Inter Mailand unter Antonio Conte

In der Saison 2011/2012 wurde Juventus Turin erstmals seit 2003 wieder italienischer Meister – und blieb es in den darauffolgenden Jahren. Bis heute ist Juve seitdem in jeder Saison Meister geworden, meist konkurrenzlos, nur selten gab es einen ernsthaften Titelkampf mit Inter, Neapel oder einem Verein aus Rom. So entwickelte sich aus der einst so spannenden, ausgeglichenen Serie A nach und nach eine Liga, die im Kampf um die Meisterschaft oft schon im April entschieden war.

Inter Mailand hat sich in dieser Saison aufgemacht, den Serienmeister aus Turin vom Thron zu stoßen. Steven Xhang, der neue starke Mann und Präsident des Vereins, hat im Sommer nicht nur diverse hochkarätige Transfers getätigt, sondern mit Antonio Conte auch einen neuen Cheftrainer geholt. Im Moment trennen Inter und Tabellenführer Juve lediglich drei Punkte, dazwischen hat auch Lazio Rom um Torjäger Ciro Immobile noch alle Chancen auf den Titel. Die Liga ist also so spannend wie schon lange nicht mehr und Inter Mailand hat einen großen Anteil daran. Die Entwicklung der Mannschaft in der laufenden Saison ist extrem spannend und so lohnt es sich, auf Taktik und Spielstil der Mannschaft von Antonio Conte etwas näher einzugehen.

Kader und Trainer

Wie bereits erwähnt wurden im Sommer- und Wintertransferfenster diverse, teils hochkarätige (und teure) Transfers getätigt, um den qualitativ eher durchschnittlichen Mailänder Kader aufzuwerten. Auf nahezu jeder Position kamen neue Spieler. Auffällig war jedoch, dass die Verantwortlichen nicht nur entwicklungsfähige Talente (Nicolo Barella, Valentino Lazaro, Stefano Sensi), sondern auch international angesehene, erfahrene Spieler (Sanchez, Godin, Eriksen, Lukaku) verpflichteten. Aus dem unspektakulären Kader der Saison 2018/2019 wurde so eine spannende Ansammlung hochtalentierter Fußballer, die das Leistungsvermögen der Mannschaft auf ein neues Level brachten.

Allerdings verließen mit Mauro Icardi, Radja Nainggolan und Ivan Perisic auch drei Stammspieler den Verein, sodass vor der Saison nur schwer einzuschätzen war, welche Rolle Inter im Kampf um den „Scudetto“ spielen würde. Insgesamt stieg der Wert des Kaders innerhalb von zwei Transferperioden um knapp 100 Millionen Euro – ein enormer Sprung, der zeigt, wie stark die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt agiert haben.

Andererseits muss an dieser Stelle aber gesagt werden, dass im gleichen Zeitraum das Durchschnittsalter des Kaders um mehr als fünf Jahre stieg (auf 28,2 Jahre). Diese Entwicklung ist für eine Mannschaft, die sich im Umbruch befindet, eher untypisch und zeigt zum einen, dass die Machthaber im Verein, allen voran Präsident Steven Xhang, stark am kurzfristigen Erfolg der Mannschaft interessiert sind, zum anderen wird die enorme Kaufkraft Inters durch seine chinesischen Investoren deutlich.


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Auch Antonio Conte kam im Sommer neu zu Inter. Mit ihm holten die „Nerazurri“ einen Trainer, der für eine klare Idee von Fußball steht und durchaus Erfahrung im Umgang mit Spitzenteams hat (Juve, Chelsea). Der Italiener spielt immer mit Dreierkette, meist in einem 3-5-2, und steht eher für defensive Kompaktheit, als für spektakulären Angriffsfußball. Ausgerichtet auf die Vorlieben Contes wurden nun Spieler gekauft, die gut in das neue System passen. Wie sich dieses System genau darstellen sollte, zeigte sich erst im Verlauf der Saison.

Grundordnung und Spielidee

Abbildung 1 – Grundordnung Inter Mailand

Wie bereits angesprochen, bevorzugt Antonio Conte das 3-5-2 System. Dementsprechend formiert sich vor der Dreierkette ein zentrales Mittelfeld aus drei Spielern und zwei Wingbacks, davor spielen zwei Stürmer. Die Grundordnung Inters basiert hierbei auf einigen Fixpunkten. So positionieren sich die beiden Stürmer immer recht eng zueinander, um in der Defensive das Zentrum kompakt zu halten und in der Offensive miteinander kombinieren zu könnnen. Hier wird deutlich, wie wichtig Conte defensive Kompaktheit und Kontrolle im eigenen Spiel ist.

Außerdem halten beide Wingbacks sehr diszipliniert ihre Position. Selten rücken sie bei Angriffen in den Halbraum, noch seltener sieht man sie im gegnerischen Strafraum. Allerdings ist diese Positionierung durchaus sinnvoll, da ihre Aufgabe weniger im Kreieren von Torchancen besteht. Offensiv fungieren sie primär als Durchgangsstation im mittleren Drittel während des Spielaufbaus, defensiv füllen sie die Dreierkette zur Fünferkette auf und ermöglichen Inter damit eine sehr große Kompaktheit in der eigenen letzten Linie.

Ein weiterer, maßgeblicher Fixpunkt ist die Positionierung des Sechsers. Diese Position wird meist von Marcelo Brozovic bekleidet. Er positioniert sich stets ein Stück hinter den beiden anderen zentralen Mittelfeldspielern und hält fast schon eher Kontakt zur Dreierkette als zu den Achtern. Im Offensivspiel ist er maßgeblich am Spielaufbau seiner Mannschaft beteiligt, fast alle Angriffe beginnen beim kroatischen Nationalspieler. Defensiv bildet er das Zentrum der Dreierkette im Mittelfeld und garantiert Inter so enorme Kompaktheit innerhalb ihrer 5-3 Struktur.Seine Positionierung ermöglicht außerdem die relativ freie Rolle der beiden Achter. Durch Dreierkette, Brozovic und die defensiv äußerst disziplinierten Wingbacks genießen die zwei zentralen Mittelfeldspieler (meist Vecino und Barella) nahezu alle Freiheiten.

Die Rolle der Achter ist dabei durchaus unüblich. Durch die tiefe Positionierung der Wingbacks im Spielaufbau ergeben sich oft Lücken hinter dem gegnerischen Außenverteidiger (da dieser auf den Wingback schiebt). Diese werden recht konsequent von Vecino und Barella bespielt.

Ein weiteres Szenario ist die Positionierung auf Höhe der Stürmer bzw. kurz vor der letzten Linie des Gegners. Von dort starten die Achter hinter die Kette (meist diagonal in den Raum zwischen Innen-und Außenverteidiger) oder kommen dem Sechser bzw. dem Wingback entgegen, um Passoptionen zu schaffen und den Raum hinter der Kette freizumachen. Diese Positionierungen erinnern teilweise an die Rolle der Achter von Manchester City unter Pep Guardiola.

In dieser Saison hat man von Inter auch schon gesehen, dass Brozovic eine Art Freirolle einnimmt, die von den zwei anderen Mittelfeldspielern sowohl offensiv als auch defensiv abgesichert wird. Diese Positionierung ist durchaus spannend, da Passstärke und Ballsicherheit des Kroaten auch im Zehnerraum sehr gut zur Geltung kommen. Situativ sieht man Brozovic nahezu in jedem Spiel auf der Position hinter den beiden Stürmern, meist jedoch eher im Spiel gegen den Ball, wenn der Gegner mit einem alleinigen Sechser spielt, um Manndeckungen zu erzeugen.

Grundsätzlich zeigen sich Contes Präferenzen in den Rollen der einzelnen Positionen. Inter ist stets darauf beachtet, das Zentrum kompakt zu halten und zeigt ein ruhiges, relativ sicheres Aufbauspiel.

Spiel mit dem Ball

Im Spiel mit dem Ball agiert Inter eher im 3-1-4-2, da sich Brozovic, wie gesagt, recht klar vor der Abwehr positioniert und die beiden Achter (sehr) hochschieben. Dementsprechend bauen die „Nerazurri“ aus einer 3-1 Struktur heraus das Spiel auf. Diese Positionierung ist sehr günstig. Durch die etwas tiefere Position des Innenverteidigers ergibt sich eine rautenähnliche Struktur, die diagonale Passwinkel ermöglicht. Weiterhin ist Inter stets in Überzahl, unabhängig davon, ob die gegnerische Mannschaft mit einem, zwei oder sogar drei Stürmern spielt.

Da Conte der sichere Spielaufbau wichtig ist, ist allerdings oft schon bei zwei gegnerischen Stürmern zu beobachten, dass sich beide Wingbacks in den Spielaufbau mit einschalten und sich recht tief positionieren. In diesem Fall bewegt sich Brozovic fast noch weiträumiger als er es ohnehin schon tut. Sowohl in der Rautenstruktur als auch situativ mit den Wingbacks schiebt der Kroate teils weit bis auf die ballnahe Seite herüber. Einerseits um sich von der mittlerweile üblichen Manndeckung zu lösen, andererseits um Passoptionen nach außen zu schaffen. Somit überlädt Inter eine Spielfeldseite und schafft Anschluss an die Wingbacks.

Abbildung 2 – Rautenstruktur im Aufbau

Diese nehmen während der Übergänge in die jeweiligen Drittel wichtige Rollen ein. Sie fungieren als Verbindungsstücke zwischen Abwehr und Angriff und schaffen durch ihre jeweilige Positonierung Raum für die Mitspieler. Konkret bedeutet das, dass Inter viele Varianten beherrscht, um in das letzte Drittel zu kommen und dort den Angriff erfolgreich abzuschließen.

Wie gesagt präferiert Inter den Spielaufbau über Brozovic. Im Idealfall kann er aufgedreht, also mit Blick auf das gegnerische Tor, den Angriff initiieren. Gelingt das nicht, schalten sich die Wingbacks ein. Meist positionieren sie sich auf Höhe des Sechsers und schaffen damit nicht nur Anspieloptionen für die Halbverteidiger, sondern auch Raum hinter dem gegnerischen Verteidiger, der den Wingback zwangsläufig verfolgen muss. In den vom Flügelverteidiger geöffneten Raum stößt dann einer der beiden Stürmer oder sogar ein Achter. 

Eine weitere Variante ist die Positionierung der Außenbahnspieler auf Höhe der eigenen Stürmer. Ausgehend von einer diagonalen Abkippbewegung Brozovics schieben die Halbverteidiger weit nach außen und ermöglichen es den Wingbacks sich höher zu positionieren. Schieben dazu noch die Achter wie gewohnt in die letzte Linie bindet Inter automatisch so viele Spieler, dass der Spielaufbau über die drei Verteidiger und Brozovic ermöglicht wird.

Eine andere Variante im Spielaufbau ist das sofortige Besetzen der Flügelzone durch Achter und Wingback. Oftmals positioniert sich einer der beiden Mittelfeldspieler auf der angestammten Position des Außenbahnspielers, während jener Wingback tief den Spielaufbau supportet. Inter überlädt also von Beginn an eine Flügelzone, um sowohl für Brozovic als auch die beiden Stürmer (und den zweiten Achter) Platz im Zentrum zu schaffen. Dieses Abkippen schafft teilweise sogar direkte Passoptionen auf die Stürmer, wobei es vor allem Lukaku ist, der als Fixpunkt fungiert, diese Bälle erst sichert und dann weiterleitet.

Abbildung 3 – Überladen einer Seite durch den ballnahen Achter

Ist der Übergang in das mittlere Drittel geglückt, greifen auch hier wieder diverse Automatismen. Je nachdem, ob das Spiel über Brozovic im Zentrum oder einen der Wingbacks fortgesetzt wird, beginnen die beiden Stürmer und die zwei Achter davon abhängig bestimmte Positonen einzunehmen. Standardmäßig binden zwei Spieler die Viererkette des Gegners, in dem sie sich zwischen Außen-und Innenverteidiger positionieren. Diese Positionierung bietet außerdem den Vorteil, dass garantierte diagonale Passoptionen für Sechser oder Wingback in den Halbraum entstehen.

Inter ist dabei stets bemüht Dreiecke aus Wingback, Stürmer und zentralem Mittelfeldspieler (Achter oder Sechser) zu bilden. Positioniert sich der Achter von Beginn an relativ weit außen, wird einer der Stürmer abkippen. In Folge dessen stößt der zweite Stürmer in den freiwerdenden Raum.

Das Spiel Inter Mailands mit dem Ball ist stark darauf ausgerichtet, den Ball entweder hinter die Kette auf einen der Stürmer zu bringen, oder dem Wingback genügend Platz zu schaffen, damit dieser ungestört flanken kann. Hier ist es für den Flügelverteidiger unerheblich, ob die Flanke aus dem Halbfeld oder von der Grundlinie gespielt wird. Auch an der Besetzung des Strafraums ändert sich nur wenig. Lukaku bewegt sich meist zwischen Fünfmeterraum und Elfmeterpunkt, während sein Sturmpartner den ersten Pfosten besetzt. Situativ werden beide von einem oder sogar beiden Achtern unterstützt.

Romelu Lukaku ist wahrscheinlich der Star des Teams von Antonio Conte. Auch im Spielaufbau nimmt er eine wichtige, facettenreiche Rolle ein. Prinzipiell ist es für seine Mitspieler immer möglich Lukaku anzuspielen. Durch seine bloße körperliche Präsenz ist er in der Lage den Ball zu sichern. So ist immer auch der hohe Ball aus der Dreierkette heraus eine Option in Inters Spielaufbau. Dieser wird nicht planlos geschlagen, sondern durch Bewegungen um Lukaku herum gezielt vorbereitet (Wingback kippt ab, Achter bindet Spieler im Zentrum, Lukaku kann Raum auf Außen nutzen).

Teilweise driftet Lukaku recht weit auf die Außenpositionen ab, so bespielt er fast einen der Flügel, was an seine Rolle während der Weltmeisterschaft 2018 erinnert. Sein Sturmpartner (meist Lautaro Martinez) profitiert enorm vom Belgier, da dieser stets mindestens einen Gegenspieler direkt bindet und somit Räume für diagonale Läufe von Martinez entstehen.

Abbildung 4 – Diagonale Läufe hinter die Kette

Spiel gegen den Ball

Über die gesamte Saison gesehen, hat Inter bereits gezeigt, dass sie zahlreiche Varianten im Spiel gegen den Ball spielen können. So gab es beispielsweise im Derby-Hinspiel gegen Milan ein sehr intensives Angriffspressing zu sehen und auch sonst spielten sie besonders zu Beginn der Saison deutlich aggressiver als zu diesem Zeitpunkt. In der Regel spielt Inter mittlerweile eher zurückhaltender. Die Mannschaft zeichnet sich weniger durch ihr starkes (Gegen)pressing aus und mehr durch ihre generelle defensive Struktur im 5-3-2 und die damit einhergehende Kompaktheit.

Ein Beweis dafür ist der Wert von durchschnittlich 15,78 Passes per defensive Action (PpdA) aus den letzten drei Ligaspielen. Der PpdA-Wert gibt an, wie viele Pässe eine Mannschaft zulässt bis sie eine Defensivaktion ausführt. Zum Vergleich: Liverpool kam in ihren letzten drei Ligaspielen auf einen Wert von 7,4.

Trotzdem gibt es bei den „Nerazurri“ einige interessante Konstellationen im Spiel gegen den Ball. Aus ihrer defensiven Struktur gehen sie bevorzugt in ein situatives Mittelfeldpressing. Greift dieses, schiebt die gesamte Mannschaft in hoher Intensität durch, bis der Ball schließlich erobert wird bzw. im Aus ist. Dass Inter kein aggressives Angriffspressing spielt, ist zum Teil ihrer Formation und dem Ansatz von Trainer Conte geschuldet. Blieben die Wingbacks nach Ballverlust offensiv, würde sich ein intensives Gegenpressing mit je zwei Stümern, Achtern und Wingbacks durchaus anbieten. Conte verlangt jedoch, dass alle Spieler schnellstmöglich in ihre Positionen zurückkehren.

Klar erkennbar ist, dass der gegnerische Außenverteidiger der Pressingtrigger für Inter sein soll. Die Stürmer lenken den Spielaufbau bewusst nach außen, in dem sie die Innenverteidiger bogenförmig von innen nach außen anlaufen. Wird der Außenverteidiger angespielt, schiebt der Wingback aggressiv vor, während der Stürmer die Rückpassoption zum Innenverteidiger schließt. Der ballnahe Achter schiebt ebenfalls in Richtung des Außenverteidigers und nimmt den gegnerischen Sechser in Manndeckung. Generell ist Inter dann bemüht, schnellstmöglich Manndeckungen herzustellen. In diesen Situationen sieht man, wie bereits gesagt, Brozovic situativ in den Zehnerraum vorstoßen, um noch mehr Druck auszuüben.

Abbildung 5 – Aggressives Rausrücken des ballnahen Achters

Insgesamt befindet sich Inter durch sein 5-3-2 nahezu immer in Überzahl in den letzten beiden Linien. Dazu kommt, dass Lukaku der einzige Spieler ist, der stets die letzte Linie des Gegners hält, um im Falle eines Konters eine Anspielstation zu sein. Sein Sturmpartner presst situativ rückwärts, was den Gegner zusätzlich unter Druck setzt. Alles in Allem ist Inter daran interessiert, den Ball im Mittelfeld zu gewinnen, um dann über Lukaku und weitere, nachrückende Spieler zum Abschluss zu kommen.

Mögliche Probleme in der Zukunft

Zu Beginn des Textes habe ich erwähnt, dass einer der wichtigsten Fixpunkte im Team der „Nerazurri“ Marcelo Brozovic ist. Dieser kümmert sich um den Spielaufbau und sichert den Übergang in das mittlere Drittel. Mittlerweile stellt fast jedes Team einen Manndecker auf ihn ab, um Inter den Spielaufbau nicht zu ermöglichen. So agierte im Rückspiel des Mailand-Derbys Hakan Calhanoglou besonders in der ersten Halbzeit sehr erfolgreich als „Bewacher“ des Kroaten. Inter hat gegenwärtig noch starke Probleme, wenn Brozovic aus dem Spiel genommen wird. Oft bleibt dann nur der lange Ball auf Lukaku. Dieses Mittel ist zwar erfolgversprechend, garantiert aber weder lange Ballbesitzphasen noch Dominanz über die komplette Spielzeit.

Durch den starken Fokus auf Brozovic während des Spielaufbaus vernachlässigen weiterhin teilweise die anderen Spieler ihre Aufgaben. Oftmals scheint es, als würde sich die komplette Mannschaft auf den kroatischen Nationalspieler verlassen. Beispielsweise wenn sich beide Achter sehr hoch positionieren und aufgrund dessen riesige Löcher zwischen Aufbau-Raute und den übrigen Spielern entstehen. Mögliche Bewegungen hin zum Ball oder zumindest Abkippbewegungen in diese freien Räume wären hier nötig, bleiben (zu oft) jedoch aus.

Mit Blick auf xG und xGa fällt zudem auf, dass Inter in dieser Saison overperformt. So haben sie in der Liga bisher 49 Tore erzielt und 22 kassiert. Laut Statistik haben sie demnach 6 Tore mehr geschossen und 2,5 weniger kassiert, als zu erwarten war. Diese Zahlen hängen natürlich damit zusammen, dass eine so starke Leistung Inters vor der Saison nicht zu erwarten war, trotzdem sollte man sich nicht darauf verlassen, dass diese Overperformance anhält. Besonders Romelu Lukaku, der selbst 3 Tore mehr erzielt hat als sein xG-Wert zeigt, könnte hier von entscheidender Bedeutung werden.

Inters Kader ist zwar relativ breit und qualitativ homogen aufgestellt, jedoch dürften Spieler wie Lukaku oder Brozovic nicht zu ersetzen sein.

Zusammenfassung/Ausblick

Inter Mailand ist eine Mannschaft, deren gesamtes Potential noch nicht komplett entfaltet ist. Besonders durch die Verpflichtungen von Christian Eriksen, Victor Moses und Ashley Young im Winter ergeben sich für das Trainerteam neue spannende Möglichkeiten. Es wird sich auf jeden Fall lohnen, die Entwicklung des Teams weiterhin zu verfolgen.

Sollte Inter es schaffen seine neuen Talente langfristig zu halten und in die erste Elf zu integrieren, kann diese Mannschaft durchaus ein ernsthafter Kandidat im Kampf um den „Scudetto“ werden. Für den Moment sehe ich Juve allerdings noch in der Favoritenrolle.

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