Der FC Sevilla unter Julen Lopetegui

„Jeder Trainer ist anders, du hast deine Philosophie, du arbeitest auf deine Art und Weise und du passt deine Philosophie an dich und deine Mannschaft an.“  Das waren die Worte eines vor ein paar Monaten entlassenen Trainers, der in einem Interview mit Guillem Balague nicht nur über seine Spielidee, sondern auch über Kuriositäten seines Berufs gesprochen hat.

Kaum ein anderer Trainer erlebte im Jahr 2018 mehr Höhen und Tiefen als Julen Lopetegui. Von 2016 bis 2018 trainierte er die spanische Nationalmannschaft und begeisterte das Land mit der Art und Weise wie die Spanier Fußball spielten. Die Hoffnungen waren legitimerweise sehr hoch, denn nach der WM 2014 und EM 2016 erwartete die große Fußballnation Spanien, einen besseren Auftritt seiner Nationalspieler. 

Doch ein paar Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft in Russland kam die Eilmeldung, dass der baskische Trainer entlassen wurde. Bekanntermaßen kurz nach der offiziellen Mitteilung von Real Madrid, die den Nachfolger von Zinedine Zidane in Julen Lopetegui gefunden zu haben schienen. „Ich bin sehr traurig. Ich hoffe, dass wir eine hervorragende Weltmeisterschaft spielen und dass wir gewinnen. Wir haben eine tolle Mannschaft und hoffentlich gewinnen wir diese WM“, sagte Lopetegui nach seiner Entlassung im Gespräch mit der Marca. Der spanische Verband war unzufrieden mit dem Zeitpunkt der Bekanntgabe seitens Real Madrids. 

Mit der Übernahme des Cheftrainer-Postens bei Real Madrid, wuchs die Last auf den Schultern des ehemaligen Trainers vom FC Porto. Mit 9 Titeln (darunter 3x Champions League, 1x spanische Meisterschaft) in 2 1/2 Jahren, hat Zinedine Zidane Geschichte geschrieben und zugleich die Fußballbranche maßgeblich dominiert. Die Vorgaben an seinen Nachfolger waren die Erfolgsspur weiter auszubauen und damit innerhalb Spaniens sich zusätzlich endgültig gegen den FC Barcelona durchzusetzen. Leichter gesagt als getan. Nach 14 Spielen folgte die zweite Entlassung innerhalb eines Jahres. Der Höhepunkt der Misere war das 5:1 Debakel im Camp Nou am 28.10.2018. Nach nur 1 Sieg in 7 Pflichtspielen, entschied sich Florentino Perez für eine Entlassung und besetzte den Posten vorerst interimsweise mit dem Argentinier Santiago Solari.

Doch wie konnte das passieren? Mit einem sehr guten Start aus 5 Siegen in 7 Spielen, schien der Übergang reibungslos zu verlaufen. Die Spielweise der Los Blancos unterschied sich deutlich zu den vergangenen Jahren und genau das imponierte die Anhängerschaft. Der Weg zum Torabschluss der Madrilenen verlief flüssiger, rhythmischer und dominanter als noch unter Zinedine Zidane oder Rafael Benitez. Das Pressing wurde höher angesetzt, eine gewisse Spielfreude war ersichtlich. Der einst ruckartige Konterfußball war nahezu verschwunden und die Mannschaft spielte einheitlich und nicht auf einzelne Spieler zugeschnitten. 

Mit der Zeit wurden die anfänglichen Schwächen Real Madrids von den Gegnern gnadenlos ausgenutzt und diese führten zu einigen knappen Niederlagen. Gegen den Ball war in vielen Phasen des Forecheckings die Kompaktheit nicht gegeben, das Umschalten nach Ballverlust wurde nicht rechtzeitig antizipiert, die Laufwege waren nicht ideal abgestimmt und oben drauf gab es eine Prise Pech im Torabschluss.

In einigen Interviews nach seiner Entlassung konnte man heraushören, dass der Baske in kurzer Zeit, zu viel verlangt hat und die eingespielte Spielweise Zidanes inklusive den Abgang Cristiano Ronaldos unterschätzt hat. Seit dieser Saison ist Lopetegui Cheftrainer des FC Sevilla und gewann 16 von 25 Pflichtspielen. Damit beendete seine Mannschaft das Kalenderjahr 2019 auf einem sehr guten 3.Platz. Doch hat er aus den Fehlern bei Real Madrid, die sich aus der überhasteten Implementierung seines Systems resultierten gelernt?

Kaderanalyse

Das Ziel der Geschäftsführung ist es sich fest unter den Top 4 Spaniens zu etablieren und somit regelmäßiger an der Champions League teilzunehmen. Sportdirektor Monchi begab sich vergangenen Sommer in die Transferoffensive und verpflichtete gleich 15 neue Spieler. Die Grundordnung ist ein klassisches 4-3-3. In der typischen Startaufstellung wäre Tomas Vaclik als Schlussmann eingetragen. Ein moderner Torwart der im Spielaufbau essenziell wichtig ist. Die Innenverteidigung ist mit Diego Carlos und Jules Koundé besetzt. Beide spielen sehr robust und sind besonders pressing-resistent.

Der von Real Madrid ausgeliehene Sergio Reguilón und Mannschaftskapitän Jesus Navas, sorgen für Explosivität auf den Außen. Zwei Laufstarke Außenverteidiger, die sich mit präzisen Hereingaben in dieser Saison auszeichnen. Auf der 6er Position ist der argentinische Routinier Ever Banega unterwegs, während auf den beiden 8er Positionen meistens der vom FC Porto verpflichtete Óliver Torres und Fanliebling Joan Jordán spielen. Auf den Flügelpositionen befinden sich der schnelle Munir El Haddadi und der aktuelle Top-Torschütze Lucas Ocampos. Auf der Mittelstürmer Position ist der niederländer Luuk de Jong gesetzt.

Präsident José Castro forderte zu Beginn der Saison positive Ergebnisse ein und war damit einverstanden, dass Julien Lopetegui und sein Assistenz-Trainer Pablo Sanz die spielerischen Komponenten der Mannschaft behutsam entwickeln. Diese Abmachung war für beide Parteien ein immenser Vorteil. Um nicht die selben Fehler wie in Madrid zu machen, ist das Trainer-Team in der Lage, ihre Spielphilosophie von Spielabschnitt zu Spielabschnitt mit den Spielern zu trainieren. Bis zum 10. Spieltag lag der Fokus klar und deutlich auf den Spielaufbau und das Geschehen im 1/3 des Spielfelds. Nach und nach wurden die Prinzipien für das 2/3 des Spielfelds immer erkennbarer, während die Arbeit gegen den Ball immer mehr durchdachter wurde. Geduld ist die Tugend.

1/3 des Spielfelds

Die Variationen im Spielaufbau Sevillas sind bemerkenswert. Für jede Pressing-Art seitens der Gegner haben die Aufbauspieler Lösungen parat. In den seltensten Fällen spielt Vaclik den langen Ball. Der Spielaufbau beginnt meistens mit einer pendelnden Dreierkette, die situativ durch den 6er oder einen der beiden 8er komplettiert wird. Die AV agieren zu beginn an hoch und sehr breit, während die RF/LF versetzt zu ihnen stehen, um Gegenspieler zu binden und die Außenspuren für die AV frei zu halten. Das Positionsspiel der 6er und 8er verläuft flüssig und abgestimmt, was ein Vorteil für die Dynamik des Spielaufbaus ist. 6er und 8er befinden sich ständig in unmittelbarer Nähe des ballführenden Spielers aus der pendelnden Dreierkette, um bewusst eine ballorientierte, kreierende Überzahlsituation des Gegners zu animieren.

Wirkt dieser „Trigger“ im Spielaufbau, ist die Dreierkette in der Lage anhand von zügigen Ballstafetten den Ball entweder zum ballfernen Spieler der Dreierkette zu transportieren, oder eine direkte diagonale Spielverlagerung auf den ballfernen AV zu spielen. Da die Außenspur immer von einem AV besetzt ist und die RF/LF versetzt zu den AV positioniert sind, sorgt die Animation der Ballorientierung dafür, dass Sevilla 2 gegen 1 Überzahlsituationen auf der gegenüberliegenden Spielfeldseite hat. Erhält einer der beiden IV den Ball zentral, kippt der 6er, bzw 8er diametral ab um den Halbraum zu besetzten.

Wird der Ball jedoch schon im Halbraum erhalten, kippen die 6er/8er zentral ab und positionieren sich mit den beiden IV horizontal. Eine horizontale Staffelung im Spielaufbau ist üblicherweise ein Nachteil, wird aber im Falle Sevillas zum Vorteil. Durch das überladen der ballnahen Zonen und dem Prinzip nach einer erfolgreichen Animation direkte kurze oder lange Spielverlagerungen zu praktizieren, löst sich der zentrale Spieler der pendelnden Dreierkette in dem er plötzliche vorwärts Bewegungen macht, den Gegenspieler aus der Nähe bindet und somit den horizontalen Passweg zum gegenüberliegenden Spieler der Dreierkette öffnet. Durch ein Druckpass zu diesem Spieler, kann dieser anhand einer schnellen Mitnahme in das 2/3 durchbrechen, oder auf die Außen spielen, wo die Spuren ohnehin schon doppelt besetzt sind (AV + LF/RF).

Wenn eine Durchbruchmöglichkeit aus der Halbspur heraus besteht, wird der ballführende Spieler abgesichert und die AV schieben noch höher um eine horizontale Staffelung im 2/3 zu vermeiden und um gleichzeitig Räume auf den Außen nach Steckpässen dynamisch zu besetzen. Solch riskante Aktionen sind aber im Spiel selten zu sehen. Meistens wird dann doch eher die versetze Positionierung des mittleren Spielers der Dreierkette bevorzugt. Wurde dank einer Spielverlagerung der Ball ins 2/3 transportiert, fängt das selbe Schema von vorne an. Jedoch werden die Verlagerungen in diesen Zonen direkter und schneller ausgeführt. 

Lopetegui Sevilla

Beim 1:2 Auswärtssieg im Derby gegen Betis Sevilla, eröffnete der FC Sevilla mit einer flachen Viererkette. Die Flügelspieler Ocampos und Nolito schoben hoch bis zum höhsten Punkt des mittleren Drittels. Der Sinn dahinter? Betis Sevilla agierte gegen den Ball in einer 5-2-3 Grundordnung und hatte somit große offene Räume neben den beiden zentralen Mittelfeldspielern. 

Hatte einer der ballführenden IV eine diagonale Sicht zum hoch aufgerückten ballfernen LF/RF, ließen sich Nolito oder Ocampos explosionsartig in diese offenen Räume neben den gegnerischen ZM fallen. Dank der zu Beginn an hochaufgerückten Positionierung beider Flügelspieler, wurden die gegnerischen AV tief in ihrer eigenen Hälfte gebunden und von den plötzlichen Bewegungen Richtung freie Räume seitens Nolitos und Ocampos überrascht. Somit waren sie nicht schnell genug um ihnen zu folgen. Erhielten sie den Ball, wurde zügig aufgedreht um eine mögliche Doppelung des gegnerischen AV + LF/RF zu entkommen.

Sehr interessant an dieser Herangehensweise war, dass ein absichtliches Animieren einer ballorientierten Spielweise des Gegners wieder einmal zu sehen war. Konnten Nolito oder Ocampos erfolgreich aufdrehen und in die gegnerische Spielhälfte eindringen, warteten sie bis der Gegner wieder ballorientiert verschoben hat. Geschah dies, wurde anhand kurzer Ablagen über das Zentrum, oder direkt anhand von Flugbällen verlagert.Die Mannschaft von Julen Lopetegui genießt es nahezu, wenn der Gegner eine ballorientierte Raumdeckung anwendet. 

2/3 des Spielfelds

Gelangen die Sevillistas in das 2/3, werden die Verlagerungen schneller und direkter ausgeführt. Die ballfernen AV und LF/RF positionieren sich dabei so, dass sie im Falle einer flachen Spielverlagerung, den breiter positionierten Spieler direkt in den Lauf spielen können. Dies ermöglicht eine fluide Weiterleitung und eine Penetration ins 3/3.

Die AV und LF/RF stehen versetzt zu einander und versuchen sich von mannorientierten ballfernen Gegenspielern, anhand von ständige Positionswechsel (Außenspur –> Halbspur, Halbspur –> Außenspur) zu lösen. 

Sevilla bevorzugt ein Überladen der Halbräume und Außen. Das spielen über das Zentrum wird vorwiegend vermieden. Beim 0:1 Auswärtserfolg gegen den FC Granada, verliefen nur 23 % der Spielzüge über das Zentrum. Wenn der AV auf den Außenspuren den Ball führt, sind permanent mindestens 4 Anspielstationen in rautenformen vorhanden. Der ballferne 8er wechselt seine Position vom ballfernen Halbraum in die zentralen Zonen und ermöglicht dem ballführenden Mitspieler eine weitere Anspielstation in der Tiefe.

Bei einem hohen Forechecking seitens der Gegner, wird der 8er durch den ballfernen LF/RF oder AV abgesichert. Durch diesen Vorgang des ballfernen 8ers, öffnet Sevilla direkte Passwege zu den ballfernen AV und LF/RF. Das besetzen der „Zone 11“ zieht gegnerische Zentrumspieler tiefer in die eigene Hälfte. 

Sevilla

Das permanente Positionsspiel der 6er und 8er Sevillas, ermöglicht den ballführenden immer wieder diagonale Passkanäle auf die gegenüberliegende Spielfeldseite. Das rochieren im Zentrum und die entgegengesetzten Laufwege führen dazu, dass gegnerische Zentrumspieler oftmals vor wichtigen Entscheidungen stehen. Folgen sie dem in die Tiefe laufenden 6er/8er, öffnen sie den diagonalen Passweg, folgen sie ihm nicht und konzentrieren sich dabei auf das zustellen dieser Passwege, werden die Zonen, die sich kurz vor dem 3/3 befinden, unterbesetzt sein und die gegnerischen IV sind gezwungen weiter rauszurücken. 

Gegen Real Madrid (0:1) schafften die Andalusier 33 diagonale Spielverlagerungen nach Positionsspielabläufen der 6er und 8er. Meistens wurde Reguilon dabei bedient. 

Entscheiden sich die gegnerischen Zentrumspieler für das schließen der diagonalen Passkanälen, spielen die Blancquirrojos vertikal über die Halb- und Außenspuren. Da die Mannschaft von Julen Lopetegui die Gegner extra zur ballorientierten Raumdeckung animieren, sind in solchen Fällen ständige Bewegungen der ballnahen Mitspieler erforderlich. Die versetzt zueinander stehenden AV und LF/RF praktizieren ovalförmige Läufe um die Gegenspieler herum. Dies hilft ihnen dabei sich von den vereinzelnden Manndeckungen zu lösen. Dabei kann der ballführende 6er/8er die Schnittstellen die dank dieser Läufe andauernd kreiert werden anvisieren und für Steckpässe in die Tiefe nutzen. 

Sevilla

Sevilla im 3/3 des Spielfelds

Der FC Sevilla bevorzugt auch im letzten Spielfelddrittel schnelle Spielverlagerungen über die Halbräume heraus. Beim 1:0 Erfolg gegen CD Leganes hatte der Gegner eine sinnvolle Idee, um diese schnellen Spielverlagerungungen im 3/3 zu unterbinden.Leganes teilte seine Fünferkette (2. Reihe) und beiden 6er (3. Reihe) in zwei Blöcke auf. Anhand dieser zwei Blöcke, wurden die breit stehenden AV und LF/RF teilweise umzingelt und manngedeckt.

Die Art und Weise ihrer Deckung könnte auch als mannorientierte Zonendeckung genannt werden. Auch als Torres und Banega versucht haben ihre AV und LF/RF auf den Außenspuren im Ballbesitz zu unterstützen, in dem sie gleich mit 3 Spielern versucht haben zu überladen, waren sie dennoch permanent in Unterzahl. Das bevorzugte kombinieren über die Außen bevor eine Verlagerung stattfindet, wurde damit eingestellt und Leganes konnte den Favoriten über einen längeren Zeitraum still halten. Doch mit der Zeit fokussierten sich die Andalusier auf die große Lücke zwischen den beiden gegnerischen IV und versuchten diese ständig zu bespielen. 

Agiert der Gegner gegen den Ball in einer äußerst kompakten Staffelung, setzt Sevilla gleich 5 Spieler in die letzte Linie. Durch dauerhafte Einrückmomente zwischen letzter und vorletzter Spielreihe, stehen Abwehrketten der Gegner wie so häufig vor wichtigen Entscheidungen. Folgen sie dem abkippenden Spieler, öffnen sich Räume hinter der 2. gegnerischen Reihe, die von den AV aggressiv für Tiefenläufe genutzt werden. Folgen sie ihm nicht, hat der abkippende Offensiv-Spieler Raum und Zeit zum aufdrehen zwischen gegnerischer 2. und 3. Reihe. 

Sevilla

Das letzte Drittel wird darüber hinaus durch viele Ablagen im Zentrum genutzt, um durch kurze Ballstafetten zu einer erfolgreichen Spielverlagerung zu gelangen. In der zentralen Spur festigt Stürmer de Jong vereinzelnd in Spielphasen den Ball und versucht mit Hilfe eines ballnahen LF/RF ein „Raum fressen“seitens der Gegner in der „Zone 14“ anzuregen. Überlädt die gegnerische Mannschaft die „Zone 14“ mit mindestens 3 Spielern, erfolgen blitzartige „Chipbälle“ auf die hochgerückten AV. 

Eindeutig augenfällig sind die vielen Defizite die Sevilla im letzten Drittel und ganz besonders in und außerhalb des Strafraums plagen. Die behutsame Entwicklung des Trainerstabs, ist der Grund für die eher durchschnittliche Torausbeute der Andalusier. 38 Tore aus 25 Pflichtspielen, wovon 3 Tore oder mehr nur gegen die Europa League Gegner F91 Düdelingen und Qarabag Agdam erzielt wurden. Es fehlen abgestimmte Abläufe, durchdachte und schnelle Rochaden, individuelle Kreativität und der unbedingte Wille auch mal ein Torspektakel anzubieten. Die Mannschaft und der Trainer sind sich bewusst, um nachhaltigen Erfolg zu garantieren, ist eine geduldige Anfangsspielweise erforderlich. 

Ausblick

„Der Spieler muss in der Lage sein, dir deine Spielphilosophie zu erklären.“ Einer der weiteren Aussagen Lopeteguis im Interview mit Guillem Balague, die in seinem Fall der Wirklichkeit entspricht. In der LaLiga Santander gibt es nur wenige Mannschaften, die während eines Spiels so häufig kommunizieren und gestikulieren wie der FC Sevilla. Besonders im Spielaufbau unterstützen sich die Spieler in jedem Moment anhand gezielten Kommandos. Éver Banega, der Schlüssel des Spielaufbaus, besitzt eine unheimlich gute Vororientierung, die er zu Gunsten seines Teams einsetzt.

Diese Aspekte sind ausschlaggebende Faktoren, warum ihr Spielaufbau zu einem der besten Europas momentan gehört. Die Mentalität innerhalb der Mannschaft ist ebenfalls lobenswert. Sie wirken, als würden sie die geduldige Umsetzung ihrer Entwicklungsschritte voll und ganz verstehen und arbeiten sich Woche für Woche nach vorne. Gegen den Ball agieren die Süd-Spanier je nach Spielverlauf im Angriffs- oder Mittelfeldpressing und versuchen meistens die gegnerischen ballführenden Spieler in den Halbräumen zu isolieren.

Lopetegui fordert Doppelungen auf den Außen, woraufhin dauerhaft die Kommandos „Dos uno, dos uno“ von der technischen Zone zuhören sind. 20 Gegentore in 25 Pflichtspielen sprechen für sich.
Julen Lopetegui hat definitiv aus seinen Fehlern bei den „Königlichen“ gelernt. Er baut behutsam sein System auf und feilt an vielerlei taktischen Elementen. Die Strategie ist klar, sie wollen einen ballbesitzorientierten, für den Gegner mühsamen Fußball spielen. Ihr Spiel lebt von ständigen Spielverlagerungen und gefährlichen „Triggern“ während ihrer Ballbesitzphasen. So erreichten sie zu Gast beim RCD Mallorca eine erfolgreiche Passquote von 82 %. 

Die Fans und Vereinsführung sind mit dem aktuellen Verlauf der Saison zufrieden und das Trainer-Team auch. Trotzdem bleibt es interessant anzusehen, wie sich die Abläufe im letzten Drittel und besonders im Strafraum verbessern werden. Hochpreisige Neuzugänge wie Ronny Lopes und Munas Dabbur sind bislang ein Schatten ihrer selbst und konnten das Angriffsspiel der Andalusier nicht auf ein hohes Niveau anheben. Luuk de Jong konnte mit 2 Treffern aus 17 Spielen anhand seiner Torausbeute ebenfalls noch nicht überzeugen, seine Präsenz in der letzten Linie bleibt aber belangreich. Die Ergebnisse sind positiv, die Leistung verbesserungsfähig. Geduld bleibt die Tugend. 

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