Newsletter 2 – 3 Gedanken

Ich hoffe euch hat mein letzter Newsletterbeitrag gefallen, dieses Mal habe ich wieder drei Gedanken für euch.

Unser größtes Hindernis ist unser Kopf

Wer kennt es nicht, an manchen Tagen geht einfach alles schief. Die erste vergebene Chance, der erste verlorene Zweikampf oder der erste Fehlpass, ab da wird es nur noch schlechter – ein komplett gebrauchter Tag. Während im Training alles gelingt, stellt der einfachste Querpass im Spiel bereits eine Herausforderung dar – okay, vielleicht etwas übertrieben. Aber ich glaube ihr versteht was ich meine.

Ich weiß nicht wie es euch geht, allerdings hatte ich oft Trainer, die dann lauter wurden, sich über Fehler aufregten und einen auch mal anschrien. Andere legen im nächsten Training einen Schwerpunkt auf die Basics. Zurück zu den einfachen Passübungen, um erst einmal die Grundlagen zu meistern.

Natürlich gibt es Tage, an denen ein Spieler unkonzentriert ist, allerdings ist das wohl eher die Ausnahme und nicht die Regel. Manche Spieler performen einfach immer schlechter im Spiel als im Training. Des Weiteren liegen diese schwachen Leistungen nicht daran, dass die Spieler technisch nicht in der Lage sind einen einfachen Schuss im Kasten unterzubringen oder einen Pass über 10 Meter zum Mitspieler zu spielen.

Was ist also das Problem? Die Spieler denken zu viel nach.

Richtig gehört, Spieler können zu viel auf dem Platz denken. Jeder der eine Einzelsportart wie Tennis oder Tischtennis bereits gespielt hat, wird es kennen. Bei diesen Sportarten herrscht ein dauerhafter innerer Dialog/Monolog. Man redet mit sich selbst, regt sich über sich selbst auf, macht sich selbst schlecht oder lobt sich überschwänglich. Das passiert nicht nur beim Tennis, sondern auch während eines Fußballspiels im Kopf eines Spielers. Dieser innere Dialog, egal ob positiv oder negativ, ist das Problem.

Zumindest wenn man dem Buch the inner game of tennis glauben mag. Ein Buch, auf das Starcoaches wie NBA-Coach Steve Kerr oder NFL-Coach Pete Carroll schwören. Als Timothy Gallwey das Buch schrieb, hat er wohl nie gedacht, dass es so ein Erfolg wird. Schließlich schrieb er einfach nur über Tennis. Warum feiern also so viele Trainer außerhalb des Tennissports dieses Buch?

Ganz einfach, es birgt sehr viele wichtige Lehren, die auf jede Sportart und auch auf den Alltag angewendet werden können. Es geht dabei um entspannte Konzentration. Das Ziel sollte es sein, den inneren Dialog nicht mehr zu führen. Stattdessen geht es darum den Körper machen zu lassen und nicht jede einzelne Aktion zu durchdenken. Denn unser Körper weiß wie man einen richtigen Pass spielt oder den Ball aus 20 Metern im Tor unterbringt. Meist ist unser eigener Kopf das größte Hindernis.

Um dieses Hindernis zu überwinden, müssen wir damit beginnen Aktionen nicht sofort in gut und schlecht einzuordnen, sondern letztlich erst einmal neutral als gegeben ansehen. Denn das Problem ist, wenn wir alles in gut und schlecht einteilen, bewerten wir uns selbst und dies führt oftmals zum Verlust von Selbstvertrauen. Gelingt dann auch die nächste Aktion nicht, führt das zu einem negativen Kreislauf, der Spieler verliert das Vertrauen in seine Fähigkeiten und bleibt hinter seinen Möglichkeiten.

Interessanterweise verhält es sich ähnlich mit positivem eigenem Feedback. Pushe ich mich selbst für eine gute Aktion, kann dies dazu führen, dass ich meine nächsten Aktionen an dieser Messe. Kommen die nächsten Aktionen nicht an diese Messlatte heran, hat dies wieder negative Auswirkungen auf mein Selbstvertrauen.

Letztlich ist es unsere Aufgabe als Trainer eine Kultur zu schaffen, in der Fehler als normaler Teil des Spiels wahrgenommen werden und nicht als etwas Positives oder Negatives gesehen werden. So können wir unseren Spielern dabei helfen sich auf den Moment zu konzentrieren und nicht den inneren Monolog zu führen, der blockiert.

Trainer als Vorbild, was bedeutet das eigentlich?

Zu aller erst ist es wichtig sich dem Einfluss, den man insbesondere auf Kinder hat, bewusst zu werden. Gerade, wenn die Kinder in die Pubertät kommen, suchen sie sich Vorbilder, denen sie nacheifern können. Erwiesenermaßen spielt ein Trainer dabei eine prägende Rolle, ist er doch mindestens zweimal die Woche für 90 Minuten die Respektsperson auf dem Platz.

Folglich beeinflusst unser Verhalten auf und neben dem Platz die jungen Spieler oder Spielerinnen. Brüllen und beleidigen wir den Schiedsrichter während des Spiels, sollten wir uns nicht wundern, dass unsere Spieler ebenfalls keinen Respekt zeigen. Sind wir nicht in der Lage anzuerkennen, dass der Gegner an diesem Tag stärker war, warum sollten es die Spieler dann schaffen?

In der sehr spannenden Folge 3 des Flying Coaches Podcast mit Pete Carroll und Steve Kerr drehte sich vieles um den Begriff lead by example. Wir können nicht von unseren Spielern ein Verhalten erwarten, dass wir selbst nicht an den Tag legen.

Bevor wir über Werte sprechen oder Spielern sagen wie sie sich zu verhalten haben, müssen wir Trainer mit gutem Beispiel vorangehen. Insbesondere Kinder orientieren sich am Verhalten der Erwachsenen Personen in ihrem Umfeld. Speziell deshalb sollten wir Werte wie Respekt, Teamgeist, sich gegenseitig zu unterstützen oder Erfolge anderer anzuerkennen und zu würdigen, selbst vorleben.

Allerdings sind es nicht nur diese Werte, die wir als Trainer vermitteln können. Auch Dinge wie Allgemeinbildung, Interesse an Neuem oder Respekt anderer Kulturen sind vermittelbar. Nicht ohne Grund ist Sport einer der besten Wege Menschen anderer Herkunft zu integrieren und weltoffene Menschen zu formen.

Bei der Recherche für diesen Beitrag bin ich mal wieder auf Gregg Popovich und die San Antonio Spurs gestoßen. Rund um die Championship-Jahre wohl eins der diversesten Teams der NBA. Eine Eigenschaft, die alle Spieler sehr wertschätzten und das Team auszeichnete. Dabei finde ich es ausgesprochen spannend, wie Coach Gregg Popovich versucht den Horizont der Spieler zu erweitern und durch Kleinigkeiten das Interesse der anderen Spieler für die Kultur eines Spielers anzuregen.

Auch wir Trainer im Amateurbereich können uns kleine Details von Popovich abschauen, um Aspekte wie Weltoffenheit und Neugier in unseren Spielern zu fördern. Denn Popovich nutzt dafür des Öfteren nur kurze Ansprachen. Beispielsweise stellt er während einer Teamansprache eine Frage, die sich beispielsweise um die Hauptstädte der Nachbarländer der USA dreht, oder er möchte von seinen Spielern wissen, was eine typische Mahlzeit aus Australien ist.

Natürlich wollen wir im Amateur- und Jugendfußball keine Unterrichtsstunden veranstalten, sind die Kinder doch sowieso bereits den ganzen Tag in der Schule. Allerdings können so kleine Fragen dann und wann die Kommunikation zwischen den Spielern anregen, Neugierde wecken und das Team näher zusammenbringen.

Abschließende Frage

Mein letzter Gedanke ist dieses Mal eine Frage an euch.

Ist es eine Schwäche sich verletzlich zu zeigen?

Denkt bis nächste Woche mal darüber nach, dann werde ich euch meine Einschätzung geben. Bis dahin, bleibt gesund.

Liebe Grüße

Tobias

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