BVB – RB Leipzig: Taktik-Battle

Englische Woche in der Bundesliga vor der Winterpause – am 17. Spieltag gastierte der Tabellenführer RB Leipzig bei der drittplatzierten Borussia in Dortmund. Diese Begegnung war nicht nur ein Topspiel zweier hochtalentierter Mannschaften sondern auch ein Aufeinandertreffen der zwei Taktikfüchse Lucien Favre und Julian Nagelsmann.

Ausgangssituation und Aufstellung beider Teams

Dem BVB gelang zuletzt der Turnaround – auf ein Auswärts-Remis bei Hertha BSC folgte ein souveräner 5:0-Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf, ehe die Schwarz-Gelben einen Auswärtssieg beim FSV Mainz 05 einfuhren und sich wieder in das Meisterrennen zurück kämpften.

Entscheidend für die Trendwende war die Systemumstellung auf das 3-4-3/3-4-1-2, das gut zum Dortmunder Kader passt und für eine passenden Einbindung von Brandt sorgt.

Auch in diesem Spiel lief der BVB in der 3-4-3/3-4-1-2-Grundordnung, die zuletzt sehr gut funktionierte, auf.

Vor Tormann Bürki bildeten Zagadou (links), Hummels (Mitte) und Akanji (rechts) das zentrale Verteidigungstrio. Flankiert wurde dieses von den Flügelverteidigern Guerreiro auf der linken und Hakimi auf der rechten Seite. Die Doppelsechs bestand aus Brandt (links) und Weigl (rechts). Sancho und Hazard gaben die Außenstürmer, während Reus in der Mitte agierte und sich immer wieder in den Zehnerraum fallen ließ.

RB Leipzig besiegte am vergangenen Spieltag Düsseldorf auswärts mit 3:0 und holte somit den sechsten Bundesliga-Sieg in Folge. Nagelsmann wechselte in den ersten Monaten als Leipzig-Trainer immer wieder die Grundordnung, so agierte man zwar die meiste Zeit im gewohnten und RB-typischen 4-2-2-2, wechselte jedoch zwischendurch auf das wiederum Nagelsmann typische 3-1-4-2/3-3-2-2, das er bei Hoffenheim spielen ließ. In der letzten Partie lief man in einer 4-3-3-Formation auf.

Formativ ging es auch gegen den BVB in Richtung einer 4-3-3-Formation, mit einem Sechser und zwei Achtern, wobei Nagelsmann im Vergleich zum Düsseldorf-Spiel drei personelle Änderungen vornahm.

Vor Torhüter Gulácsi bildeten der linke Außenverteidiger, Innenverteidiger Upamecano (links) und der ebenfalls als Innenverteidiger auflaufende gelernte Außenverteidiger Klostermann sowie Rechtsverteidiger Mukiele die Viererabwehrkette. Demme sicherte als alleiniger Sechser die beiden Achter Laimer (links) und Sabitzer (rechts) ab, während Werner und Poulsen an vorderster Front stürmten und Forsberg eher dahinter die hängende Spitze bzw. den Zehner gab. Somit agierte Leipzig aus einer 4-3-3/4-1-2-1-2-Mischformation – aber dazu später mehr.

Wie der BVB das atypische 4-3-3-RB-Pressing bespielte

RB Leipzig agierte gegen den Ball in einer für sie untypischen 4-3-3-Ordnung, in der man grundsätzlich die richtige Balance zwischen eher passiv-leitender Passweg- und Optionsorientierung sowie aktiver Zugriffsorientierung fand. Insgesamt verteidigte RB Leipzig natürlich wie gewohnt sehr ballorientiert. Ziel des Pressings war, den BVB in gewünschte Räume zu lenken, in denen man durch eine Isolation des Ballführenden schließlich Zugriff herstellen und den Ball erobern wollte.

RB-Pressing im Liverpool-Style

Im Grunde übte Leipzig ein 4-3-3-Mittelfeldpressing aus , wie man es von Jürgen Klopps Liverpool kennt. Die Überlegung dahinter war womöglich zum einen, im Anlaufen eine Drei-gegen-drei-Gleichzahl herzustellen – die drei Pressing-Spitzen Werner, Forsberg und Poulsen hatten gegen die Dreier-Aufbau-Reihe des BVB eine klare Zuteilung – und zum anderen die Überzahl in der Mitte.

RB leitete nach innen

Werner und Poulsen sollten das BVB-Aufbauspiel mit Bogenläufen in das Spielfeldzentrum auf die Dortmunder Doppelsechs lenken, während Forsberg den mittleren Verteidiger anlief und versuchte den ballnahen BVB-Sechser dabei in seinen Deckungsschatten zu nehmen. Im Zentrum wollte man dann Zugriff herstellen. Denn dort wartete eine Drei-gegen-zwei-Überzahl-Situation auf die Leipziger.

Leipzig lenkte das BVB-Aufbauspiel im 4-3-3 nach innen. Die Außenstürmer liefen dabei die Halbverteidiger im Bogen nach innen an, während der ballnahe Achter Zugriff auf den Sechser suchte.

Oftmals sorgte der ballnahe Achter für Balldruck, indem er – vor allem, wenn sich der Sechser den Ball nach innen mitnahm – von außen nach innen Druck machte, während die anderen Spieler des Dreiermittelfeldes für die Abdeckung anderer potentieller Anspielstationen zuständig waren, Forsberg rückwärts presste und der ballseitige Außenstürmer ebenfalls von außen nach innen Druck machte.

Eine Isolation wollte man vorwiegend über die Deckungsschatten, die man um den Ballführenden aufbaute, erreichen. Am Flügel geht das aufgrund der als begrenzender Faktor hinzukommenden Seitenoutlinie naturgemäß etwas leichter.

Der BVB konnte sich jedoch oft daraus lösen – aber dazu weiter unten mehr.

Die beiden Achter agierten grundsätzlich optionsorientiert – sie „schwammen“ im Halbraum und liefen je nach Zuspiel entweder den Flügelverteidiger oder den ballnahen Sechser des BVB an. Zuerst versperrte man jedoch den tiefen vertikalen Passweg.

Sechser Demme sicherte das ganze ab und nahm vereinzelt Reus mannorientiert auf, insgesamt jedoch eher selten. Es kam auch vor, dass Demme zum ballnahen Sechser schob und der Achter sich rein auf das Abdecken des vertikalen Passweges fokussierte.

Durch die grundsätzliche Überzahl im Mittelfeld war Leipzig da sehr flexibel, was sich in den unterschiedlichen Pressing-Mustern zeigte. Auch ein vereinzeltes aggressives Rausrücken eines Innenverteidigers bei Pässen in den Zehnerraum gab es auf Seiten des Gästeteams.

Dortmund sorgte für Zugriffsprobleme auf außen

Landete der Ball auf außen, versuchte Leipzig, den ballführenden schwarz-gelben Außenspieler von allen Seiten zuzuschieben, um sowohl die Progression zu erschweren als auch eine Isolation an der Seitenauslinie zu erreichen. Dabei hatten der ballnahe Stürmer wie natürlich auch der Achter sowie der Außenverteidiger die Aufgabe, den Dortmunder Flügelverteidiger zuzuschieben. Die Aufgabenverteilung unterschied sich im Detail jedoch etwas.

Der ballseitige Stürmer sollte den Rückpassweg auf den Halbverteidiger kappen, während der Achter den horizontalen Passweg auf den ballnahen Sechser versperren und der Außenverteidiger den diagonalen Halbraumpass auf den Dortmunder Außenstürmer verhindern sollte. Immer wenn der Außenverteidiger rausschob, sicherte die restliche Kette durch.

Doch der BVB hatte gegen Leipzigs-Pressing einen Plan und stellte die Gäste damit vor Probleme in der Zugriffsfindung – vor allem eben auf außen.

Spiel über den Dritten und starkes Positionsspiel vom BVB

Die Aufbau-Dreierkette des BVB fächerte bei eigenem Ballbesitz weit auf und zog damit die Leipziger Dreierangriffsreihe (gegen den Ball rückte Forsberg in die erste Reihe) etwas auseinander. Die beiden BVB-Sechser positionierten sich hinter den Schnittstellen der ersten Pressing-Linie von RB. Außerdem hielt sich die BVB-Doppelsechs in diesem Spieler eher tief und eng, um die gegnerischen Achter – die generell ziemlich zugriffsorientiert agierten und vor allem bei Anspielen sofort Druck machten – raus zu locken.

Weigl und Brandt umspielten die herausrückenden Leipzig-Achter dann wiederum zumeist mit einer direkten Ablage auf die Flügelverteidiger, die in der Leipziger Pressing-Auslösung aufgrund des Deckungsschattens der RB-Stürmer zuvor nicht anspielbar waren. Diese konnten somit mit dem Spiel über den Dritten überspielt werden – ein typisches Muster von Borussia Dortmund, um in das Übergangsdrittel zu gelangen.

In dieser Szene sieht man neben dem Spiel über den Dritten auch die bindende Funktion des Außenstürmers, der den Außenverteidiger Leipzigs am Rausrücken auf Guerreiro hindern wollte. (in dieser Situation tauschten die Außenstürmer übrigens wie so oft in diesem Spiel die Positionen). Wichtig ist auch die Positionierung von Reus zwischen den beiden Innenverteidigern, denn dadurch band er diese ebenfalls. Allerdings sicherte die Leipzig-Kette hier gut durch, so dass sich Klostermann um Hazard kümmern konnte und Mukiele auf den Passempfänger Brandt rausrücken konnte. Sabitzer spekulierte hier frühzeitig auf die Weiterleitung Weigls und lief somit Guerreiro früher an – auch weil Forsberg auf Weigl rückwärts presste.

Gelegentlich überspielte jedoch Hummels den Leipziger Außenstürmer direkt mit einem Chip auf den Flügelverteidiger. Wurde der BVB-Sechser nach einer Ballmitnahme nach innen vom ballnahen Leipzig-Achter in das Zentrum gelenkt, konnte man sich gelegentlich mit einer Verlagerung auf den ballfernen Flügelspieler lösen.

Die Leipziger hatten aber wie gesagt vor allem in der ersten Halbzeit Schwierigkeiten, Zugriff auf die Flügelverteidiger Dortmunds herzustellen. Zum einen, weil sich der ballnahe Achter Leipzigs häufig bereits früh antizipativ am ballnahen BVB-Sechser orientierte und auf ein Zuspiel spekulierend auf diesen rausrückte – dies führte nach einer direkten Weiterleitung zum Flügelverteidiger zu einem verzögerten Anlaufen desselbigen und zum anderen weil der BVB die gegnerischen Außenverteidiger wie gesagt effektiv band.

Die Außenstürmer Sancho und Hazard hielten sich gegen die Gäste aus Leipzig häufig breiter auf und hinderten eben dadurch manchmal – vor allem, wenn die RB-Viererkette nicht gut durchsicherte – deren Außenverteidiger am Anlaufen, weil sie sonst in die Tiefe starten und entwischen könnten, was dazu führte, dass Guerreiro und Hakimi durch den fehlenden Balldruck mehr Zeit hatten, für saubere Anschlussaktion wie beispielsweise diagonale Pässen in die Halbräume, zu sorgen.

Dabei hatten diese oft mehrere Optionen, sie konnten entweder den ballnahen Außenstürmer oder Reus, der viel horizontal rochierte und sehr verbindend agierte, anspielen sowie auch den meist sehr ballfordernd agierenden linken Sechser Brandt, der in diesen Momenten hin und wieder anspielbar war und manchmal sogar auf die ballferne Seite verlagern konnte.

Flügelverteidiger als „Linienbrecher“

Die Flügelverteidiger positionierten sich grundsätzlich meist tiefer auf Höher der gegnerischen Mittelfeld-Kette. Es machte wie schon im letzten Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf den Anschein, dass die Position neben dem gegnerischen Mittelfeld-Block unbedingt besetzt sein sollten. Dadurch konnte sie bei einem Anspiel oft mit dem ersten Kontakt die Mittelfeld-Linie des Gegners überwinden.

Im letzten Drittel ging beim BVB viel über Einzelaktionen wie zum Beispiel diagonale Tempo-Dribblings nach innen von Sancho, der dann immer wieder Doppelpässe initierte.

RBL mit Nagelsmann-typischem Ballbesitzfußball

Die roten Bullen strukturierten sich bei eigenem Ballbesitz in einer Rauten-artigen Anordnung.

Cleveres Positionsspiel

Die beiden Spitzen positionierten sich meist in den Kanälen zwischen dem BVB-Halbverteidigern (äußere Verteidiger der Dreierkette) und den Flügelverteidigern aufhielten. Zusätzlich nahm Forsberg bei Ballbesitz häufig eine hohe Grundposition zwischen dem ballnahen Halbverteidiger und dem Innenverteidiger ein.

Dadurch wollte man diese – es schien übrigens weniger relevant zu sein, wer diese Positionen besetzte, als dass sie besetzt waren –  binden, eng halten sowie am Rausrücken hindern.

Rückte der BVB-Wingback trotzdem raus, wich der ballnahe Achter immer wieder in die dahinter entstehende Lücke auf dem Flügel aus, um dort den Ball zu erhalten. (Grafik weiter unten zeigt dieses Muster)

Ein Prinzip Nagelsmanns ist, dass mit so wenigen Spielern wie möglich eben so viele gegnerische Spieler wie nur möglich gebunden werden sollen. Das zeigte sich auch in diversen anderen Spielzügen.

Gegenläufige Bewegungen

Blieben Guerreiro/Hakimi in der Fünferkette, probierten es die Leipziger immer wieder mit gegenläufigen Bewegungen – die beiden Stürmer beliefen die Tiefe, um Raum für den sich fallen lassenden Forsberg zu schaffen. Dieser beantwortete die Tiefenläufe dann mit einem Entgegenkommen in Richtung des ballführenden RB-Spielers, um den Ball zu erhalten und abzulegen.

Das Prinzip, wonach die Ablage auf einen spieloffenen Spieler erfolgen soll, sah man immer wieder auf Seiten der Gäste. Dieses Muster hatte jedoch auch noch einen anderen Effekt, der vermutlich das Ziel solcher Angriffe war.

Raum-öffnende Bewegungen

Dadurch, dass Forsberg sich fallen ließ, zog er einen BVB-Verteidiger aus der Abwehr mit, die restliche Abwehrkette musste sich zusammenziehen, um die hinter dem rausrückenden Verteidiger entstehende Lücke zu schließen – es wurde ein sogenanntes Abwehrdreieck erzeugt. Die Folge waren offene Räume auf den Flügeln, die über die aufgerückten Außenverteidiger bespielt wurden.

Die beiden Achter positionierten sich zwischen den Sechsern und Außenstürmer, was auch letztgenannte eng hielt und somit deren Zugriff verzögerte.

Wenngleich die Leipziger daraus nicht immer Durchbrüche generieren konnten, kamen sie auf diese Art und Weise jedoch immer wieder in das Übergangsdrittel.

Abkippender Sechser sorgte für Entscheidungsprobleme

Eine weiteres Mittel, dass man auf Seiten der Leipziger sah, um das Dortmunder 5-2-3-Pressingsystem zu knacken, war das Abkippen des einzigen Sechsers Demme.

Das Herstellen einer Dreierkette im Spielaufbau hatte natürlich zuallererst den Vorteil, dass die eigenen Außenverteidiger etwas höher schieben konnten und die beiden Innenverteidiger horizontal auffächern konnten.

Das war jedoch bei weitem noch nicht alles an den damit erzielten Effekten. Schließlich kam es auch zu Wechselwirkungen mit dem Gegner: Das Abkippen Demmes stellte die Borussen vor „Entscheidungskrisen“ im Anlaufverhalten.

Die oben gezeigte Szene lief aus taktischer Sicht wie folgt ab: Sancho (in dieser Situation Mittelstürmer) entschied sich für eine tiefere Positionierung, während sich Hazard zwischen der Abdeckung des äußeren Passweges auf Guerreiro und des vertikalen Passweges auf Forsberg, der sich in dieser Situation halblinks fallen ließ, entscheiden musste.

Er spekulierte jedoch auf das diagonale Anspiel nach außen, womit Forsberg angespielt werden konnte, da er sich nicht in seinem Deckungsschatten befand. Gleichzeitig zog die entgegenkommende Bewegung von Laimer in die Richtung Demmes die Aufmerksamkeit von Weigl auf sich, der dadurch auf ein Anspiel spekulierte und etwas rausrückte.

Der Passweg ging dadurch auf und Upamecano bediente den im Halbraum postierten Forsberg, der gemeinsam mit Halstenberg eine Zwei-gegen-eins-Überzahl gegen Hakimi vorfand.

Wichtig war aus Leipzig-Sicht auch die bindende Komponente von Poulsen, der Akanji am Rausrücken hinderte.

Der BVB presste im 5-2-3/3-4-3

Borussia Dortmund verteidigte vor allem in der Anfangsphase dieses Spiels gelegentlich im 3-4-3-Angriffspressing. Dabei rückte die Dreierabwehr bis zur Mittellinie auf und Flügelverteidiger nahmen eine Grund- bzw. Ausgangsposition auf der Seite etwas hinter den beiden Sechsern ein.

Reus lief den ballführenden Innenverteidiger nicht immer an, entschied er sich jedoch dafür, dann versuchte den alleinigen Leipzig-Sechser Demme in seinen Deckungsschatten zu nehmen, damit der Passweg auf diesen verschlossen ist.

Spielte der Innenverteidiger dann den Pass auf den offenen Außenverteidiger, attackierte diesen der ballnahe Außenstürmer unter Abdeckung des horizontalen Passweges zum Sechsers.

Der Außenstürmer versuchte den Leipzig-Außenverteidiger zu stellen und vom Zentrum wegzulenken. Während dessen stellte Reus den Rückpassweg zum Innenverteidiger zu. Der ballferne Außenstürmer schob in Richtung Zentrum und blieb vertikal an der Linie des ballfernen Innenverteidigers, um diesen bei einem Anspiel anlaufen zu können.

Durch die tieferen Positionierungen der Außenstürmer, hatten diese bessere Anlaufwinkel im Anlaufen auf die Außenverteidiger. Die Flügelverteidiger hielten sich im Angriffpressing oft zurück, um die letzte Linie zu verstärken, vor allem wenn der ballnahe Achter Leipzigs auf den Flügel auswich.

Hier (in der 3. Spielminute) schlug das Pressing fehl und Leipzig konnte sich mit einem Rückpass zum Innenverteidiger sowie in weiterer Folge über den ballfernen Innenverteidiger unf den Sechser, der sich in dieser Szene gut aus dem Deckungsschatten bewegte, lösen.

Wurde man überspielt, zog sich der BVB etwas zurück und ging in ein 5-2-3/5-4-1-Mittelfeldpressing zurück.

In diesem fokussierte man sich vorwiegend auf die Sicherung des Zentrums und versuchte, die Anspielwege in die Tiefe zu verschließen. Außerdem kam es zu mehr Herausrückbewegungen der Flügelverteidiger, das ein Charakteristikum des BVB-5-2-3-Mittelfeldpressings ist.

BVB lenkte nach außen

Einen Querpass zwischen den Innenverteidigern interpretierte der ballseitige BVB-Außenstürmer meist als Trigger zum Anlaufen von selbigem unter Abdeckung des diagonalen Passweges. Der Sechserraum konnte somit vorerst häufig über den werfenden Deckungsschatten mitverteidigt und kontrolliert werden.

Wie in der obigen Grafik zu sehen ist, lenkte der ballnahe Außenstürmer durch das diagonale Anlaufen von innen nach außen, wodurch der Sechser in den Deckungsschatten genommen wurde, das RBL-Aufbauspiel auf den Flügel zum Außenverteidiger.

Reus stellte dann meist den ballfernen Innenverteidiger zu, damit die Verbindung zu diesem gekappt war und keine Verlagerung gespielt werden konnte.

Pendelnde Viererkette

Der angespielte Außenverteidiger wurde dann vom aggressiv herausrückenden Dortmunder Flügelverteidiger unter Abdeckung des tiefen vertikalen Passweges angelaufen. Die verbleibende Abwehrkette, die zu einer pendelnden Viererkette wurde, sicherte dann durch.

Es kam der Mechanismus der sogenannten pendelten Viererkette zum Einsatz, der Flügelverteidiger presste auf Höhe des Mittelfelds, die verbleibende Viererkette sicherte durch.

Der ballseitige Außenstürmer stellte in diesen Situationen den Rückpassweg zum Innenverteidiger zu, während sich Reus am Sechser orientierte, diesen anlief und der ballnahe Sechser den diagonalen tiefen Passweg versperrte.

Ziel dieses Outlinien-Pressings war grundsätzlich natürlich die Isolation auf außen und demzufolge die Balleroberung.

In dieser Szene sieht man den oben beschriebenen Pressing-Mechanismus und wie sich Leipzig daraus löste. Die Rest-Abwehrkette sicherte zwar gut durch, Zagadou schob auf Poulsen nach und deckte diesen in dieser Situation eng, so dass dieser bei einem Anspiel nicht aufdrehen hätte können. Dadurch, dass sich Sabitzer jedoch clever in den entstehenden Raum hinter dem herausrückenden Dortmunder Wingback bewegte, konnte dieser direkt von Demme angespielt werden. Zagadou konnte nicht rausrücken, da er von Poulsen gebunden wurde.

Häufig waren die Flügelverteidiger jedoch auch gebunden und konnten nicht herausrücken in der Pressingvorbereitung – dies zog sich durch das ganze Spiel.

Fazit

Es war nicht nur ein torreiches (3:3), sondern vor allem ein aus taktischer Sicht hochinteressantes Bundesligaspiel, in dem spannende Ideen, Prinzipien in allen Spielphasen beider Teams zu sehen waren.

Der BVB zeigte sich wie schon in den letzten Spielen stark verbessert bei eigenem Ballbesitz. Brandt blüht in seiner neuen Rolle als tiefer Achter/Sechser total auf und kann häufig mit Ball aufdrehen, um gefährliche Angriffe zu initiieren.

Im Spiel gegen den Ball stehen die Dortmunder seit der Systemumstellung deutlich kompakter und tut sich leichter in der Zugriffsfindung, vor allem im Mittelfeldpressing. Wenngleich die Leipziger mit ihren Ideen bei eigenem Ballbesitz das kompakte BVB-5-2-3/5-4-1 vor Probleme stellen konnte.

RB Leipzig hat sich unter Julian Nagelsmann vor allem im eigenen Ballbesitz stark weiterentwickelt – man erkennt immer mehr seine Prinzipien und Vorstellungen. Im Spiel gegen den Ball agierten die Gäste in einer für sie untypischen 4-3-3-Grundordnung, jedoch sind die Beweggründe für diese Wahl für dieses Spiel absolut nachvollziehbar. Der BVB bespielte dieses Pressing jedoch immer wieder gut, so dass Leipzig Probleme hatte, Zugriff herzustellen, vor allem auf den Außenbahnen. Durch die Umstellung auf das RB-typische-4-4-2 bekamen sie in der zweiten Halbzeit allerdings mehr Zugriff auf das Spiel..

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