Newcastle United vs Leicester City

Gleich am ersten Tag im neuen Jahr ging es mit der Premier League weiter. Hier stand unter anderem auch das Spiel Newcastle United gegen Leicester City an. Gerade die Gäste schaffen es in dieser Saison vollends zu überzeugen, befinden sich noch vor Manchester City auf einem starken zweiten Platz.

Die Ausrichtungen der beiden Mannschaften könnten viel unterschiedlicher nicht sein: Brendan Rodgers‘ Team schafft es oftmals, den Gegner über Ballbesitzphasen zu dominieren, während Steve Bruces Newcastle auf eine in Ballbesitz sehr direkte Ausrichtung setzt. Die Unterschiede erstrecken sich auch auf das Spiel gegen den Ball, hier wählt Leicester meist eine aggressivere Ausrichtng mit höherem Pressing.

Diese Unterschiede drückten sich auch in den Statistiken nach dem Spiel aus, so lautete beispielsweise die Ballbesitzstatistik 23-77%, wobei auch die Verletzung von Fabian Schär hierbei einen Einfluss hatte – der Schweizer verletzte sich kurz nach der Halbzeit. Heimtrainer Bruce hatte zu diesem Zeipunkt jedoch bereits drei Wechsel in Anspruch genommen.

Formationen

Rodgers‘ Mannschaft zeigt sich in dieser Saison sehr variabel bezüglich der Grundordnung. So schickte er seine Mannschaft bereits mit einem 4-3-3, 4-Raute-2 oder wie in diesem Spiel auch in einem 3-1-4-2 aufs Feld. Auffällig ist dabei, dass er stets mindestens drei Spieler im Zentrum hat, was Vorteile für das Spiel mit dem Ball schafft. Bruce hingegen setzt auf ein 3-4-2-1, welches gegen den Ball grundsätzlich zu einem 5-2-2-1/5-4-1 wird.

Leicester City
Mannschaftsaufstellungen

Newcastles Plan gegen den Ball

Gegen den Ball verfolgten die Gastgeber einen genauen Plan. Grundsätzlich verteidigte das Team in einem Mittelfeldpressing, dabei in der 5-2-2-1 Grundordnung, wobei die Flügelverteidiger sich etwas höher als die Innenverteidiger positionierten, um rechtzeitig Zugriff auf Leicesters Flügelverteidiger im Falle eines Anspiels zu haben.

Angeführt wurde das Mittelfeldpressing von Joelinton, der jedoch eine eher passive Rolle verfolgte – diese bestand daraus, Ndidi in seiner Deckung zu behalten und somit Anspiele der Dreierkette auf den Sechser zu vermeiden. Gelegentlich lief er die Dreierkette geringintensiv an, behielt dabei jedoch auch Ndidi stets im Deckungsschatten.

Pressingauslöser waren oftmals die Pässe von Evans auf einen der Halbverteidiger – hierbei attackierte der jeweilige ballnahe Zehner aggressiv den ballempfangenden Halbverteidiger. Der Anlaufwinkel war dabei so ausgerichtet, die Passwege auf die im Halbraum agierenden Achter Maddison und Tielemans zu sperren. Zudem hatten sowohl der ballnahe Halbverteidiger, als auch Sechser Zugriff auf diesen Spieler, wenn der Anlaufwinkel nicht passte. Gleichzeitig rückte auch der jeweilige Flügelverteidiger (Manquillo/Willems) aggressiv vor, um direkten Zugriff auf Leicesters Flügelverteidiger (Chilwell/Pereira) zu haben.

Anlaufmechanismus

Dieser beschriebene Ablauf wirkte sich auf Leicesters Aufbau so aus, dass sehr viele Pässe innerhalb der Dreierkette gespielt wurden und man sehr selten in gefährliche Zwischenlinienräume vorstoßen konnte, auch wenn diese besetzt waren. Auch wurde der Ball oftmals zu Chilwell oder Pereira gespielt, um von der Flügelzone aus in den vorderen Halbraum zu kommen. Für diese Situationen fand Newcastle ebenfalls gute Lösungen, indem der ballnahe Halbverteidiger aggressiv im Halbraum aufrückte, um Leicesters Achter – meistens befand sich Tielemans in diesen Situationen – am Aufdrehen zu hindern.

Potenzielle Räume zum Durchbruch ergaben sich für Leicester City hinter dem herausgerückten Halbverteidiger, die jedoch von den Gästen nicht wahrgenommen wurden. Besonders Willems lief Pereira in diesen Situationen teilweise aus einem Winkel an, der den Passweg in den Halbraum zusätzlich mit seinem Deckungsschatten sperrte, den Pass hinter den herausgerückten Halbverteidiger jedoch auch weit öffnete. Nichtsdestotrotz sind das keine besonders aussichtsreichen Situationen, da der Stürmer aus der Mitte heraus auf den Flügel läuft und so vom Innenverteidiger grundsätzlich einfach zur Außenlinie gedrängt werden kann. Spannend wäre es jedoch gewesen, den fehlenden Vardy in diesen Situationen zu sehen, der durch Geschwindigkeitsvorteile aus solchen Situationen durchaus Gefahr kreieren kann.

Leicester City
Newcastle sichet den Halbraum quasi doppelt, öffnet jedoch den Passweg in den Raum hinter dem aufgerückten Lejeune

Kleine defensive Positionierungs- und Timingfehler ergaben sich jedoch bei den beiden Zehnern (Muto und Almiron). Diese ließen sich teilweise zu früh locken, wenn Evans am Ball war, und spekulierten zu früh auf den Pass auf Fuchs/Söyüncü. Dadurch verloren sie ihre Verbindung zum jeweiligen Sechser der eigenen Mannschaft und öffneten somit den Passweg aus dem Zentrum heraus auf einen der Achter im Halbraum. Auch rückten sie teilweise nicht schnell genug in die etwas tiefere Postion zurück und verblieben auf einer Linie mit Joelinton, nachdem der Ball von ihrem jeweiligen Gegenspieler (Fuchs/Söyüncü) zu Evans ins Zentrum gespielt wurde. So war auch teilweise der Diagonalpass in den Halbraum offen.

Muto verliert die Verbindung zu Shelvey und öffnet somit den Passweg

Diese Positionierungsfehler weiste Muto vor allem auch auf als Newcastle im tieferen Block verteidigte. Hier positionierten sich Muto und Almiron auf Höhe der Sechser und bildeten ein 5-4-1. In diesen Situationen fand sich Muto teilweise etwas zu weit außen positioniert, womit er ebenfalls den Passweg in den Halbraum öffnete. Dennoch fielen diese Fehler letzten Endes nicht allzu stark ins Gewicht, da sowohl der Sechser als auch der Halbverteidiger nachhelfen konnten, was auch den Vorteil einer Fünferkette nochmal unterstreicht – die Halbverteidiger können aus der letzten Kette im Halbraum herausrücken, daraufhin hat man jedoch immer noch vier Spieler in der letzten Kette. Diese können die Breite immer noch gut abdecken.

Gelegentlich ging der Gastgeber auch ins Angriffspressing, welches jedoch nicht auf dem Niveau funktionierte wie das Mittelfeldpressing. Leicester City konnte mit dem Torwart einen zusätzlichen Spieler im Aufbau nutzen und Newcastle schaffte es nicht den im Angriffspressing größeren Raum effektiv zu verteidigen.

Leicester City Variationen im Aufbau

Größtenteils verlief der Aufbau der Gäste sehr statisch und fand somit keine konstanten Lösungen für Durchbrüche. Einige Variationen brachte jedoch Maddison, der einen durchaus weiten Aktionsradius hatte und oftmals in breitere und/oder tiefere Zonen abkippte. Dies stellte Bruces Team teilweise vor Herausforderungen, die dem Mittelfeldpressing hin und wieder Schwierigkeiten bereiteten.

Ließ Maddison sich in den Sechserraum fallen, stellte er eine 2vs1-Situation gegen Joelinton her – der sich wie bereits erwähnt an Ndidi orientierte – und bot somit Möglichkeiten, um zentral in den Raum zu gelangen, der von der Doppelsechs, den beiden Zehnern und Joelinton umrundet wurde. Hierbei wurden die Sechser Newcastles vor ein Dilemma gestellt: Vorrücken und Maddison decken oder Position halten und Passwege in den Raum vor der Fünferkette schließen, woraufhin Maddison aber im Zentrum aufdrehen konnte. Beides bot Vor- und Nachteile.

Interessant wurde es zudem auch, wenn Maddison in breitere Räume abkippte. So zog er den ballnahen Sechser des Gegners aus dem Zentrum heraus in die Flügelzone. In Verbindung zu der Bewegung Maddisons stieß der Flügelverteidiger in höhere Zonen, um den Raum für Maddison möglichst weit zu öffnen und den gegnerischen Flügelverteidiger mitzuziehen. Eine interessante Situation tauchte hierbei auf, als Chilwell zunächst in die Tiefe lief und Manquillo mitzog, dann jedoch in den Halbraum rotierte und sich genau in den durch Maddisons Bewegung aufgerissenen Raum zwischen der gegnerischen Doppelsechs fallen ließ.

Leicester City
Die Rotation zwischen Maddison und Chilwell

Weitere Rotationen ergaben sich, indem Maddison ebenfalls auf den Flügel auswich, Iheanacho sich im Halbraum fallen ließ und Chilwell den kleinen Raum attackierte, den der aufrückende Halbverteidiger aufzog, um Zugriff auf Iheanacho zu haben.

Einen Durchbruch brachte eine ähnliche Rotation nach einer schnellen Spielverlagerung über die Dreierkette auf den im perfekten Timing nach außen rückenden Maddison. In dieser Situation band Pereira seinen Gegenspieler Willems, im der ballnahe Stürmer Perez startete in die Tiefe und Iheanacho kam als ballferner Stürmer entgegen, verpasste jedoch den direkten Pass in den Raum für Perez.

Leicester City
Nach einer Verlagerung bindet Pereira den gegnerischen Flügelverteidiger, Maddison hat Raum und Platz und spielt den Diagonalpass in den Zwischenlinienraum

Dennoch bleibt zu erwähnen, dass Leicester City aus den Ballbesitzphasen in der ersten Halbzeit nicht viele gefährliche Situationen kreieren konnte. Folgerichtig erzielte man die beiden Tore nach einem katastrophalen und einem zweiten halbkatastrophalen Fehlpass von Lejeune im Spielaufbau.

Nach der Verletzung Schärs spielte Newcastle nur noch zu zehnt und verteidigte nun fast ausschließlich in einem sehr tiefen Block. Die Grundordnung für den Rest des Spiels lautete 5-3-1, Leicester City ließ den Ball größtenteils um den gegnerischen Block herum zirkulieren und machte keine allzu großen Bemühungen nachzulegen. In der 87. Minute schaffte man es jedoch mit dem Treffer vom eingewechselten Choudhury den Deckel auf die Partie zu setzen.

Newcastle in den Umschaltsituationen

Um für Torgefahr zu sorgen wollten die Gäste vor allem die Umschaltsituationen nach der Balleroberung nutzen. In diesen Situationen spielten vor allem Joelinton und Shelvey wichtige Rollen – Joelinton nutzte man nach Balleroberung meistens als Zielspieler – dieser machte oftmals den Ball fest und versuchte den aus dem Zentrum aufrückenden Shelvey zu bedienen. Dessen Rolle war es, die Pässe in die Tiefe zu spielen.

Oftmals versuchte man in den Konteraktionen besonders durch Muto den Raum hinter dem aufgerückten Flügelverteidiger zu attackieren. Auch suchte man teilweise den direkten Weg hinter die Kette ebenfalls mit Joelinton als Zielspieler und erspielte sich so die größte Chance. Dennoch fand man sehr selten den Weg ins letzte Drittel und kam in der gesamten Partie auf magere fünf Schüsse.

Fazit

Über den gesamten Spielverlauf gesehen war der Sieg der Gäste sehr wohl verdient und auch ungefährdet. Trotz der sehr hohen Ballbesitzanteile gelangte man jedoch selten in gefährliche Räume und erspielte sich nicht allzu viele Chancen. Newcastle hatte einen funktionierenden Plan und brachte durch zwei sehr vermeidbare Fehler den Gegner auf die Siegerstraße.

Auch taktische Anpassungen in der zweiten Halbzeit seitens Brendan Rodgers wären spannend gewesen, welche jedoch durch die schnelle Unterzahl Newcastles und die beiden Treffer vor der Pause mehr oder weniger ausblieben.

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