Möglichkeiten im Spielaufbau im 4-2-3-1 vs Raute, 4-3-3, 4-2-3-1

Wie sich die Angreifer in der taktischen Grundordnung auffächern, und welche Lösungen sich daraus ergeben, und wann ist es sinnvoll das sich ein Sechser zwischen oder neben den Innenverteidiger fallen lässt, werde ich in den folgenden Seiten behandeln. Weitgehend möchte ich Möglichkeiten aufzeigen, wenn wir in einer 1-4-2-3-1 Grundformation auf eine Raute, auf eine 1-4-3-3 System oder auf die selbige Grundformation im 1-4-2-3-1 treffen

„Das 1-4-2-3-1 System eignet sich sowohl als defensiv orientierte Grundordnung, aus der nach einer Balleroberung schnell in Angriff umgeschaltet werden kann, als auch für ein dominantes, auf Ballbesitz ausgerichtetes Angriffsspiel.“ (Ralf Peter, Angreifen mit System)

Viele Mannschaften im Spitzen- sowie im Amateurfußball haben eine Bandbreite an taktischen Formationen in ihren Standardprogramm. Viele Teams favorisieren weiterhin die Grundformation 1-4-2-3-1 für ihre Teams. Je Trainerinterpretation lassen sich zwei Varianten miteinander vergleichen bzw. unterscheiden. Klassisch entspricht die Raumaufteilung dem 1-4-4-2. Die Außenverteidiger öffnen das Spielfeld in der Breite, und schieben nur verhalten nach vorne. Die Flügelspieler agieren hoch und breit, und ebenfalls von der Outline aus. Der Flügel ist daher mit zwei Spielern doppelt besetzt.


Viele der spannenden Informationen und Analysen über das Spiel von Marcelo Bielsa stammen aus dem Buch Coaching build-up play against a high pressing team, das sich im Detail mit dem Fußballverständnis von Marcelo Bielsa beschäftigt.


Die zweite  – an die Raumaufteilung und das Verhalten der Spitzenteams angepasste Variante sieht wie folgt aus:

  • Hochschiebende Außenverteidiger
  • Ins Zentrum eingerückte Flügelsspieler
  • Situativer Einsatz eines nach hinten abkippenden Stürmers
  • Überzahl im Zentrum
  • Viele Positionswechsel
  • Situativ nach hinten oder außen abkippende Sechser
  • Dadurch situativer Spielaufbau aus der Dreierkette

Es wird dadurch eine äußerst effektive, variable auf Ballbesitz ausgerichtete Angriffsformation geschaffen. Dadurch wird für den Gegner hierbei häufig ein Zuordnungsproblem erzeugt. Es stellt sich für die gegnerischen Verteidiger oft die Frage: „Gehe ich mit meinem Gegenspieler mit öffene ich für die nachrückenden Angreifer Räume? „Halte ich die Position, ist mein unmittelbarer Gegenspieler frei?“

Raumaufteilung:

  •  Bei dieser vorgestellten Systeminterpretation schieben die AV bei eigenem Ballbesitz weit nach vorne.
  •  Die AV befinden sich dann im Bereich der FL-Spieler, die sich primär zwischen den gegnerischen Linien kurz anbieten.
  •  Die Halbspuren aussen sind somit 2 bzw 3 nur einfach besetzt. Dafür sind die Halbspuren mit 4, 5, 7 und 11 verstärkt besetzt. In der Zentrumsspur agieren weiterhin 6,8,9 und 10.

Dynamische Dreierkette:

  •  Je nach gegnerischer Grundordnung, Spielsituation oder Trainervorgabe wird in eine Dreierkette aufgefächert. Dabei lässt sich die „6er Position“ (6) zwischen oder neben die IV fallen.
  •  Wenn wir von neben den IV fallen sprechen kann dies „ballnah“ oder „ballfern“ erfolgen.
  •  Die entstandene UZ in der Zentrumsspur wird durch das nach hinten abkippen der (10) ausgeglichen.
  •  Weiters bestünde die Möglichkeit das (9) auch nach hinten abkippt, um eine weitere Anspielstation zwischen den gegnerischen Abwehrlinien zu bieten.

Spielanalyse : Spielaufbau im 1-4-2-3-1 vs Raute

  •  Angenommen blau trifft auf einen Gegner mit einer MF-Raute, stehen den IV’s zwei Stürmer (9,11) im Spielaufbau gegenüber. Um eine Lösung herbeizuführen und das Herausspielen zu erleichtern, kippt (6) nach hinten Abe und die Abwehr fächert sich hier in eine Dreierkette auf.
  •  Den nötigen Raum, um aus der Abwehr ins Mittelfeld zu kombinieren, bietet sich hierbei über die Aussenspuren. Dei IV’s müssen weiträumig auffächern und nach möglichem Zuspiel mutig in die Tiefe stossen.
  •  Der abgekippte (6) kann aus der Zentrumsspur das Flügelspiel initiieren

Spielanalyse: Detail 1 – Absicherung des Spielaufbaus

  •  Dribbelt (4) mutig nach vorne, sichern (5,6,8) den IV in einer 2vs1 Situation ab.
  •  (5) und (6) verschieben ballorientiert, sichern zentral und den Raum im Rücken von (4).
  •  (8) hält die Position zentral vorher Abwehr.
  •  (3) rückt in die Zentrumsspur ein und trägt zur Kompaktheit des gesamten Mannschaftsverbundes bei

Spielanalyse: Detail 2 – Angriffsauslösung in der Aussenspur

  •  Wie die IV’s das Spiel fortsetzen, ist in erster Linie vom Verhalten des Gegners abhängig
  • Hält (3) die Position in der Abwehrkette, spielt (4) zu (2) diagonal durch, da ihm kein unmittelbarer Gegenspieler gegenübersteht (Option 1)
  • Orientiert sich (3) mit dem Dribbling des IV’s zu (2), ist (7) kurzfristig zwischen den Linien von (4) vertikal anspielbar (Option 2), oder im Rücken von (3) (Option 3) tief an.
  •  Hält die gegnerische Abwehrlinie die Höhe, bietet sich ein Spurwechsel durch einen diagonalen Flugball hinter die Abwehrlinie an. Dabei setzt sich (9) gegen die Verschiebebewegung des Gegners ab und schafft damit eine ÜZ mit (11) (Option 4, nicht graphisch dargestellt)

Spielanalyse: Detail 3 – Angriffslösung aus der Zentrumsspur

  • Verstellen die gegnerischen Spitzen breit aufgefächert die Passwege zu den IV’s, so initiiert (6) aus zentraler Position das Angriffsspiel.
  • Dabei sollte (6) ein Vertikalpass in die MF-Raute des Gegners vermieden und das Spiel stattdessen auf die Aussenspur verlagert werden.
  • Option 1: Diagonalpass flach auf (3)
  • Option 2: Flugball in den Lauf von (3) oder (11)

Spielanalyse : Spielaufbau im 1-4-2-3-1 vs 1-4-3-3

  • Um eine direkte Zuordnung (1vs1 Situationen) im Spielaufbau zu umgehen sollte mit einer der über die IV’s mit einer 4-Kette aufgebaut werden. Das Auffächern in eine Dreierkette würde den Spielaufbau erheblich erschweren, da sich die Dreierkette im Spielaufbau gleich drei Angreifer gegenüberstehen würde (meist einem Stoßstürmer – und zwei Flügelstürmer).
  • Spielfortsetzungen können einige genannt werden vergleichsweise ähnlich als wenn wir im 1-4-4-2 auftreten würden, so könnte ein „Flugball gegen die Verschiebebewegung“, oder eine Spielfortsetzung durch die Zentrumsspur, oder das Durchspielen über die AV ein probates Mittel sein;
  • Ich möchte aber auf eine taktische Variante näher eingehen, und zwar über das Einrücken des ballfernen Aussenverteidigers.

Spielanalyse : Detail 1 – Einrücken des Außenverteidigers

  • Das Ziel dies taktischen Variante besteht darin, den dribbelstarken Flügelspieler so ins Spiel zu bringen, dass er aus einer offenen und abgekippten Stellung dem gegnerischen AV im höchsten Tempo andribbeln kann.
  • Dazu muss (der linke ballferne (3) AV bei Ballbesitz von (4) zur in dieZentrumsspur abkippen, und öffnet den Raum für (11), der nach aussen abkippt.

Spielanalyse : Detail 2- in Szene setzen des Flügelspielers

  • (4) macht eine Passfinte zu (2), kappt den Ball im Letzten Moment zu anderer Seite ab und verlagert das Spiel stattdessen über (5)
  • Rot ist noch in der Verschiebebewegung und (5) steckt auf (11) durch, der sich am linken Flügel entlang der Seitenlinie kurz anbietet.
  • Entscheidend ist dabei das (11)  nur soweit (5) entgegenkommt wie unbedingt nötig, um diagonal unspielbar zu sein und der weiträumige Druckpass aus der offenen Stellung sofort nach vorne mitnehmen zu können.
  • (7), der den Pass auf (11) abfangen könnte wird durch (3) im Halbraum gebunden.
  • Sollte widererwarten (7) den Passweg zu (11) schließen so ist (3) im Halbraum vertikal anspielbar.

Spielanalyse : Detail 3 – Spielfortsetzung

  • (11) nimmt das Zuspiel sofort nach vorne mit und geht ins Tempodribbling bzw ins 1vs1 gegen den gegnerischen AV (2), und bindet daher den AV.
  • (3), der seinem nominellen Gegenspieler (7) im Rücken enteilt, schaltet er sich aus der Halbspur in den Angriff ein und geht in die Tiefe
  • Entweder (11) setzt (3) ein oder zieht im Tempodribbling nach innen.

Spielanalyse: Spielaufbau im 1-4-2-3-1 vs 1-4-2-3-1

  • Treffen wir auf einen Gegner mit nur einer zentralen Spitze (9) können die IV’s diesem im 2vs1 überspielen, und die jeweiligen Halbräume vorstoßen. (6),(8) agieren weitgehend in den Halbräumen vor der Abwehrkette, da das abkippen nach hinten, bei einer gegnerischen Spitze nicht kontraproduktiv wäre
  • Die Spielfortsetzungen sind mit denen im 4-4-2 vergleichbar, wobei wir voraussetzen, dass die AV’s hoch stehen und die Flügelspieler in die Halbräume einrücken.
  • Durch die hohen Positionen der AV’s bieten (6), (8) eine weitere Option sich seitlich nach hinten-aussen abzukippen – entweder „ballnah oder ballfern“

Spielanalyse: Detail 1- Spiel in die Tiefe

  • Dribbling von (4) nach Zuspiel von (5) per Ballmitnahme in den Halbraum löst einen Angriff aus. Die Spielfortsetzung ist vom Gegnerverhalten aber auch vom Mitspieler verhalten abhängig
  • Entgegengesetzte Laufwege von (7), (10),(2)- (7) bietet sich kurz zwischen den Linien an und im gleichen Moment eröffnet (10),(2) mit Ihren Laufwegen weitere Optionen in der Tiefe. Für die verteidigende Abwehrlinie erfordert diese Laufwegsituation eine sehr gute Abstimmung
  • Deckt (3) eng, bietet sich ein Chipball in den Lauf von (2) oder (10) (Option 1). Bleibt er nur im Raum, kann (7) kurz angespielt werden (Option 2)
  • Weiters kann das Spiel über (6) (Option 3) oder per Flugball auf (11) oder (3) der sich je nach Gegnerverhalten nach vorne Raum abkippt (nicht dargestellt) verlagert werden.

Spielanalyse: Detail 2- Positionswechsel am Flügel

  • Findet unser Team im Ballbesitz im der vorgegebenen Raumaufteilung keine Anspielstation in der Tiefe, kann durch das nach außen abkippen eines Sechsers eine neue Situation geschaffen werden.
  • Dabei setzt sich (8) mit dem Pass von (4) auf (2) in den von (3) freigezogenen Raum nach hinten-aussen ab und entzieht sich so dem direkten Zugriff seines Gegenspielers (6)
  • Vorteilhaft ist somit, die Positionswechsel auf der ballfernen Seite um dann auf (8) durchzustecken.

Spielanalyse: Detail 3- Einsetzen eines Sechsers

  • Durch die Freilaufbewegung entgegen der Verschiebebewegung kann sich (8) der Bewachung von (6) entziehen.
  • (11) bindet (2) in der Halbspur während gleichzeitig (3) durch seinen hohen Laufweg (7) in die Tiefe zieht.
  • Genauso entsteht der nötige Raum den (8) benötigt, um das Zuspiel von (5) nach vorne mitzunehmen und über die Aussenspur den Angriff einleiten zu können.

Spielanalyse: Detail 4 – Spiellösung auf der Aussenspur

  • (8) provoziert durch sein mutiges, zielstrebiges Dribbling eine neue Zuordnung auf der Aussenspur.
  • Dabei orientieren sich (7) zu (8), (4) zu (11) und (2) zu (3). Voraussetzung für den Gegner ist die schnelle Herstellung der Zuordnung, da sich genügend Räume die bespielt werden können ergeben.
  • In diesem Bild spielt (8) auf (3), der sich kurz arbeitet. (2) muss seinen aufgebauten Deckungsschatten (11) verlassen um sich an (3) zu orientieren. Das Aufdrehen von (3) in Spielrichtung ist meist nicht mehr zu verhindern.
  • Aus dieser offenen Stellung ergibt sich ein Angriff im 1vs1 oder ein Zusammenspiel mit (11) (Option 1) oder mit (10) (Option 2)

Spielanalyse: Detail 5 – Absicherung des Angriffs

  • Kippt ein Sechser (8) im Spielaufbau nach Außen ab, fehlt dieser in der Zentrumsspur. Deshalb ist es besonders wichtig, dass (6) den Angriff absichert nach hinten abkippt vor die Abwehr, anstatt sich im Angriff einzuschalten.
  • Bei Ballverlust sichern so (4), (5),(6) das Zentrum im Abwehrdreieck. (2) schiebt mit Angriffslösung (Pass von (8) zu (3)) in der Mitte durch. (2) rückt in die Zentrumsspur ein.

Fazit

Die oben skizzierten Beispiele sind Möglichkeiten, die sich beliebig fortsetzen ließen. Der Trainer darf nichts dem Zufall überlassen, denn viele Ballverluste in der Spieleröffnung bzw. Spielaufbaus entstehen nur, weil das vorhandene Spielermaterial keine adäquaten Lösungen kennen, die sie aus dem Gegnerdruck befreien bzw. vor die Box bringen. Zwangsläufig wird dann ein langer Ball gespielt, der weit fliegt, aber meist beim Gegner landet.

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