausländische Trainer gezeigt, welche in den letzten Jahren in der Bundesliga gearbeitet haben. Pep Guardiola, Peter Bosz etc. sind nur ein paar Beispiele, die unterschiedliche Ansätze nutzten, um ihre Mannschaft fit zu bekommen, allerdings nie den Fokus auf das Wesentliche verloren, nämlich das Spiel und dem damit verbundenem Spielgerät.

Ich werde im weiteren Verlauf des Artikels auf verschiedene Möglichkeiten des „Fitnesstrainings“ im Fußball zu sprechen kommen und zum Ende hin auch noch Spielformen aufzeigen, womit man unterschiedliche Aspekte der Fitness im Fußball durch Fußball spielen trainieren kann. Im Zentrum wird immer das Spiel an sich bleiben.

Fußballkondition durch Fußball spielen

Raymond Verheijen ist weltweit einer der bekanntesten Trainer im Bereich Fußball – Kondition und zeigte bemerkenswerte Erfolge mit der südkoreanischen und russischen Nationalmannschaft während verschiedener WM und EM Turniere. Seine Erfolge waren so außerordentlich, vor allem weil seine Mannschaften sehr viel und vor allem sehr oft, sehr schnell liefen, dass es um seine damaligen Mannschaften des Öfteren Dopinggerüchte gab.

Verheijen vertritt einen ganzheitlichen, spielnahen Ansatz des Konditionstrainings im Fußball und unterscheidet in vier Leistungsfaktoren: Kommunikation – Taktik – Technik – Fußballfitness.

„Everything has to be football related “.

Raymond Verheijen

Diese vier Leistungsfaktoren sind untrennbar mit dem Spiel Fußball verbunden und müssen dementsprechend auch ganzheitlich trainiert werden. Um die Komplexität des Fußballs zu verstehen und zu begreifen, muss man die Konditionsanforderung eines Fußballspielers während eines Spiels betrachten, am besten Positionsspezifisch.


Wenn du im Detail mehr über den Ansatz von Raymond Verheijn erfahren willst, legen wir dir sein Buch zu Fußballkondition ans Herz, in dem er seinen Ansatz und die Anwendung genau erklärt. Lohnt sich definitiv, um keine ineffektiven Methoden für das Konditionstraining im Fußball zu nutzen.


Grob zusammengefasst läuft ein Fußballer auf Spitzenniveau in einem normalen Spiel zwischen 10 und 12Km, davon sprintet er ca. 800m bis 1200m, er beschleunigt 40 bis 60mal und ändert alle 5sek die Laufrichtung.

Hinzu kommen noch Kraftanforderungen beim Schießen, Passen und vor allem im Zweikampf. Für diese Aktionen benötigt der Körper logischerweise Energie, diese ist aber nur begrenzt im Körper vorhanden.

2015-07-10_Trainingssteuerung_4

vgl. Trainingssteuerung von Marco Henseling (unbedingt lesen!)

Ich möchte hier nun keine komplette Wiederholung des Energiestoffwechsels wiedergeben, aber zumindest das Wesentliche kurz zusammenfassen.

Um sich in Bewegung zu setzen benötigt es Muskelkontraktionen. Die Energie, welche hierfür benötigt wird, liefern ATP (Adenosintriphosphat) und KP (Kreatinphosphat). Das ATP – KP System liefert Energie für kurze und hochintensive Belastungen bis 15sek. Dauern Belastungen länger als diese 15sek, werden weitere Energiequellen benötigt, u.a. Kohlenhydrate und Fette.

Fußballaktionen sind zumeist, wie zuvor schon erwähnt, Intervallartig und azyklisch, was andere Herausforderungen mit sich bringt, als wenn man zyklisch 10min läuft. Die meisten Aktionen sind eher kurz und explosiv, hierbei ist ATP und KP notwendig. Das Kreatinphosphat wird ohne Sauerstoffzufuhr wiederaufgebaut, allerdings benötigt man um den ATP Speicher wieder aufzufüllen Sauerstoff. Somit spielt das Sauerstoffsystem eine besonders wichtige Rolle in der Erholungsphase zwischen Spitzenbelastungen.

Ein Bild, das Wand, Schrank enthält.

Automatisch generierte Beschreibung

Im Vergleich zwischen Spitzenfußball und Amateurfußball fällt auf, dass die reine Laufleistung keine großen Unterschiede aufzeigt, allerdings ist das Auftreten von intensiven Belastungen im Fußball auf Spitzenniveau (Premier League etc.) deutlich erhöht, allerdings ist Dauer und die Distanz der intensiven Aktion auf Spitzenniveau niedriger, dies wird mit einer verbesserten taktischen Ausbildung erklärt.

Insofern scheint es weiter logisch, dass das Trainieren von Kondition, Technik und Taktik nicht losgelöst von einander betrachtet werden kann und darf.

Du musst das trainieren, was das Spiel am Wochenende fordert: Ich bin auf jede sich schnell und ständig ändernde Spielsituation durch das variable Training von Entscheidungsverhalten stabil vorbereitet.“ – Bernhard Peters, Nationalmannschaftstrainer im Hockey

Außerdem stellt man sich die Frage, wieso überhaupt mit gesondertem Techniktraining Zeit verschwenden, wenn dies auch ganzheitlich trainiert werden kann. Zu einem Pass benötigt es zunächst die Wahrnehmung einer Situation, diese wird sofort von dem Spieler analysiert und es wird ein Handlungsplan entworfen. Eine Entscheidung wird nun getroffen und schlussendlich ausgeführt, woraufhin die Reflexion erfolgt.

Die reine Ausführung, also Technik, steht in dieser Verkettung als einer der letzten Punkte. Die taktischen Erfahrungswerte und Vorgaben beschleunigen die Entscheidungsfindung und führen schlussendlich zur motorischen Ausführung. Die Kondition ist dafür zuständig, dass dieser Prozess auf Dauer so oft und so gut wie möglich wiederholt werden kann. Somit erscheint ein spielnahes, ganzheitliches Training eine optimale Symbiose für eine bestmögliche Trainingsgestaltung zu sein.

Die Notwendigkeit von Pausen – Im Spiel und Training

Der Fußballer durchlebt in einem Spiel immer wieder Phasen des Agierens und des Regenerierens. Die schnellstmögliche Regeneration in einem Spiel zwischen Aktionen ist für die Qualität der Ausführung von entscheidender Bedeutung. So ist es zum Beispiel nicht möglich mehrere Maximalsprints innerhalb weniger Minuten durchzuführen, Rückblick Energiebereitstellung, sondern der Energiehaushalt muss wieder schnellstmöglich aufgefüllt werden, um die nächsten intensiven Aktionen bestreiten zu können.

Dies sollte nicht nur zwischen maximalen Aktionen während eines Spiels bestmöglich stattfinden, sondern die schnelle Regeneration in den Pausen ist auch von entscheidender Bedeutung, um auch am Ende eines Spiels maximale Aktionen durchführen zu können, die bestenfalls in einer noch guten Qualität ausgeführt werden sollten.

Führen wir das zurück auf das Training, müssen diese Anforderungen des Spiels sich auch im Training wiederfinden. Dabei kann man durch Spielfeldgröße, Spieleranzahl, verschiedene Regeln etc. die Intensität und die konditionellen Anforderungen recht gut steuern, um verschiedene Belastungen des Spiels nachzuempfinden bzw. schlussendlich zu trainieren, um auf das Spiel bestmöglich vorbereitet zu sein.

Um dies in den Trainingsalltag integrieren zu können, braucht es eine geeignete Periodisierung, um alle konditionellen Anforderungen trainieren zu können.

Dies war mein eigener Wochenablauf im letzten Jahr mit meiner U16 Mannschaft. Der Hauptbelastungstag war am Donnerstag, weil dieses Training zwischen den jeweiligen Spielen lag. Am Tag nach unserem Spiel erfolgte eine aktive Regeneration und dann waren zwei Tage frei, um noch weiter regenerieren zu können.

Auch hier bestand der Anspruch immer daran, dass jeder Spieler die maximale Leistung in einer Trainingseinheit oder im Spiel erbringen kann, ohne eine extreme Ermüdung herbeizuführen, wodurch die Verletzungsgefahr massiv steigen würde. Auf die Saison gesehen gilt dies ebenfalls, so sollte man zum Beispiel nach einer langen, kräftezehrenden Saison eine Pause einlegen, um zu regenerieren.

Nach dieser Pause sollte man allerdings nicht mit den gleichen Belastungen trainieren wie zuvor, sondern sich langsam an die alte Trainingsintensität herantasten, um den Körper wieder neu daran gewöhnen zu können. So gibt es quasi eine stetige Entwicklung der Intensität während einer Saison bzw. eine Aufrechterhaltung während der Saison, wenn man mit ähnlichen Intensitäten im Wochenverlauf weitertrainiert, um auch am Ende einer Saison Bestleistungen bringen zu können.

2015-07-10_Trainingssteuerung_6

vgl. Trainingssteuerung – Marco Henseling

Diese Tabelle von Marco Henseling zeigt wunderbar wie man verschiedene konditionelle Anforderungen durch Kleingruppenspiele trainieren lassen kann. Je mehr Aktionen auf engem Raum, desto höher die Intensität. Je größer der zu bespielende Raum und je mehr Mitspieler, desto weniger Aktionen und desto weniger Intensität.

„For example, first you do a certain exercise on a certain pitch size, and then you make the pitch size smaller and then smaller. The same exercise but less space, less time, increasing the demands, and that is how you improve players. “– Raymond Verheijen

Blicken wir zurück zu Barca in ihrer Prime Time, dann sehen wir, dass dies auch eine Mannschaft war, die es nahezu perfekt beherrschte, sich durch Pausen im Spiel zu erholen. Diese Pausen ergaben sich durch ihren unglaublich hohen Ballbesitzanteil und der daraus resultierenden „Ruhe“, quasi „aktive Regeneration“.

Herausforderungen des Fitnesstrainings in Spielformen

Es gibt einige Herausforderungen, vor denen die Trainer gestellt werden, welche sich dafür entscheiden ihr Fitnesstraining nahezu ausschließlich in Spielformen zu betreiben. Vor allem muss man sich selbst gut reflektieren, ob man in der Lage ist die Spieler dauerhaft anzutreiben, ihnen Anreize zu schaffen, um die Intensität so hoch zu halten, damit ein positiver Effekt auftreten kann. Die Gefahr, dass es immer mal wieder Spieler gibt, die sich ausruhen, ist definitiv gegeben und somit auch eine nicht optimale Anwendung dieser Methode.

Man braucht dafür 20 absolut willige Profis (Spieler) und muss sie außerdem gut von außen coachen, um die Spieler anzutreiben, ständig in Bewegung zu sein. Und da wird der Unterschied zwischen Theorie und Praxis schnell spürbar.“

Raymond Verheijen

Des Weiteren erfordert es eine hohe fachliche Kompetenz des Trainers, um die Spieler in den intensiven, schnellen Spielen richtig coachen zu können bzw. geht es auch um die richtigen Momente, wann Coaching angebracht ist.

Sehr ungern unterbreche ich den Flow einer Spielform, sondern lasse sie lieber bis zum festgelegten Zeitpunkt spielen, um sie in den Pausen zu coachen bzw. ihnen die Möglichkeiten zu geben sich selbst coachen zu können. Um von vornherein einen Anreiz zu schaffen, geht es immer darum zu gewinnen, es geht immer darum Ziele zu erreichen.

Ein Spiel wird gespielt, um es am Ende siegreich zu gestalten, die Art und Weise sollte sich durch die Wiedergabe unserer gemeinsamen Strategie, durch die Umsetzung unserer Spielprinzipien wiederspiegeln. Dies geschieht durch die Festlegung der Feldform oder auch Regeln und eben den Möglichkeiten Punkte zu erzielen.

Da es in den meisten Fällen, fernab vom Profibereich, keine Möglichkeit der Kontrolle über die Ermüdung der Spieler gibt, muss hier auch besonders darauf geachtet werden, wie lange die Spieler die Intensität der Spielform hochhalten können. Nimmt die Qualität der Aktionen und somit auch die Geschwindigkeit des Spiels rapide ab, ist es sicherlich auch schon vorher notwendig eine Pause zu machen, um den Spielern die Möglichkeit zu geben sich zu erholen.

Weiterhin könnte eine zu geringe Spielqualität der Spieler für Probleme sorgen. Ist die technische Qualität in Verbundenheit mit der Qualität adäquate Entscheidungen zu treffen so gering ausgeprägt, dass der Ball nur sehr kurz im Spiel bleibt, so kann keine Intensität aufgebaut werden und das gezielte Fitnesstraining durch Spielformen wäre hier nur in einem sehr geringen Maße gegeben. Außerdem gibt es sicherlich wenige Vereine im Amateurbereich, welche den Luxus von einem oder sogar mehreren Co Trainern haben.

Hier kann man Aufgaben aufteilen und vor allem eine große Gruppe in 2 Gruppen aufteilen. Ansonsten müsste man einer Gruppe sich selbst überlassen oder nur in großen Spielformen trainieren, welche aber wesentliche Teile der Fitnessanforderungen des Spiels nicht trainieren.

„Manche Trainer/innen propagieren, das Ausdauertraining im Fußball mit Ball zu trainieren. In der Tat haben etliche Studien die Effekte von HIIT mit Ball auf die Ausdauerleistungsfähigkeit untersucht (19, 45, 51, 67). Durch das Training mit Ball wird das Herzkreislaufsystem sowie der Stoffwechsel ebenso gefordert wie durch das Intervalltraining ohne Ball (47). Auch durch das Ausdauertraining mit Ball ist eine Zunahme der Sauerstoffaufnahme von 7- 9% nach 10- 12 Wochen zu erwarten (51, 67). (…) Letztlich ist die Intensität bei Spielformen mit Ball abhängig von der Zielstellung, Anzahl der Spieler, Spielfeldgröße und der Anfeuerung des Trainerstabs.“

Sperlich B, Hoppe MW, Haegele

Spielformen für das Fitnesstraining Fußball

2 vs. 2 mit Abseits

à  intensive Intervallmethode – anaerobe Ausdauer

Fitnesstraining Fußball

Spielfeldgröße: ca. 12m x 24m

Dauer: 0,5min bis 2min

Wiederholungen: 3 bis 5

Serien: 1 bis 3

Pausenlänge: 2min

Charakteristika: viele Zweikämpfe, viele kurze Antritte, viele Ballkontakte, viele Dribblings

Coaching: insbesondere Tiefenstaffelung – gegenseitige Absicherung – stets Druck gegen den Ball erzeugen – Minitore im Deckungsschatten behalten

3 vs. 3 + 1 – Spiel in die Tiefe

à extensive Intervallmethode – aerobe/anaerobe Ausdauer – Schnelligkeitsausdauer

Spielfeldgröße: 3 Zonen jeweils 15m x 25m

Ablauf: 3vs.3 +1 in der mittleren Zone – 5 Pässe, danach darf in eine der Endzonen gespielt werden – Linien dienen als Abseitslinie – Bespielen der Endzonen nur durch Pass – jeweils 2 Angreifer und 2 Verteidiger dürfen nachgehen – schnelle Spielfortsetzungen durch Einspielen neuer Bälle durch den Trainer

Dauer: 2min bis 4min

Wiederholungen: 2 bis 3

Serien: 2 bis 3

Pausenlänge: 1min bis 1,5min

Charakteristika: Freilaufverhalten wird wichtiger – kurze Sprints in die Tiefe – enger Raum = viele Zweikämpfe

Coaching: Off à Bildung von Dreiecken/Rauten – schnelles Anbieten zum Ball – Tiefenläufe/ Kommunikation zwischen Passgeber und Passempfänger

Def à Nutzung des Deckungsschattens – Druck gegen Ballführenden – ballnah kompakt organisieren

5 vs. 5 + (2(2)) – Ballhalten vs. Umschalten

à intensive Ausdauermethode – aerobe Ausdauer

Fitnesstraining Fußball

Spielfeldgröße: 25m x 35m in der Zone – beim Umschalten öffnet sich das Spielfeld bis zum Tor und in der Breite bis zum 16er

Ablauf: Eine Mannschaft spielt auf Ballbesitz mit den 4 Neutralen (Grün und Pink) à 10 Kontakte =1P – Gewinnt die andere Mannschaft den Ball, spielt sie mit den pinken äußeren Spielern auf das große Tor. Grün verteidigt mit der zuvor ballbesitzenden Mannschaft. Nach dem Konter beginnt das Spiel mit Ballbesitz mit der zuvor konternden Mannschaft.

Dauer: 5 bis 8min

Wiederholungen: 2 bis 3

Pausenlänge: 2min

Charakteristika: Ruhige Ballzirkulation wechselt sich mit Umschaltmoment ab. Dadurch entsteht ein Rhythmuswechsel zwischen kurzen, schnellen Bewegungen und langen Maximalsprints.

Coaching: Ballbesitzteam à Bildung von Dreiecken/Rauten – eigene Überzahl in Ballnähe – Spielverlagerungen – Pässe in den Fuß – sofortiges Gegenpressing nach Ballverlust – Ballnah kompakt organisieren

Defensivteam à Ballnah kompakt organisieren – Gegner isolieren – Deckungsschatten nutzen – Druck gegen den Ball erzeugen à nach Ballgewinn vertikale Optionen anbieten (Tiefenläufe) – Entwicklungsspieler in Tiefe finden oder Ankerspieler in der Breite um Konter entwickeln zu können

8 vs. 8 + 3 Ballhalten vs. Torabschluss

à extensive Ausdauermethode -aerobe Ausdauer (Erholung zwischen den Aktionen)

Fitnesstraining Fußball

Spielfeldgröße: 50m x 55m

Ablauf: Eine Mannschaft spielt auf Ballbesitz 10 Kontakte =1P. Bei Ballgewinn der balljagenden Mannschaft haben sie 5sek Zeit um ein Tor zu erzielen, nach den 5sek auf Ballbesitz

Dauer: 15min bis 20min

Wiederholungen: 1 bis 2

Pausenlänge: 3min

Charakteristika: Großes Spielfeld mit vielen Spielern, dadurch weniger Aktionen. Intensive Aktionen wechseln sich mit „Pausen“ ab, wodurch die Regenerationen während der Spielform zwischen den Aktionen der Spieler erfolgt, dies kommt dem realen Spiel sehr nahe.

Coaching: Ballbesitzteam à Einbindung der Torhüter in das Ballbesitzspiel – Bildung von Dreiecken/Rauten – Diagonale Anspielstationen – Auffächern im Ballbesitz

Defensivteam à Ballnah kompakt organisieren – Gegner isolieren – Deckungsschatten nutzen – Druck gegen den Ball erzeugen – schnelle Orientierung zum Tor – Zonenwechsel nach Ballgewinn – alternativ auf Ballbesitz

Fazit

Zu lange wurde der Fußball von dem wissenschaftlichen Fundament anderer Sportarten dominiert. Zu lange liefen Spieler Runde um Runde ohne ersichtlichen Zweck für das Spiel am Wochenende. Die Sportart Fußball ist so komplex, dass es schon längst den Bedarf gegeben hat, um eigene wissenschaftliche Erkenntnisse rund um diesen Sport zu sammeln.

Schwimmer trainieren ja auch zumeist nicht das lange laufen, sondern verbringen die meiste Zeit im Schwimmbecken, so sollte doch der Fußballer auch seine Zeit im Training nicht durch stupides laufen verschwenden, sondern den Mittelpunkt des Spiels, den Ball, immer im Zentrum einer Trainingseinheit haben. Technik, Taktik, Athletik und Psyche sind allesamt Faktoren, welche jede Aktion eines Spiels gemein haben und somit auch ganzheitlich trainiert werden sollten.

Eine Fußballaktion auf einzelne Bestandteile herunterzubrechen und beispielsweise den Pass nur in seiner technischen Ausführung trainieren zu lassen würde zu viel Wichtiges außen vorlassen und vor allem auch den athletischen Voraussetzungen des Spiels überhaupt nicht gerecht werden. Besonders im jüngeren Altersbereichen hat es vor allem auch noch motivationale Gründe vermehrt auf Spielformen zu setzen.

Das Fitnesstraining durch Spielformen muss ja nicht einmal klar als Ziel vor den Spielern genannt werden. Die Expertise des Trainers sorgt für das trainieren der Fitness der Spieler durch Spielformen im Training, weiterhin kann man durch emotionaleres Coaching immer noch die Intensität während der Spielform steigern. Grundsätzlich gilt, dass wohl die wenigsten Fußballspieler etwas dagegen haben würden, weniger zu laufen, sondern sich mehr dem Spiel zu widmen.

„P.S.: Hört auf, eure Kinder Runden laufen zu lassen. Hört auf, sie aufzufordern, „näher am Mann zu stehen“, „Gegenspieler zu decken“. Lasst sie lieber Fußball spielen. Immer weiter. Immer.“

Eduard Schmidt

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in unserem ersten Magazin, zu dem es hier entlang geht

Literatur

Verheijen, Raymond; Handbuch Fußballkondition; Amsterdam; 1997.

Maric, Rene; Training mit Ballfokus, https://spielverlagerung.de/2014/11/10/training-mit-ballfokus/ (2014)

Henseling, Marco; Trainingssteuerung, https://spielverlagerung.de/2015/07/11/trainingssteuerung/ (2015)

Maric, Rene & Henseling, Marco; Fußball durch Fußball; 2015

https://www.you-are-football.com/blog/athletik/das-modell-von-raymond-verheijen.html

https://www.11freunde.de/artikel/wird-der-bundesliga-falsch-trainiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.