Marcelo Bielsa und seine Amtszeit in Chile

8. Juli 2007: Chile verliert mit 1:6 im Viertelfinale der Copa America gegen Brasilien. Vorher gab es bereits Beschwerden wegen unprofessionellen Verhaltens der Spieler. Seit der WM 1962 im eigenen Land konnte Chile dreizehn WM-Spiele in Folge nicht mehr gewinnen. Der chilenische Fußball war am Boden.

27. Juni 2016: Francisco Silva verwandelt den neunten Elfmeter im Elfmeterschießen gegen Argentinien. Chile gewinnt zum zweiten Mal in Folge die Copa America. Die Startelf kommt auf über 1100 Länderspiele. Eine goldene Generation krönt sich.

Die neun Jahre zwischen diesen beiden Momenten waren eine faszinierende Phase, in der eine für dieses Land einmalige Generation an talentierten Spielern auf die Philosophie eines der größten Taktik-Pioniere traf.

Nach der Copa America 2007 wurde Marcelo Bielsa nach dreijähriger Pause vom Trainer-Geschäft als Trainer Chiles angestellt. Er übernahm eine talentierte Mannschaft. Bei der U20-WM im selben Jahr erreichte eine Mannschaft um Arturo Vidal, Alexis Sanchez und Gary Medel das Halbfinale. Neben der Arbeit mit der Nationalmannschaft musste Bielsa jedoch auch den Umgang mit Fußball professionalisieren. Er reiste durchs ganze Land und implementierte seine Ideen, die den Grundstein für die kommenden Erfolge legen sollten.

In seinem ersten Pflichtspiel musste Bielsa ausgerechnet gegen sein Heimatland Argentinien ran, das zudem der größte Angstgegner Chiles ist. Das Spiel ging letztlich 2:0 verloren, aber es waren bereits Prinzipien zu erkennen, die seine gesamte Amtszeit prägten.

La Roja startete im 3-Raute-3. Diese Formation nutzte Bielsa im Großteil der WM-Qualifikations-Spiele. Bielsa, der sehr mannorientiert verteidigen lässt, spiegelte im Mittelfeld so das zu dieser Zeit in Südamerika von vielen Nationalteams genutzte 4-Raute-2/4-3-1-2.

In dieser Partie sorgte das für viele Eins-gegen-Eins-Duelle, zumeist aber noch mit negativem Ausgang für Chile. Oft konnte man sich nur mit taktischen Fouls aushelfen. In der ersten Hälfte musste Marcelo Bielsa Gonzalo Fierro bereits gelb-rot gefährdet auswechseln. In der zweiten Hälfte kassierte Innenverteidiger Cristian Alvarez innerhalb von zwei Minuten zwei gelbe Karten. Aus dem Spiel heraus ließ man so zwar wenig zu, aber kassierte zwei direkte Freistoß-Gegentore durch den Zauberfuß Juan Roman Riquelmes.

An dem grundsätzlich mannorientierten Verteidigen veränderte Bielsa in seiner Amtszeit wenig. Besonders auf individualtaktischer Ebene verbesserten sich seine Spieler in dieser Zeit aber enorm. Das Musterbeispiel hierfür ist Gary Medel, der sich als Innenverteidiger darauf spezialisierte, im richtigen Moment herauszurücken, Pässe zu antizipieren und in den meisten Fällen den Ball auch fair gewann.

Während die Idee gegen den Ball schon zu erkennen war, braucht das Spiel mit dem Ball deutlich länger, um sich zu entwickeln. Insgesamt war die Anfangsphase noch etwas durchwachsen. Zum Ende der WM-Qualifikation stellte sich aber Erfolg ein. Von den letzten neuen Quali-Spielen verlor man nur noch eins, gegen Brasilien. Am Ende beendete man die Qualifikation auf Platz Zwei, einen Punkt hinter Brasilien, und stellte mit Humberto Suazo den Top-Torschützen. Des Weiteren wurden die jungen Talente um Vidal, Sanchez und Medel in die Startelf integrierte, während Claudio Bravo nach dem Ende der Nationalmannschafts-Karriere von Marcelo Salas zum Kapitän wurde.

Vor der WM 2010 experimentierte Marcelo Bielsa in einigen Freundschaftsspielen noch mit anderen Formationen, vor allem dem 4-2-3-1, 3-4-3 und 4-3-3. Ziel war es, eine höhere Flexibilität zu erreichen, sich besser auf die Gegner anpassen zu können, aber trotzdem die eigenen Prinzipien umzusetzen.

So erreichte die Elf Bielsas pünktlich zur WM ihre Bestform. Bei der WM präsentierte man sich flexibel, exekutierte sowohl mit als auch gegen den Ball den taktischen Plan gut. Somit eignet sich die WM auch perfekt, um Bielsas Ideen mit dem Ball genauer zu analysieren.

Im Auftaktspiel gegen Honduras startete man in einem 4-2-3-1. Arturo Vidal startete, wie oft unter Marcelo Bielsa, als Linksverteidiger. Vor der restlichen Abwehr um Ponce, Medel und Isla agierte der smarte Carlos Carmona als absichernder Sechser. Sein Partner auf der nominellen Doppelsechs, Gonzalo Millar, schaltete sich zumeist weiter vorne im Zwischenlinienraum ein. Er und Zehner Matias Fernandez, der als kreativer Zehner lange unersetzlich für Bielsa und einer der Stars des Teams war, besetzten die Halbräume, ließen sich aber auch immer wieder situativ fallen, um eine Anspielstation zu bilden. Die Viererkette blieb dabei im Aufbau sehr flach. Zumeist wurde der Ball zwischen Innenverteidigern, Außenverteidigern und Sechser zirkuliert, bis sich eine Lücke für einen Schnittstellenpass auftat.

Marcelo Bielsa

Diese Schnittstellenpässe wurden zwar klar priorisiert, immer wieder aber auch längere hohe Vertikalpässe oder Diagonalpässe der Außenverteidiger eingestreut. Ein Problem, das sich teils ergab, war der Abstand zwischen den fünf Aufbauspielern und den fünf Offensivspielern. Ließ sich keiner fallen oder bot sich zwischen den Linien an, fiel ein schneller Ballvortrag schwerer.

In den meisten Fällen gelang dieser aber. Hier offenbarte sich der Plan für das letzte Drittel. Mit Jorge Valdivia stellte Marcelo Bielsa einen Stürmer mit großem Bewegungsradius und nicht den Top-Torschützen Humberto Suazo auf, den Bielsa zwar taktisch auch erheblich verbesserte, aber im Kombinationsspiel nicht an das Level Valdivias herankam. Valdivia bewegt sich oft aus dem Sturmzentrum raus und unterstützte einen der Flügelspieler, Jean Beausejour oder Alexis Sanchez.

Die grundsätzliche Idee dahinter ist recht simpel: Überzahl auf dem Flügel erzeugen. Wie man dies versuchte umzusetzen und aufzulösen, war jedoch nicht ganz so simpel. Chiles Spiel basierte unter anderem auf dem Prinzip Bielsas stets den vordersten freien Mitspieler zu suchen. So gestaltete sich das Spiel sehr vertikal. Innenverteidiger und Außenverteidiger suchten oft bereits den Stürmer, wohlgemerkt nicht durch hohe Bälle, sondern stets per scharfem Flachpass.

Besonders gerne spielten die Außenverteidiger leicht diagonalen Pässe auf einen etwas kurzkommenden Valdivia. Der Passempfänger war den Ball im Regelfall direkt mit dem ersten Kontakt wieder los. Er konnte den Ball entweder direkt auf einen Mitspieler mit Blickrichtung zum gegnerischen Tor klatschen lassen oder den Ball zur Seite ablegen und gleichzeitig direkt aufdrehen, um einen Tiefenlauf zu starten. Alternativ ließ der Stürmer den Ball auch einfach für einen weiteren Mitspieler durch und drehte danach auf und startete denselben Laufweg.

Grundsätzlich hatte Valdivia immer mindestens zwei Anspielstation: Einen Spieler zur zentralen Ablage (Matias Fernandez oder Millar) und einen der beiden Außenbahnspieler. Nach dem Pass rückte der Außenverteidiger ebenfalls gerne mit auf, auch der ballferne Zentrumsspieler rückte nach. So ergaben sich schnell Dreiecke und Rauten, die man elegant ausspielte.

Marcelo Bielsa

Diese großen Überzahl-Verhältnisse bilden eine gute Ausgangsposition für das elementar wichtige Gegenpressing. Chile wurde besonders aufgrund diesem zu einem sehr unangenehmen Gegner. Nach Ballverlusten erzeugten sie regelrechte Jagdszenen. Die Aufgabe des Spielers, der den Ball verlor, war es, direkt auf den Gegenspieler Druck auszuüben und ihn mit höchster Intensität anzulaufen. Die anderen ballnahen Spieler verdichteten derweil den Raum um den gegnerischen Ballführenden. Dabei liefen sie ihn aber nicht mit an, sondern stellten mögliche Passwege zu. So konnte eine gewisse Absicherung kreiert werden, die auch nötig war, da das Aufrücken vieler Spieler in einen Raum andere Räume offener ließ. Besonders im Umschaltspiel war Chile so vertikal einfacher angreifbar und darauf angewiesen, dass Spieler ihre Eins-Gegen-Eins-Duelle gewannen. Das sollte sich später noch als Problem herausstellen.

Gegen Honduras überzeugte man aber erstmal spielerisch, gewann jedoch nur mit 1:0. Gegen die Mittelamerikaner hatte man den Großteil des Ballbesitzes und wurde defensiv nicht gefordert, letztlich spielte man sich aber selber etwas zu wenig Chancen heraus. Die Außenräume wurden planmäßig überfüllt, aber da Honduras hier auch viel Personal abstellte, verdichtete sich der Raum so sehr, dass ein gezieltes Durchspielen nur noch schwer möglich war. Auch deswegen stellte Marcelo Bielsa nach 50 Minuten auf eine Dreierkette um. Vidal und Isla rückten auf die Position der Flügelverteidiger vor und konnten immer wieder per Seitenwechsel freistehender eingebunden werden.

Das entscheidende Tor fiel aber bereits vorher und nach dem exakt gewünschten Prinzip. Matias Fernandez konnte im rechten Halbraum angespielt werden und ohne Gegnerdruck aufdrehen. Gleichzeitig startete Mauricio Isla einen hinterlaufenden Laufweg und wurde perfekt durch die Schnittstellen zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger geschickt. Von dort legte er den Ball zurück auf Beausejour. Dieser startete im richtigen Moment von seiner Außenposition ins Zentrum. Dieses verließ der dafür zuständige Innenverteidiger Honduras´, nachdem er den sich fallenlassenden Valdivia verfolgte.

Im zweiten Spiel gegen Ottmar Hitzfelds Schweiz passte Marcelo Bielsa sein Ausgangssystem an. Gegen die im 4-4-2 abwartend agierende Alpenrepublik stellte er wie schon im Spiel gegen Honduras auf eine sehr offensive Dreierkette um. Vor den drei Innenverteidigern war Carmona erneut der einzige absichernde Sechser, Matias Fernandez der zweite Zentrumsspieler stand deutlich höher. Die Flügel waren mit Vidal und Beausejour links sowie Isla und Sanchez rechts doppelt besetzt, während die klassischere Neun Suazo im Sturmzentrum starten durfte.

Marcelo Bielsa

Chile biss sich erneut lange an einem defensiven Gegner die Zähne. Nach einer halben Stunde sah Valon Behrami zudem eine streitbare rote Karte und die Schweiz mauerte noch mehr. Marcelo Bielsa hatte einige weitere spannende Ideen, zum Beispiel die gewohnten Diagonalpässe von Außenverteidiger auf Stürmer, die dann aber gefolgt wurden von einem energischen Vorderlaufen des Außenverteidigers. So stieß besonders Isla immer wieder energisch ins Zentrum vor. All das hatte aber wenig Effekt.

Tatsächlich offenbarte dieses Spiel einige Probleme, die Chile unter Bielsa mit dem Ball hatte. Man spielte sich häufig wunderbar ins letzte Drittel, kam aber nicht hinter die letzte Kette. Da La Roja auch nahezu nie flankte, spielten sie sich oft fest. Fernschüsse waren, vor allem mit dem Jabulani ein gern genutztes Mittel, aber viel öfter verzettelte man sich mit sehr vielen Spielern in einem sehr kleinen Raum.

Das erneut entscheidende 1:0 fiel passenderweise genau dann, als das Feld weit geöffnet war. Die Schweiz stand ungewöhnlich hoch. Der eingewechselte Valdivia ließ sich bis an den Mittelkreis fallen und schickte den ebenso eingewechselten Stürmer Esteban Paredes hinter die letzte Kette. Die Abseitsfalle der Schweiz schlug ganz knapp nicht zu, Paredes umkurvte Diego Benaglio und flankte den Ball ins Zentrum auf den dritten Einwechselspieler Mark Gonzalez, der nur noch ins leere Tor einköpfen musste. Mit Raum hinter der gegnerischen Kette funktionierte das Spiel Chiles in diesem Moment perfekt.

Der kommende Weltmeister Spanien musste gegen Chile im dritten Gruppenspiel gewinnen, um sicher weiterzukommen. Dieses Spiel wurde auch das Einzige, in dem die Spielkontrolle nicht bei der Mannschaft von Marcelo Bielsa lag. Stattdessen verteidigt man sehr mannorientiert. Spanien bracht eine etwas asymmetrische Elf auf den Platz mit Villa und Iniesta auf den Flügeln. Iniesta agierte dabei deutlich höher und eingerückter als Villa. Chile passte sich dahingehend an, in dem sie eine Art 3-4-3 auch sehr asymmetrisch interpretierten, sodass es oftmals eher nach einer Dreierkette aussah.

Es ergaben sich einige klar ersichtliche Mannorientierungen. Medel war zum Beispiel für Villa zuständig. Durch bogenförmiges Anlaufen versuchte Valdivia den Ball immer wieder auf Spaniens spielschwächere linke Seite zu lenken. Dort lief Sanchez Linksverteidiger Capdevilla auch mit Winkel an, sodass nur noch der Pass auf Villa möglich war. Medel nutzte in diesen Situationen seine Stärke beim Antizipieren von Pässen und stoppte einige Angriffe Spaniens.

Zum großen Problem Chiles wurde jedoch die Absicherung durch den Sechser. Der bisher starke Carmona fiel gelb-gesperrt. Für ihn musste Marco Estrada einspringen, der in der Vorbereitung auf die WM eine eher untergeordnete Rolle spielte. Ausgerechnet er wurde dann auch noch mit einer der schwersten Aufgaben, dem Manndecken Xavis, aufgetragen. Das funktionierte jedoch überhaupt nicht. Nach 21 Minuten kassierte er für sein erstes taktisches Foul die gelbe Karte. Wenig Minuten später hätte er bereits mit gelb-rot vom Platz fliegen können. Das geschah dann erst nach 37 Minuten und war nur ein minimales Vergehen, wirkte aber bereits überfällig.

Zu diesem Zeitpunkt lag Chile auch schon 2:0 hinten. Das 1:0 fiel nach einem langen Ball auf Fernando Torres, den Claudio Bravo etwas falsch einschätzte, anschließend weit aus seinem Kasten kam und in den Fuß von Villa klärte, der nur noch das leere Tor treffen musste. Vor dem 2:0 verlor man den Ball bei der Ballzirkulation zwischen den Innenverteidigern nach einem etwas ungenauen Pass und einer schlechten Ballannahme. Iniesta vollendete den anschließenden Gegenangriff.

Es waren recht simple, auch individuelle Fehler, die aber trotzdem erneut einige Anfälligkeiten aufzeigten.  Durch die hohe Linie stellten Bälle hinter die Kette stets eine Gefahr dar. Zudem waren Ballverluste im Aufbau in diesem System noch gefährlicher, da die Mittelfeldspieler zumeist weit entfernt von den Verteidigern standen und nach Ballverlust viel Strecke zum Ball zurücklegen mussten. Passenderweise handelte sich Estrada beim Versuch Torres´ Laufweg zu stoppen, genau in diesem Moment die zweite gelbe Karte ein. Der Schiedsrichter ließ den Vorteil laufen und das 2:0 fiel auch noch.

Direkt nach der Halbzeit zeigte sich der Bielsa-Fußball nochmal von seiner schönsten Seite. Innenverteidiger Ponce spielte einen typischen flachen Vertikalpass auf den eingewechselten Stürmer Esteban Paredes, der sich dafür etwas fallen ließ. Er lässt den Ball auf Isla prallen, während der auch eingewechselte Millar die Position mit Paredes tauscht und nach vorne in den Zwischenlinienraum aufrückt. Isla legt derweil noch ein weiteres Mal zurück auf Ponce, der nun den passenden Winkel hat, um Millar anzuspielen und damit fünf gegnerische Spieler auszuhebeln.

Erneut lässt der Passempfänger den Ball klatschen, diesmal auf den etwas aufgerückten Isla. Der kann direkt Alexis Sanchez hinter der nächsten Linie anspielen. Sanchez kann kurz aufdrehen, legt den Ball dann nochmal rüber auf Millar, der seinen Laufweg fortgesetzt hat. Vom Sechzehnerrand schließt dieser ab. Sein Schuss wird letztlich abgefälscht, in seiner Entstehung ist dieses Tor aber purer Bielsa-Fußball, wie es ihn besser kaum gibt. Garniert wurde das Ganze noch durch geniale Laufwege von Paredes, der durch einen Tiefenlauf zwei Gegenspieler mitzieht und Sanchez so freimacht, sowie Medel, der den Spielzug als Rechtsverteidiger beginnt, zwischenzeitlich auf dem rechten Flügel weilt und als Sechser abschließt.

Viel half dieses Tor am Ende aber doch nicht mehr. Spanien killte das Spiel in Überzahl vorwiegend durch Ballgeschiebe. Spanien umging als Erstplatzierter im Achtelfinale so Brasilien, auf die nun Chile traf. Ein Horror-Los für La Roja. Brasilien gewann nicht nur das letzte Aufeinandertreffen bei einem großen Turnier, der Copa America 2007, sondern auch die beiden WM-Qualifikations-Spiele, insgesamt mit einem Torverhältnis von 7:2.

Brasilien war zu diesem Zeitpunkt keine Mannschaft, die den Fußball zelebrierte. Besonders gegen Chile gab man sich gerne auch mit weniger Ballbesitz zufrieden, zeigte sich dafür dann aber offensiv gnadenlos effektiv. So sollte es auch in diesem Spiel sein.

Luan brachte Brasilien nach 34 Minuten per Kopfball nach einer Ecke in Führung. Nicht mal fünf Minuten später vollendete Luiz Fabiano einen Konter zum 2:0. In Spielminute 59 entschied Robinho die Partie. Nach einem etwas unkoordinierten langen Ball marschierte Ramires unangetastet durchs Mittelfeld, das sich in seiner Zuordnung unsicher schien. Er musste nur noch auf Robinho ablegen, der aus circa 16 Metern sicher einschob. Chile scheiterte erneut an Brasilien.

Es ist durchaus bezeichnend, dass Brasilien kein eigenes Tor aus geordnetem Ballbesitz erarbeitete. Chiles Pressing-Plan funktionierte erneut gut. Chile hatte deutlich mehr Spielkontrolle. Auf der linken Seite im 4-3-3 gab es zwischen Vidal, Beausejour und Mark Gonzalez einige ansprechende Positionswechsel. All das half aber wenig. Brasilien stellte in einem 4-Raute-2 das Zentrum zu und Chile kam nie in gefährliche Räume.

Marcelo Bielsa verließ Südafrika somit ohne Titel, aber immerhin nachdem er seinen Stil implementiert hat und seine gesamte taktische Flexibilität gezeigt hat. Für ihn blieb die WM aber das einzige große Turnier in einer dreieinhalbjährigen Amtszeit. Im Februar 2011 war seine Zeit als Nationaltrainer Chiles vorbei, sein Einfluss jedoch nicht.

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