Das Comeback der Dreierkette in Österreich

Die Dreierkette erlebt in der österreichischen Bundesliga ein großes Comeback. Zwar waren Formationen mit drei Verteidigern im Alpenland nie ganz aus der Mode, allerdings ist es in dieser Saison äußerst auffällig wie viele Mannschaften mit solchen Systemen agieren. Lange Zeit war die Serie A jene Spielklasse, an die man als erste dachte, wenn das Wort Dreierkette fiel, jedoch erfreut sich ebendiese wieder an immer größer werdender Beliebtheit.

In den vergangenen Jahren griffen Vereine in ganz Europa auf diese Spielsysteme zurück. In manchen Fällen nur für gewisse Spiele wie Thomas Tuchel in Paris oder Pep Guardiola bei Manchester City, aber für einige Vereine waren und sind solche Formationen die erste Wahl wie zum Beispiel für die Wolves aus Wolverhampton unter Trainer Nuno Espírito Santo oder aber auch für Betis Sevilla unter Quique Setién.

In der deutschen Bundesliga sowie der höchsten österreichischen Spielklasse lässt sich dieser Trend in dieser Saison besonders stark beobachten. In der Buli agieren in dieser Spielzeit unter anderem Borussia Dortmund, Wolfsburg, Frankfurt, Hoffenheim und Werder Bremen mit einer Dreierkette, um nur einige zu nennen.

Aber auch in der österreichischen Bundesliga haben in dieser Saison bis auf den Wolfsberger AC alle Teams in mindestens einer Partie mit Dreierkette agiert. Nun stellt sich natürlich die Frage weshalb dieser Trend momentan so gut zu beobachten ist. Daher werde ich im Folgenden die Gründe dafür erklären sowie die Vor- und Nachteile, die ein System mit einer Dreierkette mit sich bringt, kurz zusammenfassen und anschließend werfe ich einen Blick auf das derzeit beste Team Österreichs, welches auch mit einer Dreierkette spielt.

Gründe für diesen Trend

Grundsätzlich gibt es zwei große Gründe für diesen Trend wobei letzterer eine Wechselwirkung von zwei untergeordneten Faktoren ist. Daher blicken wir zuerst auf den ersten Grund, der bereits in der Einleitung kurz beschrieben und erwähnt wurde.

In den vergangenen Spielzeiten wurde die Dreierkette, welche oft mit den Wörtern altmodisch und defensiv tituliert wurde, wieder immer beliebter im Profifußball in Europa und auch große Teams setzten sie wieder ein. Vor allem junge Trainer wie etwa Julian Nagelsmann zeigten, dass ein System mit einer Dreierkette weder altmodisch noch außergewöhnlich defensiv sein muss, wobei hier noch kurz hinzugefügt werden muss, dass in diesem Zusammenhang mit defensiv gemeint ist, dass sich diese Dreierkette schnell zu einer Fünferkette transformiert und sich die Mannschaft mehr auf das Verhindern als auf das Erzielen von Toren konzentriert.


Welcher ausgeklügelte Plan steckt hinter einer Mannschaftsaufstellung? Warum hat der Trainer die Mannschaft nach der Pause umgestellt? Was bedeuten Begriffe wie dynamische Dreierkette und abkippender Stürmer ? Und wie sieht überhaupt ein Fußball-Training ohne Ball und Gegner aus?

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Nagelsmann zeigte der breiten Masse der Fußballbegeisterten, dass die Formation nicht die Spielweise vorgibt und somit auch eine Dreierkette mit flottem, vertikalem und attraktivem Angriffsfußball kombinierbar ist. Der junge deutsche Coach stellte dies sowohl während seiner Zeit bei der TSG aus Hoffenheim unter Beweis und bleibt nun in Leipzig seiner Linie treu. Natürlich ist Nagelsmann ein äußerst bekanntes Gesicht und steht stellvertretend für die Trainer, die eine Dreierkette mit „modernen“ Fußball kombiniert haben.

Der zweite Grund für diesen Trend ist wie bereits angesprochen eine Wechselwirkung von zwei Faktoren. Wenn nun ein Trainer sich dazu entscheidet, dass sein favorisiertes System eine Dreierkette ist und der Verein ihm vertraut, wird der Kader so gestaltet, dass er aus Spielertypen für ebendieses Spielsystem besteht. Dadurch ist die Mannschaft nach einiger Zeit so ausgelegt, dass ein System mit einer Dreierkette für dieses Spielermaterial am besten geeignet ist. Wenn nun ein neuer Trainer die Mannschaft übernimmt, wird er häufig dadurch zunächst bei diesem System bleiben und erst nach und nach den Kader umbauen.

Somit ist der erste Grund, dass immer mehr Vereine eine Dreierkette verwenden, ein Unterfaktor für den zweiten Grund, da dadurch der Kader die entsprechenden Spieler beinhaltet.      

Grundsätzliche Vor- und Nachteile

Hier muss ich klar und deutlich vorwegnehmen, dass Vor- und Nachteile von Systemen mit Dreierkette und Formationen im allgemeinen sehr stark von den Spielern auf den jeweiligen Positionen sowie der Taktik des Teams abhängen. Daher werde ich nun nur die grundsätzlichen und allgemeinen Vorteile sowie Nachteile anführen.

Für die Phase in Ballbesitz lässt sich sicherlich anführen, dass man durch die Dreierkette in der ersten Linie ohne jegliches Zurückkippen eines Mittelfeldspielers bereits drei Spieler in der ersten Linie hat und dadurch „automatisch“ das Spielfeld in die Breite zieht. Dies kann speziell gegen hoch pressende Gegner ein gutes Mittel sein, da man dadurch das Pressing auseinanderzieht und man somit leichter die erste Pressingwelle überspielen kann. Häufig kann man dann auch beobachten, dass die Flügelspieler genutzt werden sollen, um mithilfe von Dreiecksbildungen (im nachstehenden Beispiel anhand eines 3-4-1-2 dargestellt) den Ball in das Zentrum zu den Mittelfeldspielern zu bringen.

Abbildung 1: Typische Dreiecksbildung im 3-4-1-2, um über die Außenspieler ins Zentrum zu gelangen

Zudem ergeben sich für die drei Innenverteidiger während der Ballbesitzphase neue Möglichkeiten im Vergleich zur Viererkette, da sie situativ auch nach vorne stoßen können (mit einem Dribbling oder Lauf), um ihre Mitspieler zu unterstützen, aber zugleich immer noch zwei Verteidiger zur Absicherung hinten sind.

Nach Ballverlust hat ein System mit einer Dreierkette zudem den Vorteil, dass man auch hier eine bessere Absicherung hat, da man beim Konter des Gegners immer noch drei Verteidiger hinten hat. Wie gut eine solche Formation im offensiven umschalten genutzt werden kann, hängt sehr stark von der Anordnung der restlichen sieben Spieler während dem gegnerischen Ballbesitz ab und deren Qualitäten.

Während den Ballbesitzphasen des Gegners muss man sich hingegen kaum Sorgen machen, dass man in der letzten Linie zu wenig Spieler hat, da sich fast ausschließlich immer die Flügelspieler fallen lassen, um eine Fünferkette zu bilden. Hier ist erneut anzumerken, dass die Staffelung der vorderen Spieler bestimmt worauf der Fokus in der Verteidigung liegt. Hier können zwei Beispiele aus der österreichischen Bundesliga herangezogen werden. Während RB Salzburg häufig ein 3-4-1-2 (gegen den Ball ein 5-2-1-2) verwendet, nutzt der LASK immer ein 3-4-3 (gegen den Ball ein 5-4-1 oder 5-2-3). Zwar beinhalten beide Systeme eine Dreierkette bzw. Fünferkette, jedoch konzentrieren sich die Bullen beim Verteidigen sehr stark auf die Spielfeldmitte durch ihre drei zentralen Mittelfeldspieler und die beiden Stürmer, während der Linzer ASK dem Zentrum und den Außenbahnen in etwa gleich viel Aufmerksamkeit schenkt.        

Das derzeit beste Team der Liga

Valérien Ismaël hat es geschafft mit LASK Linz das erste Mal seit Jahren einen tatsächlichen Herausforderer für RB Salzburg in Österreich darzustellen. Momentan liegen sie in der österreichischen Bundesliga mit drei Punkten vor den Salzburgern und haben dem Team von Jesse Marsch im ersten Spiel nach der Winterpause die erste Niederlage in der Liga in dieser Spielzeit zugefügt.

Einer der großen Gründe für die heuer so starken Linzer ist, dass sie ein fixes System haben und dieses immer verwenden wodurch die Automatismen sehr gut funktionieren. Bereits Oliver Glasner, der im Sommer 2019 den LASK verlassen hat und Wolfsburg übernahm, hat ein 3-4-3 verwendet und damit die vergangene Spielzeit auf dem zweiten Platz hinter Salzburg beendet. Ismaël blieb bei diesem System, nahm leichte Anpassungen vor und verpflichtete zudem einige neue Schlüsselspieler, wie zum Beispiel René Renner oder Petar Filipovic.  


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Linz ist ein perfektes Beispiel für die bereits angesprochene Tatsache, dass eine Dreierkette nicht eine aktive und vertikale Spielweise ausschließt. LASK hat nach Salzburg und Wolfsberg den drittniedrigsten PPDA-Wert (passes per defensive action) in der österreichischen Bundesliga. Dies ist ein statistischer Wert, der ihr hohes, aggressives und meist mannorientiertes Angriffspressing zeigt. Unabhängig vom Gegner, will das Team von Ismaël den Ball früh erobern, um dann sofort Torchancen zu erzielen. Dabei schiebt die gesamte Mannschaft nach vorne und der Mittelstürmer (Klauss oder Marko Raguž) nützt mit einem Bogenlauf seinen Deckungsschatten, um den Gegner auf seine Seite zu drängen. Dort schieben beide Flügelstürmer auf ihre direkten Gegenspieler drauf. Im nachstehenden Bild ist ein Beispiel für das Pressing aus dem Spiel gegen RB Salzburg vom 14. Februar zu sehen in welchem sie situationsbedingt über das gesamte Feld mannorientiert verteidigten und zugleich ihr Pressingmechanismus gut zu erkennen ist..

Abbildung 2: Pressingablauf von LASK Linz. Zumeist ist dieser in der vordersten Linie mannorientiert, aber nicht dahinter. Gegen Salzburg war hingegen jeder Spieler einem Akteur von Salzburg zugewiesen.

Zwar verwenden die Linzer in fast ausschließlich jedem Spiel über weite Strecken ein aggressives Angriffspressing und auch ein Gegenpressing, jedoch ist es selbstverständlich nicht möglich, dass diese beiden Pressingarten über die gesamte Spieldauer durchgeführt werden. Daher lässt sich das Team von Ismaël situativ etwas tiefer in ein 5-2-3 fallen, welches man heutzutage nicht häufig beobachten kann. Zumeist fallen alle vier Außenspieler im 3-4-3 um eine Position zurück wodurch ein 5-4-1 entsteht. Beim LASK ist das etwas flexibler, da die beiden Flügelstürmer zwischen der Höhe des Stürmers und der Mittelfeldlinie pendeln wodurch sich zeitweise auch ein 5-2-3 bildet. Die Gegner werden dabei attackiert, sobald sie die in die Nähe der Mittellinie kommen oder diese überqueren wollen.

Abbildung 3: Die flexible Positionierung der Flügelstürmer in LASKs 5-2-3 bzw. 5-4-1

Wie bereits angesprochen ist das Gegenpressing ein Mittel, welches Linz häufig nutzt. Jedoch legen sie auch auf den offensiven Umschaltmoment viel Wert und versuchen nach dem Ballgewinn schnell nach vorne zu spielen, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

Wenn dies nicht möglich ist, und der Angriff von hinten neu aufgebaut werden muss, sind speziell Vertikalpässe ein häufig genutzter Weg. Die Linzer wollen möglichst schnell und teilweise auch überfallartig den Ball in das letzte Drittel zu den drei Angreifern bringen. Dabei ist es nicht von zentraler Bedeutung, ob dies mithilfe eines hohen Passes über die gegnerischen Mittelfeldspieler erfolgt oder man mit einem Flachpass die Lücken im gegnerischen Block ausnützen möchte.

Damit der Passempfänger (einer der drei Stürmer) auch Optionen für eine Anschlussaktion hat, positionieren sich die drei Offensivspieler zwischen den Linien des gegnerischen Blocks und auch äußerst zentral. Dadurch haben sie Raum, um den Ball zu kontrollieren und zugleich auch kurze Passoptionen. Des Weiteren hilft die enge Positionierung, um bei einem langen und hohen Pass den zweiten Ball zu erobern. 

Abbildung 4: Ein Beispiel für die Staffelung der Linzer in Ballbesitz. Die drei vordersten Spieler stehen eng zueinander und sind im Raum zwischen den gegnerischen Ketten.

Zusammenfassung

Die Dreierkette ist momentan wieder eine beliebte Option und wird nicht mehr so stiefmütterlich behandelt wie es in der vergangenen Zeit manchmal der Fall war. Dieser Trend ist speziell auch in Österreich und Deutschland zu erkennen während in der österreichischen Bundesliga das derzeit erfolgreichste Team ausschließlich in einem 3-4-3 agiert.

LASK Linz zeigt, dass man auch mit drei Verteidigern einen attraktiven Fußball zeigen kann und nutzt diesen einen Spieler weniger in der Verteidigung (im Vergleich zur Viererkette), um in den höheren Linien mit und ohne Ball präsent zu sein. Es wird interessant sein zu sehen wie sich diese Thematik in Österreich, Europa und der ganzen Fußballwelt entwickelt.

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