Kommunikation und Kognitive Phasen im Training

Anweisungen! Sie machen den Großteil der täglichen Trainingsarbeit aus. Anweisungen organisatorischer Art oder Bewegungsanweisungen, sie bilden den Kernpunkt. Für ein erfolgreiches Verstehen und Verarbeiten von Informationen ist die Qualität jener Anweisungen sowie das darauf folgende Feedback von maßgeblicher Bedeutung. Für die richtige Kommunikation gibt es jedoch kein genaues Patentrezept. Jeder Spieler, jedes Team reagiert verschieden und benötigt individuelle Informationen sowie Ansprachen. Gewisse Anhaltspunkte, die die Kommunikation verbessern, lassen sich jedoch formulieren und sind im Folgenden aufgeführt. Oberste Regel ist dabei: wer viel redet, erfährt wenig!

Kommunikation & Anweisungen: Knapp & exakt

Zu viele Wörter, zu viele Sätze, ständiges Korrigieren und Wiederholen. Das alles verwirrt zunehmend und führt zu einer kognitiven Überfrachtung. Zielführender und empfehlenswerter sind kurze, knappe Anweisungen. Eine eindeutige Formulierung ist dafür essentiell, sie muss sachgerecht und korrekt sein. Sowohl das Verständnisvermögen der Spieler als auch deren Vorerfahrungen und -kenntnisse sind zu beachten. Denn „die rechte Seite“ ist nicht gleich „die rechte Seite“. Sie variiert nämlich je nach Blickwinkel oder Körperposition. Um diesen Aspekten Rechnung tragen zu können, empfehlen sich vorher überlegte Formulierungen. Vor allem zu zentralen Trainingsinhalten oder einzelnen Gelenkstellen in der Trainingseinheit. Mit Gelenkstellen sind Übergänge zwischen einzelnen Trainingsphasen gemeint, beispielsweise vom Aufwärmen in die Erarbeitungsphase. Diese sind durch räumliche Änderungen oder durch Einteilungen von Kleingruppen gekennzeichnet. Möglichst „beiläufig“ sollen die Spieler von einer Trainingsphase in die nächste gleiten. Dies soll Leerläufe vermeiden und gleichzeitig möglichst viel Übungszeit ermöglichen.



Damit das, was gesagt wird, auch beim Zuhörer ankommt, ist hinsichtlich einzelner Anweisungen zu beachten, dass nicht zu viel auf einmal gesagt wird. Einzelne Aspekte nacheinander vorbringen und einen Aspekt im Prinzip nur einmal sagen. Daher sollte auch nur gesprochen werden, wenn alle zuhören. Um ein aktives Zuhören der Spieler zu begünstigen, erweisen sich Variationen im Sprachverhalten als sinnvoll. Der Trainer sollte diesbezüglich flexibel sein, Betonung, Lautstärke und Distanz verändern können.

Generell empfehlenswert ist bei Anweisungen die Vorgehensweise vom Allgemeinen zum Speziellen. Erst werden vertraute, sichtbare Aspekte angesprochen. Danach wird auf die weniger offensichtliche Aspekte eingegangen. Gerade bei den speziellen Aspekten sollte der Trainer mehr ermutigen als ermahnen, um eventuelle Hindernisse abbauen zu können.

Feedback: Korrekturhilfe statt Kritik

Wie bei den Anweisungen, sollte auch Feedback überwiegend positiv formuliert werden. Dies beginnt schon bei einem der wichtigsten Punkte: nicht zu früh korrigieren! Als Trainer neigt man dazu, möglichst schnell Korrekturanweisungen zu geben, um seine Spieler „auf den richtigen Weg“ zu bringen. Häufig wird jedoch bei zu wenigen Wiederholungszahlen korrigiert, was die Spieler in ihrer Entwicklung hemmt und eher mehr Hindernisse schafft, als dass es sie abbaut. Denn viele Fehler verschwinden von selbst beim weiteren Üben, sobald die Spieler mehr und mehr mit der Situation und dem Finden von Lösungen vertraut sind. Nichtsdestotrotz sollte unmittelbar korrigiert werden, wenn sich offensichtliche Missverständnisse zeigen. Diese gehen meistens mit der verbalen Kommunikation einher, es entstehen falsche Bewegungsvorstellungen. Ebenso können Spieler aufgrund verschiedener Schutzreflexe gehemmt sein (Beispiel Kopfball). 

Um einem zu früheren Korrigieren schon möglichst entgegenwirken zu können, sollte generelles Feedback vor individuellem Feedback stehen. Einerseits besteht die Gefahr, dass der Trainer den Überblick über das Gesamtgeschehen verliert. Andererseits sollte ein roter Faden im Feedbackverhalten deutlich erkennbar sein, der Trainer sollte sich nicht ständig wiederholen müssen. Dementsprechend ist kurzes Pausieren der Übung, verbunden mit einer Globalkorrektur sinnvoller, falls mehrere Spieler den gleichen Fehler machen.  Für individuelle Korrekturen bleibt immer noch genug Zeit. Vor allem, wenn Spieler mit neuen, ihnen unbekannten Situationen konfrontiert werden. Hiervon ausgenommen sind selbstverständlich Fälle, in denen zwingend eine individuelle Korrektur von Nöten ist.

Gemäß eines roten Fadens im Feedbackverhalten sollen zunächst Hauptfehler sowie die Fehlerursache korrigiert werden. Folgefehler und kleinere Fehler stellen sich anschließend in der Regel von selbst ab.  Als Trainer kann die Konzentration der Spieler gezielt gelenkt werden, in dem jeweils nur ein Fehler korrigiert wird. Dadurch wird auch eine kognitive Überfrachtung vermieden; erfahreneren Spielern können hier selbstverständlich mehr leisten. Das wichtigste zum Abschluss: Feedback soll Hilfe anbieten! Statt einem Spieler zu sagen, was er falsch macht, sollte der Trainer ihm sagen, wie er es richtigen machen soll!

Beispiel: Das offensive 2 gegen 1 – Der Doppelpass

•  Fehler: Der Abstand zum Gegenspieler ist bei Beginn des Doppelpasses zu  klein

•  Ursache: Schlechte Ballführung

•  Korrekturhilfe: „Der Ball klebt beim Dribbling am Fuß“

•  Fehler 2: Mangelhaftes Timing zwischen beiden Spielern

•  Ursache: Fehlender Blickkontakt

•  Korrekturhilfe: „Erst anschauen, dann spielen“

Kognitive Phasen: Visualisieren und Lösen

Kognitive Phasen sind Zeiträume intensiver, verbaler Auseinandersetzungen mit Aspekten der Sportart. Sie sind geprägt von Informationsvermittlung und -verarbeitung. Dies können Taktikbesprechungen mit Videomaterial, Entwicklungsgespräche unter vier Augen oder die Vermittlung einzelner Handlungsoptionen im Training sein. Gerade letzteres ist für den Erfolg der täglichen Trainingsarbeit essentiell.

In diesen Phasen erarbeitet und wiederholt der Trainer gemeinsam mit den Spielern die Inhalte, an denen unmittelbar gearbeitet wird. Gerade nach dem Aufwärmen, in Unterbrechungen einzelner Übungen oder in Phasen der Ergebnissicherung sind diese wichtig. Um sicherzustellen, dass alle vermittelten Inhalte auch verinnerlicht wurden, sind solche Phasen als Gespräche und weniger als Vorträge zu gestalten. Sie dienen der Wiederholung eingängiger Prinzipien, sie bauen Brücken zwischen einzelnen Trainingsphasen, schaffen Überleitungen und geben dem Training einen roten Faden.

Allen bereits aufgeführten Aspekte erfolgreicher Kommunikation folgend, sind kognitive Phasen so anschaulich wie möglich zu gestalten. Sie sollen Probleme aufzeigen, Lösungsfindungen provozieren und jene Lösungen auch illustrieren. Damit eine Lösung von Spielerseite ermöglicht wird, sind zielgerichtete Fragen, Darstellungen oder ähnliches von Nöten, wiederum vom Allgemeinen zum Speziellen. Lediglich bei deutlich erkennbaren Barrieren oder Verständnisproblemen sollte der Trainer selbst die Lösung vorgeben.

Beispiel: Einführung des offensiven 2 gegen 1 – Der Doppelpass

Der Doppelpass ist weniger ein technisches und mehr ein taktisches Element im Fußball und dient der Lösung von Überzahlsituationen. Neben dem korrekten Ausführen technischer Fertigkeiten sind vor allem Blickkontakt sowie ein explosiver Antritt nach dem ersten Pass von zentraler Bedeutung. Die technischen Fertigkeiten sowie das offensive 1 gegen 1 wurden bereits ausreichend geübt und werden beherrscht, nun führt der Trainer den Doppelpass ein:

Zunächst wird mit Spielern auf dem Whiteboard eine 1 gegen 1-Situation dargestellt (Bild 1) und von den Spielern wichtige Aspekte zum Lösen solcher Situationen eingeholt → Allgemein. Nun folgt der Übergang zum Speziellen: Der Trainer setzt einen weiteren Spieler und es ergibt sich eine 2 gegen 1-Situation (Bild 2). Gemeinsam mit den Spielern wird erarbeitet, wie sich diese Situation lösen lässt. Pass- und Laufwege werden nach und nach eingezeichnet. Die wichtigsten Kriterien sollte der Trainer zielgerichtet erfragen. Im Optimalfall werden sie von den Spielern selbst genannt. Diese können in Form eines vorgefertigten Notizzettels an das Whiteboard geheftet werden (Bild 3). Noch besser ist die Übernahme des Vokabulars der Spieler, die die Kriterien selbst genannt haben.

Die Situation wird noch einmal vorgeführt und im Anschluss geht es in die Übungsphase. Dieses Vorgehen ermöglicht den schnellen Übergang vom Allgemeinen, der bekannten 1 gegen 1-Situation, zum Speziellen, der bis dato noch nicht behandelten 2 gegen 1-Situation. Der Doppelpass ist ein sehr einfaches taktisches Element und soll hier vor allem die Umsetzung und Gestaltung Kognitiver Phasen verdeutlichen: anschaulich, zielgerichtet und von den Spielern selbst erarbeitet/gelöst.

Schlusswort: Jeder Spieler ist wichtig

Wie eingangs bereits erwähnt, gibt es kein Patentrezept für erfolgreiche Kommunikation. Jeder Trainer muss seinen eigenen Stil finden und diesen an verschiedene Spielertypen und verschiedene Spielsituationen ständig anpassen. Werden gewisse Anhaltspunkte jedoch befolgt, beeinflussen diese die generelle Kommunikation mit den Spielern positiv. Der Trainer sollte den Spielern das eigenständige Lösen von Spielsituationen zutrauen und ihnen auch Raum geben, diese zu verstehen und zu verinnerlichen. Phasen der Ergebnissicherung mit Nachfragen und Wiederholen verstärken ein Verinnerlichen. Sie zeigen aber auch noch vorhandene Verständnisschwierigkeiten sowie neue Probleme auf. Diese können in künftigen Trainingseinheiten nochmals thematisiert werden. Denn nicht alle Spieler sind gleich, nicht alle Spieler bringen das gleiche Verständnis mit und nicht alle Spieler lernen gleich schnell. Der Trainer möchte jedoch nicht nur die ohnehin schon guten Spieler besser machen, sondern jeden einzelnen seiner Spieler auf ein neues Niveau hieven.


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