Wie und warum Gegenpressing funktioniert

Vom Gegenpressing sollte inzwischen jeder Fußballbegeisterte schon einmal gehört haben. Seit Trainer wie Jürgen Klopp oder Pep Guardiola auf der großen Bühne des europäischen Fußballs stehen, wird viel über diese taktische Maßnahme gesprochen und sogar als Schlüssel zum Erfolg in der heutigen Zeit ausgemacht.

Gegenpressing ist eine der de facto zwei Möglichkeiten dir Spielphase des Umschalten nach Ballverlustes zu bescheiten. Es bedeutet sofort nach dem man den Ball verloren hat, diesen wiederzugewinnen zu wollen. Die zweite Möglichkeit wäre, sich im Verbund fallen zu lassen um den Gegenangriff abzuwarten und zu verteidigen.

Was Gegenpressing bedeutet ist also klar. Warum und wie der Ball zurückerobert werden soll, ist allerdings vielschichtiger. Zuerst zum Warum: Die Ansätze des Gegenpressings hängen von der Spielphilosophie des ausführenden Teams ab. Wenn beispielsweise der FC Barcelona nach Ballverlust die Rückeroberung anstrebt, tun sie das, weil sie den Ball zurück haben wollen, da ihre Philosophie ist, die dominante und ballbesitzende Mannschaft auf dem Feld zu sein. Der etwas verbreitete Ansatz ist aber der, den Konter zu unterbinden. Auch deshalb wurde, bis man auch im Englischen das Wort Gegenpressing kannte, ganz einfach Counter-Pressing dazu gesagt. Da die Gründe von taktischen Maßnahmen wie dieser nicht immer ersichtbar sind, ist es viel interessanter die Möglichkeiten anzuschauen, wie Gegenpressing gespielt werden kann. Dazu im Folgenden jeweils zur Länge und Positionsspiel 2 Optionen.

Beim Positionsspiel gibt es inzwischen dadurch, dass viele Trainer das Modell genommen und verfeinert haben verschiedene Ausführungen. Eine sehr verbreitete ist es, möglichst viele ballnahe Spieler den Ballführenden des gegnerischen Teams zu pressen, während die restlichen Spieler des eigenen Teams eine Position näher in Ballrichtung zustellen (Verschieben). Dabei werden ballferne Spieler komplett außer Acht gelassen. Das ist aus zwei Gründen möglich: Zum einen ist ein Spieler eher selten in der Lage, bei so hohem Druck einen akkuraten Flugball auf die andere Seite zu spielen und zum Anderen kann die pressende Mannschaft entweder in die Defensivformation fallen wenn der Ball gespielt wird oder mit dem Ball auf die andere Seite schieben.

Eine andere Möglichkeit ist es, dass der ballnächste Spieler konstant Druck macht, während die anderen ballnahen Spieler mannorientiert Passwege zustellen. Wenn das gegnerische Team es schaffen sollte, trotzdem einen erfolgreichen Pass zu spielen, wechselt der Pressingspieler und der vorherige stellt auch Passwege zu.

Wichtig beim Gegenpressing ist aber auch, darüber nachzudenken, wie lange man es ausführt wenn man nicht sofort den Ball gewinnt. In diesem Fall ist die einzig richtige Entscheidung in die Defensivformation zu fallen, damit man dem Gegner nicht noch größere Räume für den Konter bietet. Beispielsweise kann die Vorgabe sein, sobald der Gegner es schafft eine bestimmte Anzahl von Pässen (2-3) während des Gegenpessings zu spielen, es aufzulösen und zu fallen. Eine andere Möglichkeit ist, das Pressing auf eine bestimmte Zeit zu begrenzen. Viele Trainer arbeiten hierbei mit 6 Sekunden Gegenpressing, wobei es aber auch einige Variationen gibt.

Normalerweise stellen wir an dieser Stelle bei taktischen Schwerpunkten auch
immer nochmal Vorschläge wie ein Aspekt denn überhaupt trainiert werden kann. Beim Gegenpressing ist das etwas schwerer als bei vielen anderen fußballspezifischen Inhalten. Natürlich gibt es Übungen wie modifizierte Rondos welche sich besonders gut eignen. Wichtiger als bei den meisten Schwerpunkten ist jedoch beim trainieren von Gegenpressing das Coaching. Immer wieder die Spieler daran zu erinnern, dass sie in der Situation bleiben, anstatt ihrem Ballverlust nachzuschauen. Immer bewusst darüber sein, dass man jeden Moment umschalten können muss. Und wenn man seine Spieler lange genug damit nervt, kommen sie auf die Idee, dass der Ballverlust, zwar nicht gut ist, aber gleichzeitig eine große Chance den Ball wiederzugewinnen. An diesem Punkt kann man dann ein Gegenpressing in einer Mannschaft etablieren.


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