Borussia M´Gladbach – die variabelste Mannschaft der Liga

Der Fußball hat sich in den letzten 10 Jahren rasant weiterentwickelt, jedoch blieben bei vielen Fans wie auch Journalisten immer noch alte Denkweisen hängen. So kam es für viele sehr überraschend, als Borussia M´Gladbach im Frühling verkündete, man werde mit Cheftrainer Dieter Hecking nicht über den Sommer hinaus zusammenarbeiten.

Zwar waren die Fohlen unter Hecking nicht überdurchschnittlich erfolgreich, jedoch konnte der mittlerweile beim HSV tätige Fußballlehrer die Gladbach stabilisieren und stets um die Europa League Plätze mitspielen.

Wer denkt, dass würde einem Max Eberl genügen, der hatte sich allerdings geiert. Frei nach dem Motto von Jupp Heynckes, man müsse immer nochmal eine Schippe drauflegen, suchte auch der Sportdirektor nach einer Möglichkeit den Club weiter voranzubringen. Nicht ohne Grund sind die Gladbacher nun bereits seit vielen Jahren konstant unter den besten Mannschaften. Zwar findet dies meist auf dem Transfermarkt mittels der Verpflichtung von unterschätzten Spielern statt, dieses Mal schlug Eberl allerdings auf der Trainerposition zu.

Letztlich schaffte es die Borussia einen der talentiertesten Trainer Europas, Marco Rose, aus Salzburg zu verpflichten. Bei RB ließ er einen schönen und zugleich durchschlagsstarken Fußball spielen, der Salzburg lange Europa League Saisons und etliche Meisterschaften bescherte. Der ehemalige Mainzer Spieler schaffte es dabei den RB Stil zu verfeinern und ein funktionierendes Positionsspiel neben den typischen RB-Tugenden, Pressing und Gegenpressing, zu etablieren.

Nun sollte das Ganze auch bei den Fohlen Früchte tragen und die Gladbacher näher an die Topspitze bringen. Wer hätte gedacht, dass dies Rose so schnell gelingen würde. In einer engen und spannenden Bundesliga-Saison liegt Borussia M´Gladbach immer noch unter den Top-4 mit guten Chancen auf die deutsche Meisterschaft.

Stellt sich also die Frage, was macht die Borussia so stark und was können wir uns von einem Team wie dem von Marco Rose abschauen?

Spielstärke und Variabilität auf allen Positionen

Eine der großen Stärken der Fohlen ist sicherlich die Kaderzusammenstellung. Über die letzten Jahre hinweg hatte man bereits ein gutes Gerüst mit Torhüter Yann Sommer, Matthias Ginter, Christoph Kramer, Lars Stindl oder Patrick Herrmann.

Im Sommer wurde der Kader dann noch gezielt verstärkt. So brachte Marco Rose Rechtsverteidiger Stefan Lainer aus Salzburg mit. Auch der Transfer von Marcus Thuram sowie die Rückholaktion von Laszlo Benes stellten sich als Glücksgriffe und wichtige Ergänzungen für den Kader dar.

Alles in allem kann Rose aus einer Reihe von technisch extrem versierten Spielern auf allen Positionen wählen und hat vor allem im Angriff ein Überangebot an technisch sowie athletisch starken Leuten.


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Neben den technischen Fertigkeiten bringen alle Akteure einen hohen Fußball-IQ mit und können folglich verschiedene Positionen ohne Probleme bekleiden. Marco Rose und sein Team nutzen diese Möglichkeiten perfekt aus.

Regelmäßig wird die Formation auf den Gegner und die Spielertypen zugeschnitten. So agierte man diese Saison bereits in einer 4-Raute-2, einem 4-3-3 oder einem 3-5-2 bzw. 3-4-3. Zwar betonte Co-Trainer René Maric, dass Grundordnungen nicht überinterpretiert werden sollten, da man je nach Spieldynamik aus unterschiedlichen Grundordnungen die gleichen Staffelungen erzeugen kann.

„In der Spieldynamik kann man je nach Situation aus verschiedenen Grundordnungen die gleiche Staffelung kreieren, es unterscheiden sich dann nur die Abstände und Abläufe, um dorthin zu kommen“

René Maric

Entsprechend passt man die Grundordnung zwar immer wieder an den Gegner an, jedoch geht es vielmehr darum die Abläufe und Staffelungen an die jeweiligen Spieler anzupassen. Letztlich wird versucht jeden Spieler in die für ihn bestmöglichen Situationen zu bringen, in der er sein Talent und seine Fähigkeiten perfekt nutzen kann.

Flexibel im Spielaufbau

Insbesondere das Spiel mit dem Ball ist geprägt von unterschiedlichen kleinen Anpassungen an die jeweiligen Spielertypen, die auf dem Platz stehen. Auch aus diesem Grund spielen Akteure wie Marcus Thuram und Dennis Zakaria eine sehr starke Saison, da ihre Rollen perfekt an ihre Stärken angepasst worden sind und sie so ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten können.

Durch die unterschiedlichen Spielertypen konnte man im Spielaufbau bereits verschiedene Staffelungen beobachten. Allerdings sind meistens zwei Sechser beinhaltet. Zwar positioniert sich meist nur ein Sechser konstant hinter der ersten Pressinglinie, jedoch wird er meist durch einen fallenden Achter unterstützt bzw. der zweite Sechser schiebt nur marginal nach vorne.

Egal ob man nominell mit Doppelsechs im 4-2-3-1 oder in einer anderen Grundordnung agiert, wird mit Hilfe des einen Sechsers eine Raute oder ein Dreieck im Spielaufbau gebildet. Dementsprechend agiert der zweite Sechser häufiger im Halbraum. Beispielsweise agiert Dennis Zakaria etwas weiter links und schiebt im Halbraum auch mal in höhere Zonen, während Christoph Kramer fast konstant im Zentrum spielt.

Die alleinige Besetzung des Sechserraums ermöglicht der Borussia einfacher Dreiecke und diagonale Passwinkel herzustellen. Letztlich läuft vieles auf eine Raute in Ballbesitz hinaus. Während Zakaria halblinks weiter nach vorne schiebt, kann einer der Angreifer bzw. der Zehner den anderen Halbraum besetzen. Top-Stürmer Plea lässt sich gerne aus der vordersten Linie fallen und komplettiert so die Raute.

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Gegen Mainz spannte Christoph Kramer zusammen mit den Innenverteidigern ein Dreieck, während diese mit Stindl und Zakaria idealerweise zwei Spieler im Halbraum auf Höhe des gegnerischen Mittelfeldes vorfinden konnten. Dementsprechend bilden sich viele diagonale Passlinien, Dreiecke und Rauten, die eine saubere Ballzirkulation ermöglichen.

Hierbei besitzt die Borussia ein sehr sauberes Positionsspiel mit Spielern zwischen den Linien und dauerhaften Möglichkeiten das Spiel zu verlagern. Zwar sind sie hier noch nicht in jedem Spiel konstant, allerdings aufgrund des individuellen Talents oft sauberer als beispielsweise RB Leipzig, wie Niklas Bühler in unserem Podcast anmerkte.

Allerdings kommt es durch die weiträumigen Bewegungen der Akteure von Borussia M´Gladbach immer noch zu Staffelungen mit einer Doppelsechs. Interessanterweise ist das Aufbauspiel der Borussia aber wesentlich sauberer, wenn die beiden Sechser nicht auf der gleichen Linie agieren. Situativ konnte man dies in manchen Spielen der Hinrunde erkennen. Damals ließ sich Florian Neuhaus als Achter neben den Sechser fallen. Letztlich wurden dadurch Passwege teils geschlossen und die Innenverteidiger fanden weniger Raum für ihre Dribblings vor.

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Beispielsweise in dieser Situation. Neuhaus positioniert sich mit dem Rücken zum gegnerischen Tor auf der gleichen horizontalen Linie wie Dennis Zakaria. Folglich konnten die Schalker eine 3vs3 Situation herstellen ohne Sorge zu haben, dass sich die Gladbacher mittels des Spiels über den Dritten aus der Umklammerung befreien konnten. Denn dafür passten die Winkel zwischen den Akteuren nicht. Weder konnte Neuhaus in dieser Situation auf Wendt noch auf Zakaria klatschen lassen.

Darüber hinaus hatten die Schalker Mittelfeldakteure die Möglichkeit sofort zu pressen ohne Gefahr zu laufen eine Passlinie auf einen der offensiven Akteure zu öffnen. Der Grund? Thuram und Neuhaus befanden sich auf der gleichen vertikalen Linie.

Jedoch sollte man hier vorsichtig sein, da die Fohlen damals noch am Beginn ihrer Entwicklung standen und die tiefere Rolle von Neuhaus zwar der Zirkulation nicht unbedingt zu Gute kam, jedoch dem jungen Mittelfeldakteur Raum für seine gefährlichen Dribblings nach vorne verschaffte. Das Dribbling ist nämlich durchaus sehr sinnvoll im Spielaufbau, wird aber aufgrund des großen Risikos oft noch ignoriert. Gerade wenn sich Neuhaus noch etwas weiter fallen ließ, wurde situativ eine 3-1 Staffelung bzw. eine Raute im Spielaufbau hergestellt.

Einzig, wenn die Borussia mit einer Dreierkette agiert, bleiben die beiden Sechser häufiger auf der gleichen horizontalen Linie. Allerdings ergibt dies Sinn, da es denn Prinzipien für ein erfolgreiches Aufbauspiel folgt. Durch die Dreierkette sind die Halbräume bereits besetzt und die Halbverteidiger haben Raum um anzudribbeln.

Des Weiteren ergeben sich durch die 3-2 Staffelung im Aufbau verschiedene diagonale Passwege und Dreiecke. Mit zwei Sechsern ist man so oft besser verbunden, da die Passempfänger bereits in Position sind und nicht erst wenige Meter auf den Passspieler zumachen müssen, wie es mit einer Sechs oft der Fall ist.

Dies sollte man nicht unterschätzen, da das weite entgegenkommen im Aufbauspiel kontraproduktiv sein kann. Der Passempfänger kann einfacher in eine Richtung gedrängt werden, da sich seine Umwelt schnell ändert und er nicht so einfach mit einer Körpertäuschung den Gegner ins Leere laufen lassen kann. Außerdem hat man stehend die Möglichkeit durch ein marginales Anpassen der Position einen nachfolgenden Pass in jede Spielrichtung zu spielen.

Die Rolle der Halbräume und der smove Übergang in das Offensivspiel

Wie bereits erwähnt formt die Borussia für die bessere Ballzirkulation gerne eine 1-2 Staffelung im Aufbauspiel, um die Halbräume besser zu besetzen. Entsprechend verlaufen viele Angriffsvorträge der Fohlen durch den Halbraum. Allerdings passt auch hier das Trainerteam die Abläufe an die zur Verfügung stehenden Spieler geschickt an.

Beispiel Florian Neuhaus – der tiefe Dribbler

Beispielsweise nutzte man gegen die Schalker Florian Neuhaus als tieferen Achter, der mit seinen Dribblings für Gefahr sorgen sollte. Zwar hatten die Fohlen vereinzelt mit ihrer damals noch unsauberen Staffelung zu kämpfen, jedoch passte die Rolle sehr gut zu Florian Neuhaus.

Aus der tieferen Position heraus hatte Neuhaus die Möglichkeit mit diagonalen Dribblings das 4-4-2 der Schalker gegen den Ball zu zerdribbeln. Das 4-4-2 hat hier aufgrund der drei Ketten Probleme in der vertikalen Kompaktheit. Die Gladbacher sind hierbei sehr stark im kreieren von Tiefe, um den Gegner auseinanderzuziehen. Aufgrund der Gefahr durch die schnellen Plea und Thuram positioniert sich die letzte Kette etwas tiefer. Folglich muss auch die Mittelfeldkette tiefer bleiben, um den Zehnerraum für lange Bälle nicht zu weit zu öffnen. Mit Plea, Thuram und Embolo hat man hier auch die idealen Spieler für lange, hohe Bälle.

Da die Schalker aber immer noch versuchten den Spielaufbau der Fohlen zu stören, ergaben sich Lücken hinter den beiden Stürmern der Knappen, die Neuhaus mit seinen Dribblings anvisieren konnte. Gelang dies, hatte die Borussia sofort eine Überzahl im Zentrum (grau markiert) und konnte die Schalker mit schnellem Vertikalspiel überrumpeln.

Allerdings wäre es zu kurz gegriffen sich nur die Aktion von Florian Neuhaus anzuschauen. Fußball wird von einzelnen Akteuren gespielt, jedoch spielen die Interaktionen und Wechselwirkungen eine entscheidende Rolle. Nicht ohne Grund ist ein gutes System besser als die Summe der Einzelteile.

Vergleicht man diese Situation, mit der Szene fällt auf, dass sich Neuhaus weniger Meter tiefer angeboten hatte. Folglich wurde eine Dreierkette mit Ginter und Elvedi gebildet und die Halbräume waren besser besetzt. Neuhaus tiefere Position sorgte dafür, dass die Wege für die Schalker Spieler weiter wurden und der ehemalige Düsseldorfer so mehr Zeit am Ball hatte.

Des Weiteren reagierte Breel Embolo perfekt auf die Bewegung von Neuhaus und ließ sich wenige Meter fallen. Im Vergleich zu oben positionierte er sich aber höher als Zakaria. Auch das Herausrücken von Caligiuri auf Neuhaus spielte eine entscheidende Rolle, da sich nun viel Raum für Wendt ergab, der entweder direkt angespielt werden oder den Ball über die Zwischenstation von Embolo erhalten konnte.

Auch ein Klatschen lassen auf Zakaria hätte den Gladbachern die Möglichkeit eines schnellen Angriffs geben können. Anhand dieser Situation kann sehr gut erkennen wieso im Fußball Details wie die richtige Positionierung und wie Wechselwirkungen der Spieler eine wichtige Rolle spielen. Klare Prinzipien helfen den Spielern dabei richtig auf die Bewegungen ihrer Mit- und Gegenspieler zu reagieren.

Durch Prinzipien, welche sich vorrangig auf die Verbindungen zwischen den Spielern in ihren Positionierungen und im Timing in Wechselwirkung mit dem Gegner beziehen, wollen wir den Spielern Ideen mitgeben.“

René Maric

Mittlerweile kommt Florian Neuhaus eher in höheren Zonen zum Einsatz. Seine Abschlussstärke gepaart mit den guten Dribblings machen ihn dort zu einer größeren Waffe. Nach der Umstellung auf ein 4-2-3-1 im Saisonverlauf sehen die Abläufe im Aufbauspiel mittlerweile anders aus und fokussieren noch mehr die vertikalen Pässe zwischen die Linien.

Plea und Thuram – Dribblings unter Druck als Waffe

Generell fokussiert sich die Borussia insbesondere gegen tiefere Gegner auf die Halbräume und Anspiele in den Zwischenlinienraum. Dabei wird eine Raute mit den Innenverteidigern am unteren Ende gebildet, typisch für viele Bundesligateams. Allerdings verfügen die Fohlen über sehr viel Qualität und können mit Hilfe des Ausspielens der Rauten schnell vertikal hinter die Linien des Gegners gelangen. Dabei spielen insbesondere die Fähigkeiten ihrer Offensivspieler eine wichtige Rolle. Im System von Rose werden dieser perfekt genutzt.

Kleinere Asymmetrien lassen sich in der Folge beobachten, da beispielsweise Thuram und Herrmann zwei sehr unterschiedliche Spielertypen sind.

Die Asymmetrie im Aufbauspiel mit Zakaria, der halblinks agiert und weiter nach vorne schiebt, habe ich bereits kurz erläutert. Jedoch agieren die Borussen halblinks trotzdem noch anders als halbrechts, was auch mit den Stärken von Marcus Thuram zu tun hat.

Halblinks ist es nämlich häufiger Thuram, der die scharfen Flachpässe der Innenverteidiger im Halbraum erhält und nicht etwa Zakaria, so wie man es halbrechts mit Stindl oder Hofmann beobachten kann.

Der Schweizer bewegt sich gerne in eine etwas breitere Position als Achter und weitet so die Schnittstellen in der Mittelfeldkette des Gegners. In der Folge kann der Sohn von Weltmeister Lilian Thuram perfekt angespielt werden.

Die Fähigkeiten von Thuram den Ball schnell zu kontrollieren und geschickte Ablagen zu spielen, erweisen sich hier als äußerst hilfreich. Für seine Statur, Thuram ist groß, kräftig und athletisch, und sein Spielstil außergewöhnlich. Er agiert sehr vertikal, nutzt seine Dynamik geschickt für Durchbrüche und ist ständig gefährlich, verfügt er über herausragende Fähigkeiten im Dribbling in engen Räumen. Dementsprechend kann er einer Defensive, nachdem er den Ball im Halbraum erhielt, mit seinen Engendribblings weh tun.

Auf der rechten Seite positioniert sich meist der Achter im Halbraum. Zum einen liegt es daran, dass Patrick Herrmann nicht so stark mit dem Rücken zu Tor ist. Zum anderen hat man hier Spieler wie Benes oder Stindl, die geschickt aufdrehen können und auch unter Druck sehr sicher am Ball sind.

In der obigen Szene lassen sich die Vorteile und Mechanismen der Raute sehr gut erkennen. Zwar ist es hier tatsächlich mal Patrick Herrmann als Kopf der Raute, lassen sich solche Aktionen doch häufiger auf der linken Seite mit Thuram beobachten oder rechts durch das Einbinden des Achters bzw. Stürmer Plea.

Matthias Ginter, dem unter Rose eine sehr wichtige Rolle aufgrund seiner Qualitäten mit dem Ball zukommt, dribbelt an und wird unter Druck gesetzt. Herrmann kommt dynamisch entgegen und zieht seinen Gegenspieler mit. Der Raum rechts ist geöffnet. Durch die ballnahe Unterstützung durch Lainer, Zakaria und Plea hat Herrmann verschiedene Möglichkeiten den Ball klatschen zu lassen.

In dieser Szene geht der Ball zu Zakaria. Aufgrund des guten Laufwegs wäre auch Stefan Lainer eine Option gewesen. Gladbach nutzt diese kurzen Drucksituationen meist um ihr Angriffsspiel möglichst zu beschleunigen. Gerade wenn der Ball auf einen der Offensivakteure gespielt wird und dieser den Ball in den Zwischenlinienraum klatschen lässt, haben die Fohlen mit einem Pass viele Akteure überspielt und können mit Blick zum Tor diagonal attackieren. Aufgrund der Qualitäten ihrer Offensivspieler, die alle sehr gute Dribbler sind (z.B. Stindl, Thuram aber auch Zakaria), sind diese Situationen für den Gegner meist sehr unangenehm zu verteidigen.

Konter aus dem eigenen Ballbesitz – ein bisschen Napoli bei Gladbach

Interessanterweise verläuft der Ballvortrag der Innenverteidiger sehr schnell in das Angriffsspiel über. Borussia M´Gladbach hält sich selten im Mitteldrittel auf, sondern versucht aus einer tiefen Zirkulation schnell und vertikal nach vorne zu spielen. In Teilen ähnelt dies dem SSC Napoli und Maurizio Sarri. Tiefe Zirkulation, um den Gegner zu locken und dann überfallartig nach vorne spielen – ein Konter ohne Umschaltmoment.

Diese vertikalen Pässe auf die Offensivspieler im Zwischenlinienraum sind hierfür meist der Auslöser. Insbesondere das Spiel über den Dritten ist hier entscheidend.

Neben Thuram und dem Zehner oder zweitem Sechser, spielt auch Alassane Plea eine enorm wichtige Rolle für die Anspiele in den Zwischenlinienraum und die schnellen Angriffe. Plea ist nicht der klassische Mittelstrümer, sondern lässt sich gerne fallen, nimmt am Spiel teil und ist auch mittels Dribbling zwischen den Linien sehr gefährlich. Dazu kommt noch ein gutes Gespür für den Raum und die notwendigen athletischen Fähigkeiten, um die Räume zu nutzen.

Plea – wie einst unter Hecking, nur konstanter

Interessanterweise haben sich Rose und sein Trainerteam scheinbar von Dieter Hecking inspirieren lassen. Als Lars Stindl und Raffael in der letzten Saison verletzungsbedingt fehlten, agierte Plea als zentrale Spitze. Zu Beginn der Saison nutzte Hecking beide Flügelspieler als Halbstürmer. Die Akteure positionierten sich also sehr hoch zwischen Innenverteidiger und Außenverteidiger und banden so die Viererkette. Folglich konnte sich Plea fallen lassen, ohne verfolgt zu werden und Gladbach hatte eine Überzahl im Zentrum.

Seltsamerweise wurde dies nicht konstant praktiziert und im Laufe der Saison agierten die Flügelspieler wieder breiter, der Effekt verschwand und die Borussia wirkte oft weniger gefährlich aufgrund des fehlenden Raums zwischen den Linien.

Unter Rose, Maric und Zickler werden diese Positionierungen nun konstanter umgesetzt. Dies ergibt absolut Sinn. Wie bereits erwähnt hat Plea die Möglichkeit sich im Zentrum am Kombinationsspiel zu beteiligen, ohne stets verfolgt zu werden. Außerdem sind die Flügelspieler der höchste Punkt in Gladbachs Angriffsstruktur, ideal für die Nutzung des Spiels über den Dritten. Last but not least, dienen die beiden Flügelspieler als Tiefengeber.

Durch ihre Positionierung beschäftigen sie die Viererkette, drücken diese nach hinten und öffnen so den Zwischenlinienraum für die anderen Kreativen bei den Fohlen. Speziell Patrick Herrmann ist ein Spezialist, wenn es darum geht Räume hinter der Viererkette mit Tempo zu attackieren. Steht die Verteidigung des Gegners zu hoch, kann Gladbach dies mit gezielten langen Bällen auf die beiden Flügelstürmer bestrafen. In der Folge wird der Gegner wohl bewusst seine Abwehrkette etwas tiefer positionieren.

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Ist der Halbraum blockiert geht es halt über außen

Schafft es die Borussia nicht durch den Halbraum einen der Flügelspieler, einen Achter oder Plea anzuspielen, attackieren sie über die Außenverteidiger. Beide, Lainer und Wendt, sind in der Lage scharfe Pässe die Linie entlang auf die startenden Flügelspieler zu spielen. Meist beobachtet man dies bei Oscar Wendt. Der Schwede verfügt, im Vergleich zu Stefan Lainer, nicht mehr über die athletischen Fähigkeiten, um den Ball selbst nach vorne zu treiben. Aus diesem Grund spielt er häufiger den Pass auf Thuram.

Hier passen die beiden aber sehr gut zusammen, da Thuram eben alleine durch seine Dribblings für Durchbrüche sorgen kann. Patrick Herrmann auf der rechten Seite ist hier nicht so stark und benötigt deshalb die Unterstützung von Stefan Lainer.

Die unterschiedlichen Fähigkeitenprofile sorgen für angepasste Rollen – schon wieder sollte man das Trainerteam lobend hervorheben. Patrick Herrmann agiert entweder mit Lainer oder Johnson auf der rechten Seite. Beide sind stark im Dribbling, schnell und hinterlaufen regelmäßig. Folglich kann sich Herrmann auf seine Rolle als Halbstürmer konzentrieren und rückt dauerhaft ein.

Auf der anderen Seite agiert Wendt etwas tiefer, ist eher die sichere Anspielstation, vorderläuft aber gelegentlich, um Raum für Thuram zu schaffen. Der Franzose kann eben auch in einer breiten Position den Ball erhalten und seine gefährlichen Dribblings starten.

In dieser Szene erkennt man sehr schön die typischen Abläufe bei der Borussia. Anspielt in den Halbraum, Ablage auf den Außenverteidiger, der sofort wieder tief in den geöffneten Raum spielt. Die individuelle Klasse von einem Spieler wie Marcus Thuram erledigt den Rest.

Auch hier erkennt man wieder die Konter aus eigenem Ballbesitz, die ich oben angesprochen habe. Plötzlich erhöhen die Fohlen das Tempo und attackieren den Gegner fast überfallartig. Die vertikalen Pässe hinter die letzte Linie sind insbesondere gefährlich, da die Abwehr des Gegners plötzlich sehr schnell fallen muss, das Mittelfeld aber oft nicht schnell genug nachrückt. Die Borussia spekuliert allerdings auf diese Momente und so findet der Ballführende immer ein oder zwei Spieler im Rückraum, wie beispielsweise hier Patrick Herrmann beim 2:0 gegen Augsburg.

https://www.youtube.com/watch?v=lN_H5KyyZwU

Fazit

Man könnte das Spiel von Borussia M´Gladbach noch viel detailliertes analysieren, jedoch würde das hier einfach den Rahmen sprengen. Festzuhalten bleibt, dass die Borussia über ein sehr starkes Spiel in Ballbesitz verfügt. Die Rollen der Spieler sind dabei perfekt auf ihre Stärken abgestimmt und mit ihrer Variabilität und ihrem plötzlich schnellen Vertikalspiel konnten sie schon so manche Abwehr überraschen. Nicht ohne Grund spielt das Team von Marco Rose immer noch oben mit. Mal sehen ob oder wann wir die Fohlen in dieser Saison noch einmal beobachten dürfen.

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1 Kommentare

  1. schwerti

    Eine sehr detaillierte Darstellung des Idealzustandes, der in dieser Saison vor allem in der Hinrunde häufig erspielt wurde.
    Allerdings habe ich seit Beginn der Rückrunde beobachtet, dass vor allem die Halbräume nur noch inkonstant besetzt werden. Dies beobachte ich vor allem gegen tiefstehende Mannschaften, denen es gelingt, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen und Gladbach zu hohen Ballzirkulationszeiten zwingt, ohne dass man zum Torabschluss kommen könnte.

    Weitere Kennzeichen sind:
    – unsauberes Zwischenlinienspiel, insbesondere aus den IVer-Positionen in die Halbräume; dafür sehr früher Aufbau über die AV, die dann longline passen, wo der Gegner den Ball ablaufen kann;
    – wenn doch über die Halbposition aufgebaut wird: Im weiteren Verlauf gekennzeichnet durch fehlende Verbindungen zu den Außenpositionen und zu der entgegenkommenden Spitze, weil der Gegner ebendiesen Halbraum zahlenmäßig überlagert und ballorientiert verschiebt;
    – wenig Verlagerungen, wenn man an der Auslinie in die Pressingfalle gelockt wird (Heimspiel vs BVB), statt dessen der oft erfolglose Versuch sich durch Kurzpassspiel aus der Bedrängnis zu spielen mit der Konsequenz des Ballverlusts in eigener Tornähe;
    – fehlende Konstanz in der Wechselwirkung von Pressingphasen und Spielberuhigung durch Ballzirkulation. Stattdessen eine „Scheinkompaktheit“ durch Rückzug und zocken auf Umschaltspiel nach gegnerischem Ballverlust in der eigenen Hälfte. Diese Tendenz ist in den letzten Spielen, besonders seit dem Spiel bei Fortuna Düsseldorf, deutlich erkennbar.

    Gekennzeichnet ist dies durch:

    Rückzug auf 35 Meter vor’s eigene Tor, weite Wege nach vorne bei Ballgewinn, keine Besetzung der Box… usw.
    So wird Kompaktheit falsch definiert. Man baut den Gegner auf, verschafft ihm wieder Rhythmus, bringt ihn ins Spiel zurück, bei gleichzeitigem eigenem Kontrollverlust.

    Mein Vorschlag: Immer wieder punktuell anlaufen, einfach nur mit der Intention, den Gegner zum Rückpass zu zwingen und letztendlich zum langen Schlag. Dann abpflücken des zweiten Balls. Die Spieler dafür sind ja da (Elvedi, Ginter, Zakaria als Zentraler in einer Dreierkette).

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