Kleine Positionsspiele mit Wettbewerbscharakter

Die gegenwärtige gesundheitspolitische Lage hat weitreichende Veränderungen in allen Lebensbereichen verursacht. Betrachtet man ausschließlich den Fußball hieß es für Spieler, Trainer und Fans binnen weniger Tage ihre Tätigkeiten komplett herunterzufahren. Folglich mussten sich alle Beteiligten einer neuen Alltagsstruktur unterwerfen, welche im Nachgang auch dazu dienen sollte, sich spezifische Gedanken über das Training während der Corona-Zeit zu machen. Angesichts der umfassenden Konzeption zur Einhaltung der Hygienestandards und die verordneten Abstandsregelungen, ist eine Trainingsgestaltung im klassischen Sinne derzeit nicht durchführbar.

Die anderen Beiträge unserer Serie zum Training mit Abstandsregelung findest du hier

Mit dem Eintreten der neuen Verordnungen ist es in vielen Bundesländern wieder möglich die Sportstätten zu nutzen. Wir als Autoren haben es uns deshalb zur Aufgabe gemacht den zahlreichen Trainern unterschiedlichster Leistungsstufen kleinere Trainingsformen darzulegen, welche für die derzeitige Trainingsphase durchaus hilfreich und abwechslungsreich erscheinen können.

Die drei im Folgenden kurz, skizzierten Übungsformen sollen den Wert der Positionsspiele, in modifizierter Form, aufzeigen. Bedeutsam für die aktuellen Trainingsgegebenheiten halte ich eine stetige, provozierte Konkurrenz- bzw. Wettkampfsituation für die Spieler. Kleinere Wettkämpfe fördern nicht nur den Faktor „Spaß“, sondern generieren zusätzlich einen Rahmen, in welchem die Spieler ihre technischen und taktischen Fähigkeiten entwickeln können.

Übung 1 – „leave the shadow“

Aufbau:

  • die Spielfeldgröße kann für verschiedene Alter- und Leistungsklassen angepasst werden
  • eine grundsätzliche Empfehlung für die rote Zone wäre 2 Meter, der Abstand für das komplette für anfänglich 6 Meter betragen

Ablauf:

  • die roten Spieler spielen sich gegenseitig den Ball zu, der blaue Spieler versucht dies durch das Aufwerfen eines Deckungsschattens zu unterbinden
  • dabei herrscht zunächst keine Kontaktbegrenzung
  • Wettkampfidee: Welcher Spieler unterbindet in der vorgegebenen Zeit die meisten Zuspiele?

Coachingpunkte:

  • scharfes, zielgerichtetes Passspiel (individualtechnische Abläufe berücksichtigen z.B. Haltung Stand- Spielbein)
  • schnelle Bewegungen aus dem Deckungsschatten (Bewegungsfinten einbauen)
  • feste Positionierung einnehmen vor dem Erhalt des Zuspiels

Übung 2 – „defend your centre“

Aufbau:

  • ein Viereck abstecken, welches die Seitenmaße von 10 – 12 Meter besitzt
  • an jeder Ecke des Feldes einen Spieler stellen, welcher diese Position hält
  • ein zentrales Viereck markieren mit den ungefähren Abmaßen 4×4 Meter, in diesem Viereck 5 Kegel/Stangen platzieren, zudem befindet sich ein Spieler in diesem Feld
  • die Veränderung der Maße können als Variation aufgeführt werden

Ablauf:

  • die roten Spieler spielen sich untereinander den Ball zu, mit der Intention Diagonalpässe zu spielen, um damit die Kegel im Zentrum zu erreichen
  • der grüne Spieler im Zentrum versucht durch schnelles Verschieben innerhalb des zentralen Feldes die Ziele zu verteidigen
  • die Spieler erhalten keine Kontaktbegrenzung, da die Sinnhaftigkeit einer schnellen Ballweiterleitung verhältnismäßig schnell deutlich wird
  • 1 Gegentreffer = wenn der Kegel umgekippt ist (Trainer bringt ggf. neuen Ball in die Übung)
  • Wettkampfidee: Wie viele „Gegentreffer“ erhalte ich in einer gewissen Zeitvorgabe?

Coachingpunkte:

  • präzises und schnelles Passspiel
  • geringe Kontaktanzahl, um schnelle Weiterleitung zu gewährleisten = „offenes Zentrum“ provozieren und dann schnellstmöglich bespielen
  • offene Körperstellung, um alle Mitspieler potenziell anspielen zu können
  • individualtechnische Aspekte des Passspiels

Übung 3 – Verlagerungsrondo nach Zeb Jacobs

Zu dieser Übungsform gibt es bereits einen ausführlichen Beitrag auf unserer Seite, der zudem auch entsprechendes Videomaterial enthält. Dort werden einzelne Coaching- und Variationspunkte nochmals detaillierter aufgezeigt.

Aufbau:

  • jeweils ein Spieler besetzt ein Hütchen, welche in einem Dreieck angeordnet sind (Abstand ungefähr 5 Meter)
  • zwei Minitore werden im Abstand von 4 Meter zueinander aufgestellt
  • ein Verteidiger wird festgelegt, dieser bewegt sich ausschließlich zwischen den Toren

Ablauf:

  • die roten Spieler sollen durch schnelle Verlagerungen ein Tor erzielen
  • dieses kann durch den Verteidiger durch die Berührung des Minitores mit der Hand (verschlossen) unterbunden werden
  • es herrscht auch hier keine Kontaktbegrenzung vor
  • Wettkampfidee: Welcher Spieler kassiert während einer gewissen Zeitvorgabe die meisten Gegentreffer?

Coachingpunkte:

  • schnelle Seitenwechsel durch gezieltes Passspiel in den situativ richtigen Fuß
  • Fintierbewegungen des zentralen Spielers, um Verteidiger auf die falsche Seite zu locken
  • spieloffene Körperpositionierung für flüssigen Ablauf des Passspiels

Vielleicht sind einzelne Elemente für das eigene Training sinnvoll und lassen sich somit transferieren. Persönlich erachte ich es gerade für die Nachwuchsmannschaften wichtig den Ball bei diesen modifizierten Trainingsformen in den Vordergrund zu stellen, um trotz der Umstände in diesem Bereich weitere Entwicklungsschritte (unter einen verringerten) Störgröße zu vollziehen.

Kategorie Spielformen, Training

Julius Riemann ist seit jeher absolut fußballaffin und hat vor vier Jahren mit dem Trainerdasein begonnen. Die Trainertätigkeiten von Bielsa, Sampaoli oder Guardiola verfolgt er äußerst interessiert. Er trainiert aktuell die U15 als Co-Trainer im NLZ des 1.FC Magdeburgs. Zusätzlich ist er als Videoanalyst beim Fußballverband Sachsen-Anhalt tätig. Ihr findet ihn auf Twitter unter @julius_riemann

3 Kommentare

  1. Carsten

    Hallo Julius, eine tolle Übung. In Zeiten von Corona könnte aber das Problem bestehen, dass der mittlere Spieler das Tor mit der Hand berührt und im nächsten Durchgang der nächste Mittelspieler auch. Soll nach jedem Durchgang das Tor desinfiziert werden? VG CK

    • Julius Riemann

      Hallo Carsten, entschuldige bitte für die verspätete Antwort. Dies ist natürlich ein sehr wichtiger Aspekt. Das Desinfizieren nach jedem Durchgang ist sicherlich in diesen unumgänglich.

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