Gemeinsames und geschlossenes Verteidigen im Nachwuchs trainieren

Inzwischen gibt es unzählige Stile und Formen wie eine Mannschaft gegen den Ball arbeiten kann. Vom aggressivem und hohem Angriffspressing wie wir es von Jürgen Klopps Liverpool gewohnt sind über ein blitzartiges Gegenpressing à la FC Barcelona bis hin zum kompakten und tiefen 4-4-2 wie wir es von Diego Simeone und seinen Atleti kennen. Dies waren nur drei Defensivkonzepte ganz allgemein zusammengefasst ohne einen Hauch von gewisser taktischer Tiefe.

Wenn man aber nun bedenkt, dass eine einzelne Mannschaft kaum über die gesamte Spielzeit an einer defensiven Ausrichtung festhält, sondern beispielsweise zwischen hohem Angriffspressing und einem tieferen Verteidigungspressing hin und herwechselt, dann wird ganz schnell klar, dass für das Verteidigen eine gewisse Organisation benötigt wird.

Denn, einer der zentralsten Grundsätze des Verteidigens ist schlicht und einfach, dass es nur dann Sinn macht und effektiv sein kann, wenn alle Spieler am gleichen Strang ziehen. Beispielsweise hat ein hohes Angriffspressing der Stürmer keinen Sinn, wenn nicht das Mittelfeld und die Verteidigung nachschieben, um die Räume hinter den Angreifern zuzustellen. Zugleich hat ein tiefes 4-4-2, wie wir es bei Atletico Madrid seit Jahren mehr oder weniger in seiner Effizienz bewundern können, auch keinen Nährwert, wenn sich nicht alle zehn Feldspieler an den gemeinsamen Plan halten.

Daher ist das Thema in diesem Artikel wie man mit seiner Nachwuchsmannschaft das gemeinsame und geschlossene Verteidigen trainieren kann. Bevor wir in diese Thematik eintauchen und Übungen durchgehen, ist an dieser Stelle anzumerken, dass es im folgendem nur darum geht, dass die jungen Spieler lernen, dass verteidigen nur als Mannschaft funktioniert. Dabei wird kein Fokus auf eine gewisse defensive Ausrichtung gelegt. Das Ziel muss sein, dass die Nachwuchskicker verstehen, dass man unabhängig vom System und der Taktik nur gemeinsam den Ball erobern kann.     

Einführende Übungen – gemeinsames Verteidigen

Die ersten beiden Übungen sind keine außer- oder ungewöhnlichen Drills, sondern sind vermutlich bei einem Großteil der Nachwuchsmannschaften Teil des Trainings und der zentrale Unterschied liegt im Coaching und worauf man den Schwerpunkt legt.

Die erste Übung ist ein Rondo und hat nur die Anforderung, dass immer zwei Spieler in der Mitte sind. Die Größe des Feldes wird dabei an die Anzahl der äußeren Spieler und das Niveau der Mannschaft angepasst. Da zwei Spieler die kleinste mögliche Gruppe sind, ist ein Rondo mit zwei Akteuren in der Mitte die absolute Basicübung für das gemeinsame Verteidigen.


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Ich persönlich betone vor und während Übung extrem häufig, dass entweder beide Akteure in der Mitte mit voller Power attackieren oder sich gemeinsam im lockereren Lauf in eine ideale Position bringen. Jedoch sollte es in keiner Situation der Fall sein, dass ein Spieler sich nicht bewegt und eine Pause einlegt während der andere attackiert.

Wahlweise kann auch je nach Altersstufe eine zusätzliche Regel einführen, die besagt, dass die zwei Spieler in der Mitte eine Strafübungen (z.B. Liegestütze) durchführen müssen, wenn ein Pass zwischen die beiden hindurch erfolgt. 

Gemeinsames Verteidigen
Übung 1: Das Rondo eignet sich mit zwei Spielern in der Mitte ideal, um das Training bereits mit dem Fokus auf das gemeinsame Verteidigen zu eröffnen

Die zweite Übung ist auch wieder ein Rondo, jedoch ist die Übung in diesem Fall auf zwei Felder aufgeteilt. Je ein Feld gehört zu einer Mannschaft und ebendiese befindet sich darin. In einem Feld wird begonnen und die gegnerische Mannschaft entsendet zwei Spieler aus ihrem Feld in das gegnerische. Die beiden Verteidiger sollen nun den Ball erobern und nach dem Ballgewinn den Ball in das eigene Feld passen. Wenn das gelingt, kommen die zwei Spieler zurück in ihr eigenes Feld und zwei Akteure der Mannschaft, die gerade den Ball verloren haben, sprinten in das gegnerische Feld, um zu Verteidigern zu werden.

Somit hat man grundsätzlich wieder ein Rondo als zentralen Übungsinhalt, jedoch hat es in diesem Fall einen spielnäheren Charakter, da sowohl das offensive als auch das defensive Umschalten Teil dieser Übung sind. Zudem ist die Belastung deutlich höher. Wieder soll beim Coaching speziell auf das gemeinsame Verteidigen der Spieler in der Mitte geachtet werden.  

Übung 2: Nach Ballgewinn muss schnellstmöglich umgeschaltet werden und es entsteht im neuen Feld sofort eine nue Spielsituation

Größere Spielformen

Um nun an das tatsächliche Spiel noch etwas näher zu kommen, wird die Spieleranzahl (wenn möglich) erhöht. Jedoch wird weiterhin mit der Provokation gearbeitet, dass die verteidigende Mannschaft immer in Unterzahl ist. Dadurch werden die Verteidiger erst recht dazu gezwungen zusammen zu arbeiten, da sie anders kaum eine Chance hätten an den Ball zu kommen.

Zwar findet man später am Spielfeld eine numerische Gleichzahl vor, allerdings sollen die Spieler folgendes erkennen: Wenn sie durch geschlossenes Verschieben und Attackieren auch in Unterzahl den Ball erobern können, dann kann man das auch erst recht in Gleichzahl erfolgreich schaffen.   

Bei der folgenden Spielform müssen vom Trainer Spielerverhältnis, Spielfeldgröße und Kontaktzahl an das Niveau der Mannschaft angepasst werden. Grundsätzlich ist es eine Übung mit zwei Teams und beispielsweise drei Jokern, die immer mit der sich in Ballbesitz befindenden Mannschaft zusammenspielen. Es gibt keine Tore und somit ist das Ziel nur, dass man so lange wie möglich in Ballbesitz bleibt.


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Durch die Joker ist die verteidigende Mannschaft permanent in Unterzahl und gezwungen durch gemeinsames Verschieben und Verteidigen an den Ball zu kommen. Wie auch bei den vorherigen Übungen sollte hier ein großer Fokus auf das geschlossene Mannschaftsverhalten liegen.

Gemeinsames Verteidigen
Übung 3: Durch die drei Joker befindet sich die verteidigende Mannschaft immer in Unterzahl

Die letzte Übung ist ein Match womit ja grundsätzlich jede Trainingseinheit abgeschlossen werden sollte. Wenn man in einer Trainingseinheit bei den Übungen und beim Coachen ein großes Augenmerk auf das gemeinsame Verteidigen gelegt hat, dann ist es den Spielern meist schon klar, dass sie nun bei der Abschlussübung das zuvor erlernte auch umsetzen sollten.

Dabei ist jedoch auch hinzuzufügen, dass man durch beliebige Zusatzregeln nochmals einen zusätzlichen Reiz setzen kann wobei es bei diesen viel Variabilität gibt und diese beliebig kombinierbar sind solange weiterhin das geschlossene Verteidigen im Fokus steht.

Eine einfache Vorgabe ist zum Beispiel, dass ein Tor dreifach zählt, wenn zum Zeitpunkt des Tores ein Spieler der verteidigenden Mannschaft in der gegnerischen Hälfte ist. Wichtig ist jedoch, dass die Zusatzregeln nicht im Konflikt mit der eigenen Spielidee stehen.  

Gemeinsames Verteidigen
Übung 4: In diesem Fall würde das Tor drei Punkte einbringen, da sich noch ein Angreifer in der gegnerischen Hälfte befindet

Zusammenfassung

Abschließend lässt sich sagen, dass die oben genannten Übungen und grundsätzlich dieser Schwerpunkt natürlich auch mit erwachsenen Frauen- und Herrenmannschaften möglich ist, jedoch sollte in meinen Augen ein Spieler bereits im Nachwuchs (speziell im Jugendalter) verstanden haben, dass das Verteidigen nur gemeinsam und geschlossen Sinn macht.

Als letzter Punkt würde ich gerne noch anmerken, dass es bei den vier beschriebenen Übungen auffällt, dass es keine isolierten Drills sind. Dies ist auch einleuchtend, da man die gemeinsame Rückeroberung des Balles nur dann verinnerlicht, wenn man es auch tatsächlich tut und dafür sind das Rondo, dessen Abwandlungen und Spielformen perfekt geeignet. Durch die permanente Provokation von Unterzahlsituationen wird nochmals ein zusätzliches Augenmerk darauf gelegt.

Als letzten Punkt will ich jedoch noch hinzufügen, dass nahezu jede Spielform für diesen Schwerpunkt geeignet ist und erst durch die Faktoren Spieleanzahl und Coaching der Fokus auf das gemeinsame und geschlossene Verteidigen gelegt wird.   

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