LASK – Das Linzer Pressing in der Europa League

In der Saison 2013/14 spielte der LASK in der Regionalliga Mitte (3. Liga in Österreich). Sieben Jahre später sind sie Tabellenführer in der österreichischen Bundesliga und spielten in der Europa League gegen Gegner wie Sporting Lissabon und Manchester United. Wie schafft es ein Verein mit so wenig finanziellen Mitteln gegen AZ Alkmaar und PSV Eindhoven Erfolge zu feiern?

Kader und Spielphilosophie

Laut der Website transfermarkt.de hat der Kader einen Marktwert von rund 30 Millionen Euro. Der teuerste Spieler beim LASK ist Tormann Alexander Schlager mit circa 4,5 Millionen Euro. Im Vergleich: Jeder Gegner in der Europa League (außer Rosenborg) hatte einen Kader mit einem Marktwert über 100 Millionen Euro. Bei Manchester United kostete allein der Winterzugang Bruno Fernandes das Doppelte vom Linzer Kaderwert. Der letzte Wintertransfer vom ASK war Husein Balic, der für 300.000 Euro vom SKN St. Pölten zu den Linzer wechselte. Die österreichische Mannschaft ist von den finanziellen Mitteln klar im Nachteil, dennoch schafften sie in der Europa League den ersten Platz in der Gruppe D und besiegten in der ersten KO-Phase Alkmaar.

Abbildung 1: Die meistbenützte Startelf und die eingewechselten Spieler

Die Linzer legen in ihrer Spielphilosophie einen großen Fokus auf das aktive Ballerobern und das schnelle Umschalten nach Ballverlust sowie nach Balleroberung. Im Ballbesitz des Gegners wird meist ein hohes und aggressives Angriffspressing ausgeübt. Im eigenen Spielaufbau versucht der LASK meistens so schnell wie möglich hinter die Abwehr, beziehungsweise vor das gegnerische Tor, zu kommen. Überwiegend werden dann hohe Bälle von den Innenverteidigern auf den Stürmer oder hinter die gegnerische Abwehr gespielt. Das Verhalten in den Umschaltmomenten ähnelt sehr dem Liga-Konkurrenten RB Salzburg. Nach einem Ballverlust wird so schnell wie möglich versucht den Ball zurückzuerobern. Dabei attackieren bis zu vier Spieler den gegnerischen Ballführenden. Nach einem Ballgewinn wird spätestens der zweite Pass vertikal nach vorne gespielt, um die Unordnung des Gegners mithilfe eines Konters auszunutzen.

LASK Taktik – das Angriffspressing

Der LASK agierte im Ballbesitz des Gegners meistens in einem 3-4-3. Die Dreierkette hat in Österreich einen Aufwärtstrend. Der Artikel „Das Comeback der Dreierkette“ erklärt den Trend genauer. Das hing aber oft von der Aufstellung des Gegners und dem Mittelstürmer der Linzer ab. Wenn Joao Klauss spielte und der LASK gegen eine Viererkette mit einem Sechser attackieren musste, ließ sich der Stürmer gerne weiter nach hinten fallen und stellte den gegnerischen Sechser direkt zu. Das bedeutete auch, dass die beiden äußeren Stürmer weiter nach vorne und in die Mitte rückten.
Beim Anlaufen stellten sie die Außenverteidiger in den Deckungsschatten und leiten den gegnerischen Innenverteidiger in die Mitte. So ergab sich im Pressing eher ein 3-4-1-2. Wenn der Ball doch auf die Außenverteidiger kam, rückte der Außenmittelfeldspieler sofort nach und attackierte den Gegner. Zudem wurde der Gegenspieler in solchen Situationen schnell gedoppelt. Denn auch der äußere Stürmer drehte sich um und attackierte sofort den Außenverteidiger. Bei den Gruppenspielen gegen Rosenborg oder Sporting Lissabon kam die 1-2 Staffelung der Stürmerreihe gut zum Vorschein. (Abbildung 2) Wenn Marko Raguz spielte, blieb es eher bei der 3-4-3-Formation und der Stürmer stellte den gegnerischen Sechser in den Deckungsschatten.

LASK Taktik
Abbildung 2: Klauss lässt sich im Pressing zurückfallen und stellt den gegnerischen Sechser zu

Die Linzer attackierten den Gegner sehr hoch an und provozierten bereits im letzten Drittel hohe Bälle oder Fehlpässe von den Abwehrspielern. Meistens leitete der mittlere Stürmer den Spielaufbau des Gegners auf den Flügel.  Dabei versuchte Raguz auch immer den entgegenkommenden Sechser in seinen Deckungsschatten zu stellen. Zudem werden die Außenverteidiger eher „frei gelassen“ und für den Gegner scheint es so, als ob der Pass auf die Seite eine sichere Option wäre.  Vor allem Thomas Goiginger startete beim Anlaufen viel tiefer und attackierte den Gegner im vollen Sprint. Der Vorteil dabei ist, dass er, wenn er den Pass antizipierte oder das Zuspiel ungenau kam, den Ball abfangen und direkt in die Richtung des Tores spielen konnte.


Mehr zum Thema Pressing findest du in unserer neuen Ausgabe des Thefalsefullback-Magazins. Schau doch mal rein 🙂



Der ASK hatte durch das hohe Pressing sehr viele Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Besonders im Auswärtsspiel gegen Sporting Lissabon, die in einem 3-5-2 spielten, leiteten sie den Spielaufbau auf Jeremy Mathieu, der in der ersten Halbzeit viele Fehler im Aufbau beging. Auch in diesem Spiel startet Goiginger sein Anlaufen weiter hinten und setzte den Innenverteidiger, als er den Ball bekam, schnell unter Druck. Der Franzose machte schwere Fehler im Spielaufbau und Reinhold Ranftl konnte mehrmals den Pass vom Innenverteidiger auf den Flügel antizipieren und nach dem Ballgewinn direkt nach vorne Spielen. Nach so einem Ablauf konnte Raguz auch das 1:0 erzielen. Allerdings hatten die Österreicher nicht immer ein erfolgreiche Pressingsituation, in der sie den Ball in der gegnerischen Hälfte eroberten. Oft spielten die Gegner den Ball hoch nach vorne. In solchen Situation kamen die drei Innenverteidiger in das Spiel. Die meisten Innenverteidiger beim LASK waren kopfballstark und verloren nur wenige Luftduelle (Vor allem Gernot Trauner). Zudem agierten sie sehr aktiv bei zweiten Bällen und eroberten schnell wieder den Ball, wenn der Kopfball nicht genau war.

Wenn die Linzer gegen eine Mannschaft, die mit dem Ball dominanter agieren, spielten, übten sie phasenweise ein Mittelfeldpressing aus. Das heißt, dass sie den Gegner erst ab der Höhe des Mittelkreises attackierten und vor allem versuchten die Mitte zu zumachen. Wie zum Beispiel gegen den AZ Alkmaar oder auch Manchester United agierten die Österreicher eher weiter hinten und versuchten den Gegner auf die Flügel zu leiten.

Ballbesitz mit variablem Spielaufbau

Beim LASK merkte man schnell, dass sie selber ihren Spielaufbau nicht lange gestalten wollen. Sehr früh wird der vertikale Pass gesucht. Egal ob flach oder hoch, der Ball musste so schnell wie möglich nach vorne. Auch in dieser Spielphase kam es darauf an, wer der Stürmer war. Bei Klauss kamen vermehrt kontrollierte hohe Bälle auf den Stürmer. Der Brasilianer konnte sich in Luftduellen sehr gut durchsetzen und entweder den Ball auf einen der beiden äußeren Stürmer gleich weiterleiten oder den Ball selber annehmen und auf einen nachkommenden Spieler ablegen. Besonders gegen Mannschaften, die etwas höher pressten, war Klauss die bessere Wahl, weil auch da vermehrt höhere Bälle nach vorne gespielt wurden.


Du bist immer noch auf der Suche nach einer geeigneten Taktiktafel? Die Tafel von ELF Sports könnte deine ideale Lösung sein. Wenig Schnick Schnack, einfach nur eine Magnettafel, die es in unterschiedlichen Größen gibt und auf zwei Feldformen die Möglichkeit bietet deinen Spielern schnell und einfach Details auf dem Rasen zu erklären.


Jedoch konnte der LASK auch gegen tiefstehendere Gegner ihr Spiel aufbauen und Chancen kreieren. Um die erste Pressinglinie zu überspielen wurde zunächst einer der äußeren Innenverteidiger angespielt. Daraufhin bewegte sich Trauner dynamisch in den Sechserraum und bot sich hinter der ersten Pressinglinie an. Durch diese Bewegung kam er nicht nur aus dem Deckungsschatten des Stürmers, sondern war auch wieder eine Anspielstation für seinen Mitspieler. Zudem konnte Schlager ein wenig weiter vorrücken und eine Passmöglichkeit nach hinten sein.

Abbildung 3: Trauner spielte auf Wiesinger und bot sich daraufhin als Sechser wieder an.

Die Linzer spielten sehr früh auf den Flügel, da die tiefstehenden Gegner versuchten die Mitte zuzustellen. Zum Beispiel gegen Rosenborg oder auch PSV spielten die Innenverteidiger oft Ranftl oder Rene Renner an. Vor allem im Auswärtsspiel gegen Eindhoven spielten die Linzer viele diagonale Pässe auf den Flügel. PSV stand sehr kompakt in einem Mittelfeldpressing und durch die hohen Seitenwechsel, besonders von Petar Filipovic, kamen die Österreicher immer wieder in das letzte Drittel.
Zusätzlich wurden auch flache kurze Pässe auf die Außenbahnen gespielt, wenn ein diagonaler Ball nicht möglich war. In solchen Situationen wurde von den Außenbahnspielern versucht, einen diagonalen Pass auf den Stürmer zu spielen. Die Anspielmöglichkeit war meistens Raguz, der sich auch bewusst in den Zwischenlinienraum der gegnerischen Abwehr und des Mittelfeldes bewegte. Raguz löste die darauffolgenden Aktionen auch immer sehr gut, da er sich vor der Annahme mit Schulterblicken oft umschaut und daher auch wusste, wo seine Gegenspieler standen. Meistens spielte er zurück auf den nachrückenden Sechser, der dann einen Seitenwechsel spielte oder er leitete mit dem ersten Kontakt auf einen der äußeren Stürmer, die während dem diagonalen Pass einen lauf in die Tiefe machten, weiter. Dieser Lauf sorgte auch oft dafür, dass Raguz noch mehr Platz hatte und sich mehrmals aufdrehen konnte.

LASK Taktik
Abbildung 4: Diagonaler Pass von Ranftl auf Raguz.

Die drei Stürmer befanden sich im Ballbesitz immer sehr nah beieinander und bewegten sich meistens im Zwischenlinienraum. Das half vor allem bei tiefstehenden Gegnern und wenn sich die Stürmer mit kurzen Pässen in der Sechzehner kombinieren wollten. Auch war es für sie möglich bei vertikalen Pässen gleich prallen zu lassen oder mit dem ersten Kontakt einen Mitspieler in die Tiefe zu schicken.

Einen großen Fokus legten die Linzer auch auf Standardsituationen. Nicht nur besondere Ecken oder Freistoßvarianten wurden einstudiert, sondern auch Einwürfe waren ein wichtiger Bestandteil. Bei Einwürfen in der Nähe der Mittellinie wurde meist kurz eingeworfen und auf den Werfer prallen gelassen. Der Werfer spielte daraufhin mit dem ersten Kontakt einen hohen Ball über die Abwehr. Einige Male wurde auch auf einen dritten Spieler, der den hohen Pass machte, gespielt. Entweder Goiginger oder Frieser starteten in die Tiefe. Die Einwürfe auf der Höhe des Sechzehners führte James Holland aus. Der Mittelfeldspieler konnte weit einwerfen, sodass der Pass in die Mitte wie eine Flanke war. Deshalb ging auch mehrere Male Gernot Trauner bei Einwürfen mit nach vorne mit, um den Ball in den Strafraum weiterzuleiten. Zudem konnten sie mehrere Tore aus Einwürfen erzielen. Im Spiel gegen Alkmaar und Sporting konnte Raguz nach einem weitergeleiteten Einwurf einen Treffer machen.
Auch nach Ecken konnten sie einige Tore erzielen. Der gegnerische Tormann wird meist von Frieser zugestellt, sodass es der Schlussmann beim Herausgehen schwerer hat. Vier Spieler versuchen die Flanke zu erwischen. Meistens wird die Ecke auf die Höhe des Fünfers gespielt. Zu erwähnen ist auch, dass bei beinahe jeder Ecke ein zweiter Spieler zur Eckfahne geht, um möglicherweise zwei Gegenspieler aus dem Sechzehner herauszuziehen.

Schnelles Umschaltverhalten kreiert Tore

So wie beim Ligakonkurrenten RB Salzburg hatte auch das Umschaltspiel einen großen Wert im Spiel der Linzer. Nach einem Ballverlust wurde Mithilfe des Gegenpressings der Gegner sofort wieder aggressiv attackiert. Oft bis zu vier Spieler pressten den Ballführenden an und versuchten so schnell wie möglich den Ball zurückzuerobern. Zu sehen war, dass vor allem die Pass-/Dribbeloption nach vorne als erstes zugestellt wurde, sodass er sich oft noch umdrehen musste und mehr Zeit am Ball verbrauchte. Die gewonnene Zeit half den Linzern natürlich mehr Spieler in das Gegenpressing zu bekommen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie den Ball zurückerobern konnten.

Nach einem Ballgewinn versuchten die Linzer spätestens nach dem zweiten Pass vertikal nach vorne zu spielen. Das bedeutet, dass sobald die Österreicher den Ball eroberten so schnell wie möglich nach vorne spielten. Dabei half auch, dass Goiginger und Frieser mehrmals auf einen Ballgewinn „zockten“. Das heißt, sie sprinteten schon in die Tiefe bevor einer ihrer Mitspieler einen Ball sicher hatte und einen Pass nach vorne spielen konnte. Der Vorteil war, dass sie einen größeren Abstand zu ihreb Gegnern hatten und dadurch auch noch besser die Unordnung des Gegners ausnutzen konnten. Zusätzlich waren die Spieler immer sehr aktiv, um eine Unordnung der gegnerischen Mannschaft auszunutzen. Egal um welche Situation es sich handelte, die Spieler versuchten ständig einen Weg zu finden, so schnell wie möglich vor das gegnerische Tor zu kommen. Wie zum Beispiel im Auswärtsspiel gegen Eindhoven, als die Linzer einen Freistoß im Mittelfeld bekamen. Sofort nahmen sie den Ball und führten den Freistoß schnell aus. Dadurch konnten sie gleich das Mittelfeld des Gegners überbrücken und in der Anschlussaktion ein Tor erzielen.

Die Schwächen der LASK Taktik

In einigen Spielen ergaben sich mehrere Probleme im Spielstil der Linzer. Vor allem gegen Mannschaft die dominant im Ballbesitz agieren wollten. In den Spielen gegen Lissabon und Alkmaar ergaben sich immer wieder größere Lücken im Raum zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld. Besonders gegen Sporting war der Abstand von der Abwehr und dem Mittelfeld sehr groß, wenn der LASK hoch anpresste. Beide gegnerischen Sechser kamen im Spielaufbau sehr nahe und zogen die beiden zentralen Mittelfeldspieler der Linzer weiter nach vorne. Dadurch ergab sich ein größerer Abstand zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld. Die Innenverteidiger von Sporting hätten Chipbälle zu den Stürmern spielen können und so gleich fünf Spieler der Linzer überspielt. Allerdings konnte weder Sporting noch Alkmaar diesen großen Abstand richtig ausnützen. Nur PSV konnte ein paar Mal diese etwas größere Lücke in ihrem Heimspiel ausnutzen, um in die gegnerische Hälfte zu kommen. Jedoch war der Abstand bei den Linzern in diesem Spiel nicht immer so groß, wie bei den anderen Partien.

LASK Taktik

Zusätzlich gab es auch Probleme im Zwischenlinienraum, wenn der Gegner über die Flügel spielte und daraufhin zwischen die Abwehr und dem Mittelfeld passte. Peter Michorl und Holland hatten einige Probleme den Raum hinter sich richtig zu schließen. Sie konnten selten die Gegenspieler in den Deckungsschatten stellen oder auch in einen Zweikampf kommen. Der Abstand zwischen der Abwehr und dem Mittelfeld war viel zu groß und Gegenspieler konnten mehrmals ohne Probleme in diesen Raum angespielt werden.

Zu erwähnen ist noch, dass es zum Zeitpunkt des Spieles gegen Manchester United mehrere Ausfälle gab und die geringe dichte im Kader zum Vorschein kam. Goiginger zog sich einen Kreuzbandriss zu und Filipovic war auch noch verletzt. Gegen den englischen Verein musste der LASK mit einigen Spieler auflaufen, die auch nicht in der Bundesliga viel Spielzeit bekamen. Diesen Spielern fehlte die Spielpraxis und dadurch waren nicht immer alle Entscheidungen Situationsgerecht. Zusätzlich überragte vor allem bei den Mittelfeldspielern von Manchester die individuelle Klasse. Mehrere Spieler konnten sich problemlos aus 1 gegen 1 Situationen lösen.

Fazit

Der LASK spielte eine hervorragende Europa League Saison. Nicht nur konnten sie überraschend den ersten Platz in ihrer Gruppe belegen, sondern konnten auch bis zur 60. Minute gegen ein starkes Manchester United mithalten. Das hohe Pressing und das schnelle Umschalten zogen sie in allen Spielen konsequent durch und stellten viele Mannschaften vor einigen Problemen. Besonders das schnelle Umschalten nach einem Ballgewinn brachte sie zu vielen Abschlussmöglichkeiten und Toren. Der LASK zeigte, dass man auch mit geringeren finanziellen Mitteln und einer Spielphilosophie, die man seit Jahren und mehreren Trainern verfolgt, im europäischen Fußball erfolgreich sein kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.