Analyse Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach: Ohne Netz und doppelten Boden

Zum Auftakt der Rückrunde bot der Spielplan direkt zu Beginn ein Spitzenspiel. Schalke 04 empfing Borussia Mönchengladbach – eine gute Gelegenheit für beide Teams die starke Hinrunde gleich wieder mit einem Sieg in die Rückrunde 2020 zu überführen.

Systematisch begannen die Schalker mit einem 4-4-2 Rautensystem mit Caligiuri und Serdar auf den Halbpositionen. Neuzugang Gregoritsch bildete mit Raman den Sturm. Gladbach vertraute auf ein 4-2-1-3 bzw. 4-3-3, mit Embolo, Thuram, Pleu und Herrmann in der Offensive.

Der Matchplan von David Wagner und seinem S04 sah von Beginn an vor, Gladbach nicht ins Spiel kommen zu lassen. Durch diese Idee war das gesamte Spiel deutlich geprägt, Schalkes intensives und offensives Pressing machte es den Gladbachern über weite Strecken schwer, Ballbesitzphasen aufzubauen und darauf basierend in Kombinationen zu kommen. Immer war ein Schalker dazwischen, störte, setzte nach und war sich auch nicht zu fein, mit einem kleinen Foul den Spielfluss von BMG zu unterbrechen. Andere Mannschaften wie beispielsweise Borussia Dortmund bedienen sich dieser Stilmittel äußerst selten. Letztlich liegt die Wahrheit in der Mitte, eine derartige körperbetonte und zweikampforientierte Spielweise sollte jedoch bei jeder Mannschaft im Repertoire vorhanden sein. Das Spiel an sich bestimmt nämlich die Anforderungen und nicht die Mannschaft selbst.

Mutige Schalker

Exemplarisch für das mutige Angriffspressing kann eine Situation in Spielminute 15 herangezogen werden:

Schalke 04

Gladbach will das Spiel hier durch einen kurz ausgeführten Abstoß von Yann Sommer aufbauen, sofort setzt Raman Jantschke unter Druck und nimmt in seinen Deckungsschatten Jonas Hofmann aus dem Spiel. Jantschke kann infolgedessen nur noch auf links zu Oscar Wendt verlagern, der ebenfalls aggressiv von Caligiuri angelaufen wird. Dieser kann den Ball erobern, die anschließende Chance wird zwar von S04 nicht genutzt, ist jedoch ein Sinnbild für die ganze Partie: In der Spielphase ohne Ball war Schalke bestrebt, Gladbach intensiv anzulaufen und längere Ballbesitzphasen mit Kombinationen im Keim zu ersticken.

Mit Ball bildete Schalke in vielen Phasen eine Dreierkette, da sich Mascarell zwischen die Innenverteidiger Kabak und Nastasic fallen ließ. Mit dieser Formation im Spielaufbau kam S04 nur selten gegen die zweitweise ebenfalls hoch pressenden Gladbacher in die Bredouille.

Fahrige Gladbacher

Doch auch Gladbach versuchte mit hohen Angriffspressing dagegenzuhalten und Schalke unter Druck zu setzen. Jedoch sorgte eine unsaubere Ausführung des hohen Anlaufens zu den entscheidenden Schalker Treffern.

Vor dem 1-0 durch Serdar war es ein einfacher Longline-Ball von Oczipka, der gleich sieben Gladbacher aus dem Spiel genommen hat. Zakaria, der auf der rechten Defensivseite für den aufgerückten Lainer in den Zweikampf ging, verteidigte nur zögerlich und konnte den Querpass in die Mitte zu Serdar nicht vermeiden. Insgesamt hat Gladbach in dieser Situation zwei elementare Fehler gemacht: zum einen waren in der Phase des Angriffspressings ohne Ball zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen vorzufinden, die im Anschluss nicht konsequent und schnell genug geschlossen wurden.

Schematisch dargestellt ist es der rot markierte Bereich, der die Defensive von der Offensive trennt und durch simultanes Nachrücken der Abwehrkette hätte geschlossen werden müssen. Letztlich ist es dieser Bereich, der sich weiter vor das Tor der Gladbacher verschiebt und aus dem Suat Serdar seinen Treffer nahezu unbedrängt erzielen kann. Der Defensivbereich ist somit nur unzureichend abgesichert.

Schalke 04

Fazit

Schalke 04 konnte durch gutes Anlaufverhalten und schnelle Verschiebungen sicherstellen, dass das Gladbacher Spiel nicht zur Entfaltung kommt. Die Borussia konnte sich viel zu selten aus dieser Umklammerung lösen, auch das Zurückfallen von Zakaria in der zweiten Halbzeit zur Unterstützung des Spielaufbaus brachte keine nennenswerte Entlastung. Die Angriffswucht der Gladbacher, die sehr variabel durch einen einerseits temporeichen und andererseits kombinationsstarken Spielvortrag ausgestaltet ist, kam nur marginal zur Entfaltung und konnte das Tor von S04 nur selten in Bedrängnis bringen. Insgesamt ist die Handschrift von David Wagner sichtbar, der durchaus Elemente des Fußballs der Premier League einfließen lässt.

Das 2-0 fällt aus einer ähnlichen Ausgangssituation. Dieses Mal ist es zwar ein Ballverlust im Angriffsdrittel, aus dem Schalke schnell umschaltet und den vertikal durchstartenden Raman ins Spiel bringt. Doch auch hier kann Gladbach keine Absicherung der Defensive sicherstellen, zu wenige Spieler kümmern sich hierbei um die Rolle bzw. Funktion der Konterabsicherung, die bei jedem Angriff sichergestellt sein muss. Die Gefahr eines Ballverlustes ist durch eigene Fehler (Fehlpass etc.) oder Eingreifen des Gegners (Tackling etc.) stets vorhanden. Die daraus entstehende Kontergefahr muss durch geeignete Staffelungen der Spieler auf dem Feld möglichst gering gehalten werden.

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